Bienenstand umziehen: wann?

  • Hallo an alle,
    als Jungimker stehe ich vor folgender Frage: ich will möglichst bald mit meinen 4 Völkern vom derzeitigen Bienenstand in meinen neuen Garten umziehen. Aber wann ist die richtige Zeit dafür? Der Umzug sollte spätestens bis Mitte Mai erfolgt sein.
    Ich bin für alle Tips und guten Ideen dankbar.


    Schönen Abend, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Hallo Jörg,


    zu allererst wäre es schön, wenn Du Dein Profil ein wenig ausgefüllt hättest, man wüsste, wo und womit Du imkerst, vielleicht noch ein par Infos. Ortsangaben sind oft bei Imkereifragen sehr hilfreich.
    Ich will jetzt nicht auf der Suchfunktion des Forums herumreiten, jedoch, wenn man dort oder auch bei Google "verstellen", "Beuten verstellen", "Bienen umziehen" oder ähnliches eingibt, wird man flugs mit Antworten bedient. Ist ja nicht das erste mal, dass Beuten umziehen, nur für Dich :wink:


    In aller Kürze:


    Es kommt darauf an:
    Darauf, ob Du schon Bienenflug hattest. Sie hätten sich dann neu auf den Standort eingeflogen, das wäre schlecht.
    Sonst sind sie in der Winterpause und VOR dem ersten Flug leicht verstellbar und zwar auch auf kürzere Distanzen, weil keine Flug-maps auf den kleinen Bienenfestplatten sind, ok?


    Das wäre nämlich fehlende Info Nr. 2: wie weit ist der neue Standort vom alten entfernt? Noch im Flugkreis (3 km mindestens)?
    Wenn nicht: Dann ist es praktisch egal, wann Du es machst. Außerhalb des Flugkreises fliegen sich die Bienen dann immer neu ein auf den neuen Ort. Klappt einwandfrei, Ist wie Wandern mit Bienen.


    Wenn doch: s. oben. Ohne bisherige Unterbrechung der Winterpause bzw ohne Flugbetrieb in den letzten 4 Wochen kannst Du sie umstellen. Es sollte leichte Plusgrade haben.
    Für ausreichende Belüftung der Beute dabei sorgen!!
    Bienen nicht im aufgeheizten Auto transportieren (Aktivitätssteigerung, dann wieder ab in die Kälte).
    Und in kackigem Frost purzelt Dir die Wintertraube bei einem kräftigem Schlagloch und rasanter Fahrweise teils oder mehr von den Waben und verklammt zu großen Teilen.
    Also vorsichtig, belüftet und möglichst jetzt in Kürze:daumen:
    Wenn sie schon geflogen sind und es ist nur eine kurze Entfernung: Vorsicht, da fliegen Dir die eingeflogenen Flugbienen zum alten Standort zurück.


    Dazu gibt es einen Trick zum Überlisten des Einflugverhaltens: hier mal nachlesen.


    Viel Erfolg


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo allerseits,


    ich hätte da ne Frage, die das Thema zumindest streift. Drum bin ich mal frech und klinke mich schnell ein. Dem TE sollte ja außreichend geholfen sein.


    Und zwar beschäftigt mich die Frage, woher die Immen wissen, dass sie nun weit genug verstellt wurden um sich neu einfliegen zu müssen. Sprich, wie erkennen sie ein verstellen außerhalb ihres Flugradius?
    Müssten sie nicht auch, bei sagen wir 4km, erstmal zum alten Stand fliegen? Und wenn nicht, woran erkennen sie die außreichend große Distanz?


    Ich hoffe, die Frage ist jetzt nicht total Banane. Ist nur so, dass ich mich das nun schon des öfteren gefragt habe.


    MfG Max

  • Sie müssen ja keine ausreichende Distanz erkennen sondern eben in ihrem neuen Flugkreis keine Landmarken wiedererkennen um dann ein altes Muster abzurufen und zum alten Standort zurückzufliegen.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Und zwar beschäftigt mich die Frage, woher die Immen wissen, dass sie nun weit genug verstellt wurden um sich neu einfliegen zu müssen. Sprich, wie erkennen sie ein verstellen außerhalb ihres Flugradius?


    Moin Max!
    Wie erkennt der Bien seinen Standort ? Offensichtlich an bestimmten Formationen, sei es an Pflanzen oder Lichtverhältnissen oder markanten Landschaftsformen. Solange sie "Bekanntes" im Flugradius finden, orientieren sie sich zum altbekannten Standort. Wenn sie neues Wahrnehmen, orientieren sie sich eben neu. Solange es ihnen möglich ist, altbekanntes zu erkennen, fliegen sie zum alten Standort.
    Der Flugradius beträgt im Mittel 3 km, wie schon beetic angemerkt hat. Heißt praktisch: Verstellen > 3 km, damit sie nichts altbekanntes erkennen und sich neu einfliegen.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Alles richtig was ihr schreibt. Dazu gibt es keinen widerspruch von mir.


    Aber, was ich nicht verstehe: Angenommen ich verstelle die Beute. Direkt beim Abflug erkennt die Biene ja noch nicht ob sie jetzt in nem neuen Gebiet ist oder nicht.
    Ich gehe mal nicht davon aus, dass jede Biene das komplette Fluggebiet anhand von markern wiedererkennt. Oder doch? Müsste sie sich daher nicht bei jedem verlassen
    der Beute neu einfliegen sofern sich die unmittelbare Umgebung verändert hat?
    Denn wie findet sie sonst beim verstellen von mehr als 3 km wieder zur Beute zurück wenn sie sich nicht den Standort der selbigen schon neu eingeprägt hat?


