Mittelwände - Empfehlung?

  • Hallo zusammen,


    ich bin absoluter Neuling in der faszinierenden Welt des Imkerns, bin fleissig am Einlesen (Bücher und hier im Forum) und besuche parallel einen Imker-Einsteigerkurs.
    Starten möchte ich dieses Jahr mit lediglich 2 Völkern (Beute: Zander nach Dr. Liebig) und bin momentan dabei mir die Basis-Ausstattung zusammenzustellen.
    Aktuell beschäftigt mich die Frage, wo ich qualitativ hochwertige Mittelwände kaufen kann. Je mehr ich im Internet stöbere, desto unschlüssiger werde ich. :confused:
    Ich stoße auf die Begriffe:
    - pestizidarm oder sogar pestizidfrei
    - FBA kontrolliert bzw. FBA Siegel --> Bezieht sich das auf Faulbrut?
    - varroazidfrei --> heißt das keine chemischen Rückstände der Varroa-Behandlung?
    bin zunehmend verwirrt und fand bisher auch keine detailierten Erklärungen.


    Sehr empfehlenswerte Anbieter sind wohl u.a. Fa. Muhr, Fa. Wilfried Müller und Fa. Biorat (hoffe ich darf die Namen nennen).


    Ich möchten lediglich meinen beiden Völkern natürlich einen möglichst guten Start bieten, möglichst schadstofffreies Wachs als Basis und möglichst kein importiertes Wachs aus Afrika (hier geht wohl die Wachsgewinnung u.a. auf Kosten der Naturvölker) sondern bevorzugt von in Deutschland ansässigen Imkern.


    Was würdet ihr mir empfehlen?


    Vielen Dank und Grüße
    Tobias

  • Hallo, Tobias,
    tatsächlich sprichst Du da ein Riesenproblem an - aus Deutschland solche Mittelwände zu bekommen ist inzwischen ausgesprochen schwer. Das Verschneiden von Wachs mit Erdölprodukten und anderen Streckmitteln ist häufiger als gedacht und viele Hersteller liefern keine chargengenauen Analysen, sondern schreiben eben nur dass das "geprüft" sei ohne etwas konkret aufzuführen. Ein Anfragen ob denn eine Wachsanalyse mitgeliefert wird, ist schon mal ein guter Anfang - damit kannst Du schon mal einen Teil der Hersteller rausfiltern. Bei den restlichen hilft dann eben nur glauben oder eben selber überprüfen lassen (was aber wirklich sehr teuer ist).


    Daher lasse ich meine Bienen viel selber bauen, arbeite dazu auch gerne mit Schwärmen, die mir dann die Anfangsstreifen des sehr teuren Wachses ausbauen und dadurch viel Wachs liefern. Mein Ziel ist die Selbstversorgung mit eigenen Wachskreislauf; das Entdeckelungswachs ist ein zu kostbarer Rohstoff um ihn zu Kerzen zu machen.


    Aber zu Beginn wirst Du eben auf solche Mittelwände setzen müssen...ich beziehe z.B. gerne bei Dr. Wallner der umfangreiche Analysen mitschickt auf gängige Pestizide und Varroazide.


    Aber schön dass Du gleich von Anfang an solche Sachen hinterfragst...guter Start!


    Grüße
    Melanie

  • Moin Tobias.
    Ich habe von Anfang an nur Bio-Mittelwände gekauft; mal hier mal da.
    Dieses Jahr das erste Mal bei Muhr und ich bin begeistert von der Qualität, der schnellen Lieferung und ne ausführliche Analyse habe ich auch das erste Mal dazubekommen.
    Die Auswahl ist auch sehr groß.
    Auch wenn es etwas teurer ist, werde ich wohl nur noch dort kaufen.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Das Verschneiden von Wachs mit Erdölprodukten und anderen Streckmitteln ist häufiger als gedacht


    Ist das eine belegbare oder eine gefühlte Wahrheit? Hast Du dazu Zahlen? (also nicht, wer sowas wie oft denkt, sondern wie oft das vorkommt natürlich)


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ist das eine belegbare oder eine gefühlte Wahrheit? Hast Du dazu Zahlen? (also nicht, wer sowas wie oft denkt, sondern wie oft das vorkommt natürlich)


