Was ist das Problem dieser Bienen?

  • Hallo,


    immer mal wieder bietet sich mir folgendes Bild:
    Äußerlich unversehrt wirkende Bienen, meiner Einschätzung nach eher junge Bienen, sammeln sich vor den Fluglöchern an Hindernissen wie Stufen in kleinen, lethargisch wirkenden Grüppchen an oder laufen einzeln von den Beuten weg, können nicht fliegen und verenden irgendwo spätestens in der folgenden Nacht.


    Sieht man an manchen Tagen ganz genau hin, fallen flächig verteilt auch abseits von Hindernissen eine ganze Menge Bienen auf, die irgendwo in der Vegetation sitzen, mehr oder weniger lethargisch oder bewegungslos, aber noch lebend. Nur wenige bewegen sich hopsend oder "flügelnd". Treffen sich solche armen Bienen, belecken sie sich kurz und haben die Tendenz dann auch zusammen zu bleiben.


    Mir fällt kein Zittern, Torkeln oder ähnliches auf.


    Die Zahl ist schwer zu schätzen, an solchen Tagen sieht man aber immer wieder Bienen von den Beuten davon streben.
    Tausende sind es sicher nicht, aber so 200+X pro Volk sind es bestimmt.
    Und nicht täglich, sondern immer schubweise an manchen Tagen.
    Also keine Katastrophe, aber irgendwie auch nicht ganz normal.


    Besonders viele dieser Bienen tauchen kurz nach dem stärksten Vorflug auf.
    Oder wie heute nach dem ersten Ausflug nach zwei oder drei Regentagen.


    Ist das eine Form der Maikrankheit?
    Also Wassermangel in Verbindung mit den Varianten Bakterien, Pilzinfektion oder Hahnenfußnektar?
    Beobachtet wer ähnliches?


    Ich habe benachbarte Bienenstände angeschaut, da war das selbe Bild, es ist also nichts, was nur meine Völker betrifft, scheint aber vielen Kollegen bisher noch gar nicht aufgefallen zu sein. Mir fällt es auch nur auf, weil ich auch Völker direkt am Haus habe und täglich oft daran vorbei komme.


    Folgend eine Auswahl Bilder, die zeigen was ich meine:


    Bild 1: Flugunfähige Jungbienen, die von den Beuten wegstreben und sich flächtig verteilen und einzeln unterwegs sind, sich dann aber wie hier an Hindernissen (im Bild nicht sichtbar) etwas stauen



    Bild 2: oder wie hier, die in der Vegetation sitzen und allmählich dort verklammen. Die Bienen im Bild sind dort hin gekrabbelt, nicht geflogen und es sind auch keine erschöpften Sammelbienen, die kurz Rast machen, um dann doch noch aufzufliege und in die Beute zu laufen:




    Bild 3: Hier ein Bild in der Übersicht, mit roten Pfeilchen sind die Bienen markiert, damit man sie besser sieht, denn im Bild sind sie zu klein, es sind 45 Stück im Ausschnitt.






    Bild 4 und 5: Beispiele für die genannten Grüppchen in der Nähe der Fluglöcher am Boden vor einer Stufe, wo sich angeschlagene Bienen auch sonst stauen (die toten Bienen im Bild sind ältere Reste des ganz normalen Totenfalls vor den Fluglöchern, hängen nicht direkt mit dem beschriebenen Phänomen zusammen):




    Gruß
    hornet

    Ja, spinn' i oder bien i?

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  • Hallo Imker,


    auch meine Bienen haben ein ähnliches/gleiches Problem.
    Vor den Beuten habe ich eine Blumenwiese mit ca. 30 cm hohem Gras.
    Dort haben sich letzten Sonntag hunderte Bienen ( gräuliche Bienen, die ich als Jungbienen angesprochen habe), im Gras gesammelt.
    Flugunfähig, obwohl die Flügel völlig unversehrt ausgesehen haben....


    Jägermeister

  • Bild 4 und 5: Beispiele für die genannten Grüppchen in der Nähe der Fluglöcher am Boden vor einer Stufe, wo sich angeschlagene Bienen auch sonst stauen (die toten Bienen im Bild sind ältere Reste des ganz normalen Totenfalls vor den Fluglöchern, hängen nicht direkt mit dem beschriebenen Phänomen zusammen):


    Hallo Hornet,


    die Bienen sind doch zum großen Teil schon recht kahl auf dem Rückenschild. Bist Du sicher, dass das Jungbienen sind?


    Nur weil sie aus der Beute krabbeln, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es sich um Jungbienen handelt. Gerade nach Tagen mit wenig geeignetem Flugwetter kann sich da dann eine für den Imker auffällige Menge an Bienen ansammeln, die nicht mehr im Vollbesitz ihrer Kräfte sind.


    Grüße Sven

  • obi11 :
    In Frage käme es, aber es ist extrem unwahrscheinlich, da doch einige Dinge nicht so gut dazu passen.
    Z.B. auch, dass das Phänomen heute wieder fast völlig abgeflaut ist. Deswegen glaube ich auch, dass es von vielen gar nicht bemerkt wird, da man es nur sieht, wenn man an den richtigen Tagen genauer hinschaut.


    @Maybee: es sind überwiegend Jungbienen (90%) und junge Drohnen.

  • ....Besonders viele dieser Bienen tauchen kurz nach dem stärksten Vorflug auf.
    Oder wie heute nach dem ersten Ausflug nach zwei oder drei Regentagen...


    also nur mal so als Theorie:


    Auf Grund des miesen Wetters sind die frisch geschlüpften Bienen gezwungen den eingelagerten an stelle des frisch eingetragenen Pollen zu fressen. Wenn jetzt dieser eingelagerte Pollen mit irgend einem Mist belastet ist, dann könnte es eine Erklärung sein. Denn mit dem eintrag von frischem unbelasteten Pollen geht es ja wieder weg
    oder?


