Angriffe beim Trennen der Bruträume

  • Vor zwei Tagen habe ich das sonnige Wetter ausgenutzt und zum ersten Mal die Beuten geöffnet, was hier bei uns vorher kaum möglich war. Ich habe ein Volk, das mir schon häufiger durch seine im Vergleich ausgeprägte Verteidigungsbereitschaft aufgefallen ist. Richtig zur Sache ging es aber diesmal, als ich die obere Brutraumzarge (Segeberger Beute) abhob um unten nachzusehen. Ich bin derart angegriffen worden, dass ich die Durchsicht fast abgebrochen hätte. Nach zwei Stichen in die Hand habe ich mir dann Handschuhe angezogen, was ich bisher sehr selten gemacht habe. Ich konnte so zwar noch alles zu Ende machen, aber es war natürlich irgendwie unbefriedigend.


    Eine Rolle hat sicherlich auch das Wetter gespielt. Es waren ca. 15 °C, Sonne, aber ziemlich windig dabei. Auffällig war aber schon mehrfach, dass dieses Volk sehr empfindlich reagiert, wenn man die Brutraumzargen trennt. Ist natürlich auch verständlich, da man das in zwei Zargen angelegte Nest in der Mitte aufreißt. Wie sind Eure Erfahrungen damit?


    Ich freue mich schon auf den Vergleich mit meiner Dadant-Beute, die auf ihre erste Besiedelung wartet. Da ist das jedenfalls kein Thema mehr.

  • Moin Christoph!


    Wenn du

    Zitat

    ein Volk, das mir schon häufiger durch seine im Vergleich ausgeprägte Verteidigungsbereitschaft aufgefallen ist.

    hast, dann hast du damit m. E. schon einen Grund genannt, weswegen diese Bienen es nicht wirklich entspannt hinnehmen, ihre BR auseinandergenommen zu bekommen.
    Weiterhin sind

    Zitat

    ca. 15 °C, Sonne, aber ziemlich windig dabei.

    wie du schon vermutest, kein optimales Wetter für eine Durchsicht bzw. generell für Arbeiten an den Bienen. Zumal sie (die Bienen) jetzt sicherlich noch keine nennenswerte Nektartracht einbringen konnten und somit nochmal angespannter sind aufgrund einer nicht wirklich entspannten Futterversorgungslage.


    Zitat

    Wie sind Eure Erfahrungen damit?


    Sehr ähnlich. Daher stehe ich auch auf einräumige Völkerführung im BR, sei es auf DNM oder auf DNM 1,5, der Großwabe.
    Da hat man idealerweise kein Auseinandergerupfe des Brutnestestes in zwei Hälften nur um im unteren und generell mit tendenziell ungenießbareren Bienen besetzten Teil der Beute einen Überblick zu bekommen.
    Der gerne auch "dank" Wachsbrücken oder sonstigem Verbau bei nicht optimal gebeespacten Abständen nur mit Bienengequetsche möglich ist. Das wiederum macht jede Biene ungenießbar.


    Last, but not least: Wenn das Volk dir generell durch

    Zitat

    ausgeprägte Verteidigungsbereitschaft

    auffällt, die dir offensichtlich in dem Ausmaß nicht mehr zusagt, weisel` bei Gelegenheit um.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Schönen guten Morgen!


    Auch ich habe ein sehr "aufmerksames" Volk, an welches ich nur mit Schutz gehen kann und selbst dann - je nach Laune des Volkes- noch Stiche abbekomme.


    Tja, was tun? Es steht Dir offen.



    Manchmal ändert sich auch das Stechverhalten. man behauptet, dass jetzt die Samen eines anderen Drohns zum Einsatz kommen.
    Ich bezweifle das - ich glaube an die korrekte Vermischung der Samen ( aber das ist ein anderes Thema)


    Sticht dieses Volk durchgängig, im Gegensatz zu Anderen Völkern, kann man wohl von einem stechlustigem Volk ausgehen ( und nicht auf das Wetter oder sonst was schieben)
    Vorausgesetzt, es stimmt sonst alles in dem Volk! ( Als Beispiel: Maus in der Beute kann Bienen sauer auf alles machen, was sich bewegt. Maus raus, Bienen lieb..)



    ICH habe mich entschieden, dieses Volk an einen anderen Ort zu verbringen, wo es nicht mit anderen Völkern zusammen steht.
    Das deswegen, weil ich den Eindruck habe, es macht mir die anderen Völker mit verrückt.
    Ich schneide hier akribisch Drohnenbrut und wenn's mir arg zu viel wird, wird umgeweiselt

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Ich freue mich schon auf den Vergleich mit meiner Dadant-Beute, die auf ihre erste Besiedelung wartet. Da ist das jedenfalls kein Thema mehr.


    Das liegt an der Genetik, nicht an der Beute. Manche Herkünfte mögen kaltes Wetter nicht und sind ansonsten recht lieb. Wenn die aber auch bei warmem Wetter so rumzicken, mach den Daumen drauf auf die Mutti, wenn es Dir auch egal sein sollte, dann tu es den anderen Imkern in Deinem Flugkreis zuliebe. Dnn besorg Dir sobald Drohnen fliegen gute Zuchtstoff, eine Zelle oder direkt eine nette Königin aus besserem Haus. Und vergiß bei dem Volk nicht, die Drohnenbrut zu schneiden! Um es mit Henry zu sagen: 'keine Handbreit den Stechern!'


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Moin,
    generell ist wie oben schon erwähnt das Wetter nicht ideal gewesen und im Frühjahr und im Herbst verteidigen sie ihren Vorrat dann auch schon mal sehr aggresiv.
    Wenn es aber zur Trachtzeit genau so aggresiv vorgeht würde ich die Königin austauschen, es macht im Sommer keinen Spaß vermumt an den Völkern zu arbeiten


    Gruß Kai

  • Hallo Christoph


    du schreibst ja nicht ob du etwas Rauch benutzt hast, aber bei manchen Völkern hilft das ganz gut. Der Rauch im Frühjahr sollte aber wirklich sehr sparsam eingesetzt werden, denn wenn die Königin zum Laufen kommt, kann sie leicht von den Bienen eingekneult und verletzt werden.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Wie sieht es mit den Futtervorräten aus?
    Ich hatte auch mal ein Volk, da habe ich nur die Brutraumzarge (Dadant) vom Boden angehoben und schon 5 Stiche in die Waden abbekommen. Weitere Stiche folgten umgehend.


    Dieses Volk hatte kaum noch Vorräte. Nachdem ich schnellstens gefüttert habe, war dieses Volk wieder lammfromm.


    Stefan

  • Danke für Eure vielen Hinweise! Das besagte Volk hat ansonsten viele positive Eigenschaften, weshalb ich nicht direkt ans Umweiseln denken möchte. Ich werde es jetzt erst mal noch beobachten wie es sich bei richtig schönem Bienenwetter verhält. Jedenfalls hat mir das Volk damit gezeigt, dass 2 Bruträume nicht das gelbe vom Ei sind, auch wenn das Trennen der Bruträume wahrscheinlich nicht der einzige Grund für dieses Verhalten ist.


    Futter haben Sie definitiv genug, Rauch habe ich verwendet, hat aber rein gar nichts gebracht.


    Noch eine Frage: Warum soll das Schneiden der Drohnenbrut hier so wichtig sein?


    Viele Grüße
    Christoph

  • Wenn es sich tatsächlich um ein stechfreudiges Volk handelt und dies genetisch bedingt ist, so verteilen dessen Drohnen bei künftigen Begattungen von Jungköniginnen diese unerwünschte Eigenschaft. Daher den anderen Imkern und dir den Gefallen tun und ordentlich Drohnenbrut schneiden.


    Grüße aus dem Pott

  • Hallo Anni
    Was bedeutet:


    Ich glaube an die korrekte Vermischung der Samen?


    Ist es eine Saga, daß die Samenpakete getrennt bzw. geschlossen eingelagert werden?
    Es spielt schon eine Rolle, wenn unter diesem Aspekt die Königin abgedrückt werden soll.
    Elk

  • Hallo Anni
    Was bedeutet:


    Ich glaube an die korrekte Vermischung der Samen?


    Ist es eine Saga, daß die Samenpakete getrennt bzw. geschlossen eingelagert werden?
    Es spielt schon eine Rolle, wenn unter diesem Aspekt die Königin abgedrückt werden soll.
    Elk



    Diese Aussage vertrete ich:
    Die bei der Begattung übertragenen Spermien werden gemischt:
    Die Spermien der Drohnen werden vorerst in den Eileitern der Königin „zwischengelagert“:
    Später wird ein Anteil einer „Mischung“ der Spermien in die Samenblase (Spermatheka) überführt (Dauer ca. 40 Std. nach Hochzeitsflug).
    Die Scheidenklappe wirkt wie eine Barriere auf Höhe der Mündung des Samenblasenganges und verhindert somit ein zu schnelles Zurückfließen der Spermien.
    Mischen und Transport in die Spermatheka erfolgt durch Kontraktionsbewegungen von Abdomen und Eileitern, ergänzt durch die Eigenbewegung der Spermien.
    In der Spermatheka findet eine weitere Durchmischung statt, die erst nach ca. 3 Monaten abgeschlossen ist




    Ich höre aber oft die Aussage, dass die Samenpakete getrennt bzw. geschlossen eingelagert werden.
    Daraus resultiert dann die Aussage:


    Vielleicht ist das Volk stichig, weil gerade momentan der Samen eines aus einem stichigem Volk stammenden Drohn im Einsatz ist.
    Was bedeuten würde, dass eine Möglichkeit bestünde, dass das Volk wieder sanftmütig wird, wenn wieder der Samen eines "sanftmütigen" Drohns zum Einsatz kommt.





    Nicht auszuschließen ist, dass vielleicht in den ersten 3 Monaten die Vermischung noch nicht vollständig genug ist und daher mehrere Samen eines Drohns das "Stechübel" hervor rufen können.
    Das sei aber in den Raum gestellt und nicht meine Theorie....

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Moin zusammen,


    ich sach mal...


    Rauch benutzen und was sich dann nicht ohne Theater bearbeiten lässt einfach umweiseln! Die Stecherei kann man vielleicht noch mit einem Schleier ertragen, aber erfahrungsmäß zeigen solche Völker auch chaotisches Herumgerenne auf den Waben - das geht gar nicht!


    Gruß Jörg, T-Shirtimker aus Überzeugung

  • Es spielt schon eine Rolle, wenn unter diesem Aspekt die Königin abgedrückt werden soll.


    Einfach machen, wer sich nicht zutraut, eine neue Wirtschaftskönigin zu ziehen/kaufen/einzuweiseln wenn es nötig ist, der soll die Finger von den Bienen lassen. Da jetzt jedesmal ein ellenlanges pseudo-tiefgründiges Faß für aufzumachen hilft niemandem. Wenn auszuschließen ist, das sie sich wegen Futtermangels oder anderer vom Imker verursachten Gründen überaschend griffig verhalten, dann bekommen sie beim ersten Mal eine Verwarnung und beim zweiten, spätesten dritten Mal eine neue Regentin.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife