Apisticus-Tag 2016

  • Guten Abend, allerseits,
    sitze grad im Zug nach Hause und dachte mir, ich berichte mal kurz vom Apisticus-Tag. Ich war ja schon eine Weile nicht mehr da und war wirklich überrascht wie gross das geworden ist...viele Leute und viele interessante Produkte und Projekte. Der Apisticus 2016 ging übrigens an Dr. Joachim Eberhardt für seine Arbei an dem Portal "Die Honigmacher".
    Viele interessante Vorträge - ein überfüllter Raum in dem Werner Gerdes, der über seine Buckfast- und Dadant-Betriebsweise berichtete.
    Interessant wenn auch deprimierend war das Resumée von Hubert Kivelitz von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zum Thema bienenfreundliche Zwischenfrüchte und Energiepflanzen. Erstere kommen in der Regel zu spät zur Blüte (wenn überhaupt) um noch für Bienen interessant zu sein und letztere schaffen es eben nicht mal annähernd, dem Mais Paroli zu bieten. Sowohl in der inhaltlichen Komposition als auch in der Masse einfach nicht interessant.
    Der Vortrag zu den "EhDa-Flächen" war ganz spannend; immer mehr Kommunen setzen das wohl um wenn auch in der Regel nur dann wenn man sie darauf stößt.


    Fred Klockgether informierte zur Zulassung von Apitraz in Deutschland - da das Zeug verschrieben werden muss werden es wohl wirklich nur eine überschaubare Menge an Imkern einsetzen, nehme ich an. Vom Preis mal abgesehen...um die 30 € für 10 Streifen (also 5 Völker)??


    Der Abschluß von Ralph Büchler zum Thema Varroa-Resistenz war sehr gelungen. Er zeigte, dass es bereits weltweit Populationen gibt, die behandlungsfrei überleben und führte das auf die Vermehrungsbiologie der Honigbiene zurück (Schwarmbildung aber eben auch 20.000 Drohnen pro Königin und deutlich schlechterer Verpaarungserfolg von Drohnen aus Varroa-belasteten Völkern!). Er zeigte, wie sich das Ausräumverhalten dieser Völker von normalen unterscheidet und dass sich die Milben in den Zellen weniger erfolgreich vermehren als sonst.


    Er empfahl deutliche Zurückhaltung bei der Behandlung und unbedingte Prüfung des Befalls bevor man behandelt. Sein Credo "Das kränkeste Volk des Standes bestimmt die Gesundheit des gesamten Standes" und demnach sollten eher kleine Völkerzahlen pro Stand und möglichst große Abstände zu den Nachbarvölkern Ziel sein (500 m oder mehr). Er empfiehlt möglichst wenige Störungen in der Brutnestanordnung - die Varroa vermehre sich am besten bei 30-32°C während die Honigbiene in der Regel bei 34°C brüte - da könne eben schon die Auskühlung einer Brutwabe zu Krankheitsausbrüchen führen.


    Zudem propagiert er die Brutpause - entweder durch Käfigen der Königin, totale Brutentnahme oder Kunstschwarm mit der alten Königin. Dies 2 Wochen vor der letzten Schleuderung durchgeführt oder nach dem Abschleudern reduziert den Varroadruck deutlich.
    Varroa-belastete Völker sollten eher umgeweiselt werden um bei der Selektion auf die erwünschten Eigenschaften zu unterstützen.
    Das Drohnenbrutschneiden sieht er als noch erforderliche Zwischenmaßnahme an, die mit dem langfristigen Erfolg dieser Selektion irgendwann überflüssig werden würde aber eben nun noch erforderlich sei auch wenn man damit dem Zuchtziel eigentlich entgegenwirke.


    Die Aussteller waren sehr vielfältig und im Vergleich zum Großimkertag in Soltau wesentlich zahlreicher und interessanter - der wirkte gegen diese spritzige und unterhaltsame Veranstaltung regelrecht altbacken!


    Also sehr zu empfehlen, der Besuch in Münster!!!


    Grüße
    Melanie

  • Den Vortrag von Herrn Büchler fand ich auch sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich verständlicher Darstellung sehr gut. Ob er irgendwo im www nachzulesen ist, weiß ich leider nicht. Den Vortrag Klockgether habe ich im Diskussionsfaden zu Amitraz kommentiert.
    Karl

    Etwa 10 Völker auf Dadant an etwa 3 Standorten. "Bienenrasse":roll:: was sich bei Nachbarimkern so bewährt hat.