    Ist das eine Form der Maikrankheit?
    Also Wassermangel in Verbindung mit den Varianten Bakterien, Pilzinfektion oder Hahnenfußnektar?
    Beobachtet wer ähnliches?


    ....


    Die Maikrankheit kam in jener Zeit sehr verstärkt auf, als DDT und E605 eine immer breitere Anwendung fanden, ja bis hin zum Forst und den privaten Hausgärten. Mit dem verschwinden von DDT und E605 war der ganze Spuk vorbei. Ja früher gingen ganze Bienenstände an Nosema und Mai Krankheit zu Grunde!


    So wie jetzt mit den Neonics und den verstärkten Varroa Probleme?


    Das sind jetzt nur meine rein privaten Gedanken für die ihr mich jetzt auch gerne wieder steinigen dürft


    Es gab aber auch Bienenzuchten die waren sehr Anfällig auf Tracheenmilben

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

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  • Hallo Hornet


    da du schreibst das am nächsten Tag die Bienen wieder verschwunden waren, wenn ich das richtig gelesen habe, dann habe ich eine einfache Erklärung. Meistens ist ein Volk oder mehrere geschwärmt und dann sitzen auch sehr oft noch viele Bienen im Gras, die den Anschluß verpasst haben. Das sind auch meistens Jungbienen, so mein Gedankengang.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Ich möchte nur mal hornets Beobachtung genau so bestätigen. Ich sehe das an meinem Stand auch immer wieder und frage mich, was die da machen. Dasselbe habe ich heute an unserem Lehrbienenstand gesehen, ohne dass jemand eine gute Erklärung hatte.


    Auch ich sehe keine auffälligen Kotspuren, die Völker sind agil und tragen gut ein ... Ob es alte oder junge Bienen sind, werde ich jetzt mal beobachten.


    Einstweilen bin ich sehr gespannt, was hier sonst noch an schlauen Erklärungen kommen.


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Hallo zusammen,


    seit Jahren stiller Mitleser, habe ich mich nun im Forum angemeldet um bei genau dem von Hornet geschilderten Problem um Rat zu bitten.
    Zu dem geschilderten Phänomen habe ich in der Suchfunktion nur einen, leider unbeantworteten Post gefunden.


    Meine Beobachtungen decken sich exakt mit denen von Hornet:


    - Morgens fliegen Bienen aus, gewinnen nicht an Höhe und gehen vor der Beute zu Boden. Manche trudeln ein paar Meter, stoßen gegen Äste/Hecken u.ä. um dann abzustürzen.Bei Beginn des Drohnenflugs passiert dasselbe.
    - zuerst sammeln sich die Bienen in Grüppchen, gerne an Grashalmen oder anderen leicht erhöhten Stellen
    - im Laufe des Tages laufen sie von den Beuten weg, verteilen sich und werden "unsichtbar", am nächsten Tag sind bei genauem Hinschauen tote Bienen in größerem Radius zu entdecken
    - keine Biene hat deformierte Flügel, einen geschwärzten Hinterleib oder zerfledderte Flügel. Keine Kotspuren an oder in der Beute. Bei Druck auf den Hinterleib kein Kotstrang oder Spritzer, Geruch normal.
    - Verendende Bienen zittern mit geringer Frequenz mit dem Hinterleib und haben einen ausgefahrenen Rüssel.
    - die betroffenen Völker sind gesund und groß, haben zwei bis drei (halbhohe) Honigzargen gefüllt.
    - es hat sicher nichts mit Schwärmen, bzw. zurückgebliebenen Jungbienen zu tun. Alle Königinnen sind gezeichnet und nummeriert und waren heute zu Hause.


    Als ich letzte Woche dieses Phänomen zum ersten Mal beobachtete und eine Recherche keine Antworten brachte, hatte ich die Idee, alle mir bekannten Bienenstände in der Umgebung zu besuchen. Und siehe da: An allen Ständen das gleiche Bild. Ich habe sofort die Besitzer (zwei "Semiprofessionelle") informiert, die aber erst am Abend selbst nachsehen konnten. Da war natürlich kaum noch etwas zu entdecken und ich wurde mit Aussagen "alles ganz normal" und "die haben wohl ein paar Tote rausgetragen" oder "die haben sich wohl überarbeitet" abgespeist.



    Die Gemeinsamkeit aller drei Stände: Wir sind in Reichweite einer großen Rapsfläche. Meine vier Völker im Wald erreichen keinen Raps und zeigen keinerlei Auffälligkeiten.
    Meine Gedanken gehen auch in die Richtung kontaminierter Pollen während Schlechtwetterphase verfüttert. Drohnen sind schließlich auch betroffen und vor etwa drei Wochen wurde der Raps zum letzten Mal gespritzt.


    Über weitere Anregungen und Gedanken würde ich mich freuen,


    Andi

  • Hallo Andi,


    wie oben beschrieben, sehe ich das auch, mein Stand ist aber mitten in Berlin, mit Raps habe ich also nichts zu tun ...


    Gestern beobachtete ich mit Wissen um Hornets Posting: zunächst erschienen mir die Krabbler kleiner und ich dachte, es könnte eine starke Varroabelastung dahinter stecken. Heute sahen die, die ich gesichtet habe, aber völlig normal aus, außer dass sie eben nur einfach von der Beute weggekrabbelt sind ...


    Noch immer hoffe ich, dass einer der alten Hase hier schreibt, dass das ganz normal sei, das seien eben die Bienen, die zum Sterben den Bien verlassen ... was für eine makabere Prozession würden wir dann da sehen.


    Gruß, Jörg

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