Mittelwände - Empfehlung?

  • Ralf hat die Situation sehr schön beschrieben.
    Auffällig ist tatsächlich in letzter Zeit, dass gepanschtes Wachs in Umlauf gebracht wird.
    Dies erkennt man in der Regel erst beim Umarbeiten selbst. Plötzlich kommen halt keine Mittelwände mehr raus, sondern nur ein Gemurkse.
    Ich denke die Umarbeiter machen sich schon genügend Gedanken, wie dies zu lösen wäre.
    Aktuell wird telefoniert wenn größere Mengen in Umlauf gebracht werden sollen, Namen und Adressen aufgenommen....
    Kam auch schon vor, dass der Kunde plötzlich 200kg Wachs doch lieber wieder mitnehmen wollte.


    Das Problem ist in der Regel, dass das Frühjahr sehr überraschend kommt und alle auf einen Schlag Ihre Mittelwände brauchen.:eek:
    Würde sich ein Großteil ganzjährig darüber Gedanken machen, könnten die Walzwerke auch kleinere Chargen mühelos kontinuierlich verarbeiten.
    Jetzt nicht mehr möglich, Wartezeiten bis in den Sommer hinein.


    Und glaubt mir, auch wir haben uns schon etliche Betriebe angeschaut. Einige arbeiten hier sehr vorbildlich, bei anderen im Hinterhof, auweia.


    Gruß
    Butsche

  • Was sollte dagegen sprechen?
    Zuerst aus der Not heraus habe ich nur noch ca. 1cm Anfangsstreifen im HR gegeben und es hat super geklappt.
    Das werde ich jetzt beibehalten.
    Habe allerdings auch nur halbhhohe Zargen und die Rähmchen sind gedrahtet.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • Man muss nur kein Imker sein, der auf Gedeih und Verderb auf jedes Gramm Honig aus ist. Mir gefiel das auch, die Blütenhonigernte zu Lasten des MW Ausbaues etwas geringer ausfallen zu lassen, dafür wurde der Sommer - oder meist Waldhonig aus den frisch ausgebauten Waben, die man nur im Honigraum und das für mehrer Jahre teilweise wieder verwenden kann, geerntet.
    Nächstes Jahr kommen in der Mitte des Honigraums 4 solche ausgebaute Waben und den Rest kann man wieder mit Anfangsstreifen versehen. Zumindest so kann man die Belastungen durch verseuchte Mittelwände minimieren .

  • ...bei den Anbietern nach, ob das Wachs von hier ansässigen Imkern stammt. Aus Ferne (Afrika etc.) importiertes Wachs möchte ich möglichst vermeiden.
    ...muss letztendlich das Bauchgefühl entscheiden.


    Lieber Tobias,


    Abgesehen von der Wachspanscherei gibt es im Grunde 2 Sorten von Wachs: a) seuchenfreies (aber durchaus mit Pestiziden belastetes, in Europa leider unvermeidlich) und
    b) pestizidfreies Bienenwachs (Ist auch seuchenfrei; leider nur noch in Landstrichen möglich, in denen Bienen nicht mit Pestiziden in Kontakt kommen -> da hat man Regionen in Afrika gefunden und die entsprechenden Rückstandsuntersuchungen der betreffenden Charge werden auf Anfrage mitgeliefert -> Preis ca. 150% von (nur) seuchenfreiem Wachs). In diesen afrikanischen Regionen wird Honig noch traditionell gewonnen, d.h. die Honigwaben weggeschnitten, Honig entnommen und das Wachs weggeworfen, abgebrannt oder eben: an Europäer verkauft. So erhalten die Einheimischen noch eine zusätzlich Einnahmequelle. Ich las auch schon von Projekten, die eine höhere und bessere Verarbeitungsstufe für dieses unbelastete Wachs und damit bessere Wertschöpfung vor Ort zum Ziel haben. Einziger Kritikpunkt könnte der Transportaufwand von dort nach hier sein. Aber auch das Wachs der Sorte a) kann in ganz Europa unterwegs gewesen sein...
    1. Du mußt Dich also entscheiden, welche Sorte Du Deinen Völkern aufsetzen willst. Diese Entscheidung sollte besser der Kopf als der Bauch treffen.
    2. Selbst wenn Du nach Bio-Richtlinien und ohne die berüchtigten wachsgängigen Varroazide im eigenen Wachskreislauf imkerst, werden sich mit den Jahren Pestizide in Deinem vormals sauberen Wachs ansammeln, weil Deine Bienen auf ihren Sammelflügen unweigerlich damit konfrontiert werden. Um diese Anreicherung in Grenzen zu halten, verwenden einige Imker nur noch ihr relativ sauberes Deckelwachs und ihren jungfräulichen Naturbau, ggf. auch noch ausgeschnittenen (nur einmal bebrüteten) Drohnenbau, um eigene Mittelwände zu fertigen, resp. eine eigene Wachsstrecke (keinen Kreislauf) aufzubauen. Das evtl. durch eingetragene Pestizide verunreinigte Altwachs aus den Brutwaben geben sie dann - z.T. als Biowachs (sofern bio-zertifiziert) oder als Altwachs in den Handelskreislauf. Die Imker, die harte, wachsgängige Pestizide in ihre Völker kippen, entsorgen ihr belastetes Altwachs ohnehin auf dem Markt für a). Das gehört dann auch zur "seuchenfreien" Sorte...


