DIB vs. Neutralglas, Gedanken eines Einsteigers

  • Hallo zusammen,



    heuer ist mein zweites Imkerjahr und ich werde meinen ersten Honig ernten. Ich beschäftige mich seit Tagen mit dem Thema Vermarktung. Ich habe soweit alles durchdacht und hoffentlich auch bedacht. Nur in einem Punkt kann ich mich noch nicht entscheiden. DIB-Glas oder Neutralglas?



    Ich hoffe von euch zusätzliche Argumente zu bekommen, um endlich zu einer Entscheidung zu kommen. Denn eins ist klar. Wenn ich mit einem Glas anfange, muss ich das „für immer“ durchziehen. Ein Wechsel von DIB auf Neutral oder umgekehrt nach ein paar Jahren wirkt auf mich unentschlossen und inkonsequent.



    Meine Gedanken bisher. Für das DIB-Glas mit Gewährstreifen steht der hohe Erkennungswert in der Gesellschaft. Man verbindet mit dem DIB-Glas und Gew.Streifen eine gewisse Quallitätsgarantie. Es wirkt nüchtern, erwachsen und abgeklärt. Gegen das Glas spricht aus meiner(!) Sicht der Plastikdeckel, den ich nicht schön finde und die Abwesenheit jeglicher Originalität und Individualität. Den Gewährstreifen empfinde ich als etwas altbacken. Würde er doch wenigstens etwas retro wirken….



    Für Twist-Off oder ähnliches steht die (beschränkte) individuelle Gestaltung der Etikette. Natürlich müssen die Mindestangaben wie Namen, Gewicht etc. vorhanden sein. Die Wahrnehmung eines solchen Glases mit entspr. Etikette verspreche ich mir viel bunter, lockerer, freundlicher. Das Glas/Etikett von Zonia http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=41047 kommt meinem Ideal schon sehr nahe. Bin fast n bissle neidisch. Aber auch bienendruckerei.de bietet schöne Etiketten an. Allerdings befürchte ich, dass man mit selbst gestalteten Gläsern als nicht so professionell wahrgenommen wird.



    Falls ich sie SuFu nicht richtig bedient habe und dieses Thema bereits durchgekaut wurde, bitte ich um Entschuldigung und den entsprechenden link.



    Danke,


    Sonnenblume

  • Ich habe im DIB-Glas angefangen und war nach einer Charge bereits davon weg.
    Meine Nachbarin erzählte mir, sie hatte sich so gefreut "meinen regionalen" Honig bei Edeka im Regal zu sehen, dass sie gleich dort ein paar ein Gläser gekauft hat. Das waren natürlich welche von einem Abfüller rund 500km entfernt. Auf den Adresseindruck achtet doch kaum ein Kunde. Alle Gläser sehen mehr oder weniger gleich aus...will ich mit Kollegen Verwechselt werden und umgekehrt?
    Auch dem DIB ist es gefühlt mehr oder weniger egal was darin verkauft wird. Von "Schneeglöckchen-Honig" mit Phasentrennung bis "Orangennektar" und "Lavendelblüte" habe ich schon vieles im DIB-Glas gesehen, was eigentlich nicht sein sollte. Der Qualitätsanspruch ist zwar da, aber wird er auch kontrolliert?


    Damit war der Entschluss für mich klar. Eigenes Glas und eigenes Etikett.

  • Hallo Sonnenblume,


    also ich habe mich erst einmal für die DIB-Gläser entschieden bin aber immer mal wieder am schwanken ob ich nicht doch wechseln soll. Beiden hat halt vor und Nachteile, die man für sich entdecken kann / muss.


    Also für mich spricht beim DIB-Glas:


    - Hoher Wiedererkennungswert
    - Gute Werbeartikel, die man auch nutzen sollte (Werbeschilder, Beilagenzettel, Tüten etc.)
    - Günstige Etikettenpreise


    Dagegen:


    - Alle sitzen im gleichen Boot - daher keine Abrenzung zu anderen Imkern und deren Preisen
    - Lokale Vorzüge werden schlecht wiedergegeben. (z. B. Kassler Stadthonig, dessen Label ich sehr gut finde - oder andere lokale Attraktionen)


    Also aktuell könnte ich sogar sehr gut auf Neutral umstellen. Ich habe vielleicht noch 100 Gläser zu Hause. Trotz 50 Cent Pfand ist die Rücklaufquote nicht so gut. Warum kannst du also nicht umstellen? Ein anderer Imker meinte mal, er hat grundsätzlich beide Varianten. Vorteil ist, dass er das individuell einsetzen kann. In Supermärkten z. B. geht das DIB-Glas besser. Da sucht der Kunde schnell etwas bekanntes / vertrautes. Auch auf kleinen Weihnachtsmärkten geht das DIB-Glas besser. Anders sieht es aus, wenn der Kunde sich etwas individuelles wünscht. Z. B. als Mitbringesl für zu Hause - also in Touristenorten. Da schrecken viele vor dem DIB-Glas zurück. Das gibt es doch zu Hause auch - ist also kein Souvenier.


