Bienen werden stechfreudiger

  • Ich bin allergisch auf Bienengift, und mittlerweile nach zig Jahren der Meinung, daß man sich bei Stechern das Problem selbst macht.
    Wenn ich sehe, wie manche Kollegen an die Bienen gehen, gruselt es mich.
    Irgendwie haben zu viele Neuimker zuviel Angst vor ihren Bienen - und dann machen sie alles mit Tempo und Gewalt - das geht aber so nicht.
    Ich hab gestern die erste Volldurchsicht gemacht - mit nichts anderem als Nelkenöl-Tüchern. Kein Smoker.
    Und es war alles gut propolisverklebt.
    Wir haben keinen einzigen Stich bekommen.
    Und wir klopfen sozusagen mit den Nelkenöltüchern an, statt sofort an den Rähmchen rumzurupfen.
    Ich bin ein Weichei, und hasse es, wenn der Imker seinen Schiebeplatz nicht nutzt, und dann z. B. mal eben eine Reihe Drohnenbrut enthauptet, ohne es überhaupt zu merken.
    Es geht auch sensibler.
    Denkt mal drüber nach.......

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo und danke für die Aufmunterung und die Denkanstöße.
    Ich denke, ich werde jetzt die nächsten Wochen über erst mal genau beobachten, wie sich meine Bienen verhalten und versuchen, alle unnötigen Reize zu vermeiden. Wenn es sich herausstellt, das sie wirklich deutlich aggressiver geworden sind, werde ich mir Königinnen kaufen.


    Wann wäre da der optimale Zeitpunkt?


    Von der Verwendung von Nelkenöl habe ich noch nie gehört: wie genau funktioniert das und wie gehe ich da vor?


    Viele Grüße bei Schnee und Graupel, EPONA

  • Hallo,
    Danke für die Antworten.
    ....
    Ich kann das kaum glauben, sooooo brav waren meine Bienen noch nie, das ich mich das getraut hätte!


    Grüße, Epona



    .... Dann ist das jetzt sowieso kein Wunder. :p


    Ansonsten kannst Du lang hin warten und prüfen und tun. nach sechs Jahren Standbegattung usw. wirds Zeit für ne gute Neue, das ist einfach so.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Weil viele Eiegenschaften, u. a. Sanftmut, Wabensitz, ... durch langjährige Zuchtarbeit erst ausgelesen und gefestigt werden. Dazu braucht es eine erhebliche Anzahl Völker, damit man vergleichen und auslesen kann und eine gezielte Anpaarung mit passenden Drohnen auf Belegstellen. Bei Standbegattung mit wenigen Völkern ist es immer Zufall, was sich durchsetzt - also ist es sinnvoll nach ein paar Jahren wieder gezielt ausgelesene Königinnen einzusetzen.


    Gruß
    Marion

    Gruß Marion


    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Ja, das hat was, unbestritten.


    Aber mit zwei Völkern? Und es ist halt auch sehr abhängig von meinen Nachbarimkern. Wenn da welche davon überzeugt sind, dass nur aggressive Bienen mit der Varroa fertig werden und ausserdem die Aussenstände so am besten zu schützen seien ... "Anpassung an örtliche Verhältnisse" heißt eben nicht nur an Klima und Trachtverhältnisse, sondern auch an die örtlichen Imker.

    Gruß Marion


    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Ich habe letztes Jahr von einem Imker in der Umgebung einen Schwarm bekommen. Der lässt seine Völker seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, einfach schwärmen ohne jede Auslese. Dieses Volk ist sowas von lammfromm.
    Im Vergleich dazu eine angeblich Belegstellen begattete Königin aus dem Bieneninstitut in Mayen, AGT. Dieses Volk ist vielleicht nicht aggressiv, aber deutlich stechfreudiger als der Schwarm.

  • Weil die Nachbarimker gut arbeiten, stellst Du die Sache jetzt auf den Kopf? Der Schwarmimker mit den sanften Völker verdankt die Sanftheit seinen Nachbarn, bzw., seiner Nachbarn ihren Drohnen. Und die Nachbarn wundern sich vermutlich, warum sie keine Fortschritte machen bzl. der Schwarmträgheit. Und jetzt kommst Du und machst Dich unwissendlich lustig über der armen Leut Anstrengungen :)


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Lieber Ralf,
    nein, lustig gemacht habe ich mich nicht. Das war lediglich eine Erfahrung, die ich aktuell zu dem Thema mache. Ob Deine Erklärungen so stimmen, kann ich nicht beurteilen, u.a. weil ich nicht genau weiß, wer da in der Umgebung so imkert. Ich weiß nur von einem unmittelbaren Nachbarn, der ebenfalls schwärmen lässt. Ist aber sicher nicht der einzige Nachbar.


    Dass man durch ständiges Schwärmenlassen das Schwarmverhalten fördert, leuchtet ein. Dass man durch Standbegattung automatisch Stecher bekommt, mir nicht ohne Weiteres.

  • Dass man durch Standbegattung automatisch Stecher bekommt, mir nicht ohne Weiteres.


