Bestärkt durch irgendwelche Netz-Foren fühle sich jeder Depp schnell als Imker -

  • Zitat

    Bestärkt durch irgendwelche Netz-Foren fühle sich jeder Depp schnell als Imker - was ein gefährlicher Trugschluss sei.


    wird im morgigen SZ-Artikel "Ein Parlament, zwei Völker" Benedikt Polaczek vom Berliner Landesverband zitiert
    http://www.sueddeutsche.de/pol…nt-zwei-voelker-1.2886845


    Dann wird noch über die "Demokratie" geläster in der jeder ein Recht auf ein Bienenvolk hätte. "Auch das sei fatal." meint Polaczek.


    Wenn wir dann schon beim lästern sind geht es weiter mit Petra Friedrich (DIB), die über das Projekt von Polaczek herzieht. Er hat zwei Völker im Innenhof des Paul-Löbe-Hauses, da wo die Bundestags-Abgeordneten ihre Büros haben.


    Zitat

    Das ist doch nichts anderes als ein weiteres sinnloses Prestige-Projekt

    sagt Friedrich die dann genau so "Deutschland summt!" kritisiert. Es gäbe in Berlin genug Bienen - angeblich 6 Völker pro km^2, steht zumindest im Artikel.


    Im Artikel steht übrigens auch, dass Bärbel Höhn eine Imker-Tochter sei. Sie hat die Aufstellung der Bienen mit angeleiert.


    Was ich nicht verstehe, dass sowohl Polaczek als auch der DIB rummeckert an Stelle das Potential von Jung- und Neuimkern und diversen Initiativen zu nutzen. Oder hat der DIB hier Angst vor Deutschland summt! Ist doch eine gute Idee, und es ging nie darum alleine durch die Initiative mehr Bienen nach Berlin zu bringen, sondern es geht darum mehr Öffentlichkeit für die Bienen und deren Probleme zu sensibilisieren. Wäre eigentlich Aufgabe des DIBs, aber statt dessen spricht Daniela Schadt (Lebensgefährtin von Gauck) nun mit Deutschland summt! Vielleicht ist das das Problem der DIBschen Antipathie?

  • Diese Haltung der "Altimker" ist ja hinreichend bekannt. Die wurden ja alle schon als Imker geboren und waren nicht wie unsereiner auch einmal imkerliche Deppen, bevor sie es gelernt haben (und immer noch lernen).


    Ich starte gerade ein Projekt für Neuimker/innen und erlebe etwas ganz anderes: Menschen, die sich ernsthaft für das Imkern interessieren. So ernsthaft, dass sie sich mangels geeigneter Unterstützung bisher nicht rangetraut haben.


    Besser die Vereine und Verbände würden dieses Potential heben, statt über Anfänger zu lästern.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Wenn ich die letzten Jahre in den Kreis meiner Imkerneulinge im Kurs blicke, dann sehe ich da nicht wenige ernsthaft interessierte Spinner. Wenn ich sehe, wer nach wie vor Bienen hält und als Imker seinen Weg geht, dann sind das diese Spinner nicht. Alles unter 5 oder 10 Jahren Völkerführung ist kurzfristig. Oft haben die dann noch die Königinnen der ersten Völker und grad den ersten oder zweiten Winter überlebt. Doch dann kommt die Mühe. Und dann ist die Luft raus. Langfristigkeit muß das Ziel sein! Strohfeuer und öffentlichkeitswirksame Einzelaktionen erzeugen Interessierte und bringen die an die Bienen. Interessierte sind aber eher lästig. 5 Minuten Wissensvorsprung machen den Interessierten zwar zum Helden in der BUND- oder Nabu-Gruppe zum Imker machen die ihn aber nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ja, das sehe ich auch so. Da wäre halt eine laufende Betreuung der Neulinge wichtig. Und dazu muss auch gehören, ihnen zu sagen, dass es so nicht geht und auch den Ausstieg zu begleiten.
    Mit zur Idee unseres Projekts gehört, die Bienen jederzeit wieder abgeben zu können, wenn man feststellt, dass man es nicht kann oder will.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Ich kann sehr gut verstehen, dass wirkliche Imker ihre Probleme damit haben oder "Projekte" nicht für voll nehmen, wenn um sie herum diverse Neulinge medial auf die Pauke hauen, die ihren bestens gestylten Blog schon lange vor der ersten Schwarmkontrolle (die sie ja eh nicht machen werden, weil naturnah) oder dem ersten eigenen Volk online haben. Und sich schöne Etiketten designen für den künftig eher zugekauften Honig. So ein Blog braucht schließlich Zeit und die Bienen kommen schon alleine klar...


