Agressives Volk: Anfänger überfordert

  • Hallo!


    Ich bin jetzt im 3. Imkerjahr und dachte, dass ich für so ziemlich jede Situation vorbereitet bin. Irrtum!


    Ich habe ein Volk, dass wirklich extrem agressiv ist. Alles hat letztes Jahr angefangen, als ich einen Schwarm von einem meiner Völker eingefangen habe.
    Der Schwarm entwickelte sich super, hat sogar noch 15 kg Frühtracht eingetragen. Ich hatte dann 2 Mal Besuch am Stand und die Besucher wurden shcon von weitem attakiert (ich auch!). Auch die Nachbarn beschwerten sich.
    Bei der Durchsicht bemerkte ich, dass der Schwarm das Problem ist. Mangels Ersatz-KÖ habe ich den erstmal in den Wald gestellt.


    Heute habe ich alle Völker durchgeguckt und bei 4 von 5 keinen einzigen Stich bekommen (mit Zargen-Wechsel, komplett auseinander nehmen, nicht zimperlich, usw).
    Beim ehemaligen Schwarm habe ich in voller Montur mindestens 8 Stiche kassiert OHNE Durchsicht, ich wollte vom ehem. Schwarm nur den Futterteig entfernen. Ich sah da übrigens aus wie ein Bienen-Mann, weil ich voll besetzt mit Attacke-Bienen war, die haben sich alle auf mich gestürzt.
    Bei Rauch wird das Volk noch agressiver bzw zeigt keine Wirkung. Anstatt in die Gassen zu kriechen heißt es: Attacke.
    Oder ich versuche für die Durchsicht die 2. Zarge anzuheben. Ergebnis: Hunderte Bienen in der Luft auf der Suche nach einem Ziel...(mit Rauch/Ohne Rauch/Wasser...)


    Jetzt bin ich mir sicher, dass es an der Kö liegen muss. Die Frage ist: Was macht man mit so einem Volk. Es besetzt jetzt schon 2 Zargen und die traue ich mich selbst in voller Montur nicht durchzugucken! Außerdem ist durch die Bienenmasse keine Kö zu finden.


    Bei einem anderen Volk würde ich die Kö entnehmen und es ausfegen, später im Jahr wäre normales Umweiseln eine Option.
    Aber bei diesem Volk bin ich ratlos, denn jegliche Arbeiten an dem Volk sind unmöglich. :confused: Ausfegen trau ich mich da nur mit anwesendem Arzt und Adrenalin für den Notfall...

  • Vor den Arbeiten zwei leichte Rauchstöße durchs Flugloch. Dann Deckel leicht anheben, leichter Rauchstoß in den Spalt. Immer nur wenig Rauch einsetzen, zuviel Rauch verärgert solche Völker nur noch mehr.


    Langsamer und behutsamer arbeiten. Viel langsamer. Noch behutsamer. Kein Ruckeln, kein Stoßen. Alles ganz piano. Besondere Vorsicht im Brutbereich, da reagieren solche Völker am sensibelsten. Arbeiten zügig durchführen, alles über vier Minuten erzeugt zu viel Unruhe.


    Ich wurde schon häufig zu solchen Fällen von "Killerbienen" gerufen und alle Völker ließen sich von mir ohne Schleier und mit wenig Rauch bearbeiten. Man muss eben vernünftig mit den Bienen umgehen.


    Warte nochmal zwei Wochen ab. Dann sind mehr Jungbienen im Volk, die sind weniger aggro als die alten Tanten.

  • Ich habe mich vielleicht nicht deutlich ausgedrückt, wie das abläuft bei dem Volk:
    a) Ich komme an den Bienenstand
    b) Ich hebe den Deckel leicht an
    c) Ich habe 200 Bienen hinter mir her - wenn ich einen Rauchstoß reintue, dann sind es mit "Glück" nur weitere 200.
    Bitte nehmt die Zahlen "100" / "200" nicht zu genau. es ist ein großer schwarzer haufen Bienen, der aus der Beute rauskrabbelt, sobald man den Deckel anhebt. Noch bevor man die Chance hat, überhaupt mit dem Smoker zu kommen. Und wie gesagt, der Smoker macht es schlimmer, die Bienen ziehen sich nicht zurück!


    Wie gesagt - mit allen anderen Völkern keine Probleme, nur das eine.

  • Hallo Genscher.
    Einfach ein kleines Weiselrichtiges Volk auf den Standplatz des Stechers setzen. Stecher 5-10m versetzen. Die Stecherbienen fliegen wieder zum alten Standplatz zurück. Stechervolk auf KÖ kontrolieren und den Daumen zeigen. Stecher oben über Zeitung aufsetzen und 6 Wochen warten.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Ein von mir betreuter Anfänger hatte sich einmal extreme Stecher andrehen lassen; deshalb weiß ich dass es Völker gibt, wo Bernhards Tipps nicht helfen.
    Die Völker griffen alles in der Umgebung an. Es reichte, sich auf ca. 40m zu nähern, dann stürzten sich die ersten auf einen. Stand man direkt neben der Beute, war man schon von vielen Bienen bedeckt. Rauch ins Flugloch geben? Dann ging's erst richtig los. Deckel anheben? Keine Chance.
    Hier hilft nur: Stiefel an, Vollmontur, Handschuhe.
    Wie wird man das los?
    Ich würde dieses Volk jetzt bis Mitte April in Ruhe lassen. Dann mit Vollmontur sämtliche Drohnenbrut entfernen. Dann in Ruhe lassen, bis an anderen Völkern Drohnen zu sehen sind. Jetzt komplette Brutentnahme, Brut vernichten und Nachschaffungswabe oder umgelarvte Maden geben. Das Volk zieht sich eine Königin, Stecherdrohnen gibt es nicht und ab Juni wird das Volk sanftmütig werden.


    Gruß Ralph

  • Moin,Moin...
    Genscher : Zu Beginn unserer Karriere hatten wir auch so ein Volk. Kein Imkerkollege konnte uns auch nur einen Rat geben.
    Erst ein Imkeranfänger hatte dann die rettende Idee: Wir, mit Gummistiefeln, Regenhose, Pullover und Imkerklamotte haben an die Stelle der alten Beute eine andere, leere gestellt und das Flugloch mit einem Absperrgitter zugestellt. Monika hat Wabe für Wabe in 5m Entfernung auf ein ausgebreitetes Bettlaken abgefegt, während ich die leere Wabe wieder in die neue Beute am alten Platz gehängt habe.
    Irgendwann sind soviel Bienen abgeflogen, daß man die Königin mit Hofstaat findet. Neue Königin eingeweiselt und nach 14 Tagen war Ruhe am Stand.
    Eventuell hilft es bei Dir ja auch jetzt schon, ohne eine neue Königin, sonst wartest Du eben noch ein wenig.
    Toi,Toi, Toi aus der Heide...Ralf

  • Hallo Ralph,


    ich hatte das letztes Jahr mit 2 Kampfeinheiten so gemacht wie Du schreibst. Extra Vollschutz gekauft, dicke Klamotten unter den Overall, Stiefel, Handschuhe. Brut komplett vernichtet, aus anderen Völkern je eine Nachschaffenswabe eingehängt. Dann durfte ich bei Volk 1 ca. 100 Zellen brechen, bei Volk 2 waren es ca. 90. Wenn ich damit gerechnet hätte, wäre eine Gelle Royal Sammelaktion rentabel gewesen. Die Königinnen stammten von einem renommierten Buckfastzüchter, allerdings standbegattet.
    Die waren so schlimm, daß unser Nachbar (mehr als 50 Meter entfernt) seinen Garten nicht benutzen konnte.


    Aber die Aktion verlief erfolgreich.


    Gruß
    Ulrich

  • Einfach ein kleines Weiselrichtiges Volk auf den Standplatz des Stechers setzen. Stecher 5-10m versetzen. Die Stecherbienen fliegen wieder zum alten Standplatz zurück. Stechervolk auf KÖ kontrolieren und den Daumen zeigen. Stecher oben über Zeitung aufsetzen und 6 Wochen warten.


    :daumen: so wird's gemacht. Wenn die Flugbienen nach ein- zwei Tagen erstmal weg sind, sind die auch deutlich harmloser zu bearbeiten.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich würde sie auch nicht selber nachziehen lassen,


    meine beiden wilden Stecher ( auch von einem Buckfastzüchter-standbegattet) hatte ich durch Entnahme der KÖ einfach machen lassen.
    Ergebnis: wieder Stecher ( zwar nicht mehr so schlimm, aber noch nicht "erträglich"


    Daher finde ich "derbocholter's" Tip für prima!

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Hallo,


    ich finde das auch die eleganteste Lösung. Ist am leichtesten umzusetzen, und man hat minimalen Kontakt mit den Kriegerinnen.


    Gruß
    Ulrich

  • Die Frage ist: Was macht man mit so einem Volk. Es besetzt jetzt schon 2 Zargen und die traue ich mich selbst in voller Montur nicht durchzugucken! Außerdem ist durch die Bienenmasse keine Kö zu finden.


    Guten Morgen!
    Das Problem ist wohl die nicht zu findende Königin. ...und wenn sie dann eventuell noch ihr Plättchen verloren hat?
    Da bin ich gespannt auf die neuen Lösungsvorschläge. :wink:
    Liebe Grüße ...Ralf

  • Schmunzel!


    Stellt man ein kleines Volk an den Standplatz des Stechers, hat man vorerst einen neuen Stecher und der alte wird weiter stechen. Die Stecherei kann auch schlagartig aufhören.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol: