Problem mit Wassergehalt

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    Von daher würde ich den Deckel auch nicht mit Styropor o.ä. Material dämmen sondern mit einem diffusionsoffenem Material.


    Und dann steigt der Wasserdampf in und dann durch die Dämmung und kommt irgendwo mittendrin an den Punkt, wo das Wasser auskondensiert. Und dann schimmelt es. Deckel sehr warm und dicht, Seiten weniger warm und dicht, Boden luftig.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • also mit anderen Worten doch das, was ich gesagt habe: es gleicht sich - rein theoretisch - also aus, richtig?


    Nein, die ungedämmte Beute nimmt tagsüber mehr Feuchtigkeit auf, weil sie stärker aufheizt und Nachts wenn sie sich stärker abkühlt ist die "kältere" Luft recht schnell bei 100% rel. Luftfeuchtigkeit angelangt. Der stattfindende Luftaustausch kann dies niemals zu 100% ausgleichen, die Bienen schaffen doch nicht ständig eine Erneuerung der gesamten Innenluft.

  • Zitat

    Höchstens wenn man sagt, die Bienen trocknen Honig nur nachts - tun sie das?


    Hi Hornet,
    ich denke, dass sie das tun, und zwar das meiste am ganz frühen Morgen, wenn's am allerkühlsten ist, siehe hier (ein Tag aus aus der Robinie, der vom IFT :lol:). Dann ist der Wirkungsgrad am besten.


    http://www.imkerforum.de/attachment.php?attachmentid=6584&d=1433755757


    Der nächste Tag sah ganz genau so aus. Bei 10 Kg Bruttoeintrag am Tag verdampfen sie über Nacht ziemlich genau 2 kg Wasser. Eine irrsinnige Energieleistung - verdampfe mal 2 l Wasser auf Deinem Herd. Allerdings: wenn wir annehmen, dass Robiniennektar mindestens 50% wenn nicht 60% Wasser enthält muss tagsüber auch noch einiges verdampft werden, damit die Massenbilanz stimmt.


    Cheers,
    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • die Bienen schaffen doch nicht ständig eine Erneuerung der gesamten Innenluft.


    Ich denke, das tun sie. Sie machen den Ventilator an, ziehen kalte Luft (am kältesten am ganz frühen Morgen) rein, wärmen sie auf und blasen sie am nassen Nektar vorbei und ventilieren die nun bei höheren Temperaturen an Wasser aufgesättigte Luft wieder raus. Siehe Diagramm von oben. 2 Kg Wasser über Nacht, vier Bierflaschen voll !


    Cheers,
    Bauus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Ich denke, das tun sie. Sie machen den Ventilator an, ziehen kalte Luft (am kältesten am ganz frühen Morgen) rein, wärmen sie auf und blasen sie am nassen Nektar vorbei und ventilieren die nun bei höheren Temperaturen an Wasser aufgesättigte Luft wieder raus.


    :daumen: Danke Baudus, Dein Bsp. bringt Licht ins Dunkle. 2 kg bezogen auf das Gesamtgewicht von 10 kg eingetragenem Nektar mit angenommen 50 % Wassergehalt sind dann 40% Wasserentzug pro Nacht. Will heißen, die 5 kg Wassergehalt wurden um 2 kg pro Nacht erniedrigt und ergeben einen theoretischen Restwassergehalt von 3 kg bezogen auf jetzt 8 kg Honig = 37,5 %.


    Die Nektartrocknung hängt ab von


    - dem Wassergehalt im Nektar,
    - der Temperatur im Honigraum,
    - vom Luftaustausch und
    - vom Verhältnis Oberfläche zu Volumen.


    Die Temperatur bestimmt die max. Wasseraufnahmekapazität der Luft. Diese ist bei höheren Temperaturen (am Tag) schon mehr mit Wasserdampf gesättigt, als nachts. Dass es zum Ende der Nacht am kältesten ist führt zu einer höheren Aufnahmekapazität der Luft, wenn diese im Bienenstock erwärmt wird. Und Deine Messung bestätigt dies.