    Beste Grüße,
    Ralf


    Das war eine mit Nachdruck vorgebrachte Aussage auf dem Wachs-Workshop in Soltau. In den besuchten Wachsverarbeitern im europäischen Ausland (von dort wurden auch Bilder gezeigt) ist das auch ein eher offen kommuniziertes Verfahren um Wachs zu strecken. So lange der Anteil einen bestimmten Schwellenwert nicht übersteigt, gibt es ja auch keine Auffälligkeiten bei der Verwendung; die Beimischung kann tatsächlich nur sehr schwer erkannt werden (Geruch, physische Eigenschaften).
    Bis zu 40% Paraffin soll wohl keine Probleme verursachen (siehe auch http://www.degruyter.com/view/…15-0018/jas-2015-0018.xml) aber da gibt es offenbar unterschiedliche Meinungen - Wallner hatte 2005 andere Schwellenwerte publiziert als dieser Brutschadenskandal durch die Imkerschaft tobte...


    Da zudem der eigene Wachskreislauf ökonomisch gesehen nicht aufgeht werden sich gerade wirtschaftlich denkende Berufsimker in erster Linie mit fertigem Material eindecken und auch ihr Altmaterial wieder eintauschen...damit zirkuliert das preiswerte Wachs entsprechend munter und damit auch die Beimischungen. Es muss also nicht mal "böse" Absicht sein - aber wenn der Schmelzer da gerade einen Schwung solcher Waben mit verarbeitet hat, dann ist das eben mit drin und wird weiter verbreitet. Der europäische Binnenhandel macht den Austausch dann ja auch sehr einfach.


    Bio-Imker werden ihr teures Wachs wohl dahingegen selber als ein solches anbieten.
    In dieser 2015 erschienenen Arbeit (http://www.degruyter.com/view/…15-0018/jas-2015-0018.xml) wurden nur 6 von 56 Proben als reines Bienenwachs identifiziert; die restlichen hatten 5 bis 20% Paraffinanteil!


    Die Proben stammten laut Autoren auch von Deutschen Lieferanten:


    "56 comb-foundation samples were collected from the beeswax foundation manufacturers and/or specialised beekeeping shops in 9 European countries (Austria,
    Bosnia and Herzegovina, Croatia, Germany, Hungary, Italy, Macedonia, Serbia, Slovenia; n = 52) and in
    other countries (Russia, Argentina, China; n = 4)"


    Interessanterweise macht gerade die Hitzebahandlung zur Abtötung der AFB-Sporen die Untersuchung auf Beimischungen zusätzlich schwer.


    Die Autoren folgern: "The results of this research revealed disturbing findings; 89% of comb foundation samples collected from the market were found to be adulterated with paraffin. We believe that this kind of outcome is the consequence of the larger-scale problem of a general deficit of beeswax and a “chronic” accumulation and circulation of the paraffin in the comb foundation production process. The lack of routine analytical tools, and regulations controlling the beeswax origin or any kind of its monitoring, definitely contribute to this issue. The chemical composition of beeswax is generally not being controlled routinely, and therefore, allows continuous and successive contamination of beeswax by adulterants, primarily paraffin"


    Mir hat das alles sehr zu denken gegeben und mich eigentlich darin bestärkt, einen eigenen Wachskreislauf zu etablieren; ich gebe eigentlich nichts auf diese Behauptungen, Zertifikate und Siegel der Hersteller. Ich habe sogar Scheu davor, mein Wachs einer "Eigenwachsverarbeitung" anzuvertrauen denn wer weiß ob da nicht auch gemischt und gestreckt wird oder eben auch nur die Verschmutzungen des Vorgängers in den Maschienen bleiben...aber da muss jede(r) seine eigenen Grenzen finden und ziehen.


    Melanie


    P.S. Übrigens ist das auch in unseren Lebensmitteln gang und gebe - schon gewusst, dass es gar nicht die Menge an "nativem, kalt gepressten extra-virgine" Olivenöl geben kann das auf dem Markt ist? Das ist eine regelrechte Mafia (siehe auch http://www.sueddeutsche.de/sti…n-jungfraeulich-1.1501308 oder http://www.olivenoel-kartell.de/) und auch bei "Bio-Rapsöl" stellt sich die Frage wo das alles herkommen soll wenn es in Deutschland gerade mal 4000 hektar Bio-Rapsanbau geben soll lt. UFOP).