    Du musst also schauen, was in deiner Gegend bzw. deinem Absatzbereich gut passt. Ich beliefere z. B. ein Café. Die wollten extra eigene Gläser wegen der Wiedererkennung.


    Gruß
    Frank

  • DIB Glas ist super, wenn Du direkt verkaufst und Dich keiner kennt, weil das so wahnsinnig seriös ist. Wenn Dich jeder kennt, ist DIB auch super, aber dann mehr für die großen Abfüller, weil Du dann gratis für sie das Gesicht machst (echter Imker, boah!) und sie ihre Industrieprodukte mit Deinem Image besser verkaufen können. Wenn Dich jeder kennt, ist ein schönes Glas und DEIN Name ein Wettbewerbsvorteil. Also mein Tipp: fang mit DIB an, spart viel Arbeit die Du an anderen Punkten in Deiner Imkerei besser investieren kannst und wenn Du Dir als Imker einen Namen gemacht hast und es Dir immernoch wichtig genug ist, denk über die idealen Etiketten, Glasform und den Rest nach.


    Beste Grüße,
    Ralf (selber genau an diesem Punkt)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo "andere" Sonnenblume,


    hier mal meine Erfahrung: angefangen habe ich mit dem DIB-Glas, aber bereits nach sehr kurzer Zeit auch im TO-Glas meinen Honig angeboten. Um herauszufinden, welches Glas besser ankommt, habe ich beide nebeneinander angeboten, mit gleichem Inhalt.


    Die überwiegende Mehrheit griff nach dem TO-Glas. Auf meine Frage, warum sie sich für dieses Glas und nicht für den Honig im DIB-Glas entschieden haben, kam mehrheitlich die Antwort: "Den gibt´s doch überall, wir wollen aber Honig aus der Region."
    Einige fanden auch einfach das TO-Glas schöner.


    Ich verkaufe also jetzt nur noch im TO-Glas mit eigenem Etikett.


    Ob das in Deinem Fall auch so sein könnte, mußt Du natürlich selber herausfinden. Wie willst Du denn überhaupt vermarkten? Ab Haustür, im Einzelhandel (Bäcker o.ä.), auf Märkten?


    Für viele Kunden ist es wichtig, das der Honig ein "Gesicht" hat, sprich, der/die dazugehörige Imker/in beim Verkauf präsent ist.


    Gruß, Heike



    P.S. Hat die "andere" Sonnenblume auch einen Namen? Könnte sonst zu Verwechslungen kommen.:wink:

    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, daß etwas anderes wichtiger ist als die Angst.
    (Ambrose Redmoon)

  • Hallo Sonnenblume,


    ich hatte mich zu Beginn fürs DIB-Glas entschieden, weil es das einfachste war. Alles korrekt aufm Etikett und schnell verfügbar.


    Dass die DIB-Gläser eine gewisse Qualität suggierieren erfuhr ich erst danach: die neuen Honigkunden hatten Vertrauen in die Marke und die gut sichtbare Glasnummer. (was sie als Kontrollnummer werten)
    Nicht dass mir das DIBGlas gefällt, aber ich als Neuimker hätte mit selbstgebasteltem Etikett nicht gleich diese Professionalität erreicht. Und ich habe Zeit gewonnen auszuprobieren, was ich möchte.


    Ich hatte zB einige wenige Gläser "Wohngebietshonig"..den wollte ich individueller an die Nachbarn bringen, dann hatte ich mal Honig mit 18,5%... so habe ich parallel TONeutralgläser ausprobiert. Mit unterschiedlichen Designs...special editions, Weihnachtspräsente für Firmen mit eigenem Text, Phantasienamen...


    Die Kunden wollten aber weiter mehrheitlich DIB (weil da am meisten drin war) ... nach einigen Jahren fahre ich immer noch zweigleisig: ich bin zu eitel um mich vom individuellen Ettikett verabschieden zu können und zu perfektionistisch mich für "immer" mit einem Layout anzufreunden, welches nicht 100% super ist.