    Deutschland oder XY-summt sehe ich in diesem Zusammenhang und aufgrund meiner Erfahrungen da auch eher als einen auf dieses Klientel zugeschnittenen Dachverband..

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Ein richtiger Imker imkert bis zu seinem Tode oder bis ihn eine Krankheit stoppt. Das Phänomen Bienen lässt dich so schnell nicht mehr los, besonders wenn man die Materie einmal beherrscht. Ich habe es bei meinem Vater um bei einigen Nachbarn erlebt wie es schmerzt, wenn die Bienen krankheitsbedingt abgegeben werden müssen, beziehungsweise wenn die imkerlichen Arbeiten nicht mehr ausgeführt werden können.


    BUND- oder Nabu-Gruppen Imker habe ich auch schon einige erlebt und viele haben den Nachteil, dass sie immer meinen die Bienen müssten so naturnah und so wenig behandelt werden wie möglich, am liebsten würden sie diese in Baumstämmen halten und das funktioniert leider heute nicht mehr.


    Der dann entstandene Frust bei der Imkerei sitzt schon sehr tief und dann werfen viele die Flinte ins Korn.


    Jeder, sogar Politiker :-D sollten sich in der Imkerei versuchen dürfen, denn Erfolge beflügeln ja bekanntlich und man sollte niemanden deswegen belächeln.

  • Moin, Moin
    Im letzten Jahr wurde in Rotenburg(Wümme) von einer Naturschutzinitiative und dem Kreisimkerverein ein von einem Berufsimker geleiteter Imkervorbereitungskurs durchgeführt. Man hört, daß die ca. 30 Teilnehmer zum praktischen Teil auf zwei Termine aufgeteilt werden mußten.
    Nach Beendigung des Seminars sollte jeder Teilnehmer einen Ableger mit nach Hause nehmen dürfen.
    Wie man so hört, haben gerade ca. 5 angehende Imker dieses Angebot angenommen und auch die Zahl der Neuimker im Imkerverein soll dürftig gewesen sein. Man wolle sich zukünftig aber zu einem Klönschnack treffen.
    Jau... Ich habe eben den Artikel in der SZ gelesen und dazu die HP von "Deutschland summt" - in Rotenburg summt es auch - und ich weiß endlich, daß da viel an mir vorbeigelaufen ist, was ich jetzt aber eher einordnen kann.:wink:
    Trotzdem nervt mich die Geringschätzigkeit, die Überheblichkeit - auch in diesem Thread - im Umgang mit den Menschen, die eine andere Herangehensweise an die Bienen haben, weil auch wir eher aus der Naturschutzecke gekommen sind und die Erwerbsimkerei uns erst später den Stempel aufgedrückt hat.
    Mit imkerlichem Gruß Ralf

  • Es muß ja nicht jeder Erwerbsimker sein - aber ich erlebe es auch immer mal wieder bei Jungimkern, daß sie unendlich clever sind und schon 80 Posts geschrieben haben und in 2 Monaten ihren ersten Ableger bekommen. Klar, daß dann erfahrene Imker abblocken und sich den Mist nicht anhören.
    Wer aber den Ball mal die ersten Jahre flach hält und dann seine Ideen einbringt, der wird auch gehört - zumindest empfinde ich es so.
    Klar gibt es immer auch erfahrene Imker die mit den Jungen nichts zu tun haben wollen, aber das ist eine Minderheit bei uns.


    VG

  • Wer aber den Ball mal die ersten Jahre flach hält und dann seine Ideen einbringt, der wird auch gehört

    Das liegt daran, daß 99% der Ideen dann irgendwie und von ganz allein verschwunden sind ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Die Kritik, die sich in diesem Artikel an die Ausbreitung von Krankheiten richtet finde ich berechtigt. Es ist aber nicht so, dass allein Jungimker hier nachlässig sind. Ich kenne alte Hasen, die noch nie ein Gesundheitszeugnis gemacht haben und ihre Bienen von A nach B verstellen. Ich bin kein Freund exzessiver, gesetzlicher Regelungen, aber inzwischen der Meinung, dass die Gesundheitsprüfung jedes Jahr verpflichtend sein sollte. Ebenso jährlich verpflichtend sollte die Meldung vom Standort und Anzahl der Völker an das Veterinäramt sein. Unregistrierte, kranke Völker machen eine Seuchenbekämpfung unmöglich. Der gewissenhafter Imker muss womöglich wegen Faulbrutbefall seine Völker mit großen Aufwand sanieren und holt sich vom infizierten Balkonimker, von deren Existenz kein Mensch weiß, die Seuche nach der Sanierung erneut.

  • Ja richtig,
    und Ideen aufkommen lassen, das will ja nun wirklich keiner. OmG.
    Und Anfänger die es nicht durchziehen, ieggit.
    Engagierte neue Leute, die sich schon vor Beginn ihres neuen Hobbys was dabei denken, oh Mann/Weib, wo käme man da hin.
    Stell sich einer mal vor die Imkerei würde populär werden und nicht nur die nette Umschreibung eines Zausels sein. Siehe Oben OmG.
    Und Auto fahren sollten auch nur Leute die schneller sind als Walter Röhrl und technich versierter als Mc Geiver.
    So lustig es auch manchmal ist, wenn sich ein Möchtegernimker bei U-Tube zum Obst macht, das machen viele Fachverkäufer im Elektronikmarkt oder im Computerstore auch. Was solls. Endlich mal was zum Lächeln.
    Viele Grüße
    Wolfgang, dem manchmal hier das Lächeln vergeht und das nicht wegen der geballten Fachimpotenz mancher Imker.

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ideen aufkommen lassen,

    Nimm' mal ein Buch von 1900 zur Hand und versuche hernach paar neue Ideen im Hier und Jetzt zu entdecken. Viel bleibt da nicht. Das Meiste ist weder neu noch funktioniert es. Es sind bloß Gespinnste die auf Theorien basieren, die schon von andern Theorien abgeschrieben sind und daruif, daß wer anders meint man könne das so machen. Es fehlt an Praktikern! An solchen, die erst mal was richtig nachmachen ehe sie's sofort modifizieren.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Das Problem ist halt, dass jeder in Deutschland meint, ein anderes System machen zu müssen (ich nehme mich mal hier nicht aus). Das Internet trägt dazu noch einiges dazu bei. Ich imkere z. B. dank des Forum ganz anders als die im Verein um die Ecke. Bei einem meiner ersten Sitzungen wurde sogar vor dem Internet als Infoquelle gewarnt - da sitzen ja nur Spinner vor dem Rechner.


    Wenn wir alle z. B. mit Langstrot oder Dadant (den beiden Hauptmaßen Weltweit) imkern würden, gäbe es keine Betriebsweisen, die man krampfhaft verteidigen müsste. Aber die Welt wäre auch etwas ärmer. Ich finde es nicht schlimm, sich anregungen über das Internet zu holen (oder IFT oder sonst wo anders her). Nur sollte man sie vorher testen, bevor man sie als selber erprobt jemand anderem empfehlen würde.


    Gruß
    Frank