Entflogene beschnittene Königin

  • Hallo Imkerfreunde
    Wenn eine an den Flügeln beschnittene Königin aus welchem Grund auch immer die Beute verlässt und sich absetzt, wird sie sich, wegen der beschnittenen Flügel, nicht weit von der Beute entfernen können und sich vermutlich irgendwo im Gras bzw. in Bodennähe aufhalten.


    Besteht die Möglichkeit, dass sich Bienen, evtl. auch in größerer Zahl, ihr nähern, so dass die Königin dadurch vielleicht besser aufgefunden werden könnte, wenn man nach ihr sucht?
    Gibt es dafür irgendwelche Hinweise, sie dadurch besser aufzufinden oder würde die Suche nach ihr ergebnislos verlaufen?
    Im Voraus herzlichen Dank für brauchbare Tipps
    Mit freundlichem Gruß
    El Chato

  • Hallo El Chato,


    In der Regel fällt die Königin zu Boden und geht verloren. Ich habe aber auch schon erlebt, dass die Bienen sie gefunden haben und einen Schwarm in Form eines Kuhfladens gebildet haben. Diesen habe ich dann aus Versehen fast mit dem Auto überfahren.
    Manchmal schafft sie es auch bis zu einem nahen Strauch oder Pfahl. Gestern habe ich solch eine Königin in der Nachbarbeute gefunden.
    Es ist, je nach Untergrund sicher sinnvoll, im nahen Umkreis der Beute nach ihr Ausschau zu halten, meist ist das aber ergebnislos.
    So ganz schlimm ist das auch nicht, die Bienen sind ja dabei, gleich mehrere neue heranzuziehen.:-D


    Grüße


    Quirin

  • Hallo Quirin


    Ich habe mir auch schon überlegt wertvollen Königinnen einen Flügel zu schneiden .
    Wenn ich Deine Ausführungen lese geht diese beim Schwärmen jedoch leider meist trotzdem verloren, ist das Deine Erfahrung ?
    Da bliebe somit meist bloss der Vorteil beim Schwarm nicht zu viel Bienenmasse plus Honig zu verlieren .


    Vielen Dank


    Markus

  • Es dürfen ohne Not keine Tiere verletzt oder verstümmelt werden! (TierschutzG)*Klugscheiß-Modus aus*
    Das Flügelbeschneiden ist deshalb ethisch gesehen höchst umstritten.
    Und nein, es ist nicht wie Fingernägelschneiden bei Menschen.
    Warum weiseln Völker um, wenn die Kö. einen Makel hat?

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hallo holmi,


    das Tierschutzgesetz gilt nicht für Insekten. Und welche Pein ist größer, eine gekappte Flügelspitze, oder ein Volk das verwildert und von der Varroa zerstört wird.


    Gruß
    Ulrich, der nur bei 10 % der Königinnen den Flügel gestutzt hat.

  • Hallo holmi,


    das Tierschutzgesetz gilt nicht für Insekten.


    TierschutzGesetz:


    Grundsatz
     
    § 1 : Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.



    Zweiter Abschnitt
    Tierhaltung
     
    § 2 : Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
    1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
    2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
    3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.


    Insekten sind keine Tiere?????

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • ... das Tierschutzgesetz gilt nicht für Insekten. Und welche Pein ist größer, eine gekappte Flügelspitze, oder ein Volk das verwildert und von der Varroa zerstört wird.


    Wenn es keine anderen Verfahren zur Schwarmverhinderung gäbe, würde ich dieses Argument gelten lassen.
    Als Bioimker darf ich ohnehin keine Flügel beschneiden. Mir ginge das aber auch so gegen die Imkerehre!


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Moin Holmi,


    dann so lies Dir mal die §§ 5 und 6 durch, was da so alles unvermeidbar ist, und wesentlich krasser, als ein beschnittener Flügel...


    Gruß Clas, der seine Königinnen alle nicht beschneidet, bis daher.

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • ...Schwarm in ca. 15m Entfernung vom Muttervolk aus einer Hecke gepult. Die Königin war beschnitten.


