Zu hoher Milbenfall...wie vorgehen?

  • Hallo liebe Imkerfreunde,
    seit letztem Jahr imkere ich.Das ganze Jahr lief begleitend der Lehrgang. Mein Vater imkert seit 25 Jahren, ich hab also für schnelle Fragen immer jemanden...
    Also, ich habe mit 2 starken Völkern begonnen, 2 Ableger gemacht, bin mit 4 Völkern gut in den Winter, behandelt wie im Kurs besprochen, hab viel gelesen, auch hier schon viel gelernt.
    Ein Volk ist mir schon letztes Jahr aufgefallen.Sie haben Unmengen an Drohnen produziert. Den Drohnenrahmen noch dazu...dieses Volk hat sehr gut Honig gebracht.
    Im Herbst war die Königin verschwunden.Ich habe dann über Zeitungspapier am 29.7.einen Ableger mit schon Brut aufgesetzt.Diese Königin wurde angenommen.
    Nun ist dieses Volk über den Winter gar nicht zur Ruhe gekommen.Alle anderen 3 Völker haben eine schöne Wintertraube gebildet und in diesem war immer Party.
    Sie hatten auch zur Oxalsäurebehandlung den mit Abstand größten Milbenfall....Restentmilbung war das sicher nicht (insgesamt etwa 500)
    Nun hab ich letzte Woche mal Windeln gegeben...3 Völker keine und dieses in 24h etwa 25!
    Ich hab mal reingehen...6Brutwaben.Wu derber geschlossenes Brutnest.Sehr starkes Volk.Viel Pollen....was soll ich tun?
    Ich kann das so nicht lassen bis zur Honigernte. ...


    Bin sehr dankbar für eure Ideen.
    LG Anke

  • Hallo, ich würde mit AS und Langzeitverdunster behandeln. Den Honig darft Du dann nicht mehr verwenden, aber so wie Du es schilderst ist die Lage ernst. Ohne Behandlung kommst Du vermutlich nicht bis zur Honigernte. Eine weitere Möglichkeit wäre, 3 von den Brutwaben entnehmen und einen Ableger bilden. Den bekommst Du in der brutlosen Zeit mit Milchsäure nahezu Milbenfrei. Dann wieder vereinigen. Viele Grüße Tom

    Auch eine eierlegende Wollmilchsau gibt keinen Honig.

  • Hallo Anke,


    TBE (mit Fangwabe) kannst du jederzeit machen. Spontan würde ich in deinem Fall sagen - gegen Ende der Rapstracht. Dann nimmst du die Frühtracht mit dem Volk noch mit. Ca. 14 Tage sammelt das Volk nach der Brutentnahme noch weiter. Wenn dann bei euch Trachtpause ist, musst du unter Umständen zufüttern, weil die Bienen ja viel bauen müssen. Anschließend ist dann natürlich Sammelpause, aber zur Linde ist das Volk mit Glück schon wieder trachtbereit.
    Da du keine Medikamente einsetzt, darfst du den Honig auch ganz normal ernten (Honig füttern!). (Die entsprechenden Zeitpunkte solltest du entsprechend deiner Trachtbedingungen wählen)
    Den Varroabefall solltest du im Auge behalten. (z.B. Ausschütteln mit Puderzucker) Sobald die Schadschwelle von 5% aufsitzenden Milben erreicht ist, sollte du den Eingriff auf jeden Fall machen - auch wenn es gerade nicht in das Trachtfenster passt.
    Bei dem von dir beschriebenen Befall, wird es nicht ausreichen, sich auf Drohnenbrutschnitt zu verlassen.


    Gruß
    Ludger

  • Bitte bloß keine Ameisensäurebehandlung jetzt im Frühjahr machen! Nach meinen Erfahrungen wäre sonst Königinverlust programmiert.


    Würde jetzt gar nix machen, außer Drohnenbrut schneiden und erst nach Ende der Rapsernte bzw. wenn das Volk Schwärmen will, totale Brutentnahme machen (und das brutlose Volk mit Oxalsäure oder Milchsäure behandeln).

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • TBE (mit Fangwabe) kannst du jederzeit machen. Spontan würde ich in deinem Fall sagen - gegen Ende der Rapstracht. Dann nimmst du die Frühtracht mit dem Volk noch mit. Ca. 14 Tage sammelt das Volk nach der Brutentnahme noch weiter. Wenn dann bei euch Trachtpause ist, musst du unter Umständen zufüttern, weil die Bienen ja viel bauen müssen. Anschließend ist dann natürlich Sammelpause, aber zur Linde ist das Volk mit Glück schon wieder trachtbereit.


