Maximale Völkervermehrung?

  • Hallo zusammen.


    Ich habe 2 Volker Carnica. Ich imkere mit Dadant.
    Dieses Jahr möchte ich gerne meinen Bestand aufbessern.


    Ich erhoffe mir aus den 2 Völkern etwas Honig. Muss nicht die Welt sein, nur zum Eigenverbrauch.


    Wie kann ich meine Völkeranzahl maximieren?

    • Ab wann solte ich damit anfangen?
    • Wieviele Brutwaben werden entnommen? ( Einwabenableger? )
    • Woran erkenne ich das ich Ableger entnehmen kann?
    • usw.


    Ich möchte keine Königinen kaufen. Die sollen Standbegattet werden.
    Und ja. Ich habe einen 2. Standort.


    Vielen Danke für eure Hilfe.


    Gruß Udo

  • Lass die Völker erst mal groß werden. Zur Schwarmzeit pro Volk je einen Ableger machen und eventuell, je nach Entwicklung der Völker, einen Kunstschwarm oder Flugling kurz vor der Honigernte im Juli. Das ist bei zwei Völkern das vernünftige Maximum, wenn man brauchbare Königinnen haben will. Außerdem hast Du fast keine Einbußen beim Honigertrag.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Hallo.


    Danke für deine Info.
    Ich habe mal gelesen, das jeden Monat eine Wabe entnommen werden kann.
    Voraussetzung ist natürlich ein starkes Volk.


    Nach deiner Methode also aus 2 Völker 4 Völker machen?


    Gruß Udo

  • Besorg dir für die Vermehrung Styropor-Ablegerkästen oder Styroporbeuten für Dadant. Besorg dir außerdem für Anfang-Mitte Juni begattete Königinnen. Die setzt du in Kleinkunstschwärme aus 200g Bienen, die du auf eine Leerwabe + 1 Mittelwand einschlägst und mit Futterteig fütterst. Achtung: Nach Ende der Tracht musst du mit ausgebauten Waben erweitern. Diese liefert dir die TBE der Wirtschaftsvölker.
    Die Vermehrung mit Kleinkunstschwärmen hat den Vorteil, dass du wirklich maximal vermehren kannst und im Sommer nicht gegen die Varroa behandeln musst. Sie funktioniert aber nur in Styroporbeuten, in Holzbeuten dagegen nicht.
    Falls du nicht maximal vermehren willst, hast du den Vorteil, dass die Wirtschaftsvölker kaum geschröpft werden und so die Honigleistung erhalten bleibt.
    Wichtig: Nicht nach Mitte Juni starten!
    Sieh dir diesen Link an.


    Gruß Ralph

  • Hallo Grisu,
    mit einem frühen Ableger und zwei Ablegern aus der TBE kannst Du ohne großes Schubidu aus jedem starken Volk an einem früh-warmen und trachtsicheren Standort drei Ableger rausholen. 3 Ableger + Altvolk wären 4, x2 = 8 + 4 Schwärme und 2 gekauften = 14 Völker über Winter. Von zwei auf 14, das ist schon ein ordentlicher Sprung. Dafür musst Du im Vorfeld schon etwas investieren und der Spaß geht genauso weiter, wenn Du alle ordentlich über den Winter bekommst.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ja, und von den 14 Völkern gehen 11 ein (wegen fehlender Fachkenntnis der richtigen Ablegerpflege) und Du winterst dann nur 3 aus.


    Eine Verzehnfachung ist so die maximale Vermehrungsrate ohne große Tricks. Jedoch hat die Praxis gezeigt, daß eine Vermehrungsrate von 1,5 immer noch die gesündeste Art ist. Also: aus zwei Völkern mache drei Völker. Eine Verdoppelung hat für den Anfänger eine größere Gefahr des Fehlschlags in sich.


    Ich würde Dir stark empfehlen, lieber langsamer und dafür sicherer zu vermehren. Du holst Dir eine weitere dritte Beute. Im Mai schröpfst Du aus zwei Völkern verdeckelte Brutwaben mit Bienen und machst damit die neue Kiste voll. Eine der alten Königinnen setzt Du dazu. In das alte Volk, aus dem Du die alte Königin entnommen hast, setzt Du eine zugekaufte Königin hinzu. Fertig.


    Mit dieser Art der Vermehrung hast Du von Anfang an einen starken Ableger, der sogar in späteren Trachten noch Honig bringt. Bei den anderen zwei Völkern ist die Schwarmstimmung stark reduziert. Die ganze Tüddelei (= Pflege), die man für schwache Ableger aufwenden musst, von denen Du keinen Honig mehr erwarten kannst, und das große Sterben im Herbst kannst Du dir sparen. Viel Aufwand, nix kommt dabei rum und diese Völkchen machen auch im nächsten Jahr keinen Spaß. Zu klein! Bringen kaum Honig, und kommen dafür schneller in Schwarmstimmung.


    Je erfahrener Du bist, desto kleiner kannst Du die Ableger machen. Und desto mehr kannst Du vermehren. Aber die Praxis zeigt, daß auch bei erfahrenen Imkern bei zu starker Vermehrung die Verluste höher sind als normal. Die Praxis zeigt auch, daß erfahrene Imker eher dazu neigen, die Ableger stärker zu bilden als üblich.


    Es ist einfacher einen starken Ableger zu pflegen, als schwache Ableger die ganze Zeit vor dem Abnippeln zu bewahren.


    Deine Entscheidung. Wer alles auf einmal will, der bekommt oft nix. Wenn Du brachial auf mehr Völker kommen willst, dann kaufe welche hinzu. Der Imkermarkt ist gerade voll von Völkern. Das ist auch wirtschaftlicher, als das ganze Jahr über Ableger zu füttern und im Herbst dann die leeren Kisten abzuräumen.


    Viele Grüße


    Bernhard


  • Nach deiner Methode also aus 2 Völker 4 Völker machen?


    Nö, aus zwei bis zu sechs. Empfehlen würde ich allerdings die aus 2 mach 4 Methode. Bernhard hat das schon passend beschrieben. Mickerlinge machen keine Freude, auch wenn dies einige propagieren. Aus 2 dann 3 machen halte ich nicht unbedingt für die vernünftige Obergrenze. Verdoppeln schafft auch ein Anfänger gut, wenn es nicht auf das letzte Gramm Honig ankommt; wie hier ja schon beschrieben. Ergänzend würde ich aber nicht mit den alten Königinnen in den Winter gehen, sondern 2 neue besorgen und vor dem Winter die alten austauschen. Auf welche Art und Weise auch immer.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Ja, und von den 14 Völkern gehen 11 ein (wegen fehlender Fachkenntnis der richtigen Ablegerpflege) und Du winterst dann nur 3 aus.


    Das ist aber ziemlich pessimistisch. Die von dir beschriebene Vermehrungsstrategie ist zweifellos sehr bodenständig, funktioniert in Holzbeuten, löst gleichzeitig das Problem der Schwärmerei, führt aber zu vermindertem Honigertrag und führt zu wenig Tochtervölkern.
    Die von mir beschriebene Methode beeinträchtigt wegen der entnommenen geringen Bienenmenge (bei nur wenigen Tochtervölkern) kaum die Muttervölker und somit nur wenig den Honigertrag, ist aber aufwändig, da nur in Styropor möglich, und kann nicht am Stand der Muttervölker durchgeführt werden.
    Eine weitere Methode, die mit geringstem Aufwand auch in Holzbeuten sehr gut funktioniert, ist die Fluglingsbildung, mit der die Völkerzahl verdoppelt werden kann:

    • Pro Volk wird eine begattete Königin zugekauft, die kommt mit einigen Leerwaben im Versandkäfig mitsamt Begleitbienen unter Futterteigverschluss in eine Beute.
    • Das Muttervolk wird verstellt, die Beute mit der neuen Königin kommt an diese Stelle. Fertig.

    Aus dem Muttervolk fliegen jetzt reichlich Bienen der neuen Königin zu, Flugwetter vorausgesetzt. Bei Tracht ist keine Fütterung erforderlich. Das Problem der Schwärmerei wird hier auch gelöst, da die Flugbienen aus dem Muttervolk abgezogen werden.
    Alternativ kann man den Flugling auch weisellos bilden bei Zugabe einer bienenbesetzten Wabe mit jüngster Brut.


    Gruß Ralph

  • Hallo Vermehrer,


    ich denke auch, daß man mit einiger Erfahrung wohl eine ganze Menge Ableger bilden kann. Das Ganze scheitert aber gern an Kleinigkeiten, fehlender Erfahrung usw. Im Endeffekt sollte man wirklich besonderen Wert auf die "Qualität" der Völker legen. Denn nur die gut gemachten Ableger kommen dann durch den Winter, nicht die halbvollen Kisten.
    Ein besonders wichtiger Punkt ist dabei die Königin. Das muss nicht eine Belegstellenkönigin o.ä. sein, sondern eine gut Erbrütete mit vertrauenswürdiger Abstammung und dann meinetwegen standbegattet. Sowas bekommt man beim Bieneninstitut, Kollegen oder Züchter in der Nähe.


    Gruß Jörg

  • Hallo Udo,


    ich denke, dass es immer gut läuft, wenn man die Vermehrung in die Betriebsweise einbaut.


    So mache ich das ganz gern:
    - in der Rapstracht Sammelbrutableger (je 1 BW pro Wirtschaftsvolk entnehmen), damit Königinnenzucht (z.B. 1. Serie für meine Mini+; 2. Serie für Aufteilung in 2-Wabenableger) -> 2W-Ableger
    - bei Schwarmvölkern Entnahme von Brutwaben -> einzelne Ableger
    - in der Robinientracht Kunstschwarmbildung mit HR-Bienen (je nach WV-stärke, vielleicht 1...1,5kg aus 5 WV=1 KS) -> einzelne Kunstschwärme
    - 2 Wochen vor Sommertrachtende (Anfang/Mitte Juli) TBE-mit-Fangwaben aller VW (aus 3 WV je eine Brutscheune=1 Ableger) -> Brutscheunen behandeln und beweiseln...


    So kann ich bei moderatem Honigverlust meinen Völkerbestand bei Bedarf jährlich locker verdreifachen. Und wie gesagt: nicht planlos nachschaffen lassen, sonder auf die Königinnenqualität achten! Das ist der die halbe Miete für gute Völker!
    Gruß Jörg