    Denke daran, dass es sich bei den Bienen, die du kennst, um eine Zuchtpopulation handelt. D.h. Tiere, die bestimmte, imkerdienliche Eigenschaften zeigen, wurden bevorzugt vermehrt. Damit befinden sich die Völker, die sich tatsächlich in Imkerhand befinden, am Rand des natürlichen Verhaltensspektrums. Sie sind besonders Schwarmträge, besonders Sanft und produzieren besonders viel Honig. Sobald du aufhörst zu selektieren - Standbegattung, ohne Ausmerzen von Stechern, oder gezieltes Nachziehen von besonders ertragreichen Völkern, wird sich über einige wenige Genrationen wieder ein normaleres Eigenschaftsspektrum einstellen. D.h. die Bienen werden wieder mehr zum Schwärmen neigen, werden agressiver und produzieren auch weniger Honig. (Nicht mehr als sie wirklich bräuchten um zu überleben.)
    Nur für die Vitalität der Bienen gilt dies nach einigen Generationen nicht. Anfangs wirst du unter Umständen noch einen Vitalitätsschub durch Heterosis beobachten. Aber da wir mittels Fütterung und Medikamentengabe auch noch Völker retten, die sonst durch Krankheit ausgemerzt worden wären, 'verweichlichen' unsere Bienen auf Dauer immer mehr - wenn man nicht die Völker gezielt vermehrt, die ohne solche Behandlung auskommen.


    Wenn du natürlich Glück hast - und die Nachbarn machen diese Arbeit für dich, wird diese grundsätzliche Tendenz dadurch maskiert, dass die Drohnen (siehe Ralf) in der Umgebung, aus Völkern stammen, die gerade die imkerlich gewünschten Eigenschaften haben. Dann wird deine Bienenpopulation unter Umständen sogar von den Nachbarn genetisch ins Schlepp genommen - hin zu einer Biene, mit der einfach zu imkern ist.


    Gruß
    Ludger

  • Ich habe letztes Jahr von einem Imker in der Umgebung einen Schwarm bekommen. Der lässt seine Völker seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, einfach schwärmen ohne jede Auslese. Dieses Volk ist sowas von lammfromm.
    Im Vergleich dazu eine angeblich Belegstellen begattete Königin aus dem Bieneninstitut in Mayen, AGT. Dieses Volk ist vielleicht nicht aggressiv, aber deutlich stechfreudiger als der Schwarm.


    Es doch sagen Einzelbeobachtungen nichts über generelle Vorgänge aus. Ich kann zum Beispiel darauf verweisen, dass ich einmal einen richtigen Stecher hatte - Begrüßung im Umkreis von 5 Metern. Das war ein Schwarm, den ich von einem Imker bekommen hatte. Unsere beiden Beispiele heben sich gegenseitig auf, es gibt immer verschiedene Beispiele - da ist es Zeit, auf die Fachleute zu hören.

  • Es doch sagen Einzelbeobachtungen nichts über generelle Vorgänge aus.


    Stimmt, deswegen habe ich mein Beispiel auch nicht weiter interpretiert. Nebenbei gesagt lassen sich aber mit Einzelbeispielen allgemeine Aussagen widerlegen oder zumindest relativieren.


    Danke, Ludger, für die sachlichen Erläuterungen. Im dem Zusammenhang finde ich die Arbeit von Günter Friedmann sehr interessant, der auf Basis von Schwarmtrieb selektiert. Als Berufsimker mit ein paar hundert Völkern hat er dabei natürlich viele Möglichkeiten. Aber er schreibt auch, dass sie bei einem Projekt in Ägypten von 100 Völkern nur ein wirklich für die Nachzucht geeignetes hatten und dann mit gutem Erfolg negativ ausgelesen haben. Das ist doch auch etwas für einen kleineren Bienenstand, oder? Da wäre wieder das Thema Basiszucht. Das regelmäßige Zukaufen von Königinnen finde ich ehrlich gesagt nicht wirklich zufriedenstellend.

  • Hallo Christoph,

    dass sie bei einem Projekt in Ägypten von 100 Völkern nur ein wirklich für die Nachzucht geeignetes hatten und dann mit gutem Erfolg negativ ausgelesen haben. Das ist doch auch etwas für einen kleineren Bienenstand, oder? Da wäre wieder das Thema Basiszucht. Das regelmäßige Zukaufen von Königinnen finde ich ehrlich gesagt nicht wirklich zufriedenstellend.


    * Das regelmäßige Zukaufen von Königinnen finde ich ehrlich gesagt nicht wirklich zufriedenstellend -> Ich auch nicht!
    * mit gutem Erfolg negativ auslesen -> damit tust du dir und deinen Nachbarn viel Gutes - das zögert die Entwicklung zumindest heraus. ("Stecher"/Kalkbrut/evtl. Varroaresistenz)
    * Basiszucht bei kleinerem Bienen(be)stand -> kaum möglich - dazu brauchst du große Bestände und die Lufthoheit deiner Drohnen. Aber wenn du deine Nachbarn koordiniert bekommst - durchaus ein Projekt wert.


    Gruß
    Ludger