    Sprich, muss ich nicht auch beim verstellen von mehr als 3km mit gewissem Verflug/Verlust an Sammlerinnen rechnen?


    Ich will auch nicht die Tatsache an sich anzweifeln, allerdings finde ich es schon faszinierend wie das ganze im kollektiv so funktioniert :daumen:

  • Bei 3 Km gibt es kein Problem, weil sie sich auf jeden Fall neu einfliegen müssen. Bei 3m haben die Bienen aber ein Problem, darum der Trick mit dem Zweig vor der Beute, damit sie schon beim rauskommen merken, hier ist was anders (Baum umgefallen) und sich darauf hin erstmal neu orientieren...

  • Hallo Max


    Wenn Beuten verstellt wurden, dann merken das die Bienen an der Umgebung,ausrichtung des Flugloches usw. Bienen die nach der Winterpause oder dem Umstellen oder Jungbienen, die Fliegen nicht einfach aus dem Flugloch, sondern drehen sich sofort zum Flugloch und prägen sich dieses Bild ein. Dann fliegen sie immer größere Kreise und prägen sich die Umgebung ein. Kommen sie von einem Trachtflug und der alte Standort ist vielleicht nur 100m entfernt, fliegen sie zum alten Standort, finden aber nach einer größeren Flugpause dann trotzdem auf den neuen Standort. Macht man das aber im Sommer, dann wird man noch nach 14 Tagen immer wieder Bienen am alten Standort antreffen. Das mal nur so im Groben.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Und zwar beschäftigt mich die Frage, woher die Immen wissen, dass sie nun weit genug verstellt wurden um sich neu einfliegen zu müssen. Sprich, wie erkennen sie ein verstellen außerhalb ihres Flugradius?
    Müssten sie nicht auch, bei sagen wir 4km, erstmal zum alten Stand fliegen? Und wenn nicht, woran erkennen sie die außreichend große Distanz


    Ich finde, dass das eine sehr gute Frage war, die zeigt, dass du dich in den Bien hineinversetzen willst!
    Die Antwort ist leicht:
    Die Bienen haben keine Ahnung vom Flugkreis oder irgendeiner Entfernung.


    Sie merken nur beim 1. Ausflug "hoppla, alles fremd hier, erst mal umschauen". Dann fliegen sie sich nach anfänglichen kurzfristigen Irritationen an die neue Beute ein und gehen ihrem Tagesgeschäft nach, ohne den alten Stand zu suchen.
    WENN sie dabei aber in die Nähe des alten Standortes kommen und die alten Landmarken wieder erkennen, kann es passieren, dass sie doch wieder zum alten Standort fliegen. Ist die Entfernung zwischen altem und neuem Standort also zu gering, wird es häufiger vorkommen, dass Bienen in den Bereich des alten Flugkreises gelangen und dann gehen eben auch viele Bienen verloren, weil sie sich am alten Standort einfinden werden.


    Die Entfernungsangabe "mindestens X Kilometer" stellt also nur sicher, dass es für die allermeisten Bienen sehr unwahrscheinlich wird, dass sie ihre alte Wirkungsstätte überfliegen und dort alte Landmarken wiedererkennen und sich daraufhin verfliegen.
    Es ist keine magische Grenze, ab der im Hirn der Biene der Schalter umgelegt wird!


    Gruß
    hornet

  • Darum ist der Flugradius auch stark abhängig von der Umgebung. Wenn die Bienen in einer Siedlung mit viel Tracht in unmittelbarer Nähe stehen, werden sie auch nur in einem kleinen Flugradius von vielleicht nur 500m aktiv sein, so wie in meiner Umgebung, da bin ich mit 1,5 Km zum nächsten Außenstand schon auf der sicheren Seite, wenn ich Völker verstelle. Sind die Bienen aber gezwungen zum Nektar und Pollen sammeln weit zu fliegen ist der Flugradius dementsprechend größer... Und dann kann es natürlich auch Unterschiede in der Jahreszeit geben und auch Bienen-Magneten wie z.B. ein Rapsfeld, das den Flugradius in die entsprechende Richtung verzerrt...

  • Mit dem Umstellen auf kurze Distanz wäre ich vorsichtig. Ich habe das versucht und obwohl ich die Fluglöcher mit Zweigen verbarrikadiert hatte, sind ziemlich viele Bienen zum alten Standort zurück geflogen. Also nach Möglichkeit eine gewisse Distanz zurücklegen. 3km wären nicht schlecht, evtl. mit Umzug über eine Zwischenstation. Hier in Berlin könnte man auch über kürzere Distanzen, z.B. 500m, umziehen, da es kalt ist und die Bienen nicht weit fliegen, wenn überhaupt.


    Gruß Ralph

  • Ok, ich habs jetzt geschnallt. Danke :daumen:


    Das heißt, wir sprechen hier eher von wahrscheinlichkeiten. Es ist bei einer geringeren Entfernung zum alten Stand wahrscheinlicher eine bereits bekannte Wegmarke zu kreuzen als bei einer größeren Entfernung.


    Mir war wichtig zu wissen, dass die Biene grundsätzlich den Weg zur Beute findet, auch wenn sie nur über eine kleinere Distanz verstellt wurde. Bzw. warum sie jetzt im einen Fall (verstellen um >3km) zum neuen Stand fliegt und im anderen (verstellen <3km) zum alten. Wie sich die Biene grundsätzlich Orientiert war mir klar, konnte es nur nicht sinnvoll mit dem verstellen der Beute und einem erneuten einfliegen auf den neuen Standort in Verbindung bringen.


    MfG Max