Fliegen Bienen zum Sterben aus dem Stock?

  • [FONT=&amp] „Bienen fliegen aus dem Stock um zu sterben“ [/FONT]


    [FONT=&amp]Da schmeißen wir mal die Gebetsmühle an und wiederholen gemeinsam den oben genannten Satz 1000 Mal. Was hat sich danach am Wahrheitsgehalt der Aussage geändert?[/FONT]
    [FONT=&amp]Richtig: NIX.[/FONT]

    [FONT=&amp]Wer kann mir Beweise, Beobachtungen, Überlegungen liefern, die diese altbewährte Imker“weisheit“ belegen oder stärken?[/FONT]

    [FONT=&amp]Ich persönlich habe nur Beobachtungen, die das Gegenteil annehmen lassen:[/FONT]
    [FONT=&amp]Die Bienen sterben zwar zu einem sehr großen Teil außerhalb der Beute, aber nicht mit Vorsatz. Sie schaffen es einfach aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr zurück in den Stock.[/FONT]

    [FONT=&amp]Oft hab ich bei Dachrenovierungen in der Nähe meiner Bienen erschöpfte Bienen gesehen, die zu schwach waren, zurück zum Stock zu finden. Die Flugrichtung war eindeutig zurück zum Stock. Mit Pollenhöschen. Die waren bestimmt gut versorgt für die Reise ins Jenseits.[/FONT]

    [FONT=&amp]Wenn jetzt im Winter die Bienen zum Sterben ausfliegen (warum sollten sie sonst jetzt bei der Kälte raus?) fliegen sie zum Abschied erst mal Orientierungskreise, damit sie nicht aus Versehen doch zum Sterben zurück in die Nähe der Beute kommen. [/FONT]

    [FONT=&amp]Einiges in diesem Zusammenhang kann ich mir auch nicht erklären:[/FONT]

    [FONT=&amp]Warum sterben so viele Bienen direkt vor der Beute? Das ist zum Schutz des Volkes nicht sehr effektiv.[/FONT]
    [FONT=&amp]Wie unterscheidet die Biene „leichtes Unwohlsein“ von „lebensbedrohlicher Krankheit“.[/FONT]
    [FONT=&amp]Oder kommt sie zurück mit der Meldung „ ach war gar nicht so schlimm“ nachdem sie einen ganzen Tag vergeblich im Feld auf den Tod gewartet hat. Gut, sie könnte noch aus purem Trotz weiter warten und konsequent verhungern. [/FONT]
    [FONT=&amp]Bei dem kahl geflogenen Volk, stellt sich mir die Frage, wer dem meist in der Beute zurückbleibenden, kümmerlichen Rest befiehlt: „So, ab jetzt wird zu Hause gestorben!“[/FONT]
    [FONT=&amp]Gibt es eine andere Spezies, bei der solches Verhalten beobachtet werden kann, oder sind die Bienen alleine so sozial eingestellt? Elefanten wird es teilweise nachgesagt, aber auch nicht unumstritten.[/FONT]

    [FONT=&amp]Meiner Ansicht nach fliegen Bienen aus um Nektar oder Pollen zu sammeln, um nach dem Wetter zu sehen, zum Mist ausfliegen, zum Hausputz, zur Orientierung oder vielleicht auch nur aus Jux und Dollerei, aber niemals um auf den Tod zu warten.[/FONT]
    [FONT=&amp]Sie sterben an Altersschwäche, erfrieren, ertrinken, werden vergiftet, gefressen… aber alles nicht mit dem Vorsatz zu sterben. Oder gibt es auch die Bienen die sagen: „Tschüß, ich werf mich jetzt vor eine Meise.“ Das geht schneller als verhungern.? [/FONT]

    [FONT=&amp]Gibt es jemand der mir meine Annahmen widerlegen kann und möchte, oder der mir offene Fragen zu diesem Thema beantworten kann?[/FONT]
    [FONT=&amp]Bis dahin ist die anfangs erwähnte Behauptung für mich blanker Unsinn. Egal wie oft sie noch wiederholt wird. [/FONT]

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Hallo
    Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen:


    Bei vielen Bienen ist es wohl so, wie du beschrieben hast, resp. vermutest.
    Aber in einem gesunden Volk, mit einer Königin von vielen Drohnen begattet, gibt es eine breite Palette von diversen Bienen ausgestattet mit diversen Genen.
    Also schon möglich dass auch einige "extra" zum Sterben ausfliegen. So jedenfalls bleibt die Plastizität erhalten, welche die Biene braucht um in sich veränderten Umwelten zu überleben.

  • Moin ,


    nach meinen Beobachtungen gehe ich davon aus , das Bienen - es sind natürlich sehr wenige in einem gesunden Volk - merken , es geht zu Ende . Genetisch programmiert ist : jetzt weg vom Volk -um Belastungen für eigene Entsorgung , für die Hinterbleibenden auszuschließen . Dieser Trend ist bei gesunden Völkern vorhanden , alle " Kamikaze "- Kanidaten , schaffen es , aus welchen Gründen auch immer , nicht . Sie verenden vor Ort.

  • Hallo


    Ich habe es gerade in einem anderen Threade geschrieben, Wir haben Tauwetter und teilweise Sonnenschein um die 4°C. Es sind bei einigen Völkern Bienen abgeflogen und es ist keine wiedergekommen. Beim schwächsten Segeberger waren es 6 Bienen in einer halben Stunde. Das Volk hat einen großen Futtervorrat und auch "Feuchtigkeit" in der Beute.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Wenn ich kranke Bienen sehe (Krabbler, Krüppel etc.) sehe ich sie IMMER NUR von den Beuten WEGLAUFEN, NIEMALS umgekehrt.


    Noch nie habe ich gesehen, wie eine angeschlagene Biene versucht hat, ins Flugloch zurückzukehren. Selbst als ich in der in der Anfangszeit meiner Imkerkarreiere noch naiveerweise in falsch Verstandenem Mitleid versucht habe, solche Bienen ans Flugloch zu setzen, sind sie sehr rasch wieder rausgekommen.


    Es scheint also schon einen Trend zu geben, dass Bienen, die merken, dass was mit ihnen nicht stimmt, eine gewisse Unruhe entwickeln und den Drang haben, von der Beute wegzulaufen. Höchstwahrscheinlich ist dieses Verhalten im Laufe der Evolution als positiv für das Überleben herausselektiert worden und längst eine genetisch manifestierte Eigenschaft.


    Und dann ist noch die immer wieder erwähnte Tatsache, dass Bienen im Winter auch bei -10°C, Schneedecke und sonnigem Wetter öfter mal aus der Beute rausfliegen.


    Ich persönlich glaube, dass dies zwei Ursachen hat: Erstens, kranke Bienen. Zweitens aber auch Bienen, die eigentlich ok sind, aber durch die extreme Helligkeit halt doch "wach" werden und mal rauschauen wollen.


    Bitte bedenkt: Normalerweise nisten Bienen möglichst hoch oben in Baumhöhlen, also auch vor allem im Wald (vgl. dazu auch Seely)
    Sie sind NICHT angepasst ans Leben direkt über dem Erdboden.
    Oben und im Wald ist es aber viel dunkler. Sie würden dort selten zur Unzeit hervorgelockt werden.


    Daher ist die Helligkeit sicherlich auch ein Faktor, der Bienen rauslockt, die normalerweise drin geblieben wären.
    Insofern könnte die immer wieder propagierte Verschattung der Fluglöcher durchaus helfen, die Verluste zu minimieren, die nur durch die imkerliche Gewohnheit zustande kommen, die Beuten auf den Boden zu stellen statt oben in die Bäume zu hängen.


    Andererseits könnte sie aber auch dafür sorgen, dass kranke Bienen schneller unruhig werden und schneller die Beute verlassen und so einen schnelleren "Selbstreinigungseffekt" bewirken.


    Gruß
    hornet

  • ich hatte vor drei Jahren mal welche in der Garage, bei Temperaturen knapp unter 0 Grad. Da war es zwar nicht absolut dunkel, aber bei mir in der Garage scheint auch keine Sonne. Trotzdem sind da welche rausgekommen.


    Viele Grüße aus Oberbayern


    Philipp

  • die Bienen fliegen auch bei absoluter Dunkelheit zum Sterben aus dem Stock. Da ich Völker in einem Kühlraum bei +1*C überwintere kann ich dies sicher behaupten.


    Das kannst Du leider nicht. Du kannst vielleicht sicher behaupten, dass sie ausfliegen, aber nicht, dass sie zum Sterben ausfliegen. Hast Du eventuell sogar nur die toten Bienen gesehen, ohne Flugbetrieb? Bei 1° dürfte auch fast jeder kurze, neugierige Erkundungsflug recht schnell zum Tod einer einzelnen Biene führen.
    Wobei, Flugbetrieb bei absoluter Dunkelheit (wie hast Du das beobachtet?) könnte eventuell ein Hinweis zur Bestätigung der Todesflüge sein.
    Wie orientieren sich die Bienen außerhalb der Beute, bei absoluter Dunkelheit? Wie finden sie zurück in die Beute, wenn sie es denn wollten?

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Hallo Berggeist,
    @Bg.

    Zitat

    Wie orientieren sich die Bienen außerhalb der Beute, bei absoluter Dunkelheit? Wie finden sie zurück in die Beute, wenn sie es denn wollten??


    Nach meinem Wissensstand, gibt es einen Stockgeruch.


    Gruß Jürgen

  • Moin ,


    der Stockgeruch spieilt nmM in diesem Zusammenhang keine Rolle mehr . Die Biene , die bei Minusgraden den Stock verläßt " merkt " , sie macht den letzten Dienst für das Volk , nämlich die " Selbstreinigung ".

  • Überschlag halt einfach, wie viele Bienen pro Saison und Stock sterben:
    Volksstärke ca. 30.000, 3 volle Generationen Sammlerinnen, ca. 100.000 tote Bienen pro Volk pro Saison.
    Wenn mehr als nur ein absolut verschwindend geringer Anteil davon vor Deinen Stöcken herumliegt, fliegen sie wohl wirklich systematisch weg, wenn es ihnen schlecht geht.
    Ist auch evolutionsbiologisch gut denkbar, ein dermassen großer Haufen toter Insekten unter dem Baum vor dem Stock lockt Nagetiere und Vögel an.