Imkern oder nicht?

  • Hallo Ihr,
    ich bin neu hier und habe mich speziell wegen einer Frage, deren Beantwortung entscheidet ob ich zum Imker werde oder nicht, hier angemeldet. Mein Nachbar betriebt Imkerei, ohne große Ambitionen, rein aus wirtschaftlichem Interesse. Jedes Frühjahr fliegen Völker aus und hängen dann in meinen Bäumen oder unter Vorbauten. Meinen Nachbarn kümmert das wenig, ich sorge mich um die Unterbringung der Völker. Nun hat mir ein Bekannter empfohlen einfach eine Bienenkiste aufzustellen um so dem Volk Platz zu bieten und später natürlich auch Nutzen davon zu haben.
    Ich habe viel Platz und könnte die Bienenkiste für Bienen sympathisch platzieren, an einem Ort wo sie ungestört und auch ausreichend geschützt sowie gut erreichbar und versorgt leben könnten. Ich wäre gern bereit mich in das Thema Imkerei zu vertiefen und hätte auch Lust darauf. Ich habe bereits andere Nutztiere um welche ich mich verantwortungsvoll kümmere.
    Nun möchte ich von euch wissen ob das wirklich funktionieren könnte, ob mein Bekannter evtl. recht hat oder ob ich lieber so nahe (ca. 80m Luftlinie) neben einem "Imker" nicht imkern sollte.
    Ich bin gespannt auf Eure Antworten.
    Vielen Dank und liebe Grüße!
    m.

  • Hallo Mateo,


    vorneweg Imkern ist ein wunderbares Hobby, das dich bis ins hohe Rentenalter begleiten kann und wenn du erstmal die Liebe zu den Bienenentdeckt hast, hast du vielleicht auch bald einen 2. Stand in größerer Entfernung.
    Zur Frage der Entfernung zum Nachbarn, das ist vom Prinzipher egal, wenn das Trachtangebot stimmt.
    Wenn dein Nachbar aber 30 Völker im Garten hätte und die Trachtlage nicht sehr üppig ist, tust du dir und deinem Nachbarn keinen Gefallen.
    Als nächstes gibt es den Punkt Nachbar. Verstehst du dich mit ihm? Ich würde im Vorfeld mit ihm sprechen, da du dich ja eh um seine Schwärme kümmerst, möchtest du halt jetzt auch Bienen halten.


    Zu guter letzt ein gut gemeinter Rat, nimm bitte bitte nicht "die Bienenkiste" obwohl immer wieder propagiert, es dieses Teil für Anfänger kaum zu handeln.
    Wenn du nicht viel Aufwand und Honig haben möchtest, würde ich dir die Mellifera Einraumbeute empfehlen.


    Viele Grüße,


    Max

  • Hallo m.


    tut mir leid, mir war die kleine Schrift zu umständlich zu lesen. Mir war es irgendwann auch zu blöd die sinnfreien Formatierungen rauszulöschen, egal wie die da rein gekommen sind.


    Du bist hier und bei den Bienen herzlich willkommen, mach es den Lesern aber nicht schwerer wie es muss.


