Honigernte nach Milchsäure

  • Hallo zusammen,


    nochmal eine Frage bzgl. Honigernte nach Milchsäurebehandlung:


    Ich habe vor, im Frühjahr Ableger zu bilden und diese (2x im Abstand von 7 Tagen) mit MS zu behandeln. Später würde ich diese dann gerne rückvereinigen, um sie so als Verstärkung für die Sommertracht zu haben.
    Darf ich das bzgl. Honigernte?


    Wir haben früher schon mal angefangen, darüber zu reden, eine (einigermaßen) einhellige Meinung gab es aber eigentlich nicht ...


    ... dass eine MS-Behandlung der Brutscheune ausschließt, dass Bienen dieses Ablegers als Verstärkung eines Wirtschaftsvolkes für eine bessere Trachtnutzung im selben Jahr verwendet werden, oder?!


    Gebrachsanweisung Milchsäure 15% ad us. vet.:
    "Wartezeit für Honig:
    Bei Spätherbst- / Winterbehandlung keine;
    bei Sommerbehandlung erst die Honigernte der Tracht des Folgejahres nutzen."


    Vielen Dank. Grüße, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Das genannte Zitat stammt aus der Standardzulassung für MS. Damit ist die Sache klar.


    Da die Ableger brutfrei sein, könnte die Rückvereinigung aber ohne Waben stattfinden. Da hätte ich keine Bedenken.
    Aber dazu gibt es m.E. keine amtlichen Vorgaben.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Danke, Wolfgang.
    Die Rückvereinigung soll eigentlich so spät stattfinden, dass die Ableger eben doch bereits eine neue Kö haben und Brut.
    Rückvereinigung ohne Waben (als Kunstschwarm) wäre theoretisch und praktisch denkbar, aber amtlich bzgl. nachfolgender Honigernte nicht gedeckt?


    Hm, und die Brut dann einfach gemeinsam mit anderen in eine Brutscheune? ... Oder aber Brut + Kö als Basis für eine Brutscheune als Kombination einer TBE der Wirtschaftsvölker?! Ergebnis wäre eine Brutscheune mit Kö und Wirtschaftsvölker, die durch Arbeiterinnen aus Ablegern verstärkt wurden. Wie klingt das in den Ohren der Erfahrenen?


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Wie klingt das?


    Schleuderst Du Deine Brutwaben? Wenn nicht, wär es mir völlig egal, wenn meine Brutwaben vorher mal mit MS in Kontakt gekommen wären. Mir ist das zumindest egal. Ableger im Brutfreien Zustand gegen Varroa zu behandeln ist gute imkerliche Praxis. KS wär sogar in der Theorie völlig problemlos, und selbst die Waben fänd ich absolut ok. Du sollst die Bienen ja nicht in die MS tunken! MS ist Bestandteil von recht vielen Lebensmitteln, nicht nur natürlich vorkommend, sondern auch als Teil der Rezeptur! Das zur theoretischen 'Schädlichkeit'.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • MS ist Bestandteil von recht vielen Lebensmitteln, nicht nur natürlich vorkommend, sondern auch als Teil der Rezeptur! Das zur theoretischen 'Schädlichkeit'.


    Es geht allerdings nicht um die Schädlichkeit, sondern um die Vorgaben der Honigverordnung.
    Wäre MS in den Mengen toxisch, würde uns schon ein Joghurt das Leben kosten.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Stimmt ja Wolfgang, man muss aber trotz aller Vorgaben noch selber denken und die Sinnhaftigkeit mancher Vorgaben hinterfragen. So meine Meinung...


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Ich glaub manchmal muß man einfach sein Hirn einschalten und tun, was man tun muß. Im Unterschied zur (legalen) Sikkation von Getreide schadet mein Fehlverhalten dann zumindest niemandem, dem Honigkunden nicht und auch nicht einem Ableger, der sonst entweder nicht erstellt wird oder wenn doch im Herbst an der Varroa krepiert. Das Problem ist doch eh rein theoretisch und verunsichert nur die Anfänger! Ist es Dir das wert?


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Die theoretische Übertragung von Rückständen auf der Brutwabe oder Biene wird in der Praxis kaum messbar stattfinden und somit wird es vermutlich geschmacklich und in der Analyse nicht auffallen.


    Es ist aber wie mit allen Regelungen und Verboten. Ob sie sinnvoll oder plausibel sind ist kein Argument, wenn man deswegen belangt wird. Dieses Risiko gehst du bewusst ein und dass du dich nicht dran hältst, weisst zumindest zunächst mal du und musst es zunächst mit dir ausmachen.


    Die Entscheidung zwischen Menschenverstand und Spielregel muss jeder selbst treffen und verantworten, aber dann später auch zu dieser Entscheidung stehen. Ansonsten bleibt nur an der richtigen Stelle eine Regeländerung initiieren...

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Es ist aber wie mit allen Regelungen und Verboten. Ob sie sinnvoll oder plausibel sind ist kein Argument, wenn man deswegen belangt wird. Dieses Risiko gehst du bewusst ein und dass du dich nicht dran hältst, weisst zumindest zunächst mal du und musst es zunächst mit dir ausmachen.


    Genau das meinte ich. Danke für die treffende Formulierung!
    Das Risiko ist freilich sehr überschaubar.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Es geht allerdings nicht um die Schädlichkeit, sondern um die Vorgaben der Honigverordnung.
    Wäre MS in den Mengen toxisch, würde uns schon ein Joghurt das Leben kosten.


    Hallo Bienenfreunde!


    Abgesehen, dass ich vom geschilderten Vorhaben nicht all viel halte möchte ich anmerken, dass in diesem Fall die Anwendung der Honigverordnung doch etwas an den Haaren herbei gezogen ist. Vermutlich ist der folgende Passus der Honigverordnung gemeint: "Honig dürfen keine anderen Stoffe als Honig zugefügt werden".


    Ich würde sagen, dass man in diesem Fall nicht vom Hinzufügen von Milchsäure sprechen kann, anderenfalls müsste man auch auf den Raucher/Smoker, auf Nelkenöl, auf eine Notfütterung oder auf Wasser aus dem Zerstäuber verzichten, denn dabei werden wohl auch Stoffe ins Bienenvolk und somit in weiterer Folge in den Honig gelangen.


    MfG
    Honigmaul

  • Die Notfütterung würde ich hier aber ausnehmen. Sowas geht nicht, wenn später Honig geerntet werden soll.
    Da würde ich nur Honig verfüttern.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hi,


    ich denke eher das die Standardzulassung der Milchsäure hier als Grundlage genommen wurde.


    Demnach darf, bei Anwendung im Frühjahr, erst im folgendem Jahr eine Honigernte stattfinden.


    Allerdings kann eine Ernte immer nur bei einem Volk erfolgen. Und ein Haufen Bienen ohne Königin


    und ohne Wabenwerk ist nach meinem Wissen kein Volk. Somit dürfte eine Rückvereinigung ( Ohne Wabenwerk )


    absolut kein Problem darstellen. Ich kann mir auch nicht vorstellen das sich die Milchsäure in solchen Konzentrationen


    an den Bienen sammelt das sie noch nach Tagen/Wochen den Honig oder das Wabenwerk beeinflussen könnte.


    Gruss Joachim



  • Ich kenne viele Imker, die benutzen Milchsäure bereits bei der ersten großen Durchsicht und immer wieder dann, wenn große Eingriffe ins Volk erforderlich sind, man also an die Wabenfläche in Gänze herankommt. "Man erreicht zwar nicht jede Milbe - vor allem nicht die in der verdeckelten Brut, aber zusammen mit Drohnenwabenschneiden und Brutentnahme für Ableger hilft es, den Milbendruck bis zur Ameisensäure unter Kontrolle zu halten", so die Auskunft eines der Imker, die es so handhaben. Der Honig dieser Imker ist bisher auch immer unbeanstandet kontrolliert worden und wird so offensichtlich auch DIB-Kriterien gerecht. Da Milchsäure offensichtlich auch natürlicher Bestandteil des Honigs ist, sehe ich da auch faktisch kein Problem.