Frage an (Dadant)imker zur Schwarmsituation 2016

  • Hallo,


    ich möchte mal bevorzugt Dadantimker und die wiederum bevorzugt im süddeutschen Raum ansprechend und fragen, in wie weit die Situation 2016 normal ist oder abweicht! Andere Imker und ihre Einschätzung sind genau so wertvoll und hier geschätzt, aber zum direkten Vergleich wären eben süddeutsche Dadantimker am besten geeignet.


    Worum geht es?
    Als fortgeschrittener Anfänger kann ich schon einiges, aber in engen Kurve gerate ich doch gerne noch ins Schleudern :wink:
    Anfangs hatte ich Schwarmprobleme weil a) keine Ahnung und b) schwarmtriebige Landrasse und c) viele Fehler gemacht.


    Jetzt denke ich, mache ich die gröbsten Fehler nicht mehr.
    D.h. das Brutnest ist eingeengt mit nur wenig Honig unten, dafür gab es immer gut Raum oben.
    Zwar habe ich immer noch keine besonders schwarmträgen Bienen, aber ganz so schlimm wie anfangs ist es nicht mehr.



    1) TROTZDEM sind heuer wieder ALLE Völker in Schwarmstimmung geraten. Bisher führe ich das auf das Wetter zurück: Immer abwechselnd wenige Trachttage und längere kalte, regnerische Phasen.
    Bekanntlich ist die abrupte Unterbrechung einer Tracht selbst durch nur einen einzigen Regentag immer ein starker Schwarmtriebauslöser.


    Wie ist das bei euch heuer?



    Nächstes Problem:
    Die HR sind bei mir ziemlich voll, meist schon mindestens im oberen Drittel verdeckelt. Bienenmasse ist noch da (wegen rechtzeitiger Schwarmverhinderungsmaßnahme durch Kg-Ableger ist nix abgeschwärmt), HR also bienenbesetzt und warm. Ich habe 11 Waben pro HR, nicht die üblichen 10, also weniger Dickwaben.



    2) TROTZDEM ist die Honigfeuchte im Augenblick noch unbefriedigend und liegt vielfach bei 19%-20% im Übergangsbereich zwischen offen und verdeckelt.
    Wie ist das bei euch derzeit?
    Ist das normal und muss ich nur noch etwas warten?!?
    Ist das die Folge der viele kalten Regentage?
    3) Stimmt es also nicht, dass kaltes Wetter den Honig besser trocknet (WENN genug Bienenmasse da ist, um die Luft im HR aufzuwärmen)?


    Und dann noch eine vierte Frage:
    4) Wie verhindern andere Dadantimker sicher Schwärme, wenn der Schwarmtrieb erwacht ist? Demaree-Plan geht ja leider nicht (gut).
    Bei den bisher von mir praktizierten Kg-Ablegern habe ich allmählich das Gefühl, dass die nicht optimal für die Volksharmonie und damit die Honigpflege der verbleibenden Völker sind.


    Gruß
    hornet

  • Moin Hornet,


    hier kommt mein Beitrag zu diesem Thema, allerdings aus dem mittleren Osten...


    Ja, mir geht es ähnlich! Ich führe die "ordentliche" Schwarmstimmung in diesem Jahr auf die zeitige Frühjahrsentwicklung in diesem Jahr zurück.


    zu 1) Bei ist ein deutlicher Einfluss der Bienenherkunft erkennbar. Ich habe ein paar sehr starke Buckfast-Nachzuchten, die noch nicht eine Spielzelle bestiftet haben, auch ein paar sehr starke Carnica-Landrasse (danke Salman!), die nach 1x Zellenbrechen langsam Ruhe geben und daneben ein paar Landrasse-Mickerlinge, die völlig am Rad drehen. -> die Herkunft macht sehr viel aus!
    zu 2) Ich habe noch nicht gemessen, aber aber von der Konsistenz her (sehr zähflüssig) habe ich keine Sorgen. -> zu viele HR geben!
    zu 3) Physikalisch ist das so.
    zu 4) Zellen brechen, nicht den BR erweitern und zur Not (3x SZ gebrochen) Kö rausnehmen.