    Gruß
    Werner

  • Hallo Mateo,
    an deiner Stelle würde ich mit der Imkerei anfangen. Du hast offensichtlich eine nicht versiegende Quelle neuer Völker und einen Experten gleich nebenan, der dir helfen kann. Allerdings, wenn er aus wirtschaftlichen Interessen imkert, dann hat er für mich bereits Ambitionen, denn so einfach ist das auch nicht, aus diesem Hobby Gewinn zu schlagen. Wenn er aus seiner Imkerei wirtschaftlich zählbares herausholt, dann nennen wir so jemanden einen Profi.
    Der Hinweis, dass die Bienenkiste an sich nicht wirklich gut geeignet ist um die Bienen und den Honig rationell und ordentlich zu behandeln, ist ja schon gekommen. Das sehe ich ähnlich.
    Zum Locken der Bienen ein Hinweis. Schwärme einfangen ist einfach und macht Spaß.
    Und noch ein Hinweis. Ist der Schwarm vom Nachbarn und bemüht er sich darum ihn wiederzubekommen, hat er an diesem Schwarm noch Besitzrechte.
    Merkt er es nicht, dass der Schwarm abgegangen ist und stellt er ihm nicht nach, dann gehört er dir.
    Ich könnte mir vorstellen, dass Du mit dem Nachbar klar kommst, vielleicht mit einer Vereinbarung wie, die Hälfte der entflogenen Schwärme gegen ein Jahr Mitarbeit in seiner Imkerei, oder so.
    Jedenfalls, bevor Du die Bienen in ein von der Mehrzahl der ernsthaften Imkern abgelehntes Bienenhaus einziehen lässt, bevor Du so eine Anschaffung tätigst, informiere dich bei Imkern aus deiner Gegend, in Zeitschriften und Büchern über die Arbeit, die auf dich als Imker zu kommt und vertraue nicht einfach einem Hochglanzfilmchen von 5 Min bei U-Tube.
    Du glaubst doch auch nicht, dass dein Dackel plötzlich hört, nur weil Du ein Bier trinkst in dem mehr Roundup drin steckt als Alkohol.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • ... Jedes Frühjahr fliegen Völker aus und hängen dann in meinen Bäumen oder unter Vorbauten. Meinen Nachbarn kümmert das wenig, ...


    ... dann nennen wir so jemanden einen Profi.


    Guten Morgen,


    Gibt es wirklich in der Ertragsimkerei Betriebsweisen, bei denen der Imker seine Völker bewusst (Profi?!) in jedem Frühjahr schwärmen lässt, um diese dann sich selbst (oder eben Meteo) zu überlassen?


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Hallo IWei,
    der Profi bezieht sich erst mal darauf, dass man es macht um Geld damit zu verdienen, evtl. seinen Lebensunterhalt damit bestreitet. Ob ihm dabei im Frühjahr Schwärme entwischen, weil er nicht an 10 Ständen gleichzeitig sein kann, ob er es für besonders natürlich hält oder ob Schwärme einfangen und Völker jede Woche durchsuchen für ihn nach seiner Rechnung zu aufwändig ist, das ist eine andere und jedem Betrachter selbst überlassene Sache. Bei den meisten Profis geht es um den Profit und nicht darum jede einzelne Biene an ihre maximale Lebenserwartung von 5 bis 6 Wochen zu führen.
    In der Berufsimkerei passieren viele Dinge, die man sich als Tierfreund nicht vorstellen möchte. Bedenke das, wenn Du deine nächste Currywurst ist.
    Dass Schwärme im Frühjahr abgehen ist etwas ganz natürliches, dass Profis in der Imkerei jede Woche jede Kiste durchsehen, Weisselzellen brechen und mit einem Köcher oder einem Seifertschen Bienenfangrohr durch den Robinienwald springen, das entspringt einer romantischen Vorstellung. Schöne Bilder, aber nicht real.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo,


    Mateo schreibt ja: "Mein Nachbar betriebt Imkerei, ohne große Ambitionen, rein aus wirtschaftlichem Interesse." Das klingt für mich so, das ob der Nachbar seine Völker nicht bewusst schwärmen lässt, sondern nicht oder nur nachlässig Schwarmverhinderung macht. Es gibt aber auch Imker, die sagen: Die paar Schwärme interessieren mich nicht! und verzichten bewusst auf Kontrolle nach Schwarmzellen. Und laufen auch keinem Schwarm nach. Das kann man so oder so sehen. Wer das gut im Griff hat, warum nicht?


    Frage an Mateo: Was hast Du denn bisher gemacht, wenn du dich um die Unterbringen der Bienen gekümmert hast?
    Das Interesse scheint ja bei dir vorhanden sein. Warum also nicht Imkern? Vielleicht kannst du ja sogar bei deinem Nachbar mit reinschnuppern, denn mit aufstellen einer Beute allein ist ja nicht getan.


    Gruß
    Michael

  • Jedes Frühjahr fliegen Völker aus und hängen dann in meinen Bäumen oder unter Vorbauten. Meinen Nachbarn kümmert das wenig, ich sorge mich um die Unterbringung der Völker. Nun hat mir ein Bekannter empfohlen einfach eine Bienenkiste aufzustellen um so dem Volk Platz zu bieten und später natürlich auch Nutzen davon zu haben.


    Wenn da jedes Frühjahr mehrere Völker ausfliegen, was willst du dann mit einer Bienenkiste? Und spätestens nächstes Jahr wollen deine Völker vielleicht auch schwärmen...
    Auch ich würde übrigens meinen, dass die Bienenkiste in diesem Fall nicht der richtige Anfang ist. Besorg dir lieber gleich mehrere Magazinbeuten (welches Maß wäre noch zu klären).


    Zitat

    Ich habe viel Platz und könnte die Bienenkiste für Bienen sympathisch platzieren, an einem Ort wo sie ungestört und auch ausreichend geschützt sowie gut erreichbar und versorgt leben könnten.


    Diese Bienen werden etwas mehr Pflege benötigen als nur eine Kiste und einen 'Ort wo sie ungestört leben können'...!


    Irgendwie hörte sich dein Posting für mich so an, als ob da jedes Jahr vom Nachbarn ein halbes Dutzend bis ein Dutzend Schwärme zu dir rüber ziehen und dann wie reife Früchte in deinen Bäumen und Vorbauten hängen. Wobei dann auch noch die Frage wäre, wie groß die sind. Vielleicht sind das ja alles kleine Nachschwärme (und der Nachbar fängt die Vorschwärme selber)?
    Und wie der Nachbar 'aus wirtschaftlichem Interesse' Bienen hält, sich aber gar nicht um Schwärme schert, das passt irgendwie nicht. Jemand, der aus wirtschaftlichem Interesse Bienen hält kann doch die Völker gar nicht getrost abschwärmen lassen, dann ist es nämlich nichts mehr mit der Wirtschaftlichkeit. Wie geht das zusammen?


    Grüße,
    Robert

  • wow, so viele nette Antworten und das so schnell. Das ist Klasse, vielen Dank!
    Also ich hab eigentlich garkeine Formatierungen benutzt und benutze auch jetzt keine. Die Vorschau habe ich kontrolliert und alles war okay. Komisch, entschuldigt!
    Ich wohne in einem kleinen Dorf in den Bergen einer kanarischen Insel. Unsere Nachbarschaft (also die zum "Imker") ist schwierig, ich will nichts böses schreiben aber er hat definitiv kein Herz für Tiere und kümmert sich auch nicht um sie, profitiert aber allzu gern von ihren Gaben. Wenn ich die armen Hühner sehe ... das ist natürlich nur mein subjektives Empfinden aber auch allgemein wird dieser Charakter hier eher wenig geschätzt. Von Verantwortung gegenüber seinen Tieren und Nachbarn ist jedenfalls nicht die Rede.
    Einen Schwarm hab ich versucht umzusetzen. Natürlich hatte ich dem Nachbar bescheid gesagt, mehrmals, letztendlich hat der Schwarm sich eingenistet und ich hab ihn in einer regnerischen Nacht samt seiner Wabe in eine Karton getan und dann weitergegeben. War schweisstreibend ;). Unterdessen sag ich einfach nur im Dorf bescheid und dann kommt jemand und holt den Schwarm ab. Ehrlich gesagt habe ich mich damit nie wirklich intensiv befasst und ich bereue es jetzt da nicht zugeschaut und Kontakt geknüpft zu haben. Aber leider hatte ich bis letztes Jahr einfach viel zu viel andere Arbeit. Bisher waren es jährlich 2-3 Schwärme die hier ausgeflogen sind. Ganzschön beeindruckend wenn dieser tiefe Bass ertönt.
    Wegen einer Bienenkiste war ich schon unterwegs, ist nicht einfach hier eine einzelne Kiste zu bekommen. 70€ soll eine kosten, müsste aber bestellt werden, was hier auch bedeuten kann das ich sie dann nächste Jahr bekomme ;).
    Gibt es in Deutschland zufällig Kisten zu kaufen die man selbst montieren kann, also ein so geringes Packmaß haben, dass sie sich im Reisegepäck transportieren lassen? Ich bekomm am 11.03. Besuch, welcher mir diese mitbringen könnte, wenn nicht zu voluminös.
    Ansonsten frag ich jetzt nochmal weiter hier vor Ort rum, leider ist mein spanisches Imkervokabular noch nicht wirklich gut um da schnell voran zu kommen.


    Ich bin jetzt zumindest erstmal im Bilde das mein Vorhaben möglich und keine Schnapsidee ist.


    Vielen Dank nochmal an Euch alle!


    Ich lese mich mal ins Forum ein, da steht ja eigentlich schon (fast) alles was man wissen muss
    Falls ihr noch spezielle Ratschläge habt, so immer her damit ;)!

  • Hallo,


    kanarische Insel -> Neid!


    Lassen wir es stehen, woher die Formatierung kam, jetzt passt es ja.


    Auf die Schnelle habe ich folgendes zu Bausätzen gefunden:
    http://bienen-seb.de/bienenkiste-bausatz-bestellen/
    http://www.bienen-beute.de/blog3.php
    https://www.dehner-bienen.de/b…eimer-einfachbeute-zander


    Ansonsten besorg dir eine gute Säge und Akkuschrauber. Grundlegende Kenntnisse sollten vorhanden sein und Bretter gibt es sicherlich auch auf den Kanaren.


    Gruß
    Werner

  • 70€ soll eine kosten, müsste aber bestellt werden, was hier auch bedeuten kann das ich sie dann nächste Jahr bekomme ;).!


    70,- ist nur der gaaanz kleine Anfang... Wenn du wirklich imkern willst kommen da noch weit mehr Kosten auf dich zu und 1-2 Jahre im voraus Planen ist ganz normal in der Imkerei. Bis die Kosten durch Honigverkauf wieder rein kommen kannst du mit mindestens 5 Jahren rechnen. Wenn du 70,- viel findest solltest du es lieber lassen. Allerdings kannst du für die eingefangenen Schwärme eine Gegenleistung erwarten, zumindest in Form von Honig.


  • Wenn du nicht viel Aufwand und Honig haben möchtest, würde ich dir die Mellifera Einraumbeute empfehlen.


    Viele Grüße,


    Max


    Auch ein schöner Film dazu auf Youtube. Aber einem Anfänger, eigentlich niemandem, würde ich so einen Exoten empfehlen. Im Film werden Stroh- Schieds verwendet, da freut sich der Beutenkäfer und andere kleine Krabbeltierchen bestimmt besonders drüber, gut das könnte man ja ändern. Aber was ist das für eine lustige Varoa- Behandlung? Oxalsäure sprühen, mitten im Sommer auf die "brutfreien" Waben? Und dann die Honigernte! Da wird erst mit Zuckersirup ordentlich eingefüttert und dann freut man sich am Ende des Sommers über die 3Kg Randwabe mit "Honig", die man schon aus dem jungen Volk ernten kann...


    Empfehlenswert ist es zu schauen, womit der Nachbar imkert (oder der Imkerpate oder der Großteil des Imkervereins und evtl. diese auch mal zu fragen, womit sie jetzt imkern würden, wenn sie nochmal neu anfangen müssten).