Anfänger: "zu viel" Honig?

  • donaldo

    Zu viel Honig ? .... Bienenhaltung wäre so schön ohne die Honigernte:-)


    geht mir genauso - man ist Opfer seines Erfolgs bei der Arbeit mit den Bienen ;) Als Wochenendimker fehlt einfach die Zeit für Vermarktung und auch das Verkaufen muß man lernen. Zum Glück essen wir in der Familie gerne Honig..., aber den Erfolg bei der Vermarktung müssen wir uns auch noch erarbeiten und sei es durch Finden der richtigen Partner.


    mein Vater (Lehrer, "Hobbyimker",Carnica-Züchter) sagte immer "der Imker sollte eine Ernte im Volk, eine auf dem Speicher und eine auf der Bank haben",
    Mit der Wiedervereinigung standen die DDR-Imker vor dem Problem, das der bisherige Monopol-Vermarkter - VEAB- weg war, da brauchte man nur den Honig in 25kg Kannen abgeben, und bekam sein Geld ein paar Wochen später. Viele wußten nicht wohin mit dem Honig, in Badewannen gefüllt, haben Ihren Honig zum Zuckerpreis verschleudert-- "bevor ich ihn verschleudere, füttere ich lieber die Bienen damit" und der Speicher füllte sich mit mehr als einer Jahresernte, trotz Aufbau von Vertrieb über Bäcker&Co , zum Glück ist Honig kein leicht verderbliches Lebensmittel und bei geringem Wassergehalt und kühler, dunkler Lagerung lange haltbar. Dank Varroa und Wetter kam ein Jahr mit hohen Bienenverlusten und wenig Honig und ein Vermarkter kaufte alles,was nicht schon im Glas war, weg.
    NUR Platz muß der Imker haben, Platz für seine BIENEN; Platz für Material und Honiglager, zum Honigschleudern, auf dem Wochenmarkt...


    Die Bemerkung- dann verschenke ihn an die Tafel- JA- Verkaufen zu angemessenen Preis für ein unverfälschtes regionales Produkt, aber bevor du in die Preise der Discounter-Mischung aus EU- und Nicht EU-Honigen kommst, verschenke ihn lieber in kleinen Gläsern zur Werbung oder als Trinkgeld. Oder tausche mit anderen regionalen Partnern. Aus der Billigecke ist schwierig wieder rauszukommen. Die Kunden schätzen kein billig.


    Ich habe vor ein paar Wochen den Kurs Imkern im anpassten Brutraum mit Jürgen Binder besucht- ich hätte ihn nicht besuchen dürfen;) weil wenn ich meine bisher noch honigverschenkende Imkerei wie Ablegerbildung in der Tracht und Mickerlinge päppeln unterlasse, wird mein Durchschnittsertrag wesentlich steigern und mein Vermarktungsproblem wird größer.
    Ein süsses Problem.

  • Dorr Stuorgordor hat ein Bärenproblem. Er macht sich schon die Mühe ein Fell zu verteilen, das er noch gar nicht hat. Ich gehöre zu den 99%, welche den Weg ohne Kurs gemacht haben, doch der Weg war steinig. Natürlich sind Crashkurse mit hunderten Teilnehmern, so wie in Stuttgart üblich, nicht das Gelbe vom Ei, denn die nachfolgenden Praxisplätze in den Vereinen sind nicht ausreichend. Überlege dir, ob Imkern wirklich etwas für dich ist, denn auch vom schlechtesten Lehrer kann man etwas lernen. Zumindest wie man es nicht macht.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Chris,

    "Kleinmengenimkerei" mit vertretbarem Aufwand beleuchten.


