Schaum oder Hase: "von Orlow" zum Thema "Imkerboom"

  • Hallo !


    DRadio Wissen:


    Imkerboom
    Zu viele Bienen in der Stadt


    Melanie von Orlow, Sprecherin der NABU-Bundesarbeitsgruppe Hymenoptera und Vorsitzende des Imkervereins Reinickendorf-Mitte im Gespräch mit DRadio Wissen


    .... Weil plötzlich jeder imkern will, geht's der Honigbiene fast zu gut - jedenfalls in Städten wie Berlin oder Hamburg: Zu viele Bienenvölker auf zu engem Raum, sagt der Deutsche Imkerbund. Auf dem Land sieht es anders aus. ....


    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Guten Abend!
    Warum muß die PR-Aktion pro Wildbienen mit einer Aktion gegen die Honigbiene verbunden werden?
    Artenschutz ist in der BRD sinn- und erfolglos! Wieso sollte ich mit diesem Wissen aber an die Öffentlichkeit gehen und BUND oder NABU diskreditieren?
    Indem ich Stadtimker beschimpfe, habe ich noch nichts für andere Bienen getan.
    Ich faß es nicht... Ralf

  • [quote='mor','https://neu.imkerforum.de/forum/thread/?postID=501904#post501904']
    Indem ich Stadtimker beschimpfe/QUOTE]


    Hat sie doch gar nicht getan, sondern lediglich etwas Bullerbü-Staub von ihnen entfernt.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Die Frage ist doch was ist "zu viel" und warum? Tracht? Kann es in der Stadt nicht sein so lange die Städter immer noch mehr ernten als die auf dem Lande.


    Schwierig wird es wenn wir aggressive Bienen halten, dann ist die Nachsicht der Nachbarn schnell aufgebraucht und mein persönlicher "Favorit" der Stadtprobleme ist die Epidemiologie. Nicht-Behandeln oder nicht zur gleichen Zeit bei der Varroa und eine schnelle Verbreitung der Amerikanischen Faulbrut. Das wären die Bedenken, die ich habe. Aber


    Imkerbashing, noch dazu von Imkerin gegen Imker ist fehl am Platz, ähnlich wie das hier: http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=49910


    "Zu viele Bienenvölker auf zu engem Raum, sagt der Deutsche Imkerbund." woran macht der DIB das fest? Warum jetzt und nicht vor zwei Jahren oder in drei? Wissenschaftlich ist da gar nix begründet. Zahlen die DIB-Stadt-Mitglieder weniger Beitrag oder woher kommt die Ablehnung?

  • so lange die Städter immer noch mehr ernten als die auf dem Lande.


    Das wird in den Städten zwar immer behauptet, aber die Frage ist doch, welche Regionen da jeweils verglichen werden. Das grüne Hamburg mit dem rapsgelben und maisgrauen Mc Pomm? Und selbst dort wird es immense Unterschiede in den Trachtsituationen geben.


    Und, wenn man mal unterstellt: Bienenkistenlastige Stadtimkerei, die immer nur am hinteren Ende der Bienenkiste aberntet vs. magazindominierte, handwerkliche, ertragsorientierte Imkerei auf dem Lande: Bei allen darin steckenden Pauschalisierungen - was vergleicht man da denn bitte?

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter


  • ...
    Zu viele Bienenvölker auf zu engem Raum, sagt der Deutsche Imkerbund.


    Nun, ich kann da leider nicht mit Daten dienen, aber da ist nach eigenem Miterleben schon was dran. Wenn auch nur im kleinen Maßstab meines "Reviers" hier auf dem flachen Land. Wenn ich die Mitgliederliste unseres IV, die von benachbarten IV kenne/ansehe und meinen Kollegen höre, bin ich froh, nicht im jeweiligen Gemeindehauptort, sondern eher am äusseren Rande und damit ausserhalb aller regulären/normalen Flugradien anderer Imker zu wohnen. 5000 Einwohner, ca. 20 Imker, 3500 Einwohner, ca. 50 Imker, ca. 350 Einwohner, 4 Imker, und das jeweils in einem Radius von max. 3km um die Ortsmitten, um die viel Raps, Mais und danach fast nur Getreide angebaut wird, seltener auch mal Tulpen, Disteln, Lupinen oder Luzerne...


