Fragen zum Transport von Eistreifen

  • Hallo liebe Mitimker


    Ich lebe ja seit einigen Jahren in Brasilien und habe die dort üblichen afrikansierten Bienen. Nun hätte ich die Möglichkeit, Zuchtstoff einer Italienerin zu bekommen. In Deutschland war das alles kein Problem mit Umlarven und kurzer Fahrt, hier ist es etwas "speziell". Es sind ca. 2800km Busfahrt - wenn alles klappt, also ca 42h Fahrt. Mein Gedanke war nun, Eistreifen zu transportieren. Damit habe ich aber keine Erfahrung und weiß nicht, was ich beachten muß. Eine Suche im Netz nach detailierten Auskünften blieb erfolglos. Deshalb hier meine Fragen:


    Kann man über diese Dauer überhaupt Eistreifen unbeschadet transportieren?
    Wenn ja,...


    1. in welchem Alter sollten die Eier am besten sein?
    2. wie verpacke ich sie am besten?
    3. müssen die Eistreifen warm bleiben oder dürfen sie abkühlen (im Bus ist Klima auf 18°C) ?
    4. nach Ankunft die Eistreifen in ein Pflegevolk bis die Larven schlüpfen und dann umlarven oder den Eistreifen gleich gekippt zum Pflegen einhängen (sie räumen generell sehr gern aus, was man einhängt...)?
    5. hab ich sonst noch was vergessen und nicht bedacht?


    Vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen...


    Borschard

  • Hallo Borschard,


    kannst du auf deiner Fahrt auch Bienen transportieren? Es ist vermutlich einfacher einen Anbrüterkasten zu transportieren und den Zuchtstoff auf der Fahrt schon pflegen zu lassen, als einen Eistreifen über solch einen Zeitraum zu transportieren.
    Aber es stellt sich die Frage: "bringt dich der Import von ein paar Eistreifen denn wirklich weiter?" Wenn die afrikanisierten Bienen in deiner Gedend üblich sind, wird sich deren Einfluss - über die Drohnenseite, doch sofort wieder bemerkbar machen. Wenn du Königinnen ziehst und die auf deinem Stand 'Standbegatten' lässt, doch sogar bereits in den Völkern, die deine mühselig importierten Italienerinnen aufbauen werden!


    viel Erfolg
    Ludger

  • Hallo Ludger


    Bienen im Bus ist mehr oder weniger unmöglich. Königin würde gehen, aber bei den afrikanisierten Bienen hier, werden die meisten menschen schon bei der Erwähnung hysterisch. Geschweige denn, daß man im gleichen Bus sitzen will... deshalb zuchtstoff.
    Und deine Einwände sind berechtigt... es ist mir klar, daß die Bienen der Umgebung viel Einfluß haben werden. Aber ich strebe keine Perfektion und Reinzucht an. Lediglich eine etwas zahmere Biene als jetzt.
    Aber da der Vatereinfluß bei Drohnen wegfällt, weil sie aus unbefruchteten Eiern entstehen, kann ich mit den hier standbegatteten Königinnen trotzdem Italienerdrohnen bekommen. Das ist dann Teil 1 des Projekts: Drohnenspender.


    Im zweiten Teil hoffe ich dann auf eine Königin, um weitere Weiseln zu ziehen, die auf Drohnen der jetzt geplanten Völker treffen. Wobei hier schwer zu kontrollieren ist, auf wen die da noch alles treffen...
    Es wird immer ein schwieriges Jonglieren sein, v.a. da afrikanisierte Minischwärme auch gern mal Völker "übernehmen". D.h. Ableger gehen wohl nur entsprechend stark gebildet usw... aber selbst eine kleine Besserung des Verhaltens gegenüber jetztigem wäre angenehm.


    Viele Grüße,
    borschard

  • Hallo Borschard,


    Busfahren ist natürlich schwierig. Obwohl ein solcher Kasten auf jeden Fall bienendicht sein muss, ist der psychologische Effekt natürlich nicht zu vernachlässigen.
    Das mit den Drohnen siehst du richtig. Auch bei Standbegattung, würdest du von diesen Königinnen reine Ligustica Drohnen bekommen. Aber du müsstest schon mit ziemlich vielen Völkern arbeiten, um auf Dauer in deiner Umgebung eine Insel mit Itanlienerinnen aufrecht zu erhalten. Wie viele Völker planst du denn?


    Gruß
    Ludger

  • Angestrebt sind mal 10 Drohnenvölker. Danach dann Phase 2 mit Königinnenzucht - geplant ist hier "Mondscheinbegattung", um die Chancen, daß die gewünschten Väter zum Zug kommen, etwas erhöht sind.
    Ob und wie das alles klappt, wird sich dann zeigen...

  • Hmm,


    so aus dem Bauch raus würde ich sagen - multiplizier die Drohnenvölkerzahl mit 20 und du hast eine Chance. Aber wenn du das mit Hilfe der Mondscheinbegattung tatsächlich hinbekommst, mach bitte einen neuen Thread dazu auf - bin sehr interessiert. Ganz ehrlich, wenn du eine entsprechende "Betriebsweise" entwickelst, wäre das auch hier interessant.


