Schwarm Flugling?

  • Hallo Imkers,


    ich hätte da ausnahmsweise mal ein kleines Problem.


    Bei meinem stärksten Völkchen, einzargig DNM + 2 volle 2/3 HR + 1 2/3 HR zum Ausbauen ist heute ein Schwarm ausgezogen. Obwohl sie angefangen hatten, die MW im oberen HR auszubauen, keine Drohnen im Volk sind und sie auch sonst unauffällig waren. Gestern zeigten sie noch vollen Einsatz beim Sammeln und Ausbauen. Geschätzt hat der Schwarm ca. 2 Kg, es könnte aber auch ein bisserl mehr sein.


    So weit sind die garnicht gekommen, der Schwarm hängt aktuell ca. 5 m entfernt von der Beute jenseits des Gartenzauns in einer Thuja in ca. 2 m Höhe. Und zwar richtig schön um den Stamm gewickelt auf einer Länge von ca. 80 cm.


    Hab das erst gegen abend gesehen, was da wohl am Nachmittag los war und keine Hau-Ruck-Aktion mehr gestartet. An einer "Auffangstation" war auch reger Flugbetrieb, allerdings sind sie da nicht rein.


    Die Chancen, dass die da morgen reingehen, schätze ich auch nicht als besonders hoch ein, sonst wären sie ja schon drin.


    Mir ist allerdings aufgefallen, dass zwischen dem Schwarm und dem Restvolk weiterhin guter Kontakt besteht, was man in der Dämmerung noch am regen Flugverkehr sehen konnte.


    Was wäre denn, wenn ich das Restvolk noch vor Tagesanbruch um einige Meter verstelle und an den alten Standort eine leere Beute mit Rähmchen mit Anfangsstreifen stelle? Wie hoch sind da die Chancen für einen Neubeginn am alten Standort? Da werden morgen früh mit Sicherheit Kundschafter unterwegs sein, die dann feststellen, dass das Restvolk ausgezogen ist.


    Kann das klappen?


    Grüße Sven

  • Hallo Jörg,


    hast recht, die neue aber gebrauchte Kiste am alten Platz scheint völlig uninteressant zu sein. Sie sind aber jetzt weitestgehend in eine kleine Box eingezogen, die ich direkt an die Thuja "rangebastelt" hatte.


    Bin gespannt, ob die da drin bleiben oder sich doch noch umentscheiden.


    Die Nacht hatten sie im Freien verbracht, allerdings waren sie schon sehr früh heute morgen äußerst aktiv.


    Grüße Sven

  • Mir ist dieses Jahr ein Schwarm vor der Nase davon geflogen. Da herrscht keine große Aufbruchsstimmung davor und der Abflug kündigt sich nicht groß an...


    Was hast du in die kleine Box getan? Oder ging der da einfach so rein?


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Hallo Jörg,


    hast recht, die neue aber gebrauchte Kiste am alten Platz scheint völlig uninteressant zu sein. Sie sind aber jetzt weitestgehend in eine kleine Box eingezogen, die ich direkt an die Thuja "rangebastelt" hatte.
    ..
    Grüße Sven


    Wenn schon basteln, dann hätt' ich gleich ne Zarge mit eingehängter Brutwabe (mit offener Brut) dorthingestellt, mtw. auf ein Tischchen oder auf nen Zargenturm, oder auf paar Rüstböcke oder eben an einem Siemens- Lufthaken gehängt. Stunde später sind die drin, ab auf den Standplatz und mit MW die Zarge auffüllen.


    Sischer ist sischer.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Hallo,


    leider ist heute so ziemlich alles schief gegangen, was schief gehen konnte.


    Wie ich ja bereits geschrieben hatte, war der Schwarm heute früh weitestgehend in eine 8-er Styrobox (selbstgebaut) eingezogen. Dazu hatte ich ein breites langes Brett über den Zaun an die Thuja herangeschoben und dort darauf dann die Box direkt an den Schwarm geschoben. In der Box waren Rähmchen mit Anfangsstreifen, bzw. 2 mm Wachsreste auf der Unterseite der Oberträger und alles ohne Drahtung.


    Blöderweise zeigte das kleine runde 15 mm Flugloch Richtung Norden und war auch nur wenige cm vom Thujastamm entfernt, sodass ich den Deckel zusätzlich etwas zurückgezogen hatte, sodass dort ein Spalt zum Einmarschieren war.


    Am späten Vormittag musste ich leider weg, der Schwarm war bis auf wenige Einzelbienen in der Kiste und so habe ich die Box mit Flugloch in Richtung Süden gedreht und den Deckel zugeschoben. Das war möglicherweise ein großer Fehler.