    Mit imkerlichen Grüßen - Gottfried

  • Selbst, wenn ich mein eigenes Wachs verarbeiten lasse, bin ich nicht frei von Beimengungen; denn am Anfang muß ich MW erwerben und die schmelze ich ja wieder ein und habe die Ursprungsbelastung weiter im Wachs. Die Firmen Wilfried Müller Groß-Süstedt unf Josef Muhr, Prackenbach reinigen das abgelieferte Wachs vor der Verarbeitung. Aber frühere Beimengungen sind deshalb trotzdem nicht raus. (Siehe Diskussion, ich meine im letzten Jahr, zu den Waben von Kellmann, die in den Völkern zusammensackten. Hier ein Link zu den Erläuterungen der Verarbeitung des eigenen Wachses zu neuen Mw:http://www.imkereibedarf-muhr.de/Eigenwachsumarbeitung/ Immerhin kann man mit derUmarbeitung vom eigenen Wachs, auch bei Müller verhinddern, dass weitere Chemie dem Wachs in den Völkern zugefügt wird. Nur Wachs beim Händler umtauschen bewahrt keinen vor altem gepantschtem Wachs. ich habe mit Mw-Wachs und Naturbauwachs jetzt gut 50 kg zusammen und werde diese für mich umarbeiten lassen. in den folgenden Jahren wird dieser mein Wachsbestand durch Naturbauwachs "getreckt" und damit frühere Belastungen verdünnt. Gekauft hatte ich vorher auch nur MW aus gereinigtem Wachs bei Müller immer in Mengen von 25 kg. Das ist ein Karton voll, so dass ich auch immer Mw vorrätig habe, die erstmal im Keller lagern und vor der Verwendung einige Tage im warmen Raum lagern und dann erst eingelötet werden. Mann darf alles machen nur nicht nach der Methode "Geiz ist geil". Das geht schief!


    Wolfgang, der meint auch die Bienen haben als uns anvertraute Lebewesen ein Recht auf gute Behandlung.

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • ...Firmen Wilfried Müller Groß-Süstedt unf Josef Muhr, Prackenbach reinigen das abgelieferte Wachs vor der Verarbeitung.


    M.W. reinigt jeder seriöse Wachsumarbeiter - allerdings kann er das nur in Bezug auf mechanisch faßbare Verschmutzungen und thermisch entfernbare (z.B. Thymol, benötigt dafür nach Auskunft von Hohenheim ca. 1 h Wachskochzeit). Leider lassen sich die besonders hinterhältigen Pestizide, auch und besonders die von manchem Imker in grauer Vorzeit in die Völker gegebenen wachsgängigen Akarizide nicht mehr aus dem Wachs lösen, ohne es zu zerstören. Das soll Fa. Bayer als einer der größten Produzenten dieser Pestizide bereits seit mehreren Jahren erforschen und hat bisher noch keine Lösung vorschlagen können. Von den Sammelflügen bringen die Bienen neue Pestiziden mit. Diese Pestizide reichern sich demnach immer mehr im Wachs an, wenn nicht mal jemand käme und die höchstbelasteten Chargen aus dem Kreislauf nähme. Das tut aber keiner. Es wird bei a) seuchenfreiem Wachs nicht einmal auf Pestizidrückstände untersucht und daher auch (nur) die Seuchenfreiheit zugesichert. Auch die begründet sich nicht auf Untersuchungen der Wachscharge, sondern auf ausreichend langer und hoher Erhitzung des Wachses im Umarbeitungsprozeß. Bei AFB-Sporen erfordert das einen technischen Aufwand, der hobbymäßig oder auf dem Hinterhof nicht möglich ist und der deshalb entsprechend ausgerüsteten Umarbeitern zertifiziert wird.
    Dann gibt es freilich noch den Hobby-Freizeit-Wachsmarkt. Was da alles im Wachs drin oder nicht drin ist, weiß und untersucht keiner.

