Anfänger: "zu viel" Honig?

  • Hallo zusammen,
    als eines meiner ersten Bücher zum Thema habe ich das Buch "Biene halten in der Stadt" (Marc-Wilhelm Kohfink) ausgeliehen und gelesen, da ich mit dem Gedanken spiele, selbst in dieses Hobby einzusteigen. Einige Kapitel des Buchs haben mich dann aber doch etwas abgeschreckt: Da wird schon bei wenigen Völkern von Honigmengen gesprochen, die man privat so eigentlich nicht mehr losbekommt. Zudem wird darin ein nicht unerheblicher Aufwand für die Verarbeitung des Honigs mit entsprechendem Materialeinsatz beschrieben.
    Daher die Fragen: Kann man seinem Volk "zu wenig" Honig abnehmen, sprich: nur so viel, wie ich für meinen Eigenbedarf (inkl. eventueller Geschenke für die Verwandtschaft) wirklich brauche? Und brauche ich die Materialschlacht und den Arbeitseinsatz in der Nachbereitung wirklich?


    Gruß und danke schon mal


    Chris

  • Hallo,


    das sind Probleme, die klären sich von alleine. Du wirst schnell merken, das Du immer zuwenig Honig hast, nicht gleich bei der ersten Ernte, aber nach der zweiten oder dritten - gleichzeitig wirst Du merken, dass das meiste, worüber Du Dir Sorgen gemacht hast völlig harmlos daherkommt, aber einige Dinge, die Du überhaupt nicht auf dem Schirm hattest, Dich in den Wahnsinn treiben werden.


    Platz. Wird Dir fehlen.
    Zeit. Wird Dir fehlen.
    Dinge. Werden sowohl fehlen wie zuviele rumstehen.
    Dreck. Zuviel! Auf den Autos der Nachbarn, Propolis auf den Klamotten, Wachsklümpchen auf dem Fußboden.


    Das zuviel an Honig kannst Du getrost von der Liste der Dinge, die Dich abschrecken streichen. Kannst auch über den Umweg 'wesensgemäß imkern' an die Sache rangehen, mußt Du aber nicht.


    Mach mal, is lustig! Viel Spaß und Erfolg*!


    Beste Grüße,
    Ralf


    *das es den Bienen gut geht und Dir damit auch.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Chris,


    ich denke auch, dass zu viel Honig dein kleinstes Problem wäre.


    Ich habe in den letzten Jahren im Durchschnitt 25kg Honig pro Volk in Stuttgart geerntet und der ging weg wie warme Semmeln!


    Susanna

    Ein freundliches Wort ist wie Honig: angenehm im Geschmack und gesund für den Körper (Sprüche 16,24)

  • Hallo Chris
    ich würde dir raten einen Imkerkurs zu belegen, damit du weißt worauf du dich einläßt. Ich denke auch das der Honig das geringste Problem sein wird.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo zusammen,
    schon mal danke für die vielen Antworten. Ich bin noch nicht ganz überzeugt, ob ich die Honigmenge (bei 25kg pro Volk und 2 Völkern, wie oft geraten wird, sind das satte 50kg) wegbekomme, ohne tiefer ins Lebensmittelrecht einsteigen zu müssen (Belehrung vom Gesundheitsamt, Glasrecycling, Chargenverfolgung, Steuern?, etc.), weil der engste Bekanntenkreis, wo man sowas wie die übliche selbstgemachte Marmelade "inoffiziell" wegbekommt, eben dafür zu klein ist. Daher die ursprüngliche Frage, ob man den Bienen auch nur eben die Menge abnehmen kann, die man braucht, statt den kompletten Honigraum leerzuräumen. Oder den "Rohhonig" im Verein abgeben?


    Wir haben auf jeden Fall vor, uns das nötige Wissen anzueignen, ordentlich zu arbeiten, etc., das ist klar. Ob wir es dieses Jahr noch in einen Kurs schaffen, müssen wir sehen, die meisten in der Gegend hier (um Stuttgart) haben schon begonnen, wie auf den Webseiten zu lesen ist. Wir sind aber auch zwei sehr gute Selbstlerner, die dann erst in den Fortgeschrittenen-Kurs gehen ;-) Aber den Kurs kann sich eben sparen, wenn man schon in der Vorab-Recherche was findet, was ein absolutes No-Go ist. Und nach solchen halten wir gerade Ausschau :-)


    Grüße
    Chris und Chrissy

  • Du machst Dir aber jetzt nicht auch noch Sorgen, wie Du die im Sommer so viel zahlreicheren Bienen reduziert bekommst? Denn die musst Du genauso wenig alle täglich durchzählen, wie Du als Kleinstimker über Steuern oder Chargen nachzudenken. Zumindest solange Du da gedanklich nicht nur mit angezogener Handbremse, sondern gleich auch noch ausgeworfenem Anker loslegst.


    Beispiel Chargen: drei Völker je 2x12,5 Kilo bei zwei Ernten macht zwei Chargen mit je 37,5 Kilo oder eben je 75 Gläser. Wenn da mal was nicht stimmt, rufst Du Deine Freunde und Kollegen an und tauschst die Gläser gegen was auch immer zurück. Es geht nur um Rückverfolgbarkeit.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Zu viel Honig ? Ja, das kann passieren, wenn man zu viele Völker hat und keine Zeit oder Lust für professionelle Vermarktung. Bei mir stapelt sich noch der Honig vom 2014. Familie, Freunde, Arbeitskollegen nehmen vielleicht 10% der Menge ab. Die Honig Vermarktung käst mich richtig an. Bienenhaltung wäre so schön ohne die Honigernte:-)

  • Bei mir stapelt sich noch der Honig vom 2014. Familie, Freunde, Arbeitskollegen nehmen vielleicht 10% der Menge ab.


    Jede Wette, dass sich die Tafeln o.ä. in Deiner Region über die übrigen 90% sehr freuen würden.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Bandwurm :
    Ich fürchte, da wurde ich falsch verstanden: Wenn ich schon bei einer Vorab-Recherche feststelle, dass Bienen halten eben kein passendes Hobby für mich ist, muss ich auch nicht erst auf einen Kurs gehen, oder?
    Nebenbei bemerkt ist meine Feststellung aus diversen Themengebieten (fängt bei Erste-Hilfe-Kursen an, die ich massenhaft besucht und auch über mehrere Jahre selbst gegeben habe, geht weiter über Fotoseminare, CAD-Schulungen im professionellen Bereich mit vierstelligen Kosten für ein 2-Tage-Seminar, Kletterkurse - bei denen es um mein Leben und das meines Sicherungspartners geht), dass es teilweise Kurse gibt, die einem Kenntnisse vermitteln, die man auch mit dem zehnfachen Einsatz an Literatur nicht bekommen hätte, dass es aber leider auch Kurse gibt, die (aufgrund der Ausrichtung des Kursprogramms oder auch in der Person des Kursleiters liegend) man sich komplett sparen kann ("zum öffnen einer Datei klicken sie auf "Datei" und dann auf "öffnen"...) bzw. die schon fast politisch gefärbt sind. Und die Frage, wie 99% der Imker (weltweit und über die gesamte Zeit von der ersten Bienenhaltung bis heute) das geschafft haben, obwohl sie wohl nie in einem Kurs waren, müssen wir uns wohl auch nicht stellen, oder?


    Aber schön, zu sehen, dass es in diesem Forum nicht anders läuft, als es eben in allen Foren läuft.

  • Hallo Chris,



    Kann man seinem Volk "zu wenig" Honig abnehmen, sprich: nur so viel, wie ich für meinen Eigenbedarf (inkl. eventueller Geschenke für die Verwandtschaft) wirklich brauche?


    Ja.



    Sonnige Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Hallo,


    ich finde das toll, Du sagst, Bienenhaltung wäre neu für Dich. Und dann kommt die Behauptung, daß 99% der Imker das auch ohne Kurs geschafft hätten. Was haben die geschafft?


    Es gibt auch 8 jährige Menschen, die es schaffen Auto zu fahren, ganz ohne Kurs.
    Last uns alle zu Autodidakten werden.


    Gruß
    Ulrich

  • Ich fürchte, da wurde ich falsch verstanden: Wenn ich schon bei einer Vorab-Recherche feststelle, dass Bienen halten eben kein passendes Hobby für mich ist, muss ich auch nicht erst auf einen Kurs gehen, oder? (...) Aber schön, zu sehen, dass es in diesem Forum nicht anders läuft, als es eben in allen Foren läuft.


    So hatte ich Dich auch verstanden. Allerdings den letzten Satz finde ich ziemlich unhöflich, Du bekommst a Antwort auf Deine Frage und b sind die Leute die hier schreiben natürlich ein Querschnitt durch die Menschheit, dementsprechend unterschiedlich fallen die Antworten aus. Aber warum Du das Forum da gleich so ironisch abwerten mußt versteh ich nicht. Du stellst 'ne echt doofe Frage (was völlig Ok ist am Anfang!) und erwartest aber eine dezidierte Antwort, wenn die nicht so kommt wie Du die willst (keine Ahnung, was Du willst), wirst Du unhöflich. 'Läuft halt so wie mit alles Newbees'!? Nee. Ich versuch jedem auf seine Art gerecht zu werden. Entschuldige, wenn Du Dich durch unsere Antworten falsch verstanden gefühlt hast.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ohne selbst dabei gewesen zu sein, würde ich mich zu der Behauptung hinreißen lassen, dass es vor 1950 noch nicht besonders viele Imkerkurse gab. Und ich würde soweit gehen, zu behaupten, dass es in vielen Gebieten der Welt, wo Bienen gehalten werden, auch heute noch keine organisierten Imkerkurse gibt. Die Erträge mögen geringer gewesen sein, die Anforderungen an die Qualität des Nahrungsmittels vielleicht auch und gewisse Krankheiten waren kein weltweites Thema. Andererseits sind die Möglichkeiten, sich ein Thema "nicht organisiert" anzueignen, heute ungleich vielfältiger, als damals und in Mitteleuropa sicher auf besser als in abgelegenen Winkeln der Welt.


    Aber ich will mich eigentlich nicht auf das Thema "Kurs: ja / nein?" einschießen, sondern eigentlich nur die Frage nach der "Kleinmengenimkerei" mit vertretbarem Aufwand beleuchten. Dazu erst mal vielen Dank an diejenigen, die sich der tatsächlichen Frage angenommen haben, entweder von der Seite her, dass ich den vielen Honig schon wegbekomme (aber dann doch auch den Aufwand habe) oder wie Helianthus, die die Frage am direktesten beantwortet hat :-)


    Mittlerweile bin ich mit meinen Überlegungen auch weiter: Wenn ich aus einem vollen Honigraum nicht alle Waben schleudere, sondern einige bei den Bienen belasse, dürften die sich ja eigentlich nur über einen größeren "selbstgemachten" Wintervorrat freuen und mir das damit danken, dass ich weniger zufüttern muss, korrekt? Setzt natürlich voraus, dass ich den Honigraum über den Winter bzw. bis das Volk ihn geleert hat, auf dem Magazin belassen kann, was ich noch nicht beurteilen kann. Erzeuge ich dadurch womöglich andere negative Effekte?


    Grüße
    Chris