Brutzelldeckel

  • Moin
    Ich bin mal wieder über meine Unwissenheit gestolpert und bin auch im Netz nicht wirklich fündig geworden.
    Die Frage lautet:
    Wie und aus was fertigen die Bienen die Deckel dihrer Brutzellen?
    Unter starker Vergrößerung erscheint die Substanz der Brutdeckel kokonähnlich.
    Gelesen habe ich auch, daß die Bienenlarve in ihrer Endphase eine Spinndrüse aktiviert.
    So vermute ich nun. daß die fertige Biene auch solch eine Drüse besitzt.
    Also: Wer weiß wirklich Genaues?
    Elk

  • Die Deckel bestehen erstmal aus Wachs was zum Großteil aus den Zellwülsten ausgearbeitet wird und damit die Zelle verschlossen wird. In der Zeit befindet sich die Larve noch unten am Zellboden.


    Nach dem Wachsverschluss durch die Biene streckt sich die Larve langsam und fängt an sich einzuspinnen.
    Die fertige Biene hat sowas nicht mehr, wie auch Schmetterling und Co ist dies eine reine Larvenangelegenheit.


    Oft kann man auch die Wachsschicht vorsichtig abheben und hat darunter dann noch minimal Luft zum von der Larve angelegten Bereich.
    Hier (beim Einspinnverhalten) gibt es auch Unterschiede zwischen Arbeiterlarven und Königinnenlarven.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Sicher?


    Wenn ich Guido Eich richtig verstanden habe, sind die Deckel der Brutzellen ausschließlich gesponnen, und zwar von der Larve.
    Wachs ist auf den Deckeln nur, wenn eine Biene nachgeschaut hat, ob (weil) da drinnen eine geschädigte Larve ist und das von einer anderen fleißigen wieder zu gemacht wurde.
    So würde man varroabelastete Brutwaben erkennen, wenn sie viele fleckige, ausgebesserte Brutzelldeckel haben.


    Wachsdeckel auf Honigzellen. Von Bienen gefertigt.
    Gespinstdeckel auf Brutzellen. Von Larven gefertigt.


    Gruß Doro

  • ... und bei den Weiselzellen ist ja anscheinend die Spitze so fest, dass sie von Arbeiterinnen gar nicht angebissen werden kann (drum funktioniert ja der Ausfressschutz, da dieser die weiche Wachsseite vor Arbeiterinnen schützt)

    mein Fahrradlicht ist mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs und ich ganz knapp hinterher

  • Fakt ist, die Zelle wird mit Wachs durch die Bienen verdeckelt. Die Zelle ist verschlossen bevor die Larve anfängt sich zu strecken bzw. kann es auch miteinander einhergehen!
    Beweis? Wie bekommen die Larven die unterschiedlichen Deckelfarben passend zur Wabenfarbe hin? Kratz einfach mal mit einem scharfen messer leicht darüber und du siehst was darunter ist.


    Eine Weiselzelle wird auch von den Bienen verdeckelt. Direkt nach dem verdeckeln sieht man die Larve noch unten im Futtersaft und erst danach streckt sie sich und spinnt sich obenherum ein. Dabei entsteht meist bei schön lang ausgezogenen Weiselzellen ein Luftpolster zwischen dem "Cocon" und dem Wachsdeckel.


    Janos , ob es sich so verhält mit der Festigkeit oder dem Wissen der Bienen, sie müssen von der Seite ran um effektiv abtöten zu können kann ich nicht sagen. Werd ich aber mal versuchsweise testen indem ich eine Weiselzelle von hinten öffne und eine Arbeiterin einsperre. Sollte sich dann ja selbst befreien können!


    Zusatz: Zwischen der Verdeckelung und dem "Spinnen" liegen m.E. 1-2 Tage

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Nun mal extra nach Belegen gesucht :wink:


    http://www.apis-mellifera-mell…twicklung_honigbiene1.pdf


    Auf Seite 6 steht es, nebst Erklräung warum die Zelle von mal zu mal bebrüten dunkler wird + kleiner!
    Schaut euch mal die Zellwülste bei den Waben genauer an. Wobei dies ein eigenes Thema ergibt. Da hier dickere,dünnere, propolisierte usw. anzutreffen sind. Und alle sagen was aus!

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Die Bienen entfernen auch einige Zeit vor dem Schlupf der Newbees die Wachsschicht auf der Kokonspitze.


    Arbeiterinnen die Holz abnagen können und tun, werden mit so einer Zelle mit Leichtigkeit fertig.


    Gruß
    Ulrich


    ... dann wäre aber wirklich interessant, warum der Zellschützer so gut funktioniert ;) weil wenn sie die nicht haben wollen, dann könnten sie sich ihrer ja auch dann entledigen

    mein Fahrradlicht ist mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs und ich ganz knapp hinterher

  • Danke für euren Input.
    Viellleicht mag ja mal jemand Bilder von verdeckelter Brut- und Honigwabe einstellen; möglichst stark vergrößert.
    Es gibt hier einen deutlich Unterschied. Der Wachsdeckel ist glatt und luftdicht, während der Brutdeckel faserig und porös ist.
    Dieses Gewebe läßt sich nicht mit Wachs zaubern.
    Ich vermute weiterhin, Daß die Jungbienen, die für das Verdeckeln zuständig sind, noch eine aktive Spinndrüse besitzen;
    somit ein variabeles Instrument, was sich aktivieren läßt, wenn es gebraucht wird.
    Schmetterlinge betreiben übrigens keine Brutpflegeund eignen sich zum Vergleich deshalb schlecht.
    Googelt mal Spinndrüse, Elk
    ps Ich wundere mich, daß es darüber noch keine wissenschaftliche Arbeit gibt.

  • Ich denke meine Erklärung War ausführlich genug. Damit solltest du dir nun auch den "Deckel" auf der Brutzelle komplett selbst erklären können.
    Wenn man was verstehen will muss man auch mal etwas ins Thema einsteigen und sich erarbeiten. Wobei dieses Thema ja schon mit der Wabenhygiene einhergehen sollte und zum Grundwissen gehört.

    Gruß Markus


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  • Moin
    Gelesen habe ich auch, daß die Bienenlarve in ihrer Endphase eine Spinndrüse aktiviert.
    So vermute ich nun. daß die fertige Biene auch solch eine Drüse besitzt.
    Elk


    Die fertige Biene hat keine Spinndrüsen mehr.
    Die Spinndrüsen der Larven (bei Drohn, Arbeiterin und Königin) verwandeln sich während der Metamorphose zur Kopfspeicheldrüse (bei Arbeiterin und Königin) bzw. verkümmern (beim Drohn).
    Die Kopfspeicheldrüse (paarig, mündet im Rüssel) scheidet ein öliges Sekret aus, dass die Biene zur Be- und Verarbeitung von Wachs nutzt (so wird vermutet).


    kelte

  • Danke für euren Input.
    Viellleicht mag ja mal jemand Bilder von verdeckelter Brut- und Honigwabe einstellen; möglichst stark vergrößert.
    Es gibt hier einen deutlich Unterschied. Der Wachsdeckel ist glatt und luftdicht, während der Brutdeckel faserig und porös ist.
    Dieses Gewebe läßt sich nicht mit Wachs zaubern.


    Du bist doch Imker, einfach mal zu den Bienen gehen und das machen was Markus gesagt hat, selbst forschen und mit einem schafen Messer etwas kratzen! Wachsdeckel ist nicht gleich Wachsdeckel (sieht man ja schon auf unbebrüteten vs. bebrütetetn Honigwaben) und eine Kombi aus Gespinnst und Wachs hat natürlich eine andere Struktur als pures Wachs.



    Zitat

    Ich vermute weiterhin, Daß die Jungbienen, die für das Verdeckeln zuständig sind, noch eine aktive Spinndrüse besitzen;
    somit ein variabeles Instrument, was sich aktivieren läßt, wenn es gebraucht wird.


    Da vermutest du falsch, die ist beim Imago nicht mehr funktionstüchtig!



    Zitat

    ps Ich wundere mich, daß es darüber noch keine wissenschaftliche Arbeit gibt.


    Die von Markus verlinkten Folien sind von der Uni Hohenheim, was möchtest du noch? Auf S. 6 steht doch:


    "Streckmade: Verdeckelung der Zelle durch adulte Bienen (ausgelöst durch Pheromone). Streckung der Made mit Mund zur Zellöffnung.
    Endstadium Vorpuppe: Kokon wird gebildet, erstmalige Darmentleerung (wird mit eingesponnen)."


    Die Arbeiterinnen verdeckeln die Zelle getriggert durch Pheromone der Larve, dann Streckung, dann erst Einspinnen der Larve durch die Made selbst - wie beim Schmetterling! Was fehlt dir jetzt noch an Info?

  • Den Ansatz von ELK finde ich ja schonmal toll. Er macht sich Gedanken über die ersten Details im Bienenstock.
    Solche Diskussionen finde ich primär erstmal spannend, aber dafür muss dann auch was gegengehalten werden und nicht nur Fragen gestellt bzw. etwas in Frage gestellt werden.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
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