Zweimalige TBE mit Rückvereinigung

  • Hallo zusammen,


    als Jungimker weiter immer auf der Suche finde ich im WWW "Zweimalige Entnahme der gesamten verdeckelten Brut mit Rückvereingung eines sanierten Ablegers" von Dr. Jens Radtke aus Hohen Neuendorf (z.B. in einem Vortrag hier).


    Während die TBE ja auch hier im Forum super beschrieben und ausführlich diskutiert ist, finde ich im Netz nicht so richtig, was und wann genau Dr. Radtke mit dem Schritt der 2. TBE und der Rückvereinigung des sanierten Ablegers macht ... kann mir da jemand helfen (vielleicht auch mit einem guten Link, den ich zu blöd war zu finden)?! Danke im Voraus.


    Offenbar verspricht diese Methode das weitgehende Einsparen aller Säuren und anderen Medikamente. Seht Ihr das auch so? Was sagt die Erfahrung derer, die das ausprobiert haben?


    Schönen Abend, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Hallo Jörg,


    bei Jens Radtke werden die Brutsammler offenbar mit AS behandelt. Somit verspricht das Verfahren nicht das weitgehende Einsparen aller Säuren und anderen Medikamente, nicht einmal bei der Sommerbehandlung. Vorteilhaft ist aber, dass die Königinnen in den Brutspendern von der Wirkung der AS verschont bleiben.
    Wann die 2. Brutentnahme geschieht, ist nicht ersichtlich. Vermutlich lässt er die Völker nach der Brutentnahme neu starten und entnimmt dann die erste verdeckelte Brut. Das entspricht einem Fangwabenverfahren, wobei die neue Brut die Rolle der Fangwaben für die bei der ersten Entnahme verbliebenen Stockmilben übernimmt. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass zum Zeitpunkt der Verdecklung der neuen Brut die Jungmilben ausgereift sind und bereit sind, in die Brut zu gehen. Gleichzeitig stehen auch große Fangflächen zur Verfügung. Daher sind die so erzeugten Fangwaben hocheffektiv.
    Ich möchte auch auf das von mir praktizierte Fangwabenverfahren verweisen, bei dem auch die Brutsammler ohne Chemie behandelt werden, sodass im Sommer der Einsatz chemischer Mittel nicht notwendig ist. Eine Rückvereinigung erfolgt nicht, aber eine Verstärkung der Brutspender mit Brutwaben aus den sanierten Brutsammlern wäre möglich.
    Ein völliges Weglassen chemischer Behandlungen ist auch bei diesem Verfahren nicht ratsam, da der Varroabefall bis zum Jahresende soweit wieder ansteigt, dass eine Behandlung notwendig wird.


    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    vielen Dank für die sehr verständliche Erklärung, genauso verständlich wie Dein TBE.pdf - echt hilfreich.


    Wenn ich es richtig verstehe, könnte ich die Methode von Jens Radtke mit Deiner wie folgt kombinieren, wenn ich sowieso im Mai Ableger zur Schwarmkontrolle bilde:


    1. im Mai Sammelbrutableger bilden (Königin nachschaffen lassen, ggf. mit MS behandeln während Brutfreiheit)
    2. dann 2 Wochen vor Trachtende (ca. Mitte Juni) TBE nach Deiner Methode, wobei jetzt der ehemalige Sammelbrutableger durch die Brutscheune zu einem vollwertigen Volk verstärkt wird.


    Würde ich in Schritt 1. eine komplette Brutentnahme machen, wäre das die Methode von Jens Radtke. Im 2. Schritt wird dann aber nicht zurückvereinigt, sondern Deine Methode angewendet. Und am Ende des Sommers schauen wir dann mal, wer noch weitere Behandlung braucht.


    Was hältst Du davon?


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Du kannst den Sammelbrutableger bilden und später als Brutscheune verwenden, kein Problem.
    Eine komplette Brutentnahme Mitte Mai ist nicht sinnvoll,

    • da du danach kaum noch Honig ernten wirst,
    • und zwischen der ersten und zweiten Brutentnahme eine Zwangsfolge von >10 und < 20 Tagen eingehalten werden muss, wenn die Varroabekämpung effektiv sein soll.

    Du musst die Ablegerbildung und die Varroabekämpfung also voneinander trennen.


    Gruß Ralph

  • ...Eine komplette Brutentnahme Mitte Mai ist nicht sinnvoll,
    [LIST]
    [*]da du danach kaum noch Honig ernten wirst,
    ...


    Die Hohen Neuendorfer propagieren aber gerade diese frühe TBE, mitten in der Rapstracht. Und sagen, daß der Leistungsknick (Mangel an Flugbienen) bei gutem Timing erst zu Ende der Robinie einsetzt. Dann wird entweder rückvereinigt oder dem Ablegervolk noch ein HR aufgesetzt.


    Und vielleicht muss man auch nicht 100% der Milben erwischen. Vielleicht reicht auch mit einer einmaligen TBE ohne Fangwabe, um sich die Sommerbehandlung sparen zu können.


    Gruß Jörg

  • Zitat

    Dann wird entweder rückvereinigt oder dem Ablegervolk noch ein HR aufgesetzt.


    Bitte für die Doofen: Bei Rückvereinigung dann via Kunstschwarm, um keine Varroas mitzuschleppen? Und was passiert dann mit der Brut? Oder wie soll ich mir das vorstellen?

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Genau das habe ich letztes Jahr am Hausstand mit 30 Völkern gemacht.


    Frank, kannst Du das einmal kurz erklären ?! Ich möchte das in diesem Jahr bei einigen Kandidaten machen, um die Milbenlast frühzeitig zu senken. Hast Du das nach der Beschreibung des Kirchhainer BI gemacht oder in abgewandelter Form ?


    Vielen Dank und beste Grüße


    Rainet

  • Ich habe das ganze gegen Ende Raps gemacht. Etwas später als von Hohen Neuendorf gesagt. Alle verdeckelten Brutwaben raus eine mit nur offener Brut gelassen, welche erst nach dem verdeckeln entnommen wurde. Brutnest langsam mit MW wieder aufgebaut. Brutscheuen auslaufen lassen und behandelt mit MS. Bienen für Zucht verwendet und einen Teil den Völkern zurückgegeben.


    MFG Frank

  • Danke, so habe ich es mir vorgenommen.


    Die Rückgabe der (behandelten) Bienenmasse ist dann aber ein wichtiges Element, damit die Völker stark genug für die Sommertracht sind. Will heißen, der Anteil zur Vermehrung sollte dann limitiert sein - ca. 10 bis 20 % ?!


    Vielen Dank für Deinen Tipp


    Rainer

  • Zitat

    Brutscheuen auslaufen lassen und behandelt mit MS. Bienen für Zucht verwendet und einen Teil den Völkern zurückgegeben.


    Hm, was aber dabei natürlich nicht vergessen werden darf, ist, dass eine MS-Behandlung der Brutscheune ausschließt, dass Bienen dieses Ablegers als Verstärkung eines Wirtschaftsvolkes für eine bessere Trachtnutzung im selben Jahr verwendet werden, oder?!


    Gebrachsanweisung Milchsäure 15% ad us. vet.:
    "Wartezeit für Honig:
    Bei Spätherbst- / Winterbehandlung keine;
    bei Sommerbehandlung erst die Honigernte der Tracht des Folgejahres nutzen."


    Gruß, Jörg

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