  • Mir hat das alles sehr zu denken gegeben und mich eigentlich darin bestärkt, einen eigenen Wachskreislauf zu etablieren; ich gebe eigentlich nichts auf diese Behauptungen, Zertifikate und Siegel der Hersteller. Ich habe sogar Scheu davor, mein Wachs einer "Eigenwachsverarbeitung" anzuvertrauen denn wer weiß ob da nicht auch gemischt und gestreckt wird oder eben auch nur die Verschmutzungen des Vorgängers in den Maschienen bleiben...aber da muss jede(r) seine eigenen Grenzen finden und ziehen.


    Melanie


    Ja, Melanie, die Wachsverarbeitung ist, wie so vieles, Vertrauenssache. Da hilft im Prinzip nur der persönliche Besuch, das Gespräch und wenn möglich die Besichtigung.
    Gruß
    Reiner

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Haben mir einmal MW schicken lassen, die waren so spröde, dass sie beim Auspacken schon brachen, absolut unbrauchbar.


    Hole (Wachsumtausch) Sie mir jetzt beim Imkereifachhändler um die Ecke - superqualität biegsam, einfach Klasse.


    Bez. Reinheit der MW rege ich mich schon gar nicht mehr auf, du wirst sowieso überall vergiftet, wo man es gar nicht vermutet, siehe heute:


    Wer hätte an sowas gedacht?



    http://www.antenne.de/nachrich…-frachtcontainer-verletzt

  • Hallo zusammen, vielen Dank für die vielen ausführlichen Antworten. Ich frage mal freundlich bei den Anbietern nach, ob das Wachs von hier ansässigen Imkern stammt.
    Aus Ferne (Afrika etc.) importiertes Wachs möchte ich möglichst vermeiden.
    Mal schauen, welche Antworten ich von den Anbietern erhalte, dann muss letztendlich das Bauchgefühl entscheiden.
    Danke nochmal und Grüsse
    Tobias

  • Hallo zusammen,


    vielleicht ist das zu hoch für mich, aber euren Argumentaionen kann ich gerade nicht folgen:
    - Eine gefühlte Qualität (weich, gut riechend o.ä.) sagt nicht über den Schadstoff- oder Fremdstoffgehalt der MW aus. Ich kenne auch die glasigen und die nach Rauch riechenden MW... Auch eine Brüchigkeit sagt eigentlich gar nichts aus. Bestenfalls, daß es Entdeckelungswachs sein könnte.
    - Auch der "kleine Imkereibedafshändler von nebenan" kauft seine MW irgendwo ein und auch wenn er sie selbst walzen sollte, dann kocht er auch nur das Altwachs seiner Liefgeranten, das mit dem hohen Paraffingehalt...
    - Meiner Meinung nach klappt ein eigener Wachskreislauf oder noch besser eine eigene Wachsstrecke schon vom ersten Volk an! Natürlich bedeutet das einen Mehraufwand, aber meine Bienen scheinen es zu mögen. Seit etwa 3 Jahren mache das und bin begeistert!


    Gruß Jörg, Wachsstrecker

  • Wenn ich aus meinem Wachs MW gieße sind sie sehr bruchempflindlich, nicht unbrauchbar, aber schon richtig "rohe Eier". Habe halt immer einen hohen Anteil an Entdeckelungswachs darin. Beim Verarbeiter meines Vertrauens (vielleicht der bei dir um die Ecke) gewalzte MW sehen von der Farbe her fast genauso aus, sind aber deutlich flexibler. Deshalb möchte ich nur noch gewalzte haben.


    Servus
    Reiner


    Haben mir einmal MW schicken lassen, die waren so spröde, dass sie beim Auspacken schon brachen, absolut unbrauchbar.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Die Sache mit dem gestrecktem und schadstoffbelastetem Wachs erscheint wirklich ernst.
    Und Jörg hat Recht. Es führt kein Weg am eigenen Wachskreislauf vorbei.
    Die Investition tut nur einmal weh und danach überwiegt die Freude.
    Elk, der gerade seine Küche für das große Wachskonzert vorbereitet.

  • Hallo


    ich kann ja fast nicht glauben was da Melanie geschrieben hat, Beimischungen im Wachs. Das erinnert mich an tiefste sozialistische Zeiten, wo ja vieles Mangelware war und da hat man es aus der Not heraus getan. Aber heute wäre das ja eindeutig Betrug, geboren aus Geldgier.
    Also wenn ich neu anfangen wollte, würde ich in den nächsten Imkerladen meiner Region gehen und dort die MW kaufen.
    Ich habe in der Zwischenzeit meinen eigenen Wachskreislauf.
    Übrigens MW-wachs wird wenn es kalt wird immer spröder und bricht auch sehr leicht, auch beim Transport, es sollte immer bei 29°C verarbeitet werden, dann ist es auch schön biegsam.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Also wenn ich neu anfangen wollte, würde ich in den nächsten Imkerladen meiner Region gehen und dort die MW kaufen.


    Bei 'meinem' Imkerladen in der Region steht im Lager eine Gitterbox, jeder Imker läßt sein Wachs wiegen und dann kommt das da rein. Wenn die Box voll ist, kommt sie weg und dem bestellten Gewicht entsprechend als Pakete toll duftender Mittelwände goldgelb in Papier verpackt zurück. Da kann man nicht testen! Also man müßte ja die einzelne Anlieferung jedes einzelnen Imkers analysieren! 1 Kg, 3Kg, 50 Kilo. Sobald die einzelnen Chargen eingeschmolzen sind, lassen sich evtl. Beimischungen ja auch nicht mehr rausnehmen! Was soll der Verarbeiter machen? Vermutlich schmilzt er im Durchlauf, also nicht Charge um Charge, sondern der Füllstand im Vorratsbehälter wird aufrechtgehalten und wenn hinten was raus ist als Mittelwände, kommt vorne wieder rein als Nachschub. An welcher Stelle im Prozess kann er als Verarbeiter überhaupt sinnvoll eine Analyse machen? Wie lange dauert das, bis er ein Ergebnis hat? Sind die Mittelwände bis dahin nicht längst verkauft und eingelötet? Was für eine Konsequenz hätte ein negatives Ergebnis? Soll er dann die gesamte Charge verwerfen und den Ankaufspreis auf die 'guten' Mittelwände umlegen? Den Imker, welcher das gepanschte Rohmaterial abgegeben hat (vielleicht ja sogar unwissentlich), kann man ja nicht mehr ausfindig machen. Und vielleicht streckt er es als Verarbeiter ja selber, lohnen täte es sich.


    Wie kommt das Paraffin ins Wachs? Durch die Imker' oder durch die Umarbeiter? (bei Preisen von 14 - 15€/ Kilo lohnt es sich für jeden!), wer könnte überhaupt was dagegen tun?


    Ich mußte durch meine Vergrößerung dieses Jahr eine größere Menge Wachs zukaufen, ich finde das eine zutiefst gruselige Sache. Einerseits. Andererseits habe ich früher auch regelmäßig Wachs zugekauft und später dann immer Altwachs gegen Mittelwände getauscht, ohne je Probleme damit gehabt zu haben. Angestrebt wird von mir eine eigene Wachsstrecke, aber bis die trägt das wird dauern. Hier Pestizidfrei zu Imkern und damit die Bienen in Afrika abfackeln zu lassen, widerstrebt mir auch zutiefst (und da lohnt sich eine Paraffinbeimischung ja noch viel eher! Und für 'Bio' gilt ja das selben, je höher der zu erzielende Preis, desto höher der Anreiz zum Betrug).


    Das ist wirklich ein zutiefst unschönes Thema.


    Etwas frustrierte Grüße (dabei schau ich mißmutig auf die Pakete Mittelwände vor mir),
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • ... Vermutlich schmilzt er im Durchlauf, also nicht Charge um Charge, sondern der Füllstand im Vorratsbehälter wird aufrechtgehalten und wenn hinten was raus ist als Mittelwände, kommt vorne wieder rein als Nachschub. ...


    Hier vielleicht doch mal mit dem Verarbeiter reden und sich evtl. die Verareitung zeigen lassen. "Mein" Imkerladen um die Ecke hat letztens seine Wachsumarbeitung vorgeführt und die ist nicht im Durchlauf, sondern diskontinuierlich, wenn der Kessel komplett leer ist, wird wieder voll gemacht. Und dort kann man ab 10kg sein eigenes Wachs umarbeiten lassen. Bis dahin muss ich aber auch noch externe MW zukaufen.