    Das "Problem" ist leider wie so vieles, nicht nur eigenverantwortlich verschuldet. Es liegt sicher *auch* an der erwerbslandwirtschaftlichen Trachtfolge auf den Flächen rund um ländliche Gemeinden oder Städte. Da kommen mehrere Faktoren zusammen, die sich nicht unbedingt positiv beeinflussen.
    Angefangen mit der alljährlichen Rapswanderung und der schlecht verteilten Standdichte (Ballung hier, Leere dort), kaum verwilderte Flächen mit "unabhängiger" Vegetation, fortgesetzt mit der darauf folgenden möglichen Räubereisituation, fortgesetzt mit möglicher Konkurrenz um den Verkauf...


    Dazu musste ich in meinem zweiten Jahr (vergangenes Jahr) einem Anfänger im ersten Jahr erstmal den Kopf waschen, bevor andere "Nachbarimker" das mithören und ggf. weitertratschen, was er da völlig ahnungslos (trotz Imkerkurs) über mich aus dem Ärmel geschüttelt und gepöbelt hat... Das passiert vermutlich häufiger, als man allgemein denkt...


    Gruß Andreas

  • Also ich hoffe doch sehr, dass mein Beitrag kein "Imkerbashing" war...übrigens war Auslöser der Anfrage nicht mein Artikel in der ADIZ, sondern das Interview in der SZ, das ja schon unter http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=49910 heftig diskutiert wird (über das übrigens auch viele Berliner Imker gar nicht glücklich sind...).


    Finde eben, wir brauchen nicht mehr, sondern mehr bessere Imker und das eben gerade in den Städten - da ist's nämlich besonders wichtig da wir uns die paar Quadratmeter mit reichlich Nichtimkern teilen müssen, die komischerweise andere Sachen machen...Tennis spielen...Fische züchten...auf-dem-Balkon-rumsitzen-und-sich-vor-allem-fürchten-was-da-fliegt.


    Leider investiert der DIB ja immer noch eher in Flyer mit Honigglas-Werbung als in z.B. mehrsprachige Aufklärungsflyer für Neu- und Altimker mit Migrationshintergrund die immer noch nicht wissen, dass man Bienen irgendwo melden muss und dass ne AFB-Probe schon eine feine Sache ist. Habe das nun schon mehrfach angeregt aber Frau Löwer hat noch bedenken weil man ja nicht gleich die Telefonnummern der AmtVets reinschreiben könne...herrjeh, bis die das hinbekommen, haben wir das selbst gemacht (wenn der LV Berlin nicht grad andere Sorgen hätte...). Die Stadtimkerei spielt eben einfach keine rechte Rolle im DIB, fürchte ich...


    Allein die DIBler sorgen schon für rund 6 Völker pro qm im Berlin...das kann man meines Erachtens verdoppeln; leider hocken die Amtsvets auf den Zahlen und geben sie nicht raus...


    Melanie

  • Die Frage ist doch was ist "zu viel" und warum? Tracht? Kann es in der Stadt nicht sein so lange die Städter immer noch mehr ernten als die auf dem Lande.


    Schwierig wird es wenn wir aggressive Bienen halten, dann ist die Nachsicht der Nachbarn schnell aufgebraucht und mein persönlicher "Favorit" der Stadtprobleme ist die Epidemiologie. Nicht-Behandeln oder nicht zur gleichen Zeit bei der Varroa und eine schnelle Verbreitung der Amerikanischen Faulbrut. Das wären die Bedenken, die ich habe.


    Das halte ich auch für das größte Problem der Stadtimker!


    Beim Nachrechnen kam ich im Umkreis von 2km bei mir auf 11 Imker, die ich kenne mit ca.60 Völkern!


    Übrigens hat keiner davon eine Bienenkiste!


    Susanna

    Ein freundliches Wort ist wie Honig: angenehm im Geschmack und gesund für den Körper (Sprüche 16,24)

  • mmmmh
    Was wäre denn....
    wenn wir keine Varroa hätten
    und deshalb viele Wildvölker, also die in holen Baümen Zwischendecken Gartenlauben etc. trotz Psm überleben könnten....
    Wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet?
    Viele Bienen, egal woher oder von Wem, erhöhen die Biodiversität, verbessern die Umwelt und sind zudem Indikator für diese. Meiner bescheidenen Meinung nach gibts da kein zu viel, eher viel zu wenig. Und man sollte die Lage in Berlin nicht gedankenlos auf ander Stätte übertragen, vielleicht leisten solche Aktionen ja eher einen Bärendienst.....
    Ich freue mich über jedes wilde Volk im hohlen Baum und vermute nicht gleich Faulbrut oder so. Gefährlicher erscheint mir eher der mit Sporen belasteter Auslandshonig!
    Ich habe zwar viele Bienen in vielen Kisten, erlaube mir aber nicht Leuten mit einem Volk in einer Top Bar Hive, selbiges abzusprechen oder die in Vereine zu zwingen.
    Und ja, ich stand mit nicht wenigen Völkern im Faulbrutsperrbezirk (hatte aber Gott sei dank nix davon in meinen Völkern), die Faulbrut kam aber vermutlich nicht aus einer TBH.

  • Beim Nachrechnen komme ich hier im "ländlichen" Bereich, aber Speckgürtel von Stuttgart, auf mind. 15 Imker im Umkreis von 2 km und auf mind. 90 Völker!!!
    Ich habe allein in diesem Bereich 23 Völker zu stehen, ein weiterer Imker etwa 50! Da haben die Anfänger bei uns schon Probleme, einen guten Stellplatz
    zu finden.
    Was bei den Argumenten FÜR eine Stadtimkerei auch nicht gerade hilfreich ist:
    es können nicht alle Imker in die Stadt ziehen, nur um weniger Probleme mit Rückständen von PSM zu haben.
    Das wäre das falsche Signal!!! Es muss was gegen die PSM und die Blütenarmut auf dem Lande getan werden und nicht dauernd betont werden, wie gut es den Bienen in der Stadt geht! Und auch die Wildbienen können nicht umziehen!
    Meine Meinung!

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • ...Viele Bienen, egal woher oder von Wem, erhöhen die Biodiversität, verbessern die Umwelt ....


    Wer schon mal mit hauptamtlichen "Naturschützern" bezüglich Honigbienen in der Umwelt geredet hat, der weiß, dass diese Leute die Honigbiene gar nicht gerne sehen, vor allem in Naturschutzgebieten nicht, weil sie dort "Nahrungskonkurrenten der Wildbienen" seien ....

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"


  • Was bei den Argumenten FÜR eine Stadtimkerei auch nicht gerade hilfreich ist:
    es können nicht alle Imker in die Stadt ziehen, nur um weniger Probleme mit Rückständen von PSM zu haben.
    Das wäre das falsche Signal!!! Es muss was gegen die PSM und die Blütenarmut auf dem Lande getan werden und nicht dauernd betont werden, wie gut es den Bienen in der Stadt geht! Und auch die Wildbienen können nicht umziehen!


    Die Realität schaut nunmal so aus, dass man in der Nähe konventioneller Landwirtschaft, in der es Wildbienen und Hummeln schwer haben, als Imker weitestgehend damit beschäftigt ist, die ganze Palette der Gifte wieder aus dem Stöcken zu bekommen, weil ansonsten nix zusammenläuft.


    Du stehst doch auch aus gutem Grund im Speckgürtel, wie viele andere Imker auch. Und welches Signal setzt Du konkret gegen PSM-Gifte auf dem Land? Bist ja selber nicht betroffen.


    Und bei sowas kommt es eben, wie es kommen muss. Alle Imker zieht es in die Stadt und dort wird sich die Situation dann auch weiter verschärfen, weil die PSM-Maschinerie bei Feuerbrand, Prozessionsspinner und Co dann genauso verfährt, wie sie es auf dem Lande macht.


    Meiner Meinung nach sollte man die Anzahl der Völker pro Imker im städtischen Bereich auf 2 begrenzen. Je mehr Imker, desto größer die Chancen, dass da ein paar Leute dabei sind, die bereit sind was gegen die fortschreitende Umweltzerstörung zu tun. Vom 100-Völker-Imker im Speckgürtel hat doch die Umwelt keine Vorteile, der freut sich doch nur heimlich still und leise, dass er ein Plätzerl, an dem es den Bienen noch halbwegs gut geht. Da kann außenherum ruhig die Welt untergehen, das interessiert überhaupt nicht. Aber nur solange, bis es ihn als Letzten dann auch erwischt.


    Grüße Sven