Blumenwiese auf ehemaligem Weideland (Wiese) anlegen

  • Hallo liebe Imker,


    ich habe vor, in diesem Jahr eine mehrjährige Blumenmischung (Blühende Landschaft, Rieger-Hofmann) auf eine ca. 1000m² große, ehemalige Weidefläche zu sähen.
    Diese Fläche wurde ca. 15-20 Jahre als Weidefläche genutzt und verfügt demnach über eine sehr dichte Gräserkultur, die sehr stark durchwurzelt ist. Seit ca. 5 Jahren ist diese Wiese unbenutzt, wurde jedoch einmal im Jahr gemäht und ist aktuell ca. 30cm hoch mit Gräsern bewachsen...
    Lässt sich die Wiese überhaupt "einfach" in dem festen, durchwurzelten Zustand umpflügen? Ich habe erfahren, dass sich, wenn Pflügen möglich ist, eine Silageschicht bildet und diese sich negativ auf das Pflanzenwachstum der späteren Blumenwiese auswirkt!?
    Zudem besteht sicherlich das Problem der Rekultivierung durch die Gräser... Schließlich sollte man ein ebenes, "unkrautfreies" bzw. gräserfreies Saatbett schaffen, damit sich eine langjährige Blumenwiese entwickeln kann.


    Nun zu meiner Frage:
    Wie lässt sich diese Wiese mit möglichst geringem Aufwand bearbeiten, sodass sich dort eine "blühende Landschaft" (Dauer min. 5 Jahre) etabliert?



    Schon einmal vielen Dank für Eure Antworten!


    Viele Grüße
    ImkerKonrad

  • Eine geschlossene Reitgrasfläche in eine Blumenwiese zu verwandeln ist nicht ganz einfach. Vielleicht flächig Silofolie auflegen, ein halbes Jahr warten, dann die Bodenbearbeitung machen und einsäen. Kannst auch erstmal nur Streifen abdecken u. bearbeiten und später da einsähen. Es wird aber so oder so etwas mühseelig. Mit 'möglichst geringem Aufwand' könnte/würde Dir der RoundUp-Anwendungsspezialist allerdings mit leuchtenden Augen sofort ein bestimmtes Produkt ans Herz legen :)


    Paßt denn die Saatmischung zum vorhandenen Boden? Sonst wird das eh nix.


    Viel Erfolg, beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Vielen Dank für die hilfreiche Antwort. Silofolie ist eine gute Idee, aber lässt sich denke ich vorallem finanziell auf 1000m² schlecht umsetzen. RoundUp...!? :mad: Das versuche ich zu vermeiden...
    Die Saatgutmischung ist speziell für Nordwestdeutschland ausgelegt und verträgt sich mit unserem Lössboden recht gut. Ich habe diese Mischung schon einmal auf einem kleineren Stück ausgesät, jedoch spielte da das Wetter nicht wirklich mit und ein Teil der Samen keimte aufgrund von Trockenheit nicht...


    Ist denn Umpflügen tendenziell möglich? Auch hinsichtlich Silagebildung?


    Viele Grüße
    ImkerKonrad

  • Lieber Konrad,


    meine Erfahrungen mit dem Thema sind etwas kleiner: Garten im vorletzten Jahr neu anlegen lassen, gesamter Boden gesiebt, um die Brombeeren loszuwerden, da vorher sandiger Magerboden. Der sollte erhalten werden, um eine Blumenwiese auf ca. 700 qm anzulegen (Veitshöchheimer Blumenmischung, Appels wilde Samen) und den natürlich angesiedelten Pflanzen eine Chance zu bieten. Im ersten Jahr ging das Konzept auf - viel Mohn, Kornblumen zusätzlich gesäht, Ringelblumen, aber auch seltenere Blühpflanzen bis hin zu Spezialisten, die eben nur auf trockenem Gelände wachsen (kahle Gänsekresse). Den Mohn haben wir reduziert, da er sonst alles überwuchern würde. Der Rest kommt in diesem Frühjahr erneut - hoffen wir mal das Beste ! Absehbar ist aber, dass sich Rotklee und eine bestimmte Grassorte durchsetzen wird (die nicht blüht !).


    Insofern tippe ich perspektivisch auf eine arbeitsreiche Begleitung, zumindest in den ersten Jahren. Ziel ist es, eine dem Boden und Klima angepasste Wildwiese zu bekommen, die sich natürlich im Bewuchs wandelt, bis sich ein Gleichgewicht eingestellt hat. Ziel ist weiterhin, dass möglichst immer blühende Pflanzen verfügbar sind. Das wir aus meiner jetzigen Sicht nur mit ständigem gezielten Sähen von Blühpflanzen erreichbar sein.