    :daumen: Genau so würde ich es auch machen. Wenn das Volk so fit ist, bauen die in null komma nix ein neues Brutnest auf und sind bei der Linde ggf. wieder dabei.


    Viel Erfolg


    Rainer

  • Die bei der TBE entnommenen Brutwaben sollten mit ansitzenden Bienen (ohne Königin) in eine andere Beute gegeben und mit AS behandelt werden. Unter diesen Bedingungen wird jüngste Brut getötet, sodass keine Königin gezogen werden kann. Sicherheitshalber sollte der Brutsammler nach einer Woche dennoch auf Weiselzellen durchgesehen werden. Wenn alle Brut geschlüpft ist, kann die Rückvereinigung erfolgen, wobei die Waben wegen der AS nicht mitgegeben werden sollten (Honigernte!).
    Dem Hauptvolk sollte die erste verdeckelte Brut entnommen werden, um die Milben zu fangen. Die muss dann leider vernichtet werden. Eine Fangwabe würde ich wegen des hohen Befalls nicht geben, weil die nicht ausreicht.
    Sinnvollerweise wird der Brutsammler auf oder vor das Hauptvolk gestellt, damit dessen Bienen nach der Rückvereinigung leichter das Muttervolk finden.
    Die gesamte Sanierung dauert ca. 10 Tage und sollte jetzt erfolgen.


    Gruß Ralph

  • Die bei der TBE entnommenen Brutwaben sollten mit ansitzenden Bienen (ohne Königin) in eine andere Beute gegeben und mit AS behandelt werden. Unter diesen Bedingungen wird jüngste Brut getötet, sodass keine Königin gezogen werden kann.


    Es gehört nicht ganz zum Thema, jedoch möchte ich Eure Meinung wissen: TBE im letzten Spätsommer ergab u.a. einen Brutsammler, der sich trotz / während der dreimaligen AS-Behandlung eine Kö gezogen hatte. Ich wollte sie schon abdrücken, jedoch legte sie ab Ende August fleißig und baute bis zur Einwinterung Anf. Oktober ein sehr ruhiges und gut gefülltes Volk auf. Dies ist gut über den Winter gekommen und sammelt jetzt fleißig. Gibt es Erfahrung mit solchen Königinnen - nach Lehrmeinung sollte die ja nicht besonders gut sein. Dennoch - einen Wechsel würde ich nur vornehmen, wenn es Schwierigkeiten gibt....


    Besten Dank für Eure Meinung


    Rainer

  • Hallo,
    Erst einmal vielen Dank für Eure Ideen.


    Nun hab ich mich zu der krassesten Methode entschlossen, wie von Ralph vorgeschlagen, nachdem ich eine Biene auf dem Anflugbrett mit 2 anhaftenden Milben gesehen habe. Sie hat sich so sehr versucht zu putzen, schrecklich.
    Habe also alle Brut mit aufsitzenden Bienen entnommen, mit AS behandelt....
    Wenn ich die geschlüpften Bienen nach 10Tagen zurückgeben, werde ich ja wieder die gesamte Brut aus dem Mutter volk nehmen.
    Statt sie zu vernichten, könnte ich sie doch auch noch behandeln und zurückgeben. Oder was sagt ihr dazu?
    Würde mir sonst etwas leid tun.
    Lg Anke

  • Statt sie zu vernichten, könnte ich sie doch auch noch behandeln und zurückgeben. Oder was sagt ihr dazu?


    Aber doch nicht mit AS um diese Jahreszeit!? Wo lernt man denn sowas!? Wir haben hier noch regelmäßig Nachttemperaturen im unteren einstelligen Bereich. Notfallplan: Nimm die Brutwaben raus und schmilz sie aus. den Bienen gibst Du ein paar Futterwaben und behandelst zwei Tage nach der Brutentnahme mit Milchsäure die Bienen auf den Waben. Wenn Du keine Futterwaben hast, dann Mittelwände - dann mußt Du aber flüssig füttern! Wenn Du kannst, verstärk das Volk nach der Brutentnahme noch mit Bienen aus anderen Völkern. Viel Erfolg!


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife