MW aus pestizidfreiem Wachs aus Afrika

  • Hallo zusammen,


    sehr lustich hier wieder mal...


    Der Hornet hat die Theamtik im Beitrag #48 sehr gut beschrieben.


    Und das Thema Wachsmarkt und Gefühlt-Biowachs-aus-Afrika:
    Das Biowachs wird m.E. nicht bei den Händlern auf dem Ladentisch gehandelt und auch die Umarbeiter werden so ein heiß begehrtes Produkt nicht so leicht wieder abgeben wollen. Dafür gibt es z.B. die interne Warenbörse bei Bioland. Da werden regelmäßig große Mengen Neuwachs (= Bioland-Entdeckelungswachs) und Altwachs (= ausgeschmolzene Bioland-Brutwaben) angeboten. Im Moment ist da natürlich auch alles leergefegt, aber im Sommer gibt es das schon. Sauteuer natürlich.
    Der Weber kann doch auf seine Produkte draufschreiben, was er will und was ihm die Leute glauben. Oder fragt ihr bei einer Hustenpastillenwerbung etwa auch nach, warum man da plötzlich auf einer Gebirgswiese stehen soll?


    Diesen Mythos von afrikanischem Wach, was aus freilebenden Völkern ausgeräuchert wird, halte ich auch für ein Gerücht. Im letzten Jahr um diese Zeit war ich in Afrika ein bisschen (Marokko-Senegal-Gambia) unterwegs und habe mir auch mehrere Imkereien angeguckt. In Marokko hatten sie ganz normale Langstrothkisten und südlicher nur noch TBH oder irgendwelche selbstgezimmerten Kisten. Das war dann alles Naturbau und zur Honigernte (dort nur auf Bildern gesehen) werden die Völker bis auf ein Rest-Brutnest abgeerntet und die Honig-Brut-Wachspampe wird durch Tücher gepresst. Da fällt natürlich auch Wachs an und die öffnen die Volker nur nachts, mit viel Rauch und unter Vollschutz... Das könnte natürlich auch die Rauchnote erklären.


    Gruß Jörg


  • Hallo zusammen,


    ist das jetzt wirklich so? Wird Wachs aus Öko Betrieben tatsächlich nicht auf die gängigen PSM kontrolliert?
    Warum gibt es dann überhaupt die Öko Mittelwände?
    Jetzt bin ich endgültig verwirrt :confused:
    Könnte mich jemand mal erhellen?

  • Hi Max,


    also, wenn ich dir Wachs verkaufen würden, dann könnte ich dir meine letzte Wachsanalyse dranhängen. Für die Analyse (Wallner) wurden Sammelwachsproben aus mehreren Völkern (5?) aus dem Brutraum genommen. Bei Rückständen würde ich unterscheiden zwischen Pestiziden aus der Landwirtschaft und Varroamittelchen. Wenn ich meinen Bericht richtig verstehe, dann wurde nur auf gängige Varroamittel untersucht.


    Gruß Jörg

  • Danke für die Info Jörg, aber würde das dann im Umkehrschluss bedeuten das die Wachsanalyse vom Prinzip her wertlos ist, wenn nicht auf Amitraz Metabole und auf Neonics etc. untersucht wird, sondern nur auf Varroazide die eigentlich die wenigsten einsetzen?
    Irgendwie weiß ich jetzt gar nicht mehr, was ich von diesem Thema halten soll.


    Vielen Dank und viele Grüße


    Max

  • Moin Max,


    das ist wie mit fast allen Dingen im Leben - machen kann man alles, nur bezahlen sollte man es können und vielleicht wissen wozu das Ganze...


    In meinem Fall ist das so. Bei der 2-jährliche Wachskontrolle im Rahmen der Bioland-Auditierung:
    Der Kontrolleur lässt sich alles Mögliche in meiner Buchhaltung und bei meinen Bienen zeigen und sagt (in meinem Fall zu Beginn des Termins) "Heute nehmen wir eine Wachsprobe." Dann sammeln wir aus mehreren Völkern Wachs ein. Entweder Streifen aus Brutwaben, aber z.B. auch Wirrbau vom ASG. Auf dem Analyse-Auftrag macht er dann Kreuzchen bei den verschiedenen zu untersuchenden Stoffen. Vielleicht ist das eine Standard-Auswahl oder auf die Situation in der Imkerei angepasst. Ziel ist m.E. die Kontrolle der Einhaltung der Bioland-Richtlinien.


    Wenn du jetzt wirklich alle Inhaltsstoffe deines Wachses wissen möchtest, dann kannst du ruhig mal so eine Untersuchung machen lassen. Und erst dann weisst du welche Stoffe wirklich drin sind. Alles andere sind Vermutungen.