    Aus der Entfernung ist es schwer, dein Vorhaben zu beurteilen. Nach dem Schnitt des aktuellen Bewuchs' lässt sich die Wiese sicher pflügen, wenn Du Zugang zu entsprechendem Gerät hast. Ein "gräserfreies" Saatbett ginge nur durch Entfernen der Gräser (Sieben). Das macht man bestenfalls einmal bei Neuanlage, jedoch kommen sie auf natürliche Weise durch Sameneintrag wieder.


    Wie ist die Bodenbeschaffenheit ? Mager- oder humusreicher Boden ? Die Blühmischung muss entsprechend zum Boden passen, damit sie eine Chance hat, gegen das Gras anzukommen. Mittel- bis langfristig werden sich nach meiner Meinung dann die Gräser wieder durchsetzen - insofern muss man begleiten und ggf. gezielt nachsähen. Dann ist es eben eine kultivierte Blumenwiese....


    Viel Erfolg


    Rainer


  • Ist denn Umpflügen tendenziell möglich? Auch hinsichtlich Silagebildung?


    Sorry, habe ich gerade erst gelesen.... Ich denke, das mit der Silagebildung lässt sich nicht vermeiden, jedoch baut sich die auf Sicht ja ab. Vielleicht hilft es, Schritt für Schritt vorzugehen und als erste Maßnahme Phacelia einsähen, das Du nach dem Blühen wieder mähst und umpflügst. Damit wäre erst einmal das Gras reduziert und die Blühmischung ließe sich vor dem Herbst einsähen....


    Wo sind die landwirtschaftlichen Experten ?


    Rainer

  • Hallo Rainer,


    ähnliche Erfahrungen habe ich bei meiner im letzten Jahr durchgeführten Aktion auf ca. 100m², jedoch ohne so eine gründliche Vorbereitung (Sieben etc.).
    Ich visiere auch das Ziel an, eine dem Klima und Boden angepasste Flora anzulegen, die sich im Laufe der Jahre selbst entwickelt und sich somit Arten durchsetzen, andere jedoch auch verdrängt werden. Gras wird mit Sicherheit wieder aufkeimen, das finde ich auch nicht schlimm, aber ich möchte zu Anfang möglichst beste Bedingungen zum Aufkeimen und Wachsen aller Wild- und Kulturarten schaffen, damit diese wenigstens ein gewisses Potenzial zur Etablierung besitzen.
    Der Boden der Soester Börde ist nass und nährstoffreich, ich denke vorerst gute Bedingungen für die Blumenwiese.
    Phacelia ist eine gute Idee, jedoch möchte ich mich nicht zu sehr mit der Blumenwiese befassen: Einmal sehr gründlich bearbeiten und somit beste Bedingungen schaffen, und diese dann mehr oder weniger sich selbst überlassen. (Kein Schnitt, da Stauden-Wintersteher ökologisch sehr wertvoll.)


    Viele Grüße
    Konrad

  • Für Blühpflanzen darf der Standort nicht zu nährstoffreich sein, sonst nehmen Gräser und andere stickstoffliebende Pflanzen überhand.
    Entweder mit Sand ausmagern, oder über mehrere Jahre mähen und das Mähgut abtransportieren und nicht düngen.

  • Für Blühpflanzen darf der Standort nicht zu nährstoffreich sein, sonst nehmen Gräser und andere stickstoffliebende Pflanzen überhand.
    Entweder mit Sand ausmagern, oder über mehrere Jahre mähen und das Mähgut abtransportieren und nicht düngen.


    Die genauen Bedingungen des Bodens kenne ich nicht, jedoch ist er keinesfalls mager und ist auch nicht sandig, sondern schwer und nass... Düngung werde ich jedenfalls unterlassen.



    ImkerKonrad

  • Guten Tag!
    ImkerKonrad : Die Bezeichnung "Silo" triffts nur mäßig. Silage entsteht nur unter Luftabschluß. Die Grasnarbe/ Grassode verkompostiert in der oberen Bodenschicht.
    Um Deine Saatmischung loszuwerden, brauchst Du ein feinkrümmeliges Saatbett ohne Quecke. rase hat vollkommen recht, wenn er Dir zur Silofolie rät. Die muß aber länger liegen bleiben. Die Kosten sind minimal, wenn Du Dir von den Bauern gebrauchte Folie holst und diese dann auf Deine Rechnung entsorgst. Die Folie muß gründlich überlappend ausgelegt und gründlich festgelegt werden.
    Oder eben Round Up, das aber erst funktioniert wenn Blattgrün ausreichend vorhanden ist und dann brauchts auch noch Zeit, damit die Pflanzen absterben.
    Anschließend ist flach - höchstens 20 cm tief - zu fräsen, damit man hinterher - gerne tiefer, damit die Unkrautsaat in der Tiefe verschwindet - sauber pflügen kann.
    Mit dem Grubber krümeln und aussäen. Walzen ist wichtig.
    Grünlandumbruch ist teurer, langwieriger und arbeitsintensiver als man sich das so vorstellt. Sparst Du, wird es hinterher doppelt teuer, weil nicht geglückt.
    Viel Erfolg ...Ralf


    P.S. Auf bestem Boden brauchst Du auch eine "anspruchsvolle" Blühmischung! Da must Du Dich unbedingt gut beraten lassen.

  • rase hat vollkommen recht, wenn er Dir zur Silofolie rät. Die muß aber länger liegen bleiben. Die Kosten sind minimal, wenn Du Dir von den Bauern gebrauchte Folie holst und diese dann auf Deine Rechnung entsorgst. Die Folie muß gründlich überlappend ausgelegt und gründlich festgelegt werden.
    Oder eben Round Up. Das aber erst funktioniert wenn Blattgrün ausreichend vorhanden ist und dann brauchts auch noch Zeit, damit die Pflanzen absterben.
    Anschließend ist flach - höchstens 20 cm tief - zu fräsen, damit man hinterher - gerne tiefer, damit die Unkrautsaat in der Tiefe verschwindet - sauber pflügen kann.
    Mit dem Grubber krümeln und aussäen. Walzen ist wichtig.


    Ich werde mir die Behandlung mit der Silofolie mal durch den Kopf gehen lassen, ein halbes Jahr ausgelegt ist notwendig? Denn ich hatte eigentlich vor im Mai auszusähen...:)
    Ist es notwendig nach der Behandlung zu fräsen? Oder reicht es sofort zu pflügen und anschließend zu grubbern?


    Vielen Dank und Gruß
    ImkerKonrad

  • Ich visiere auch das Ziel an, eine dem Klima und Boden angepasste Flora anzulegen, die sich im Laufe der Jahre selbst entwickelt und sich somit Arten durchsetzen, andere jedoch auch verdrängt werden.


    Hallo Konrad,


    die hast du schon. Einfach mähen und Mähgut abtransportieren. Durch Ausmagerung kommst Du zu einer blütenreichen Wiese.
    Wäre es ein ehemaliger Acker, wäre es natürlich toll zu pflügen und so eine Rieger-Mischung einzusäen.
    Aber Du willst aus einer Wiese eine Wiese machen. Es wird aber immer wieder die gleiche Wiese werden.
    Die Pflanzengesellschaft dort richtet sich vor allem nach den Nährstoffen und der Wasserversorgung. Was neu eingesät nicht hinpasst, wird wieder verschwinden.


    Grüße,
    Rekmi

  • Ist es notwendig nach der Behandlung zu fräsen? Oder reicht es sofort zu pflügen und anschließend zu grubbern?


    ImkerKonrad : Ich denke, wenn Du nicht vorher fräsen läßt, schiebt der Grubber die umgelegten, weil ja noch nicht verrotteten Grassoden, wieder hoch.
    Wenn keine Fräse zur Verfügung steht, ist die Scheibenegge vielleicht eine Alternative, dann vielleicht sogar nach dem Pflügen. Laß Dich am Besten vor Ort von jemandem beraten, der wirklich etwas davon versteht.


    Gruß ...Ralf

  • Hallo Konrad,


    die Anleiitung auf der Rieger-Hofmann Seite hast Du schon gelesen?
    Unter "Wissenswertes" findet man unter anderen das hier:


    Zitat

    Ansäen – so wird’s gemacht:
    Bodenbearbeitung vor der Ansaat


    Die Bodenvorbereitung vor der Anssaat ist entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg einer Neuanlage. Um den Begrünungserfolg zu sichern, sollte der Boden deshalb vor einer Neuanlage gepflügt oder gefräst werden. Anschließend ist mit einer Egge oder Kreiselegge eine feinkrümelige Bodenstruktur herzustellen. Das Saatbeet muss vor einer Einsaat frei von problematischen Wurzelunkräutern wie Quecke, Distel, Weißklee oder Winde sein. Werden Wurzelunkräuter im Boden belassen, leidet die Optik einer Neuanlage mitunter so sehr, dass oft noch einmal der ganze Vorgang der Ansaat wiederholt werden muss. Samenunkräutern wie Melde, Hirtentäschel, Hirse, Kamille, Ackerhellerkraut etc. kann mit der Durchführung einer Schwarzbrache vor der Ansaat begegnet werden. Bei einer Schwarzbrache wird auf der zur Ansaat vorgesehenen Fläche mehrmals eine flache Bodenbearbeitung mit einer Kreiselegge, Egge oder Fräse durchgeführt, um das sich im Boden befindliche Samendepot der unerwünschten Beikräuter (oft Lichtkeimer!) zum Keimen zu bringen und diese dann mechanisch zu zerstören.

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!