    Und so probiere ich immer noch herum und drucke die kleinen Auflagen selbst....
    Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich überwiegend an Leute verkaufe, die ich persönlich kenne, da kann man im Gespräch durchaus noch was rüberbringen...


    Gute Entscheidung wünsche ich Dir!
    Gruß Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Ich erkenne eher den Trend hin zum eigenen Logo / Etikett und dem Neutralglas. Nie war man freier in der Gestaltung und Kundenbindung. Geht man durch die Supermärkte, stechen einem doch gleich die individuellen Aufmachungen mehr ins Auge, als das vermehrt dunkle Glas des DIB. Dazu noch der ganze Akt zur Bestellung der Einlagen, Etiketten, etc.


    Preislich kann ich auch keinen Vorteil erkennen.


    Für mich war und ist das DIB Glas ein Hinweis auf fehlende Individualität und Anspruch an das eigene Produkt. Möglicherweise auch Bequemlichkeit.

  • Auch ich habe beide Varianten im Vertrieb: DIB-Glas ist immer verfügbar und Etiketten habe ich mit Zudruck "Lüneburger Heide" und Unter imker steht "Heide-Imkerei" und dann Name, AnschriftTel.,Mail. (Bisher ohne jede Wirkung)
    Die Neutralgläser haben teilweise To-Deckel. Als sparsamer nehme ich aber auch alle anderen Gläser. Mein Etikett zeigt einen Korbbienenzaun und "Heide-Imkerei Schneverdingen" "Lünebuger Heide". Das wird schon von Touristen gerne genommen; denn den Honig im DIB-Glas kann ich ja auch zu Hause kaufen meinen viele. (Woher die dann aber Heidepresshonig kriegen wollen, wissen sie natürlich selber nicht. Die Dame, die mit einem Stand Heidekränze, -körbe und ähnliches und mienen Honig verkauft, muß dann immer erklären, während der Haupttouristensaison im August/September, daß die Bienen rund 1,5 km entfernt in der Heide stehen. Aber soweit gehen dann die Bustouristen doch nicht mehr zu Fuß. Wichtig an meinen selbstgedruckten Etiketten ist für mich auch, daß die Sorte und das MHD entsprechend dem Los mit eingedruckt und nicht gestempelt oder per Hand geschrieben ist, es sieht so meine ich besser aus. Wird aber leider auch teurer als die DIB-Etiketten. Jeder wie er will und kann. Die DIB-Etiketten machen weniger Arbeit, da sie fertig hier liergen, sind preiswerter, jedoch finde ich, daß sie nicht besonders gut kleben und später bei Retouren, die es bei Touristen ja "Gott sei Dank" nicht gibt. Lassen sich die neuen Schilder auch im Wasserbad nicht gut ablösen.
    Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Hi,


    ich habe mich am Anfang für die Neutralgläser mit dem Plastikdeckel entschieden und


    bin sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem DIB Glas ist vorhanden,


    trotzdem kann ich durch die Etiketten eine persönliche Note einbringen.


    Die Kunden sollen meinen Honig kaufen und nicht den vom DIB. Den gibt es an jeder Ecke.


    Gruss Joachim

  • Hallo


    ich nutzte 3 verschiedene Sorten Neutralgläser und auch aus den Rückläufen DIB-Gläser, mit den bei uns angebotenen, verschiedenen, regionalen Etiketten. Die Kunden interessiert eigentlich nur der Inhalt.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Einziger Nachteil bei der Nutzung von Neutral plus Dib ist die Verdoppelung der Varianten. Ich habe z. B. vier Sorten plus ein zwei Varianten (z. B. Sommerhonig Cremig, fest). Dazu das ganze im 500 und 250 Gramm Glas. Macht also schon mal 10 bis 12 verschiedene Gläsersorten. Wenn ich nun das ganze noch im Neutralglas anbiete, komme ich auf 24 Glasvarianten. Das ist auch ein Grund, warum ich noch zögere....


    Gruß
    Frank

  • Ich verwende nur Neutralgläser mit eigenem Etikett und verkaufe meinen Honig nur an Freunde und Bekannte.
    Am Anfang fragte schon der ein oder andere warum ich keine DIB-Gläser nehme und nach kurzem Aufklärungsgespräch waren aber alle zufrieden.