    Gruß Jörg


    Nachtrag: Man muss wirklich zwischen Spielzellen und Schwarmzellen unterscheiden! Und bestiften und weiterpflegen sind auch 2 paar Schuhe... Manche Völker basteln sich eine SZ und sind weg und andere tun nur so...

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  • Leider auch mit wenig Erfahrung, aber dieses Jahr war es bei mir so:


    1. Von meinem drei gut ausgewinterten Dadant-Völkern mit letztjähriger Königin habe ich bei allen ziemlich früh den Honigraum gegeben und geschiedet, sodass die Weide bereits überwiegend im Honigraum zwischengelagert wurde. Eines hat jetzt 3 HR voll und außer Spielnäpfchen keine Schwarmambitionen gezeigt. Das ist die gekaufte Königin mit dem Kunstschwarm der Honigraumbienen vom letzten Jahr. Die beiden anderen konnte ich trotz gleicher Baumöglichkeit im Honigraum nur durch Entnahme der Königin Ende April vom Auszug abhalten. Die hatten immer wieder Zellen im Drohnenrahmen angelegt. Das waren standbegattete Nachfahren aus dem letzten Jahr einer gekauften Königin von 2014.


    2. Honigwaben sind teilweise verdeckelt. Hab aber noch nicht gemessen. Wollte eigentlich nächste Woche schleudern und hoffe, dass es dann passt.


    3. Bei Wäsche ist das so, da die relative Luftfeuchte beim anwärmen sinkt. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob im Stock beim Heizen nicht auch bei mehr Energieaufwand so viel mehr Wasser ausgeschieden wird, dass der Effekt kompensiert wird.


    4. Bei mir haben alle anderen Dinge/Möglichkeiten als Königinableger nicht mehr geholfen, aber ist auch erst mein zweites Dadant-Jahr. Ich hoffe mal, dass man durch rechtzeitige sanfte Maßnahmen in Zukunft den Scharmtrieb verzögern/bremsen kann.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Servus aus dem Nachbarlandkreis!


    ich würde mich jetzt auch als fortgeschrittener Anfänger bezeichnen, allerdings als Anfänger im 10er Dadant-System - habe letztes Jahr 2 Völker umgestellt von Zander auf Dadant -
    Auch ich hatte im ersten Jahr Schwarmprobleme weil a) keine Ahnung und b) schwarmtriebige Landrasse!!!! und c) viele Fehler gemacht bzw. eine deutliche Lernkurve durchlebt.


    Gesamt sieht es bei mir zweigeteilt aus: Der eine Teil/ die Hälfte meiner Völker hat gar keine Schwarmlust bzw. will nur spielen. Die andere Hälfte macht seit einer Woche "Stimmung"! Bei einem Volk hieß es schon boarding completed, da half nur noch teilen.


    1. Bei mir ist auch ein deutliches Muster der Bienenherkunft zu erkennen. Ein Volk - allerdings auf Zander - kippt mit der Bienenmasse schon fast vorne über und hat noch kein einziges Spielnäpfchen angebaut. Königin aus 2015 vom Züchter/ Buckfast. Die eine Landrasse die ich noch habe dreht vollkommen durch und macht Zellen auf Akkord. Da geht es mir so wie Jörg auch schon geschrieben hat. Wenn ich die zwei Dadant-Völker bewerten soll, dann würde ich sagen eins baut Spieln. ohne zu bestiften das andere hatte gestern bei der Kontrolle 1! WZ bestiftet drin.


    2. Honigwaben sind teilweise verd. Ich werde auch erst nächste Woche schleudern, daher ist da noch Zeit.


    3. Physikalisch ja....Praktisch keine Ahnung!


    4. Das würde mich auch sehr interessieren, da ich ja noch nicht so lange mit Dadant imkere. Mit Zander funktionieren meine Königinnen-Fluglinge aber extrem gut bzw. bringen in den 14-21 Tagen nach Bildung sehr guten Honigertrag + die Schwarmlust ist weg!

    "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen." (Karl Valentin)

  • Ich habe ein paar sehr starke Buckfast-Nachzuchten, die noch nicht eine Spielzelle bestiftet haben, auch ein paar sehr starke Carnica-Landrasse (danke Salman!), die nach 1x Zellenbrechen langsam Ruhe geben und daneben ein paar Landrasse-Mickerlinge, die völlig am Rad drehen. -> die Herkunft macht sehr viel aus!


    Hallo Jörg,


    bist du mit den Klammern einen Satz zu weit gerutscht? Sonst komme ich nicht mit, da ich keine Landrasse habe :-D


    Was die Herkunft ausmacht, fällt mir immer wieder bei meinen Ableger auf, die ich oft zu langsam erweitere. Manche pflegen SZ obwohl sie noch wenig Platz haben und manche bauen wild im flachen Boden, bevor sie auf dumme Gedanken kommen.


    Bei der vorletzten Schwarmkontrolle hatte ich nur bei 2 Völkern bestiftete SZ. Gestern hatte ich 4 Völker kontrolliert und 3 davon hatten verdeckelte SZ ;(. Ich dachte mir, sie haben sich von den vielen Starrennester nebenan angesteckt und wollen nun ihren Vermehrungsrhythmus ebenfalls synchronisieren.


    Bin trotzdem zufrieden. Wir haben ja die 3. Maiwoche und die Honigräume sind gut gefüllt, da dürfen sie bei ekligem Wetter auch mal ans Schwärmen denken (ich imkere mit F1 C und B)


    Eigentlich soll ich langsam schleudern, aber vor Ende des Monats komme ich nicht dazu.


    LG Salsero

    imkere als Hobby seit 2011 mit Dadant

  • Verstehe ich das Richtig Salsero du Imkerst mit Carnica und Buckfast.
    Ist die Schwarmlust gleich stark vertreten oder siehst du da bei dir klare Unterschiede zwischen den Rassen?
    F1 heisst ja standbegattet und da ich ebenfalls mit Dadant Anfangen will und parallel beides halten möchte zum vergleich würde mich mal deine Beobachtung in Verbindung mit Dadant interessieren.
    Theoretisch soll es ja einen Unterschied geben, aber ist der Praktisch auch bei dir Fühlbar?


  • Theoretisch soll es ja einen Unterschied geben, aber ist der Praktisch auch bei dir Fühlbar?


    Ja in manchen Jahren gibt es fühlbare Unterschiede auch bei den F1-Völkern, doch die Schwarmstimmung ist nicht alles, sonst hätte ich mich wie viele andere auch schon Lange für eine bestimmte Rasse entschieden.
    Vergleichen ist immer gut und jeder hat seine Lieblingseigenschaften, die sich über die Jahre auch ändern können. Unterschiede zwischen einzelnen Linien einer Rasse könnten je nach Selektion (Züchter) für den kleinen Imker "fühlbarer"sein als Unterschiede zwischen beiden Rassen.


    Ich bin kein Züchter, höchstens ein Hobbyzüchter :lol:, imkere mit F1en und bestelle meine Zuchtkö von Züchtern, zu denen ich Vertrauen habe, also bei mir gibt's keine Lieblingsrasse, sondern Lieblingszüchter und davon sogar mehrere :cool:

    imkere als Hobby seit 2011 mit Dadant

  • Mein bescheidener Beitrag, allerdings nicht gut vergleichbar, da falsche Region und auch nur derzeit mit wenigen Völkern.
    Ein Volk mit gekaufter Buckiqueen vom letzten Jahr keinerlei Schwarmtendenz, allerdings auch deutlich weniger Ertrag als die anderen.
    Eine F2 Carnica, deren Mutter ich als Schwarm gefangen hatte und die mir leider letztes Jahr abgedüst ist. Bei diesem Volk wenige WZ, ich konnte eine Schwarmvorwegnahme hinkriegen. Diese Herkunft will ich auf jeden fall weiterpflegen, weil super ertragsstark, umgänglich und varroatolerant (über ein Jahr ohne Behandlung, und schon wieder mein stärkstes Volk).
    Der absolute Knaller ist eine F2 Hybride, ursprünglich Bucki vom Züchter, Töchtergenerationen hier standbegattet.
    Dieser Tage 23(!!!) VERDECKELTE WZ vorgefunden. Sowas habe ich noch nie gesehen. Alles bis auf eine gebrochen, diese Herkunft wird von mir nach der Ernte definitiv umgeweiselt.
    Mein Fazit lautet, dass man schon auch als Hobbyimker selektieren sollte. Es bewahrheitet sich immer wieder, dass ab der F2 standortbegattet, egal, ob Bucki, Carnica, Landrasse, die Schwarmträgheit verlorengeht. Man muss dann immer wieder aus Zuchtbetrieben nachhelfen und umweiseln, oder aber mit der wachsenden Lust leben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht unbedingt was mit der Beutengrösse zu tun hat, sondern mit dem Raumangebot schlechthin.
    Ich arbeite ohne ASG, und lebe damit, dass alle Völker in die erste HR-Zarge mittig hineinbrüten. Natürlich wird das nicht geschleudert.