    Als ich um 17 Uhr wieder nach Hause kam, war der Schwarm leider nicht mehr in der Kiste, sondern saß nun ganz unten an der Thuja direkt über/auf dem Boden um den Stamm gewickelt. Sehr ruhig ohne viel Flugverkehr.


    Also entschloß ich mich doch dazu, aus einem Volk eine Brutwabe zu entnehmen, um den Schwarm doch noch in die Kiste zu bekommen. Ich war gerade dabei, die passende Wabe zu suchen, da ist der Schwarm urplötzlich ohne Beeinflußung meinerseits aus der scheinbaren Starre erwacht und innerhalb von 2 Minuten waren die reisefertig in der Luft und das um kurz vor 18 Uhr. Warum sind die nicht gleich mittags auf die Reise, nach Auszug aus der Kiste? Sehr seltsam.


    Der Schwarm ist dann mit einem höllischen Tempo in Richtung Süden entfleucht. Ich hab ihnen wegen der Bebauung und fehlender Wege nicht lange folgen können und sie dann aus den Augen verloren.


    Schade.


    Grüße Sven

  • ...ist der Schwarm urplötzlich ... aus der scheinbaren Starre erwacht und innerhalb von 2 Minuten waren die reisefertig in der Luft und das um kurz vor 18 Uhr. Warum sind die nicht gleich mittags auf die Reise, nach Auszug aus der Kiste?


    Das beschreibt Seeley so schön: Scoutbienen berichten durch Schwänzeltanz von ihren gefundenen neuen Behausungen. Je "enthusiastischer" der Tanz, umso mehr weitere Scouts werden die jeweilige Höhle auskundschaften und ihre Beurteilung dem Schwarm durch Schwänzeltanz mitteilen. Irgendwann engagieren sich so viele Scoutbienen für eine bestimmte neue Behausung, dass eine kritische Schwelle erreicht wird, die dem Schwarm als "Entscheidung" dient aufzubrechen. Vorher ist alles in sofern still, als auch von anderen Höhlen berichtet wird. Man kann auf den Schwärmen sehr schön schwänzelnde Bienen beobachten, nur geht es in diesen Momenten nicht um Trachtquellen, sondern um neue Behausungen.
    Ist die Entscheidung getroffen, gibt es kein schuldhaftes Zögern mehr, dann geht's eben los.


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Hallo Jörg,


    sehr interessant, was du da schreibst. Ich wusste nicht, dass es hierzu bereits Beobachtungen gibt.


    An der ein oder anderen virtuellen Baumhöhle :) konnte ich schon des Öfteren Scouts beobachten. Auch sehr viele davon, sodass man den Eindruck gewinnen konnte, dass da bereits ein Volk eingezogen ist. Und auch welche, die sich gegenseitig bekämpft haben.


    Mit einer einzigen Ausnahme vor 2 Jahren hat es aber dann letztendlich nie dazu gereicht, dass dort auch ein Schwarm in so eine Baumhöhle eingezogen ist.


    Wäre tatsächlich mal interessant zu wissen, welche Vorstellungen die Bienen von einer perfekten Wohnung haben. Plastik gehört da wohl generell nicht dazu, obwohl das Interesse mitunter sehr groß sein kann. Aber Lüftungsschächte aus Metall oder Schornsteine, was ist daran aus unserer Sicht natürlich?


    Oder sind das dann schon Akte der Verzweiflung, weil einfach nix Besseres zu finden ist?


    Mein Schwarm ist jedenfalls in eine Richtung abgeflogen, in der einige sehr alte Linden, Erlen und Kastanien stehen. Spechte und entsprechende Löcher in den Bäumen gibt's auch, der Schwarm wird da wohl was wirklich Passendes gefunden haben, hoffe ich.


    Hab bisher auch nichts davon mitbekommen, dass hier jemand von einem "bösen Bienennest" belästigt worden wäre, sowas macht ja heutzutage schnell die Runde.


    Grüße Sven

  • Wäre tatsächlich mal interessant zu wissen, welche Vorstellungen die Bienen von einer perfekten Wohnung haben.


    Auch dazu hat Seeley einiges geschrieben und zum Teil bestätigt, was bereits bekannt war.


    Bienen bevorzugen Hohlräume von ca. 40 Litern Volumen in ca. 3-5 m Höhe. Das Flugloch möglichst am Boden der Höhle, und eben gerne Richtung Südost (letzteres ist aber wohl weniger wichtig.


    Alles wunderbar nachzulesen in seinem Buch "Biendemokratie". Echt empfehlenswert, wen Schwärme und Schwärmen interessiert.


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Also Sachen gibt's, die gibt's ja garnicht.


    Habe heute mal versucht, etwas Ordnung in die ganzen Schwärmereien zu bringen, damit nicht noch mehr schwärmt. Dazu hatte ich dann alle betroffenen Völker mit an meinen alten Hausstand genommen.


    Dort war gestern unter meinen Augen ein Schwarm ausgezogen von dem ich dachte, es sei ein Nachschwarm. Der lies sich dann in einer Hagebuttenhecke nieder.


    Bei dem Volk war bereits am 10.05. oder 11.05. ein (Vor-) Schwarm abgegangen. Der zog zu meinem Leidwesen in die Zwischendecke vom unbewohnten Nachbarhaus ein. Offensichtlich ist es mir aber gelungen, die Bienen da raus zu ekeln, nach 5 Tagen war kein Flugverkehr am Flugloch mehr erkennbar. Ich wußte allerdings nicht, wohin es die Bienen verschlagen hat.


    Und heute gabs dann die große Überraschung beim Durchsehen des Volkes. Ich dachte eigentlich, dass die gesamte Brut weitestgehend geschlüpft sein müsste, statt dessen gabs großflächig vor allem verdeckelte Brut auf allen 9 Brutwaben und Weiselzellen verschiedenen Alters. Sehr helle frisch gebaute verdeckelte Zellen und dunkle alte Zellen, eine davon geschlüpft, eine ausgefressen, 3 geschlossen, wovon 2 abgestorben waren (Kälte?). Habe alle Zellen entfernt, aber nicht unbedingt gebrochen. Eine geschlossene Zelle ist mir dann noch auf dem Basteltisch geschlüpft, hab mal wieder ziemlich blöd geguckt, als die da unter diversem Werkzeug hervorgekrabbelt kam.


    Da ist die alte Herrin wohl 6 Tage nach dem Auszug wieder zurück ins Volk und hat sofort wieder mit Stiften begonnen? Woher sonst sollte die frische Brut kommen? Und gestern ist sie dann wieder ausgezogen, nachdem keinerlei Platz mehr zum Stiften war.


    Das dauerte schon seine Zeit, bis die Völker alle durchgegangen waren, MW eingelötet, Bausperren gebaut, Honig geerntet,... und irgendwie hat sich der Hagebutten-Schwarm zu allem Übel noch dazu entschlossen, beim allgemeinen Gesummsel mitzumischen und ist wieder auf der Bildfläche erschienen... Dem wollte ich eigentlich separat Beachtung schenken nach Abschluß der Durchsicht.


    Ich habe momentan absolut keinen Plan, in welchem der 4 Beuten überhaupt eine Königin drin ist. Eine sehr große Kö fand ich zwischenzeitlich tot ca. 2 m von den Beuten entfernt, halb plattgetreten. Die Alte, die schon zweimal geschwärmt ist?


    Die auf dem Basteltisch geschlüpfte Kö hab ich gekäfigt und erstmal in eine Beute mit einem weisellosen Volksteil aus einem anderen Volk gegeben. Als Reserve.


    Bei 2 weiteren Kisten, dabei handelt es sich um das geteilte Restvolk nach Schwarmabgang (von dem dieser Thread ausging) war jeweils genau eine einzige geschlüpfte Weiselzelle vorhanden. Da hab ich aber großes Glück gehabt beim Teilen des Restvolkes. Trotzdem erscheint mir das ein wenig unsicher, bei so wenig Auswahl.


    Wie finde ich denn da jetzt schnellstmöglich heraus, ob in jeder Kiste tatsächlich auch eine Kö ist? Die Bienenmasse ist zum großen Teil absolut extrem, da ist nicht dran zu denken, eine Kö zu finden.


    Die Königinnen müssten allesamt unbegattet sein, ist das ein sicheres Indiz, wenn ich auf vermehrten Drohnenflug an der jeweiligen Beute achte?


    Grüße Sven

  • mal in die Runde geworfen, schon in meiner Kindheit (das war so um 1980...) haben wir einen am Baum oder sonstwo hängenden Schwarm mit Wasser LEICHT eingenebelt. Das sollte die guten vor der Flucht abhalten bis eben ein Kasten usw. vor Ort war. Opa sagte immer, nasse Bienen fliegen nicht weg. Dazu hat er auf eine alte Blechschüssel geklopft. Letzte Woche ging bei uns einer ab und den haben wir auch mit einer Pumpflasche erst mal ruhiggestellt. Dann runter vom Baum in die Kiste und gut war es. Gut von der Blechkopferei bin ich nicht überzeugt, aber das wässern leuchtet mir ein.