Schwarm gefangen

  • Hallo liebe Wissende,


    gestern am frühen Nachmittag hat das Telefon geklingelt: Alarm, in einem Wohngebiet hängt ein Bienenschwarm am Baum. Ich hin, er hing in einem Garten an einem kleinen Bäumchen bequem in Pflückhöhe. Eingesprüht mit Wasser, die Bienen in mehreren "Portionen" in einen Eimer geschüttelt und in eine neue Kiste mit Mittelwänden und 2 Futterwaben einlogiert, dabei z.T. die Bienen direkt in die Kiste geschüttet, die restlichen vor's Flugloch gesetzt.




    Am frühen Abend waren dann nur noch eine Handvoll Bienen an der Stelle am Baum wo der Schwarm hing. Flugloch also zu gemacht und die Bienen in meinen Garten (>>2km entfernt) zu den anderen Kästen gestellt.


    Eine Königin habe ich nicht gesehen.


    Heute nun dieses Bild am neuen Standort: Die Bienen kamen morgens erst zögerlich aus dem Flugloch, bis mittags wurden es dann immer mehr. Auf der Windel sah ich dunkles Wachsschrot an den Stellen wo die FW hängen, helle Wachskrümelchen (eher Würmchen) und transparente Wachsschüppchen über die gesamte Fläche verteilt. Ich interpretiere das so, dass sie begonnen haben zu bauen.



    Mir fällt auf, dass viele Bienen sterzeln. Tun sie das, um den Anderen, die sich einfliegen, den Weg zu weisen? Oder weil sie ihre Königin vermissen? Wie würdet Ihr das deuten?


    Da gute Tracht herrscht und das Wetter erstmal warm bleiben soll, würde ich nicht flüssig zufüttern.


    Habe ich alles richtig gemacht? Worauf sollte ich nun achten?



    Danke Euch für die Tipps.



    Schöne Grüße


    Johannes

  • Hallo Johannes,
    ich würde die Futterwaben das nächste Mal weglassen. So mancher Schwarm ist wegen dem Futter wieder ausgezogen.
    Das Sterzeln erachte ich als normal und würde es für die Anwesenheit der Königin deuten. Die zeigen halt nur den Weg zum Volk für die Ausflügler an...
    LG Andreas

  • Glückwunsch zum Schwarm :daumen:! Die Futterwaben würde ich wieder rausnehmen. Wenn überhaupt, Schwärme nach 3 Tagen füttern- die Gefahr, daß sie wieder stiften gehen ist sonst groß... Bei Tracht kann sich der Schwarm ganz gut selbst versorgen. Beim nächsten Mal kannst Du auch eine Bannwabe mit offener Brut aus einem anderen Volk mit dazu hängen. Und mach' das Flugloch größer!

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Danke :-)


    Das Flugloch habe ich jetzt ganz geöffnet. Auch mal kurz reingeschaut, nur eine Randwabe (FW) gezogen und gesehen dass die Bienen schon massiv Nektar eingetragen haben (Futter war sowieso nur auf einer handtellergroßen Fläche). Habe es dann nicht über's Herz gebracht diese rauszunehmen und lasse sie jetzt mal machen. Nächstes Mal bin ich dann schlauer.

  • Kurzer Statusbericht und noch eine Verständnisfrage:


    Der am 06.05. eingefangene Schwarm entwickelt sich prächtig: Es sind 6 Waben ziemlich voll mit Brut in allen Stadien vorhanden, und das Volk sammelt fleißig Nektar und Pollen.


    Da das mein erster Schwarmfang war, der mich völlig unvorbereitet getroffen hat, habe ich mich nicht streng an eine Anleitung gehalten, sondern "intuitiv" gehandelt. Wie ganz oben schon geschrieben, habe ich den Schwarm mit Wasser benetzt, die Bienen in mehreren "Portionen" in einen Eimer geschüttelt und in eine neue Kiste mit Mittelwänden und 2 Futterwaben einlogiert, dabei z.T. die Bienen direkt in die Kiste geschüttet, die restlichen vor's Flugloch gesetzt. Hat funktioniert. Das mit den Futterwaben werde ich nach Euren Hinweisen nächstes Mal bleiben lassen.