    Eistreifentransport ist vermutlich über diesen Zeitraum nicht möglich. Eine gut isolierte (z.B. Styropor-)Box mit feuchtem Handtuch (damit die Eier und Larven nicht austrocknen) wäre ein Versuch - aber garantieren würde ich da für nichts. Normalerweise werden ca. 90min für den Transport von jüngsten Larven angegeben. Eier sind etwas robuster, aber die werden nach dem Umlarven praktisch nicht angenommen.
    Kannst du bei dem Kollegen, der dir das Eistück gibt, nicht gleich unbegattete Königinnen holen? Oder absprechen, dass er dir eine Reihe für den Zweck zieht? Begattete Königinnen wären natürlich noch besser und würden dir noch weiteres Tempo für dein Projekt bringen. Die Königinnen kannst du mit wenigen Begleitbienen problemlos transportieren. Du musst dann zuhause nur sicherstellen, dass du geeignete Völkchen zum einweiseln hast.


    viel Erfolg
    Ludger

  • Die Eier sollten möglichst jung sein. Die Eistreifen in feuchte - aber nicht nasse Tücher wickeln. Tücher auswringen. Damit die Eistreifen umwickeln. Das Ganze dann in eine Plastiktüte, gegen das Austrocknen. Die Tüte sollte aber nicht zu fest verschlossen werden. Sonst fängt es an zu sticken und zu schimmeln.


    Zuhause angekommen eine Wabe mit Maden und Eiern aus einem Volk entnehmen und den Eistreifen passend in die Wabe einschneiden. Einfach drauflegen, mit dem Messer rund herum die darunter liegende Wabe ausschneiden und dann vorsichtig reindrücken. Ich setze diese Wabe am liebsten in ein Pflegevolk, das extra zur Pflege von Zellen aufgesetzt wurde. Weisellos! Die räumen nicht so schnell aus.


    Sobald die Maden geschlüpft sind, wird umgelarvt.


    48 Stunden solltest Du Zeit haben, wenn die Eier unter einem Tag alt sind. Und lieber etwas kühler halten, als zu warm.

  • Hallo Borschard,


    super interessant!


    Wäre der Transport von verdeckelten Weiselzellen nicht vielleicht einfacher und sicherer? Direkt nach der Verdeckelung (6. Tag)?


    Und ich dachte, dass die afrikanisierten Völker abgesehen von der Stichigkeit mehr Honig bringen und das mit der Varroa komplett selbst regeln.


    Lohnt so ein Kampf auf verlorenem Posten überhaupt?


    Gruß Jörg

  • Zitat

    Lohnt so ein Kampf auf verlorenem Posten überhaupt?

    Lohnt sich auf jeden Fall, das macht doch das Imkern interessant. Ich möchte auch mal wissen ob die Mondscheinbegattung funzt.




    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo zusammen


    Erstmal danke Bernhard für die Infos. Ich dachte als Verpackung statt Tüte eine alte Margarinedose, weil die stabiler ist. Da könnte ich dann ein paar Lüftungslöcher in den Deckel machen. Bin schon mal gespannt... v.a. auf die Annahme


    @ Jörg: man muß nehmen, was man bekommt. Wenn ich Weiselzellen oder Königinnen bekomme, sag ich nicht nein. Aber er hat da nichts versprochen...
    Und es ist kein Kampf... lediglich der Versuch, eine ungeliebte Eigenschaft runterzudimmen. Zumindest zeitweise. Ich glaub in Brasilien ist man nicht so perfektionistisch. Und wenn es zwei Jahre "angenehmer" imkern ist, dann ist ja gut. Und dann holt man halt wieder was. Und ja, die Afrikanisierten bringen Honig - mehr, wer weiß??? ich hatte letztes Jahr vom besten Volk 45 Liter Honig - und sie kommen mit der Varroa allein klar. Die Stichhaltigkeit ist halt etwas hoch, wenn man gut entwickelte Völker in 10er Dadant oder 12er Gerstung hält und die Honig haben. Und zwar so hoch, daß keine Zuchtbewertung aus D noch irgendeine Note dafür hat. Lediglich frisch "geerntete" Völker aus Häusern etc. die klein sind und kaum Futter haben, sind weniger wild. Sie schwirren, aber sie stechen kaum. Aber wenn ich an meinen Beuten in der Saison auch nur mal den Deckel anhebe, kommt ein sattes Brummen, daß mir die Knie weich werden und ich nicht weiß, ob ich weiter aufmachen will.


    @ Remstalimker: Ja, probieren ist immer interessant. Und Mondscheinbegattung ist meine einzige Hoffnung - oder Selbsttäuschung? - etwas an der Anpaarung beeinflussen zu können. Belegstelle wird bei uns schwierig und für künstliche Besamung fehlt mit die Geduld und ruhige Hand sowie die Knete. Wäre aber bei uns wohl der einzig "sichere" Weg...


    Ich werde mich dann melden, wie es geklappt hat.


    Viele Grüße und frohes Auswintern,
    Borschard