Bio Anbau mit Kupferspritzen vs. Konventionell mit PSM

  • Hallo zusammen,


    ich hatte gestern eine Diskussion in der Familie, bei der ich erklärte wie das Zulassungsverahren von B4 Sprtizmitteln aussieht und das es im Grunde ein schlechter Witz ist, was die Chemieriesen mit Ihrem Labor LD50 Test veranstalten.
    Soweit so gut, dann kam das Argument auf, das Bio Bauern ja eine Lösung aus Kupfersalzen spritzen und so Schwermetalle in den Boden bringen, welche sich nicht mehr abbauen.
    Das mit den Kupfersalzen war mir schon bekannt, allerdings finde ich ganz wenig sachliche Auseinandersetzungen mit dem Thema Kupferspritzen. Hier mal ein Zeitungsbericht http://www.welt.de/wissenschaf…ritzen-Schwermetalle.html


    Ich tu mir gerade echt schwer eine Meinung zu bilden. Keine Frage sind PSM gerade bei Blühenden Kulturen echter Mist, aber wenn diese Kupfersalzen ebenfalls Gewässer und Menschen auf Dauer vergiften, ist ja durch den Bioanbau auch nichts gewonnen.
    Von Konventionellen Landwirten kommt auch oft immer diese Kupferspritz Keule als Verteidigung ihres eigenen PSM Einsatzes.


    Mich sch würde mal interessieren, gibt es gute Aktuelle Studien zum Kupferspritzen, bzw. gibt es bereits praktizierte Alternativen bzw. wie denkt ihr darüber?


    Vielen Dank und Gruß,


    Max

  • Moin Max,


    das Thema ist heikel, deshalb wird nicht so gern und offen darüber gesprochen. Kupfersulfat wurde lange im Weinbau gegen Pilzbefall der Reben in südlichen europäischen Ländern eingesetzt. Ob das heute noch der Fall ist, vermag ich nicht zu sagen.


    In der biologisch dynamischen Landwirtschaft kommt es aus gleichem Grund zum Einsatz gg. Pilzbefall und ggf. andere Schädlinge. Es ist gut wasserlöslich und somit auch schnell wieder weggewaschen durch Regen. Aber - die gelösten KupferIonen bilden im Boden sog. Komplexsalze mit Bodenbestandteilen. Da wird gerne argumentiert, dass es damit gebunden und somit ungefährlich ist. Das kennen wir allerdings von Glyphosat entsprechend...


    Noch ein Thema: ist paradox, aber die PSM sind organisch synthetisiert Stoffe, die mittel- bis langfristig abgebaut werden, Kupfer jedoch bleibt !


    Was ist nun besser oder schlechter ? Die Dosis ist entscheidend; das sagen die Biobauern zum Kupfersulfat und die anderen zu PSM. Da ist etwas dran, jedoch sehen wir an unseren Bienen die Effekte - kurz- und langfristig, indem diese beeinträchtigt werden und deren Nahrung in der Landschaft ebenso.


    Es ist eben nicht alles so simpel, wie manche es gerne hätten.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Guten Tag
    Es ist Euch beiden hoffentlich bewußt, daß in der konventionellen Landwirtschaft das Kupfer ein Düngemittel ist, das ausgestreut wird ohne die fungizide Wirkung zu nutzen.
    Zusätzlich wird es aus der Schweinehaltung in so großem Umfang mit dem "Wirtschaftsdünger" aufs Land gebracht, daß Schäfer die Flächen meiden, wenn sie nicht riskieren wollen, ihre Schafe zu vergiften.
    Warum Ihr nicht diese Verhältnisse miteinander vergleicht, das bleibt Euer Geheimnis. :p
    Irgendwie kommt es mir vor, als vergleicht Ihr den in die Luft geflogenen Reaktor von Tschernobyl mit dem Röntgenapparat bei Eurem Zahnarzt.:roll:
    Für Imker sind die Pflanzenschutzmittel etc. in der konventionellen Landwirtschaft ein umfassendes Thema und das ist schon groß genug und die Bios tun mir nicht weh.... :lol:
    Frohe Ostergrüße in die Stänkerecke...Ralf

  • Hallo Ralf,


    stänkern war nicht das Ziel, sorry wenn das so ankommt! Aber auf Fakten darf man doch hinweisen. Das mit der Schweinehaltung und Kupfer in der Gülle, wenn ich es richtig verstanden habe, erklär' doch bitte mal. Das kenne ich (noch) nicht, möchte es aber gerne wissen.


    Besten Dank und Grüße


    Rainer

  • Lieber Ralf,


    besten Dank für die Hinweise! Als nicht-Landwirt ist einem das so nicht klar - ich bitte um Verständnis.


    Wie so oft, ist die Homöostase entscheident; denn die Spurenelemente Cu, Zn und Se sind ja lebensnotwendig und der Bedarf beim Jungtier größer als beim ausgewachsenen. Das Optimum zwischen Unter- und Überversorgung bis hin zur Vergiftung (wie auf den Folien 11 und 12 von Dr. Lindermayer im ersten "link" lfl... dargestellt), ist ein feines Gleichgewicht, das sich auch noch mit dem Alter des Tieres ändert.


    Insofern gebe ich Dir Recht, wenn Du die Mengeneinstufung vergleichend berücksichtigt haben willst und der "Biobauer", der es ggf. nicht auf Mast anlegt und nicht über Mineralfuttergaben die Gewichtszunahme steigert, wird wohl kaum ein Problem darstellen.


    Wenn die Homöostase über das Futter richtig eingestellt ist, wird man wohl einen erträglichen Eintrag über Gülle etc. in den Boden erhalten. Bei Cu/Zn-Gehalten im Grammbereich im Mineralfutter, kommt jedoch ein erheblicher Eintrag zustande. Da unterstelle ich mal, dass alle Mäster, Züchter etc. das wissen und so anwenden. Dennoch - Dein Hinweis im letzten "link" zu der besonderen Anfälligkeit bei Schafen auf Wiesen, die mit Schweinegülle gedüngt wurden, lässt aufhorchen. Es unterstellt auch, dass eben nicht allen die richtige Anwendung der wohl vorzugsweise Mineralfuttergaben geläufig sein mag.


    Wie auch immer - Danke für die Infos. Und wieder muss ich für mich konstatieren: man soll nicht über jedes Stöckchen springen, was hingehalten wird.


    Max was meinst Du dazu ?


    Beste Grüße


    Rainer