  • Hallo, vielen Dank euch allen für die sehr sehr ausführlichen Antworten. Ich habe eure Beiträge sehr bewusst und interessiert studiert und mittlerweile die Problematik wesentlich besser verstanden.


    Ich fühle mich als Einsteiger hier sehr gut aufgehoben und bin froh dieses Forum gefunden zu haben Danke schön.


    Viele Grüsse
    Tobias

  • Hat nicht die Oberschwabengold Imkerei ein Verfahren patentiert, mit dem Rueckstaende von chemischen Behandlungsmitteln herausgefiltert werden koennen?


    Hab das jetzt schon ein paar mal gehoert. Auf deren homepage find ich aber nix dazu. Weiss da jemand was genaueres?


  • Abgesehen von der Wachspanscherei gibt es im Grunde 2 Sorten von Wachs: a) seuchenfreies (aber durchaus mit Pestiziden belastetes, in Europa leider unvermeidlich) und
    b) pestizidfreies Bienenwachs


    So einfach ist die reale Welt nicht. Beim "seuchenfreien" Wachs aus deutscher Imkerei wird es stärker mit Pestiziden einschl. Varroabehandlungsmitteln belastetes und geringer belastetes geben, wobei Analyse und Biozertifizierung die Wahrscheinlichkeit, geringbelastetes Wachs zu erhalten, deutlich vergrößern, auch wenn nicht jede Charge untersucht wird und es einzelne "schwarze Schafe" gibt.
    Wie hier im Forum zu lesen war, kann aus Afrika importiertes Wachs durch "Ausräuchern" der Bienenvölker gewonnen worden sein mit der Folge, dass es so stark stinkt, dass die Bienen nur ungern auf derartigen MW bauen. Für ökologisch positiv halte ich das nicht.
    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • 1. Sicher gibt es bei seuchenfreiem Wachs unterschiedliche Pestizidbelastungen. Wie groß die sind, ließe sich nur durch Rückstandsanalysen feststellen. Die werden aber bei a) gerade nicht gemacht.
    2. Ich hatte auch schon rauchig riechendes Wachs. Allerdings hat es bei mir nie nach verbrannten Eiweiß-(=Bienenvolk-)resten gerochen. Auch hörte ich nie von derlei Duftnoten. Es ist nicht ungewöhnlich, daß man in abgelegenen Regionen Afrikas ausschließlich mit Holz u.a. bei offener Flamme verbrannten organischem Material heizt, kocht und ggf. Wachs ausschmilzt. Den Afrikanern deshalb zu unterstellen, sie fackelten gnadenlos raubbauend all ihre Bienenvölker ab, nur um Europäern pestizidfreies Wachs verkaufen zu können, das halte ich für ebenso unzutreffend wie unanständig. Gerade die Bewohner solch pestizidfreier Regionen pflegen häufig einen ehrfurchtsvolleren Umgang mit ihrer natürlichen Umgebung und nicht zuletzt mit ihren Bienen, als sich hierzulande Mancher vorstellen kann.

  • Zur Info: Ein Link zu Arbeitsweise von W.Müller hinsichtlich der Wachsreinigung.: bayertechnology.com/fileadmin/user_upload/sat_pages/technologyImpulse/ausgabe2/artikel_und_bilder/de/saubere_kinderstuben.pdf
    Sonst schaut mal auf seine Homepage, sie ist nicht sehr ausagekräftig, bzw, umfangreich. Läßt sich also schnell durchlesen.
    Er reinigt mit Akktivkohlepulver.
    Es bleibt für jeden Imkervdie abschließende Entscheidung vor dem eigenen Handeln.
    MbG
    Wolfgang, der keinem das Denken abnehmen kann.

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)