    die Indizien häufen sich, dass du tatsächlich besser die Entscheidung triffst, die Imkerei zu lassen. Wenn du dich nicht gerade Anfangs mit hoher Intensität und Aufwand um die Bienen kümmerst, wirst du wenig Freude an der Imkerei haben. Hohe Intensität heisst nicht unbedingt, dass man sehr viele Arbeitsschritte am Volk machen muss. Heisst auch nicht unbedingt hoher finanzieller Aufwand, aber heisst hoher Zeitaufwand in Beobachtung und Lernen. "Vertretbaren Aufwand" - pro Volk wirst du erst bei größerer Völkerzahl, oder bei sehr viel Erfahrung erzielen können. Ein alter Hase, der 40 Jahre seine 25 Völker geführt hat, mit einem halben Blick beurteilen kann, in welchem Zustand sich sein Volk befindet und dementsprechend reagieren kann, kann als Pensionär auch im hohen Alter, sicher noch 2-3 oder auch 5-6 Völker mit "vertretbarem Aufwand" nebenher halten.
    Ein Bienenvolk, auch wenn es im Garten steht, ist kein Apfelbaum, den man einmal pflanzt, im ersten und zweiten Jahr noch schneidet und dann sich selbst überlässt. Ein Obstliebhaber schlägt bei dieser Vorstellung bereits die Hände über dem Kopf zusammen. Tatsächlich wird dieser Baum aber in den meisten Fällen irgendwie über die Runden kommen. Man wird nicht so viele und schöne Äpfel ernten, wie man es vom selben Baum bei guter Pflege erwarten könnte, aber in den meisten Fällen wird der Baum überleben können. Wenn man ein Bienenvolk in ähnlicher Weise vernachlässigt, ist das Endergebnis eher damit zu vergleichen, dass man einen Hund draußen in einen Zwinger einsperrt und die Fütterung vergisst.


    Also stell dir besser die Frage,
    * kann ich in der Saison von April-September einmal pro Woche 2-3 Stunden für die Bienen erübrigen?
    * bin ich bereit dazu, in dieser Zeit darauf zu verzichten, länger als maximal 14 Tage Urlaub zu machen?
    * bin ich körperlich in der Lage, ein Bienenvolk zu transportieren, Honigräume und Eimer zu bewegen?
    * bin ich begeistert genug - und strahle ich diese Begeisterung nach außen aus, dass sich meine Nachbarn davon anstecken lassen?
    * bin ich in der glücklichen Lage, dass meine Familie bereit ist, diese Anforderungen mit zu tragen?


    Wenn du jetzt sagst - ok - das ist "vertretbarer Aufwand" - dann herzlich willkommen in unserem Kreis! Wenn du auch nur eine dieser Fragen mit: "eigentlich nicht", oder mit:"da muss sich dann irgendwie eine Lösung für finden lassen" - beantwortest, dann mach lieber erst den Kurs, suche vielleicht einen Imkerkollegen, bei dem du mitimkerst und entscheide in 1-2 Jahren, ob du dich wirklich auf eigene Bienen einlassen möchtest. Der gute Imkerkollege, kann übrigens zumindest die Urlaubsfrage durchaus entschärfen. Wenn man jemanden hat, dem man ausreichend vertraut, dass er eine Durchsicht oder Futtergabe für einen übernimmt, lässt sich der Urlaub wieder einrichten.


    Was heisst "Anfangs"? Ich schätze die benötigte Erfahrung - um nebenher und mit minimalen Eingriffen ins Volk 1 oder 2 Bienenvölker halten zu können, auf ca. 80 Bienenjahre. (#Anzahl der im Schnitt betreuten Völker * Jahre die man selbständig Imkert)
    Durch Kurse und Fortbildungen kannst du unter Umständen einen Faktor 2 auf die Jahre anrechnen - ohne konkrete Beobachtung am Volk halte ich es für unmöglich zum Imker zu werden.


    Gruß
    Ludger

  • .... und mein Vermarktungsproblem wird größer.


    Vermarktungsprobleme in einer Großstadt? Man hat Kollegen, man hat Freunde. Man verschenkt die ersten Gläser und nach einer gewissen Zeit hat man eine feste Stammkundschaft. Und spätestens, wenn der Besitzer des Ladens nebenan fragt, ob er den regionalen Honig mit vermarkten dürfte, dann muss man die Imkerei ausbauen, um den Bedarf an Honig auch decken zu können ...

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."


  • :daumen:


    Aber auch wenn man Zweifel hat oder eine Frage noch nicht mit ja beantwortet ist , kann mein einen Anfängerkurs auch ohne Bienen machen und sich hinterher überlegen, ob man anfängt oder nicht.


    Der eine hat das Problem den Honig zu verkaufen, ich habe das Problem das ganze Material zu lagern!


    Susanna

    Ein freundliches Wort ist wie Honig: angenehm im Geschmack und gesund für den Körper (Sprüche 16,24)

  • Vermarktung ist nicht das Problem. Es geht doch darum, mit der Honigernte keine Arbeit zu haben. Vermarkten kann man nur, wenn man geerntet hat.
    Die Imkerei zu beginnen, mit dem Vorsatz möglichst wenig Zeit damit zu verbringen, ist nicht sehr schlau.
    Such dir einen nahegelegenen Imker, der bereit ist, einige Völker in deinem Garten zu bewirtschaften. Dann kannst Du Bienenfernsehn kucken und der Imker hat Honig und Arbeit.
    Fällt bestimmt auch mal ein Glas oder Eimerchen Honig für Dich ab.

    Gegner glauben uns zu widerlegen, indem sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsere nicht achten. (vom guten alten Goethe)

  • Bienenhaltung wäre so schön ohne die Honigernte:-)


    Dann lass die Ernte doch einfach weg. Die Bienen hören auf einzutragen, wenn die Scheuer voll ist und auf den meisten Honigsorten können sie auch gut überwintern (Raps ist ja in der Stadt kein Thema und Waldhonig eher auch nicht).
    25 kg pro Volk ist ja auch nicht soviel mehr als ein Volk zum Überwintern braucht.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)


  • Die Imkerei zu beginnen, mit dem Vorsatz möglichst wenig Zeit damit zu verbringen, ist nicht sehr schlau.


    Nun ja.....



    Sind es nicht gerade die Arbeiten wie Honigernte u. deren Ertragssteigerung, die Zeit u. Geld kosten?



    Ich überlege gerade was ich machen würde, wenn der Honigverkauf nicht so ein überaus nettes (Taschen-,)Urlaubsgeld abwerfen würde.


    Würde ich dann zeitaufwendige u. intensive Arbeiten wie Schwarmverhinderung, Königinnenzucht, Ablegerbildung, das ganze Procedere des Honigschleuderns, Rühren, Abfüllen,Vermarktung betreiben?
    Würde ich genauso viel Geld in Maschinen, Beuten,Rähmchen ect. investieren.?


    also....
    wenn ich ehrlich bin, meinereine, die wo äußerst ungerne Honig schleudert u. das Vermarkten ziemlich nervig findet, würde sofort die Betriebsweise auf honigfrei umstellen bzw. nur für den Eigenbedarf was abzwacken.


    Hach ja....,
    wenn der Honigverkauf nicht wäre, würde ich stundenlang entspannt Flugloch gucken und die Bienen ausschließlich für die Bestäubung u. "für´s Herz" halten.:wink:



    In diesem Sinne
    einen schönen Sonntag
    wünscht
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Die Bienen hören auf einzutragen, wenn die Scheuer voll ist


    ???


    Meine nicht. Bei Pollen und Honig sind die völlig maßlos. Auch auf Kosten des Brutnestes.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Laut anderer Imker, zahlt sogar z.B. die Bienenwirtschaft Meissen schon 5,20 € für das Kilo Raps.
    Bedingung ist nur Qualität zu liefern.
    Übrigens, brachten meine Gartenvölker im Superjahr 2013 je 120kg pro Volk ohne Wanderung:cool:

  • "Kann man seinem Volk "zu wenig" Honig abnehmen, sprich: nur so viel, wie ich für meinen Eigenbedarf (inkl. eventueller Geschenke für die Verwandtschaft) wirklich brauche? Und brauche ich die Materialschlacht und den Arbeitseinsatz in der Nachbereitung wirklich?"


    ja, das geht. Man muss nicht zwingend den (gesamten) Honig ernten, sondern wie hier schon erwähnt wurde, man kann es dem Volk zum großen Teil überlassen. Kriege ich aber selber nicht hin. Es überfällt mich immer der Erntezwang. Bienenhaltung ohne Honigernte ist schon irgendwie doof. Man ist auch irgendwie mächtig stolz, wenn die eigenen Honigeimer voll sind und man mit der üppigen Ernte angeben kann.


    Ich bin Magazin-Hobby-Imker, glaube jedoch, nach allem dem was ich gehört habe, dass man mit einer Großraumbeute wesentlich weniger Arbeit hat und wenige Honig erntet. Deshalb wäre meine Empfehlung an Dich: Großraumbeute (ala Melifera) statt Magazinimkerei. Der Hinweis zuerst bei einem erfahrenem Imker ein Volk zu betreuen bzw. über die Schulter zu schauen ist auch nicht schlecht. Und ja: man kann sich vieles (90%) der Kenntnisse selber beibringen. Kostet aber viel mehr Zeit und Mühe als wenn man bei jemandem in die Lehre gehen kann. Ich halte am Anfang die Betreuung eines Anfängers durch einen erfahrenen Imkerpaten für zwingend notwendig. Auch zum Wohle und Schutz des Biens.