    Ich finde die Neutralgläser schöner, weil ich es individueller gestalten kann. So habe ich z.b. jedes Jahr ein anderes Bild von meinen Bienen auf einer Blüte darauf, sodass sie mich teilweise jetzt schon fragen:
    Und was ist es dieses Jahr für eine Blüte?


    Da mir die DIB-Gläser eigentlich sehr gut gefallen, aber der Aufkleber nicht , würde ich am liebsten DIB-Gläser mit meinem eigenem Etikett nehmen!
    Aber leider geht das nicht!


    Wie gesagt ich, verkaufe nur an Bekannte und nicht auf Märkten oder so. Ansonsten würde ich es mir vielleicht doch noch überlegen und zweigleisig fahren.


    Susanna

    Ein freundliches Wort ist wie Honig: angenehm im Geschmack und gesund für den Körper (Sprüche 16,24)

  • Ich benutze sowohl DIB- als auch Neutralgläser.
    Ich persönlich glaube nicht, dass man als Hobbyimker auf seinem Honig sitzen bleibt. Es sei denn die Kunden stellen fest, dass der Imker Probleme mit der Hygiene hat.
    Man muss halt nur mit seinem Angebot präsent sein und das Angebot muss in Ordnung sein.


    Ältere Kunden kaufen oft nur den DIB-Honig. Jüngere nehmen gerne die Neutralgläser. Aber wenn am Verkaufsstand steht, dass der Honig aus der Region ist, greifen auch die Jungen gerne zum DIB-Glas.
    Ich habe keine Probleme meine ganze Ernte zu verkaufen. Das Glas und Etikett spielt da keine Rolle.


    Gruß
    Holger

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Für uns, meine Frau und ich, war am Anfang klar: Wir wollen eigene Etiketten haben und diese auf neutrale Gläser bringen.
    Bis es soweit war und wir uns für ein entsprechendes Logo entscheiden konnten, haben wir - auch nach Empfehlung im Honigkurs - erst mal mit DIB Gläsern angefangen.
    DIB Gläser sind einfach zu beziehen, die Etiketten haben alles Notwendige drauf (bis auf Mindesthaltbarkeit und Honigsorte, das muss nachträglich noch ausgefüllt werden) und sind günstig.
    Der DIB hat auch eine neue Richtlinie herausgebracht, wonach man ein individuelles Logo mit auf das Etikett drucken kann (regionale Wiedererkennung oder Qualitätsmerkmal).
    Super dachten wir, denn eigene Etiketten sind deutlich teurer als die vom DIB. Zusätzlich würde ich immer eine Lasche von Deckel zum Glas kleben, um zu zeigen, dass das Glas noch ungeöffnet ist, was das ganz nochmals einige Cent teurer macht.
    Also mit unserem Honigbeauftragten vom Verein gesprochen, der sich auch im DIB engagiert und von ihm für unser Logo eine "Freigabe" bekommen.
    Tja, die Damen vom DIB waren da anderer Meinung und haben unser Logo mit dem karrikiertem Bild einer Biene nicht akzeptiert. Soweit mal die Individualität, sorry, DIB, ihr seid da echt verstaubt und altbacken! Ein Kollege hat ein Haus, welches Typisch für seine Umgebung ist, auf dem Etikett drauf, keine Ahnung, warum das besser ist.
    Man muß ja auch in einem Verein sein, um in DIB Gläsern vermarkten zu können, nur mal so nebenbei.
    Derzeit haben wir recht viel in die DIB Gläser investiert, aber ich denke, irgendwann werden wir von den DIB-Gläsern weggehen und ein eigens Etikett haben, es sei denn, der DIB lässt ein Maß an Individualität zu und wir dürfe unser Logo auf das Glas bringen, denn der Preis für die Etiketten ist unschlagbar.
    DIB kontrolliert auch seinen Honig, zumindest haben wir "neuen" alle über unseren Honigobmann ein Glas an den DIB geben müssen (dürfen?), die den Honig untersucht haben. Bei uns war der Honig von der Qualität her super, aber er entsprach dennoch nicht den Ansprüchen des DIB, denn wir hatten Sommerblütenhonig auf das Etikett geschrieben und es war prozentual mehr Honigtauhonig als Blütenhonig im Glas. Zum Glück gibt das nur den Hinweis, dass es so ist und keine Pflicht auf umlabeln der Gläser oder Rücknahme der vorhandenen. Damit würden sie auch alle Kleinimker vergraulen.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool: