Ist Honig ein vegetarisches oder tierisches Lebensmittel?

  • Hallo zusammen,


    gestern wurde ich von einem Kollegen gefragt, ob Honig eigentlich ein rein vegetarisches oder ein tierisches Lebensmittel ist.


    Vegetarisch, weil aus Nektar erzeugt?


    Tierisch, weil durch Bienen erzeugt und unter Bearbeitung von Bienenenzymen o.ä.?


    Habt ihr eine Erklärung?


    Gruß Jörg

  • Ich denke du bringst hier Begriffe durcheinander.


    Vegetarisch sind tierische Produkte, die vom lebenden Tier stammen (im Gegensatz z.B. zu Fleisch). Insofern ist Honig auf jeden Fall Vegetarisch, wie z.B. auch Milchprodukte.


    Meinst du vielleicht Vegan? Dazu würde Honig im strengen Wortsinn nicht zählen.


    Zitat


    Das Europäische Parlament definiert in einem Entwurf: „Der Begriff ‚vegan‘ ist nicht auf Lebensmittel anzuwenden, bei denen es sich um Tiere oder tierische Erzeugnisse handelt oder die aus oder mithilfe von Tieren oder tierischen Erzeugnissen (einschließlich Erzeugnissen von lebenden Tieren) hergestellt wurden.“


    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/…Definition_und_Abgrenzung

  • vegetarisch sind eben genau keine tierischen Produkte. Es kommt auf das Weglassen an.
    Auf jeden Fall musst Du (Jörg) aufpassen, dass kein Waldhonig mit rein kommt. Das erübrigt dann die Frage.:lol:

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Also: Vegetarier essen durchaus Eier und trinken Milch und essen Honig.
    Sie essen nur kein Fleisch - kein Totes Tier


    Veganer verzichten gänzlich auf tierische Produkte, essen daher auch keinen Honig

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Ich finde die Definition als solche wenig hilfreich.
    Für vegane oder vegetarische Ernährung gibt es schließlich viele Gründe: das Tierleid, das Weltklima (CO2- und Methanemissionen), die Abholzung des Regenwaldes, um Flächen für Viehfutteranbau zu schaffen, die Welternährungslage, die eigene Gesundheit usf.
    Schauen wir uns bezogen auf den Honig diese Gründe an, fallen viele davon weg. Im Gegenteil: Manches spricht für Honig oder zumindest für Bienen. Schließlich erhöhen die Bienen bei bestimmten Nutzpflanzen die Erträge ganz ohne Chemie. Nektar ist ein Surplus der Natur, der, wenn die Bienen ihn nicht sammeln, ungenutzt bliebe. Während wir diesen Surplus abschöpfen, entsteht eine zusätzliche Wertschöpfung durch die Bestäubung. Nachhaltiger als die Imkerei kann Landwirtschaft kaum sein. Selbst die Biopflanzenproduktion steht da in der Summe schlechter da. Selbst ein Fruganer hat da keinen guten Argumente, weil auch er auf die Bestäubung angewiesen ist.
    Bezeichnend für den Argumentationsnotstand der Veganer ist, wie viel Mühe sich z.B. PETA geben muss, um die Imkerei zu verdammen.


    Fazit: Wir sind die Guten!



    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • gestern wurde ich von einem Kollegen gefragt, ob Honig eigentlich ein rein vegetarisches oder ein tierisches Lebensmittel ist.


    Deiner Argumentation nach wär dann auch 'ne Frikadelle oder Milch rein pflanzlich, weil die Kuh hat ja nie was anderes als Gras gefressen :)


    Zu der Frage hatte ich mal vor Monaten was geschrieben. Unerfreuliches Thema.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich schließe mich den Vorrednern an:
    Honig ist vegetarisch, kann aber nicht vegan sein. Was nicht heißen soll das nicht trotzdem einige gemäßigte Veganer ab und zu Honig essen (aus von Wolfgang genannten Gründen #5).
    Ich hatte mal ein Gespräch mit einem Veganer darüber. Er hat mich gefragt ob denn nicht einige Bienen von mir zerquetscht werden und ob denn nicht Imkern Massentierhaltung ist. Ich hab geantwortet dass ich durchaus pro Durchsicht 2-3 Bienen unabsichtlich zerquetsche. Aber da im Sommer natürlicherweise durchschnittlich 2000 Bienen pro Tag sterben, da ja auch täglich 2000 geboren werden, macht das dem Organismus Bien nicht so viel aus. Da hat er mich aber angekuckt :eek: :lol: .
    Was haltet ihr davon?


    Grüße Sophie

  • Hallo zusammen,


    ja, ihr habt recht! Die Definition "vegetarisch" passt scheinbar nicht so richtig. Wenn ich etwas darüber nachdenke, dann meinte der Kollege wahrscheinlich "pflanzlich" vs. "tierisch".


    Die Frage zielte nicht auf diese Veganerproblematik. Die Veganer sind m.E. entweder religiös oder weltfremd. Da erübrigt sich sich jede Diskussion...


    Gruß Jörg

  • Deiner Argumentation nach wär dann auch 'ne Frikadelle oder Milch rein pflanzlich, weil die Kuh hat ja nie was anderes als Gras gefressen :)


    Das erscheint mit doch etwas zu abwegig.
    Ich hätte aber eine hinterhältigere Logik anzubieten: Ist Getreide, das mit Kuhmist gedüngt wurde, vegan? Und wie ist das mit einen durch Bienenbestäubung gewachsenen Apfel?
    Es gilt wie immer: Wer es sich einfach machen will, muss viel Realität ausblenden. Dazu braucht es ein gerüttelt Maß an Borniertheit.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hi


    meine Freundin ist Vegetarierin.
    Sie sagt sie esse nix wofür ein Tier getötet wurde.
    Habe sie auf die Verkehrstoten bei der Bienendurchsicht hingewiesen!
    Hierbei mache sie eine Ausnahme!


    Ich rede mir bei den Bienenquetschen ein das es sie alle ohne mich nicht gebe!


    Gruß
    Marco

  • Zitat

    Es gilt wie immer: Wer es sich einfach machen will, muss viel Realität ausblenden. Dazu braucht es ein gerüttelt Maß an Borniertheit.


    :daumen: Oft ist der Grund einer bornierten Haltung im versteckten Schuldgefühl zu suchen - egal ob zurecht oder nicht. Diese emotionale Basis wird dann durch allerlei versachlichten Argumente bis zur Unkenntlichkeit überbaut, so dass am Ende eine ideologisierte Position zu solchen Themen herauskommt. Nur in einer Überflussgesellschaft kann man sich das leisten; insbesondere um sich gegenüber dem Allgemeinen abzugrenzen. Eben eine Form der Borniertheit.


    Wir irren alle, ein jeder nur anders! (Lichtenberg)


    Beste Grüße


    Rainer

  • Weder muss noch kann man die Welt retten, auch nicht vor Veganern.


    Gemäßigten Vegetarismus kann ich persönlich noch gut nachvollziehen, ist nichts schlechtes, auch wenn es für mich nix ist.


    Bei Veganismus setzt's bei mir aber aus. Weil ich aber kein Missionar bin und jeder Jeck anders ist und sein darf, interessiert mich bei dem Thema nur eines:
    Wie kann ich einen extremen Vegetarier und womöglich sogar einen Veganer dazu bringen, trotzdem das hochwertige Lebensmittel Honig zu essen und möglichst bei mir zu kaufen?


    Und dafür hat WFLP ein paar tolle Argumente gebracht, die mir jetzt so spontan z.B. am Marktstand nicht eingefallen wären!


    Und was das Töten einzelner Bienen betrifft: Hier hilft vielleicht in der einen oder anderen Diskussion (ggf. auch mit sich selbst) die - berechtigte - Vorstellung, dass das BienenVOLK das eigentliche Wesen ist, die Einzelbiene nur eine Art "Körperzelle". Tautz sieht das durchaus so, Stichwort "Superorganismus".
    Dass jeder Körper ständig Körperzellen verliert, ist normal, also auch bei einem Superorganismus. Ob das jetzt ein paar Blätter eines Baumes sind, während man den Apfel pflückt oder Bienen während man Honig erntet, ist doch vergleichbar und unumgänglich.


    Wer aber selbst dann noch Probleme mit einzelnen toten Bienen hat, muss auch wie manche extreme Asiaten einen Mundschutz tragen, um nicht versehentlich kleine Insekten einzuatmen und muss ständig den Boden kehren, bevor er ihn betritt, um nur ja nichts zu zertreten!


    Gruß
    hornet