    Gruß Jörg

  • Hallo Max,


    Die Untersuchung musst du halt extra bezahlen und die ist teuer. Und vielleicht nicht nach Hohenhiem schicken sondern zu Ceralyse in Celle. Vielleicht wird die Untersuchung auf Amitraz jetzt bald Standard, da der Wirkstoff ja zugelassen wurde. Wertlos ist die Untersuchung in Hohenheim aber sicher nicht, gerade wenn es um die Rückstadsproblematik mit Altwachsen geht. Viele würden staunen, was an Perizin im Wachs gelandet ist. Ich habe aus 2011 eine Größenordnung von >30% der Proben im Gedächtnis die Rückstände von Coumaphos hatten, davon eine großer Teil über dem Wert, bei dem Rückstände im Honig zu befürchten sind. Wurde von Dr. Berg auf der Gesundheitswartschulung seinerzeit präsentiert.
    Die PSM-Problematik ist eine ganz andere. Ich bin aber auch der Ansicht, das das viel mehr in den Fokus der Wachsanalytik in der Imkerei rücken sollte. Es sind ja nicht nur die Neonics, sondern ein ganzes Bouquet an Spritzmitteln die leicht in das Bienenvolk gelangen können und für das sog. "Grundrauschen" (Originalton Bienenmonitoring) sorgen können. Das wiederum ist eine permanente Belastung der Völker die wirklich nicht sein muss. Auch wenn meine Analyse frei von medikamenten ist, pflege ich dennoch einen offenen Wachskreislauf um hier vorzubeugen.


    Gruß
    Reiner


    Danke für die Info Jörg, aber würde das dann im Umkehrschluss bedeuten das die Wachsanalyse vom Prinzip her wertlos ist, wenn nicht auf Amitraz Metabole und auf Neonics etc. untersucht wird, sondern nur auf Varroazide die eigentlich die wenigsten einsetzen?
    Irgendwie weiß ich jetzt gar nicht mehr, was ich von diesem Thema halten soll.


    Vielen Dank und viele Grüße


    Max

  • Hallo Reiner,



    danke nochmal für deine Antwort, ich hab jetzt mal eine Nacht darüber geschlafen und finde jetzt alles noch viel paradoxer als ich es eh schon fand.
    Wer also wirklich saubere MW will muss Wachs aus Afrika kaufen. Wer Mitglied in einem Bioverband werden will, muss Wachs aus Bioimkereien kaufen, die aber durchaus mit PSM belastet sein könnten?
    Ich bin ganz bei dir Reiner, wenn du sagst man sollte mehr auf sein Wachs schauen und auch der offene Wachskreislauf scheint mir der wichtigste Punkt zu sein.


    Abschließend würde ich sagen, jeder soll schauen das er selbst, gutes sauberes Wachs herstellt, einen offenen Wachskreislauf pflegt und regelmäßig Wachs verkauft oder zu Kerzen verarbeitet.


    Grüße,


    Max

  • Genau, man fängt einfach an zu Imkern mit dem was man hat, für jede (belastete) Mittelwand á 70(?)g erhält man eine ausgebaute Wabe die ausgeschmolzen 110(g) Wachs ergibt, weitere 10g verbleiben im Trester. Ergibt eine neue Mittelwand und aus dem Überschuß macht man Kerzen - und so verdünnt sich eh alles was im Wachs ist kontinuierlich.....


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Genau, man fängt einfach an zu Imkern mit dem was man hat, für jede (belastete) Mittelwand á 70(?)g erhält man eine ausgebaute Wabe die ausgeschmolzen 110(g) Wachs ergibt, weitere 10g verbleiben im Trester. Ergibt eine neue Mittelwand und aus dem Überschuß macht man Kerzen - und so verdünnt sich eh alles was im Wachs ist kontinuierlich.....


    Beste Grüße,
    Ralf


    Genauso Ralf! :daumen:
    Beste Grüße,


    Max

  • und regelmäßig Wachs verkauft


    Das ist der Fehler. Das Zeug muß weg, und nicht beim nächsten Imker wieder rein.



    _Hobby_imker sollten möglichst viel Naturbau machen, auch wenn dann ein paar "störende" Drohnenzellen überall dabei sind, das hat seine Richtigkeit.


    Das Pestizidproblem läßt sich schon mal mit Null-Aufwand halbieren, indem man nur halbe Mittelwände gibt. Ein bißchen bauen sollen sie ja sowieso. Spart auch die Hälfte der Mittelwand-Kosten und man braucht nicht mehr jedem Euro hinterherlaufen und vergiftetes Wachs verkaufen. Siehe oben.


    Das Zeug aus Afrika zu kaufen, ist eine absolut verachtenswerte Sache. Wir bekommen derzeit sowieso schon zu viel von dort, viel zu viel.