    Die gängigen Anleitungen sprechen allerdings von der Verwendung einer Schwarmfangkiste ohne Waben, in der sich die Bienen am Deckel aufhängen können, bevor man sie in eine Beute mit Mittelwänden einschlägt. "Einschlagen" bedeutet vermutlich "die Bienen von oben in die Beute kippen/fegen". Viele Imker lassen den Schwarm scheinbar auch "einlaufen", so zu sehen auf vielen Videos im Netz.


    Ich würde es eigentlich nächstes Mal wieder so machen wie oben beschrieben, bin aber doch etwas verwirrt ob der vielen Möglichkeiten. Wann ist welche Methode die Richtige? Was sind Vor-/Nachteile, wo liegen die Risiken?


    Bin gespannt auf Eure Antworten.



    Danke schonmal & schöne Grüße aus dem Regenland.


    Johannes

  • Hallo Johannes,
    ich für meinen Teil benutze einfach die Beute als Schwarmfangkiste. Ich montiere sie, stelle sie auf einen Tisch oder meine Tochter bzw. Frau halten sie direkt unter die Traube. Dann zupfe ich oder schlage auf den Ast, sodaß sie möglichst alle in die Kiste fallen. Mit Wasser benetzen ist gut. Dann lege ich den Deckel fast komplett drauf und warte bis es dunkel wird und sich die Bienen entschlossen haben erst mal drin zu bleiben. Ich habe am Anfang nur 4 - 6 Rähmchen drin, die Mitte ist frei, soll ja der Schwarm hineinfallen. Am Abend noch bevor ich den Deckel ganz drauf mache und das Flugloch verschließe oder am nächsten bzw. übernächsten Tag schiebe ich die restlichen Rähmchen sachte hinein. Ich verstelle die Kiste gleich in der ersten Nacht an den neuen Standort, gut zwei km entfernt. Füttern ist nicht gut. Meine Rähmchen sind Leerrahmen, mit Anfangsstreifen und zwei mit kompletten Mittelwänden, weil ein Schwarm sich irgendwo aufhängen will und auch gleich mit dem Bauen anfängt. Ich glaube, er brauch das. Extra Schwarmfangkiste und Kellerhaft mache ich nicht. Mit dem mehrfachen umschütten ist das so wie mit den billigen Möbeln. Drei mal umgezogen ist wie ein mal abgebrannt. Manchmal stülpe ich auch dem Anrufer oder Gartenbesitzer meinen zweiten Schutzbluson über, streife die Handschuhe drüber und versicher ihm glaubhaft, dass ihm garnichts passieren kann und dann muss er die Kiste über Kopf halten und mehr oder weniger gefüllt gleich darunter ruhig abstellen. Das ist ein Spaß wenn nicht gleich alle Bienen in der Kiste landen. Der Anrufer bekommt von mir übrigens ein Probierglas Honig.
    Das nächste mal dokumentierst Du dein Vorgehen, lässt einen Haufen Fotos machen und montierst sie mit Text zu einem ordentlichen Fotobuch. Das ist ein tolles Andenken, was zum durchblättern für Verwandte, Freunde und Kunden. Auch am Honigstand beim Schulfest oder Weihnachtsmarkt kannst Du dieses Exemplar auslegen. Allerdings solltest Du eine Kette dran machen :-).
    Viele Grüße und weiter so
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich mache es wie Wolfgang, allerdings gebe ich die restlichen Rähmchen gleich abends in die Beute und stelle den Schwarm dann an den vorgesehenen Platz am Stand. Nachschwärme kriegen bei mir grundsätzlich eine Bannwabe, die sind irgendwie reisefreudiger. Anfangsstreifen werden ruckzuck ausgebaut, dabei darauf achten, daß die Beute lotrecht steht. Seit ich in BR und HR nur noch Naturbau habe, spare ich eine Menge Zeit, Geld und Nerven.
    Schwarmfangkiste, Schwarmfangbeutel, Karton, Mülleimer- whatever, alles ist erlaubt, wenn es nur genug Luftlöcher hat, damit Dir der Schwarm nicht verbraust. Ist alles nicht nötig, aber praktischer, weil im Zweifelsfalle nicht so schwer und besser zu handlen, wenn der Schwarm ungünstig oder zu hoch hängt. Meine Schwarmfangkiste habe ich exakt 1x benutzt, mir genügt ein Eimer.
    Das Einlaufen lassen ist die elegantere Methode, aber wenn Du den Schwarm schon direkt am Baum in die Kiste geschlagen hast, erübrigt sich das ja. Es ist einfach ein tolles Schauspiel :daumen:!

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Konnte heute ca. 10 km von zu Hause einen relativ kleinen Schwarm 1/2 m über dem Boden direkt in Dadant-Beute schütteln, in die ich 4 Anfangsstreifen und 8 Rähmchen plaziert habe. Habe ihn an Standort zu Hause gebracht und will Flugloch bis morgen früh geschlossen lassen. Der Schwarm wurde auf einem Werksgelände eher zufällig gefunden. Da es heute bei uns kühl und regnerisch ist, vermute ich, dass der Schwarm mindestens seit gestern unterwegs ist. Da es auch morgen kühl und regnerisch sein soll, frage ich mich, ob ich evtl. morgen Futter geben sollte.
    Karl

    Etwa 10 Völker auf Dadant an etwa 3 Standorten. "Bienenrasse":roll:: was sich bei Nachbarimkern so bewährt hat.

  • Konnte heute ca. 10 km von zu Hause einen relativ kleinen Schwarm 1/2 m über dem Boden direkt in Dadant-Beute schütteln, in die ich 4 Anfangsstreifen und 8 Rähmchen plaziert habe. Habe ihn an Standort zu Hause gebracht und will Flugloch bis morgen früh geschlossen lassen.


    Hallo Karl. Warum willst du das Flugloch geschlossen halten ? Hält jemand das Flugloch geschlossen wenn der Schwarm in einen hohlen Baum einzieht. Also sofort Flugloch öffnen ! ! ! Du könntest höchstens eine Bannwabe einhängen. ( Bannwabe = offene Brutwabe ohne Bienen mit jüngster offener Brut.)


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Kellerhaft oder Flugloch schließen War Rat eines erfahrenen Imkers. Mag aber bei weit entfernt gefangenem Naturschwarm unnötig sein. Werde gleich morgen früh öffnen. Von Fütterung werde ich nach Ratschlägen hier im Forum absehen in der Hoffnung, dass die Damen durchhalten bis sie am Mittwoch bei Flugwetter Tracht holen können.
    Karl

    Etwa 10 Völker auf Dadant an etwa 3 Standorten. "Bienenrasse":roll:: was sich bei Nachbarimkern so bewährt hat.

  • Mag aber bei weit entfernt gefangenem Naturschwarm unnötig sein.


    Der Schwarm fliegt sich neu ein, egal wie weit entfernt er von seinem ursprünglichen Standort gepflückt wurde.

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    Terence McKenna

  • Kellerhaft oder Flugloch schließen War Rat eines erfahrenen Imkers. Mag aber bei weit entfernt gefangenem Naturschwarm unnötig sein. Werde gleich morgen früh öffnen. Von Fütterung werde ich nach Ratschlägen hier im Forum absehen in der Hoffnung, dass die Damen durchhalten bis sie am Mittwoch bei Flugwetter Tracht holen können.
    Karl


    Hallo Karl. Es ist vollkommen egal wo der Schwarm gefangen wird. Du kannst ihn sogar direkt neben das Volk stellen aus dem er kommt, denn durch das Schwärmen vergessen die Bienen den Standort wo sie herkommen. Naturschwärme kommen grundsätzlich nicht in Kellerhaft sondern werden abends am Fangtag auf dem zugedachten Standplatz aufgestellt. Ein erfahrener Imker ? Der keine Ahnung hat. Auch das zur Zeit herschende Wetter ist Trachtwetter das besagen die täglichen zunahmen auf meiner Waage.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Du kannst ihn sogar direkt neben das Volk stellen aus dem er kommt, denn durch das Schwärmen vergessen die Bienen den Standort wo sie herkommen. Ein erfahrener Imker ? Der keine Ahnung hat.


    Da gibt es aber reichlich Ausnahmen, die diese Regel bestätigen.


    Auch das zur Zeit herschende Wetter ist Trachtwetter das besagen die täglichen zunahmen auf meiner Waage.


    Und in Oberhausen ist das Wetter genau so wie im Bergischen Land? Das Trachtwetter wird auf Deiner Waage angezeigt.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)