    1. War der Flügel mglw. nicht reichlich genug beschnitten?
    @ holmi:
    2. Fachliteratur und Bieneninstitute sagen zum Flügelschnitt bisher, daß die Biene/Kö. KEINEN Schmerz empfinde beim oder nach Beschneiden des Flügels. Kann Jemand gegenteilige wissenschaftliche Publikationen verlinken?
    Will Imker das Schwärmen verhindern, so könnte ein enger Ausleger des TierSchG meinen, er behindere damit die natürliche Freiheit der Kö. zu artgemäßer Bewegung. Einem solch Engstirnigen erschiene dann JEDE Maßnahme zur Schwarmverhinderung als tierquälerische Einengung der tierischen Freiheit. Er bedenkt dabei nicht, daß der ausgezogene Schwarm seine Freiheit in unserer nicht-natürlichen, sondern kultivierten Umwelt spätestens in 2 Jahren mit einem qualvollen Siechtod von mehreren Tausend Bienen incl. der vormaligen Schwarmkönigin bezahlen muß. Das ist dann der Preis für das gute, falsche Gewissen des Engstirnigen, den dieser freilich nicht selbst zahlen, ja nicht einmal selbst mit ansehen muß. Dieser Preis wäre mir zu hoch.


  • Will Imker das Schwärmen verhindern, so könnte ein enger Ausleger des TierSchG meinen, er behindere damit die natürliche Freiheit der Kö. zu artgemäßer Bewegung. Einem solch Engstirnigen erschiene dann JEDE Maßnahme zur Schwarmverhinderung als tierquälerische Einengung der tierischen Freiheit. Er bedenkt dabei nicht, daß der ausgezogene Schwarm seine Freiheit in unserer nicht-natürlichen, sondern kultivierten Umwelt spätestens in 2 Jahren mit einem qualvollen Siechtod von mehreren Tausend Bienen incl. der vormaligen Schwarmkönigin bezahlen muß.


    Das ist aber eine seltsame Argumentation: Wer gegen das Flügelbeschneiden ist, ist gegen jede Schwarmverhinderung.
    Den Gegner, der so denkt, musstest Du Dir aber erst mal konstruieren ("ein solch Engstirniger"). So kommst Du uns hier nicht durch!


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo zusammen,


    interessantes Thema oder vielleicht nur einfach nervenaufreibend?
    Würde sich das Tierschutz Gesetz auf das Flügelabschneiden von Insekten beziehen, hätten sich dann nicht längst Anwälte und Gerichte damit beschäftigt? Oder ist mir hier etwas entgangen?


    Selbst mache ich keinen Flügelschnitt, ich sehe keinen Nutzen darin. Man kann ja lediglich eine Schwarmverzögerung damit erzielen, die alte Königin geht verloren und der Singerschwarm sucht das Weite und das meist in größerer Höhe durch die Vitalität der jungen Prinzessin.
    Aber auch wenn man den Schwarmabgang verhindert, muß dennoch die junge Königin erst mal Nachkommen erzeugen und das bedeutet wie bei jedem Königinnenverlust in der Regel mehrere Wochen keine Jungbienen mehr. Also weniger Ertrag, was man ja aber eigentlich verhindern will indem man Schwarmverhinderung betreibt.
    Aber ich will hier wiederum nicht ausschließen, dass der Flügelschnitt in bestimmte Betriebsweisen passt.


    Gruß Ulrich

    Eine hohe Rechenleistung des Imkers klärt so manches imkerliche Problem und spart manch unnötigen Eingriff :wink:

  • Zum Thema beschnittene Köngin finden:


    Ja, die Bienen sammeln sich auch um solche Königinnen als Schwarm am Boden - aber nur, wenn sie rechtzeitig bemerken, das Madame nicht hoch kommt und am Boden ist. Bemerken sie es nicht, wird der Schwarmakt bald abgebrochen, sobald die Königin vermisst wird.


    Die Königin wird zu diesem Zeitpunkt aus dem Gedächtnis gelöscht und NICHT mehr wieder erkannt, sondern fortan ignoriert, selbst wenn sie wieder auftaucht! Der Schwarm kehrt dann rasch und geschlossen zurück und ist fortan nur auf die erste Prinzessin fixiert. Selbst wenn man die Königin jetzt im Käfig auf das Flugbrett legen würde, würde sich keine der Bienen mehr für die Königin interesssieren und alle Bienen an ihr vorbei ins Nest zurück krabbeln.


    Unglaublich, aber wahr und so von mir bereits erlebt.


    Mir ist mal passiert, dass eine Königin von der Wabe ins Gras gefallen ist - von mir unbemerkt.
    Am Ende der Durchsicht ist mir aber ein kleines Häulein Bienen von unter 10 Stück aufgefallen und so habe ich dann zufällig den Fehler wieder rückgängig machen und ddie Königin retten und ins Volk zurück geben können.


    Achtet also immer auf Bienengrüppchen an ungewöhnlichen Stellen bei euren Durchsichten!


    Gruß
    hornet