    Ein wesentlicher Faktor - und das war ja eine Frage von Denkzeichner - ist das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen. Es kann unter bestimmten Bedingungen (Dickwaben) nur eine ganz bestimmte Menge an Wasser aus dem Honig in die erwärmte Luft übergehen. Je größer die Oberfläche in Relation zum Volumen, um so besser ist die Trocknung. Dies kann man durch die Beschaffenheit der Waben bestimmen oder man lässt sie länger unter den "Trocknungsbedingungen".


    Die andere Variable - Luftaustausch und Temperatur sind durch das Bienenvolk gegeben. Klar dass mehr Bienen mehr heizen und lüften.


    Und da sich das Verhältnis Oberfläche zu Volumen beim Gewinnen des Honigs verändert, gilt es auch umgekehrt für die Wasseraufnahme. Trockene Luft ist dabei sicher nicht schädlich.


    Was aber nützt all' die Theorie, wenn das Refraktometer ungenau arbeitet (s. Bemerkungen von hornet).



    Beste Grüße


    Rainer

  • Zitat

    Die Temperatur bestimmt die max. Wasseraufnahmekapazität der Luft. Diese ist bei höheren Temperaturen (am Tag) schon mehr mit Wasserdampf gesättigt, als nachts. Dass es zum Ende der Nacht am kältesten ist führt zu einer höheren Aufnahmekapazität der Luft, wenn diese im Bienenstock erwärmt wird.


    Ja, so würde ich meine Erfahrungen auch interpretieren. Bei Volltrachtbedingungen machen kühle Nächte trockenen Honig. Bei schwülwarmen Nächten mit hoher Luftfeuchtigkeit draußen funktioniert die Trocknerei nicht so gut. Bei mir ist das manchmal bei der Linde so, meist in der ersten Juliwoche, und ich kann tatsächlich mehr oder weniger voraussagen ob's relativ trockenen (16 bis 17%) oder nassen (18 bis 19%) Lindenhonig gibt. Andererseits honigt's bei schwülwarm auch besonders gut ...


    Cheers,
    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Ich bin Anwender der Segeberger, und dann auch noch mit Dickwaben, Rahmendicke 35mm.
    Der Honig 2015 war aber komplett in Ordnung, zwischen 15,6 und 16,7; keine Entmischungen. 2014 war das nicht so, da hatte ich erhebliche Probleme.
    Die besseren Ergebnisse in 2015 schreibe ich einem verbesserten Honigmanagement zu: 3 Tage Trockenlager der schleuderreifen Waben bei 30°C und Trocknung der Luft beim Schleudern.


    Gruß Ralph

  • Trockenlager: Die Honigzargen werden übereinander gestapelt und oben mit einem Deckel abgedeckt, ein Spalt bleibt offen. Unten wird mit einem Heizelement (bei mir ein Fön) Wärme erzeugt, die mit einem Thermostaten geregelt wird. Ein Kaltluftfön (Heizsatz ausgebaut, Fönmotor mit Kleinspannung betrieben) treibt die angewärmte Luft beständig von unten nach oben. Außerhalb trocknet ein Luftentfeuchter zusätzlich die Raumluft. Auf diese Weise hat die Luft im Zargenturm eine relative Feuchte zwischen 20% und 30%. Wenn man will, kann man mit Feuchtesensoren im Zargenturm den Prozess zusätzlich überwachen.
    Schleudern: Hier wird einfach die Raumluft mit einem Luftentfeuchter getrocknet. Faustregel: Unterhalb von 55% relativer Luftfeuchte trocknet der Honig, darüber wird er feuchter. Das hängt auch noch vom Wassergehalt des Honigs ab: Je trockner der Honig bereits ist, desto trockner muss auch die Raumluft sein.


    Gruß Ralph

  • Upps, ist das etwa schon ein Honigtrockner?
    Hört sich aber recht effektiv an.

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)