"Chaos" Volk früh sanieren, wie am besten?

  • Hallo!


    Ich habe in einem anderen Thread schon über mein stark Varroa belastetes Volk geschrieben, das ich erst im Spätherbst letzten Jahres übernommen habe. Ich habe es Anfang Dezember mit Oxalsäurebeträufelung behandelt und es sind sehr viele Varroen gefallen. Es geht ihm aber trotz relativ hohem Bienentotenfall sehr gut, sitzt noch gut auf 7 vollen Wabengassen, scheint aber durchgebrütet zu haben.


    Jetzt mein Problem. Das Volk konnte leider vom Vorbesitzer nicht mehr gut geführt werden (schwere Krankheit). Teils ist Wildbau drin, weil er einfach Rähmchen vergessen hat und teils sind sie völlig verkittet und relativ dunkle, alte Waben. Die Königin wird dieses Jahr drei oder vier Jahre alt (genau wusste er es nicht mehr), die möchte ich unbedingt ersetzen.


    Ich möchte es früh sanieren, ich dachte an Anfang bis Mitte April:


    1. Variante: Das ganze Volk mit 1 oder 2 Brutwaben in eine neue Beute setzen, nach 9 Tagen Nachschaffungszellen brechen, mit Milchsäure behandeln und dann eine neue Königin unter Futterteigverschluss zusetzen.


    2. Variante: Das ganze Volk als "Kunstschwarm" in eine neue Beute setzen mit Milchsäure behandeln und nach einem Tag eine neue Königin unter Futterteigverschluss zusetzen.


    Könnte das klappen? Was würdet ihr tun? Stimmt der Zeitpunkt? (je nach Wetter natürlich) Achja in beiden Fällen natürlich vorher die alte Königin entfernen.


    Danke euch! LG Angelika

  • Ich würde spätestens A. März eine Zarge mit 3 - 4 ausgebauten Waben in der Mitte aufsetzen, den Rest mit Mittelwänden ausstatten. Falls sich in der jetztigen Beute noch ein oder zwei Futterwaben vorhanden sind diese auch hochhängen.
    Das Volk ist bestrebt baldmöglichst oben zu brüten und dann hast die Möglichkeit die unteren Waben die dann (fast) (brut) leer sind zu entsorgen. Sobald der oben auch eingehängte Drohnenrahmen bebrütet ist bitte ausschneiden, idealerweise zweimal. Das funktioniert aber nur, wenn du mit dem Aufsetzen der Zarge bald beginnst, vielleicht auch schon jetzt, erfrieren werden die Bienen nicht, denn die große Kälte ist vorbei und Sie können mit ihren Körpern immer noch den Raum nach oben abdichten.
    Das wäre die am wenigsten arbeitsintensivste und mit der Möglichkeit einer noch guten Honigernte einfahrende ideale Vorgehensweise.

  • Hallo


    Du willst etwas unternehmen, und kennst die Ausgangslage nicht.
    So kann man alles falsch machen.


    Die Königin muss nicht alt sein. Es kann eine still Umgeweiselte sein; es kann eine Junge sein falls das Volk im Vorjahr geschwärmt hat (der Imker war nicht auf der Höhe, demnach kann er die Schwärmerei verpasst haben)


    Daher: Erst mal keinen Plan machen die Königin zu wechseln. Ein Problem weniger.


    Zur Varroa: Da der Imker, wie gesagt, die letzte Zeit nicht auf der Höhe war, fand auch keine ordentliche Behandlung statt. Trotzdem steht das Volk gut da.
    Somit hast du wahrscheinlich eines der wenigen noch verbleibenden varroatoleranten Völker (Das sind jene Völker von früher, welche noch bei 10.000 Milben überlebten)
    Es besteht also kein akuter Handlungsbedarf.


    Wenn du es trotz Wildbau schaffst das Volk abzukehren, mach es knapp vor der Rapsblüte.

  • honigmayerhofer : Ja an diese Variante habe ich auch schon gedacht, vielen Dank, aber ich möchte unbedingt die Königin auswechseln und sie überhaupt aus dieser Beute "rausbekommen". Sie müssen auch nicht unbedingt großen oder überhaupt heuer Honigertrag bringen.


    rase : Sie sitzen auf zwei Zargen. Im Moment ist der größte Teil der Wintertraube in der unteren Zarge auf guten 7 Wabengassen. In der zweiten Zargen sind ca. 3- 4 Wabengassen besetzt.


    luxnigra : Hm.. ja, das könnte natürlich auch sein. Das Volk hatte lange Drohnen drin, sind bis Mitte November geflogen.

  • Ganz häßlich: jetzt alle Bienen in die untere Zarge klopfen, obere Zarge ausschmelzen. Obendrauf auf's Volk 'ne Zarge mit Mittelwänden und zwei, drei Futterwaben übers Brutnest hängen. Sobald da ein richtiges Brutnest drin ist, untere Zarge abräumen und ausschmelzen. Danach Kö raus und die Bienen zu Ablegern verwursten.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ok, hört sich auch radikal an. "Verwursten" will ich sie eigentlich nicht, eigentlich nur das "Beste" für das Volk. Gelernt habe ich daraus natürlich auch schon: Im späten Herbst keine "Chaos-Völker" holen.


    Ich will halt, dass sie einen guten Start bekommen mit möglichst wenig Milben und einem jungen Wabenbau, da ich einfach noch keine Erfahrung habe (erst letzte Jahr mit einem Jungvolk angefangen) bin ich mir einfach unsicher, was für die Bienen gut ist in dieser Situation.

  • Hm.. eigentlich nix, ich weiß nur nicht, ob ich sie da "heil" aus der Beute rausbekomme und habe nicht nachgedacht, dass sie ja vielleicht wirklich schon umgeweiselt haben. Vielleicht versuche ich das Volk durch Aufsetzen einer Zarge nach oben zu bewegen mit ihrer Königin und setze dann einfach um.

  • rase : Sie sitzen auf zwei Zargen. Im Moment ist der größte Teil der Wintertraube in der unteren Zarge auf guten 7 Wabengassen. In der zweiten Zargen sind ca. 3- 4 Wabengassen besetzt.


    Ist doch einfach, die obere (2.) Zarge wird verwendet, falls du schöne Leerwaben hast die alten auswechseln, die besetzen noch lassen und den Rest mit Mittelwänden ausstatten. Die ziehen bald nach oben um und die Königin lassen, es könnte ja eine gute Königin sein. Den Drohnenbaurahmen würde ich zweimal ausschneiden und ich bin mir sicher du bringst das Volk sicherlich über die Honigernte und dann kannst du Varroa behandeln und zwar spätestens Mitte Juli.

  • klar, kann man ja recht bienenschonend machen. Fang außen an, schaff Dir Platz und arbeite Dich langsam vor. Noch ist da ja wenig bebrütet, in drei Wochen ist das anders. Treib sie vorher mit Rauch runter! Ist trotzdem fies, aber hilft ja nix. Und wenn Du Wabenstücke hast, versuch es erst immer mit abklopfen, bevor du den Besen nimmst!


    Viel Erfolg!
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife