Was ist das Problem dieser Bienen?

  • Über weitere Anregungen und Gedanken würde ich mich freuen


    Naja, nach dem Raps die Pollenwaben entfernen. Viel mehr wirst du da nicht machen können.


    Und nur weil kein Raps in der Nähe ist, bedeutet das ja noch lange nicht, dass es dieses Phänomen nicht geben kann. Das, was die in diesem Jahr in die Rapsblüte gespritzt haben (Mospilan SG) wird auch im Obst und Weinbau eingesetzt.


    Da würde ich dann ebenfalls die Pollenwaben entfernen, wenn die Probleme nach Schlechtwetterperioden nicht weniger werden. Die nächsten Wochen kann ein Volk noch mehr als genug neuen Pollen sammeln, im Herbst klappt das nicht mehr unbedingt.


    Grüße Sven

  • Hallo erstmal, Vorstadtimker,


    du hast das richtig gemacht.
    Leider ist die Reaktion deiner Semiprofessionellen bei allen Imkern sehr verbreitet. Eben mit dem Ergebnis: Alles normal.
    Nein, das ist nicht normal.
    Es sind auch keine sterbenden Bienen, die den Stock, zum Schutz des "Bien" verlassen.


    Bei grenzwertig warmen Flugtagen kann es schon mal zu vermehrtem Auftreten toter Bienen um die Völker kommen, da dann mehrere abgearbeitete Bienen nicht mehr die Kraft haben ihr Ziel zu erreichen. Das ist aber ein anderes Bild.

    Was kann man tun? Die Möglichkeiten sind für unsichere (teilweise Neu-) Imker nicht so groß.
    Zunächst eine zu hohe Varroabelastung ausschließen. Schieber rein und gründlich nachzählen. Die größten "Varroa ist (fast) immer Schuld" Verfechter zählen auch "nur" auf diese Weise. (mehrere Tage)


    Den Nachweis zu führen, dass hier ein Gift im Spiel ist, ist nicht einfach. Noch schwerer ist es, einen Verursacher dazu zu finden. Will man das, dann das volle Programm. Allerdings sofort bei Auftreten des Problems. BSV herbei zur Probennahme und als Zeuge. Mehrere Zeugen schaden sicher nicht. Der Pflanzenschutzdienst muss informiert werden (vom BSV ?) ebenfalls zur Probennahme bei den eventuell für die Pestizidausbringung in Frage kommenden Kulturen.
    Dokumentieren (Handyfilm) Zeiten und Beschreibung. Bis hierher ist es schon schwierig genug. Jetzt kommt noch hinzu, dass nur wenige ein Interesse haben, ein Gift nachzuweisen. Das gibt ja nur Ärger. Die Proben müssen nicht unbedingt von der Verursacherquelle entnommen worden sein. Wer will das beurteilen. Bei den torkelnden Bienen ist es noch recht einfach, aber ich denke nur an die sehr unterschiedlichen Schichten und verschiedenen Stellen bei der Polleneinlagerung. Findet man für die Untersuchung des eingelagerten Pollens überhaupt ein unabhängiges Institut? Wenn ja, wonach sollen die suchen? Die Möglichkeiten an schädigenden Stoffen sind nun wirklich sehr vielfältig. Wie sieht es mit den verwendeten Klebern und Haftmitteln aus? Es kommen noch mehrere weitere Schwierigkeiten hinzu.


    Ich für meinen Teil habe hier resigniert und versuche, so gut es geht, möglichen Schädigungen durch Flucht auszuweichen. Allerdings verschweige ich die Probleme auch nicht. Insbesondere beim Endkunden, dem Honigkäufer und den am Stand vorbeikommenden, interessierten Wanderern. Viele davon fragen nach dem "Bienensterben". Sie haben eine ausführliche Antwort verdient.


    Das ist jetzt alles wieder etwas am Ziel der Frage vorbei.
    Es könnte (ganz persönliche Meinung) auch noch ein Kälteschaden sein. Die Bienen haben sich einfach übernommen in der Brutnestgröße. Hellsehen können die Mädels (auch beim Wetter) nicht. Jedenfalls nicht für mehrere Tage voraus. Bei den teilweise stark fallenden Temperaturen war vielleicht die nötige Brutnesttemperatur nicht in allen Bereichen gewährleistet.
    Die Pollenwaben würde ich allerdings auch sicherheitshalber entfernen.

  • Danke Berggeist für den ausfühlichen Gedankengang. Mir stellt sich in dem Zusammenhang aber die bange Frage,ab welcher Menge evtl vergifteter Pollen schädigend wirkt. Nun verwerfe man als Sofortmassnahme die Pollenbretter, was aber ist mit den Pollenkränzen auf den Brutwaben, in denen wie verrückt gebrütet wird??? Noch ist aufsteigende Entwicklung, und meine Völker lagern auch brutnestnah ordentlich Pollen ein. Die Brut würde ich ungern opfern, um den umgebenden Pollen zu entfernen.

  • Landpomeranze: Pollen würde ich nur rauswerfen, wenn sich Anzeichen für eine größere Vergiftung ergeben.


    So wie es bei mir aussieht, kommt das überhaupt nicht in Frage.
    Erstens ist nach wie vor unsicher, ob es nicht einfach nur ein kleiner Schub natürlicher Maikrankheit war durch das wechselhafte Wetter hier, was ich nach wie vor als die wahrscheinlichste Ursache ansehe. Und zweitens rechtfertigt das bisher zwar für mich auffällige, insgesamt aber äußerst geringe Ausmaß bisher *überhaupt* nicht, dass man so stark, ja, dass man überhaupt in ein Volk eingreift.


    Eine Vergiftung ist nach wie vor möglich, in Gegenden wo Raps und Ackerbau betrieben wird dürften solche Vorkommnisse wohl traurige "Normalität" geworden sein, aber so lange das Ausmaß so ist, dass man optisch keine Schwächung der Völker erkennt und auch der Honig in Ordnung ist, sehe ich keine Chancen, irgendwas verbessern oder bewirken zu können am Volk (oder dem Verhalten der Bauern). Und auch Aufwand und Ergebnis stehen in einem schlechten Verhältnis zu einander, siehe nur Berggeists Ausführungen, was man alles machen müsste.


    Traurig, aber wahr. Solange die Menschen so wie immer Parteien wählen, die für TTIP und Förderung der Chemieindustrie und der Industrielandwirtschaft sind, wird sich da nix verbessern. Bei mir ist immerhin ein sehr großer Teil Biolandwirtschaftsfläche.


    Ich halte es ansonsten wie Berggeist, nur dass ich nicht explizit vor dem Raps fliehe, sondern verschiedene Standorte habe und da kommt dann, was rundum kommt, egal was es ist und wenn Raps dabei ist, ist es halt so. Raps ist nunmal zweischneidig, riskant aber sehr guter und viel Honig und genau genommen in meiner kleinteiligen Landschaft überhaupt nicht ernsthaft vermeidbar, NIRGENDS.


    Und man muss jedem, mit "Bienensterben"-Fragen daher kommt klar machen, dass die Varroa sicherlich eine der ganz großen Bürden der Bienen sind und weiter sein werden, aber dass die Bürde Industrielandwirtschaft viel größer ist und vor allem, dass sie nicht nur für die Bienen, sondern für alle Tiere und Pflanzen und auch für uns böse langfristige Folgen hat, wenn man mal genauer nachdenkt.


    Drobi: Ein Schwarm ist selbstverständlich ausgeschlossen....

  • Landpomeranze: Pollen würde ich nur rauswerfen, wenn sich Anzeichen für eine größere Vergiftung ergeben.


    So wie es bei mir aussieht, kommt das überhaupt nicht in Frage.
    Erstens ist nach wie vor unsicher, ob es nicht einfach nur ein kleiner Schub natürlicher Maikrankheit war durch das wechselhafte Wetter hier, was ich nach wie vor als die wahrscheinlichste Ursache ansehe. Und zweitens rechtfertigt das bisher zwar für mich auffällige, insgesamt aber äußerst geringe Ausmaß bisher *überhaupt* nicht, dass man so stark, ja, dass man überhaupt in ein Volk eingreift


    Hallo Hornet,


    das muss man immer abwägen, was die bessere Alternative ist. Bei großen Brutwaben wie Dadant, hat man dann auch schnell mal übers Ziel hinaus bzw. die Bienen aus der Trachtfähigkeit geschossen.


    Auch ein Grund, warum ich doch eher zu DNM tendiere, da ist es nicht ganz so schlimm, wenn man was neu aufbauen lassen muss. Hier gibt's nunmal kein Bio, sondern so gut wie ausschließlich Konventionell. Die sehr großen Felder haben aber schon auch den Vorteil, dass man Schäden schneller erkennt. Da sind die Bienen schnell deutlich geschädigter, als nur mangelnde Fitness. Dafür ist halt die Anzahl der verschiedenen eingesetzten Mittel/Anwender nicht so hoch und es gibt auch hier durchaus Phasen, in denen sich die Bienen normal entwickeln.


    Was am ehesten noch zu den hier im Thread geschilderten Problemen passt ist sind die Hopserbienen durch Maispollen, die versammeln sich dann auch in Grüppchen vor den Beuten und kommen nicht mehr hoch vom Boden. Bis der Mais pollt ist es aber noch ne ganze Weile hin und die im letzten Jahr auffälligen Völker haben den Winter überstanden ohne dass ich da was ausgetauscht hatte.


    Man muss halt immer auf der Hut sein, die auffälligen Völker und deren Entwicklung im Auge behalten und bei Bedarf handeln. Das klappt recht gut.


    Grüße Sven

  • Hallo Berggeist,


    genau das waren auch meine Gedanken zu dem schnellen Urteil der Kollegen. Problem nicht massiv, Aufwand zu groß, Beweisführung äußerst schwierig. Wenn Belastung des Honigs über Grenzwert, dann Verlust der Ernte....kurz gesagt: Nichts als Ärger, also is nix. Ich sehe das derzeit ähnlich, vor allem, da ich keine Schwächung der Völker bemerken kann.


    Aus zwei Völkern wurde im Zuge der Bildung eines Königinnenablegers auch eine Pollenwabe entnommen, die, unter anderem, auch größere Mengen an Rapspollen enthielt. Weder kann ich erkennen, dass bei diesen Völkern das Problem kleiner wäre, noch, dass die damit ausgestatteten Ableger überhaupt davon betroffen sind. Das mag aber einfach auch an deren geringer Bienenmasse und den wenigen betroffenen Einzelbienen liegen. Insgesamt hat sich das Gekrabble und Gehopse vor allen Beuten aber schon sehr stark verringert.


    Das schwächt natürlich die These, dass der Raps schuld sei. Die Nähe zur Anbaufläche war aber die einzige offensichtliche Verbindung zwichen den räumlich getrennten Bienenständen.


    Ich denke einfach, dass ich - wie auch hornet - solche Auffälligkeiten eher bemerken kann als andere, da sechs meiner Wirtschaftsvölker im Garten stehen und laufend begutachtet werden.


    Warten wir mal ab, was die nächste Zukunft bringt,


    bis denn,


    Andi