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  • Ja so ein Jahr wie das jetzige zeigt ein mal mehr, was eine wirklich schwarmträge Biene so alles kann.
    Denn wenn du jetzt an die Völker kommst und da sind ausgebissene Schwarmzellen da und auch noch alle Brutstadien, dann sagt das viel, für mich sogar sehr viel! Das gilt auch für F1 oder F2 oder gerade dort sieht man dann in solchen Jahren, welches Potential in der Genetik tatsächlich steckt und ob diese Schwarmträgheit eventuell nicht auf "verdeckter" Kalkbrutanfälligkeit beruht.


    Alles andere hängt eben in den Bäumen oder wird spätestens Morgen abhauen. Im weniger schlimmsten Fall haben sie dir umgeweiselt. Aber selbst das finde ich schon nicht mehr akzeptabel. Für mich als Waldhonigimker (und dann auch noch jemand der versucht davon zu Leben) in Grunde der wirkliche Verlust. Denn da fliegt dir gerade die Ernte davon.
    Doch was kann man dagegen tun?
    Es ist genau diese Chance in so einem Jahr diese gewünschte Genetik zu finden. In anderen Jahren kann man das nicht so leicht ausselektieren.
    Nach dem Motto, wer nicht bei mir bleiben will, der darf gehen! Ich halte ihn nicht mit extra dingen auf!
    Also ich mache mit diesen Bienen einfach kurzen Prozess und teile sie auf, wenn ich sie erwische! Der eine oder andere geht mir dann zwar dennoch durch die Lappen, aber das erfreut dann meist die andern. Und diese Imker dürfen Bienen mit dieser Genetik dann auch gerne haben. Also ist es im Grunde auch kein Problem.


    Zum Wassergehalt:


    Ja also wenn ich das von dir (Hornet) richtig verstanden hab, hast du Königinnenableger gemacht. Dann war das Hauptvolk mal weisellos? falls es so war, wundert mich es nicht wenn der Honig zu dünn ist! Da fehlt einfach die Generation der "Eindicker" und wärme fehlte dann natürlich auch bei der Wetterlage!

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • toyotafan :


    Zwar habe ich Kg-Ableger gemacht, aber erstens nicht bei allen und zweitens erst ganz kurz vor dem Tag, an dem ich gemessen hatte. Und die meisten hatten zum Zeitpunkt der Ablegerbildung noch jede Menge jüngste Brut und generell Brut in allen Stadien.


    Ob nach einer und heute fast zwei Wochen schon Effekte bei der Honigtrocknung durch die fehlenden Stifte und jungen Maden zu erkennen sind?
    Ich meine doch, dass ein erster leichter Rückgang der Population erst jetzt langsam beginnt, wo die letzten verdeckelten Brutflächen auslaufen. Und bis dahin sind doch noch alle Stadien Bienen vorhanden, die auch ohne Ablegerbildung nicht anders da gewesen wären, oder?


    Das Wetter war halt meistens feucht-regnerisch und wenn mal nicht, dann wurde ziemlich stark eingetragen.
    Also abwechselnd starker Eintrag von feuchtem Nektar und dann wieder feuchtes Wetter - ist das denn nicht sehr wahrscheinlich, dass es "nur" daran liegt?


    Deinen Tip wegen der heuer guten Selektionsmöglichkeit werde ich ganz bestimmt nutzen! Habe da so ein paar Kandidaten, die sich sehr positiv von den anderen abgesetzt haben. Zwar auch Schwarmstimmung, aber lenkbar...die habe ich mir ganz genau gemerkt!