Biozertifizierung

  • Hallo zusammen!


    Vielleicht kann mir jemand ein paar Tipps zum Thema Biozertifizierung geben. (Habe dazu nichts im Forum gefunden)


    Es gibt ja eine erhebliche Anzahl an Verbänden welche eine Zertifizierung anbieten z.B. Bioland, Biokreis etc. Neben einigen Unterschieden bei den Regeln stellt sich mir die Frage, welcher Verband zu empfehlen ist und warum? Kann mir dazu noch jemand die ungefähren Kosten einer Zertifizierung sagen?


    Zu guter Letzt: Im Prinzip imkere ich jetzt schon nach den üblichen Regeln der Bioimkerei d.h. Bio-Mittelwände, Beutenanstrich etc. Kann eine Zertifizierung dann sofort erfolgen oder muss das Umstellungsjahr eingehalten werden?


    Vielen Dank im Voraus!


    Beste Grüße
    Tobias

  • Hallo


    Umstellungsjahr ist Pflicht.
    Ansonten sind eigentlich die großen drei Bioland, Naturland und Demter wo man hin will.
    Es geht ja um Honigvermarktung.

    (Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt wissen, was Frieden heißt) Jimi Hendrix


  • Hallo Tobias,


    Du musst unterscheiden zwischen dem Verband und der Zertifizierung.
    Der Verband macht keine Zertifizierung. Die Zertifizierung machen die Kontrollstellen.
    Für das "BIO"-Zeichen brauchst Du nur die Prüfung durch eine von Dir gewählte Kontrollstelle.


    Zusätzlich kannst Du in dem von Dir gewählten Verband Mitglied werden und unterwirfst Dich damit dessen i. d. R. strengeren Regeln.
    Damit darfst Du zusätzlich zum "BIO"-Siegel dann auch noch bspw. das "Bioland"-Zeichen auf Dein Etikett drucken.


    Falls Du nicht alles von Anfang an nachweisbar in "BIO" angeschafft und Deine Betriebsweise entsprechend den Richtlinien geführt hast, kommst Du um das Umstellungsjahr nicht herum. Das Umstellungsjahr dauert exakt 1 Jahr. Das heisst der Antrags-Zeitpunkt sollte passend zum Hauptvermarktungs-Beginn gewählt werden.


    Die Kosten hängen bei der Prüfstelle im wesentlichen davon ab, ob Du nur Ur-Produktion oder auch verarbeitete Produkte produzierst und vermarktest. Bei den Verbänden gibt es recht komplexe Regelwerke, auch abhängig von Tierart und Produkten.


    Letztes Jahr ergaben unsere Recherchen, dass die reine "BIO"-Zertifizierung im 1. Jahr ca. 1000 EUR und in den Folgejahren ca. 500 EUR bei den von uns in die engere Wahl gezogenen Kontrollstellen betragen kann, natürlich vorausgesetzt, dass Deine Unterlagen entsprechend den Vorgaben vorbereitet sind und keine Nachprüfungen erforderlich sind.


    Es empfiehlt sich die Liste der ÖKO-Prüfstellen abzuarbeiten und konkrete Angebote einzuholen.
    Nach den Erfahrungen unseres Paten sind die meisten am Telefon recht freundlich und hilfsbereit gewesen.


    Über die Verbände sollten hier Mitglieder Auskunft geben können, da wir in einer zusätzlichen Mitgliedschaft in einem Verband in Bezug auf die Imkerei keinen Mehrwert sehen.


    Viel Glück


    Petra

    - Ich benutze die Suchfunktion, bevor ich ein neues Thema eröffne! -

  • Die Kombination guter Ruf + guter Verkaufspreis kann sinnvoller sein als ein teures Siegel, kommt darauf an, ob du mehr Stammkunden oder eher Laufkundschaft hast, die einem Siegel mehr traut als dir bzw. ob du überhaupt selbst verkaust.
    Wir kaufen zum Beispiel am liebsten Rindfleisch bei einem Bauern, von dem wir wissen, das er Robustrinder ohne irgend etwas dazu zu füttern (solange keine geschlossene Schneedecke liegt) in einem Naturschutzgebiet hält, kein Bio Siegel hat, aber vernünftige Preise...

  • Wie viele Bienenvölker hast Du denn? Bei der Imkerschule wurde gesagt, dass eine Biozertfizierung erst ab 30 Völker wirklich lohnt


    Das kann man so nicht sagen.
    Meine Beispielrechnung:
    pauschale Zertifierzierungskosten für den Betrieb: 250 EUR
    +4 EUR pro Volk bei 8 Völkern: 28 EUR
    Summe: 282 EUR
    zzgl. Mwst = 335,58 EUR.
    + Mehrkosten für Biofutter: ca. 0,80 EUR pro kg
    = ca. 120 Euro für 8 Völker
    Gesamtkosten = 455 EUR


    Ich habe von den 8 Völkern letztes Jahr 560 kg Honig geerntet
    Macht Mehrkosten von 81 Cent pro Kilo Honig.


    Die Fragen ist also einzig, ob ich diese Mehrkosten durch höhere Preise ausgleichen kann.
    Da habe ich kein Problem.



    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)


  • Falls Du nicht alles von Anfang an nachweisbar in "BIO" angeschafft und Deine Betriebsweise entsprechend den Richtlinien geführt hast, kommst Du um das Umstellungsjahr nicht herum. Das Umstellungsjahr dauert exakt 1 Jahr. Das heisst der Antrags-Zeitpunkt sollte passend zum Hauptvermarktungs-Beginn gewählt werden.


    Die Umstellung geht m.E. nur bezogen auf das Kalenderjahr.
    Macht ja auch Sinn. Man muss im Vorjahr schon mit Biofutter eingefüttert haben und das Wachs muss komplett ausgetauscht worden sein.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Die Frage ist auch, könntest du die höheren Preise auch so bekommen? Du gehst ja davon aus, das es allen deinen (1120) Kunden eh nichts ausmacht 40 Cent pro Glas mehr als gewohnt auszugeben...

  • Hallöchen zusammen,


    ich denke, daß so eine Biozertifizierung, zumindest in unserer Gegend, rein aus finanziellen Gründen Unsinn ist. Die Kosten belaufen sich bei mit auf etwa 600€ für Biolandmitgliedschaft und ABCert-Kontrolle, plus die ca. +0,80€ für Biozucker. Das ergibt bei mir auch knapp 1€ Mehrkosten pro 1 kg Honig.


    Jede jeder gute Vermarkter holt da mit etwas Feintuning mit konventionellem Honig mehr raus...


    Meine Motivation/Gründe pro Biolandzertifizierung sind vor allem:
    - bessere Absatz"märkte" -> Bioläden und die Bioland-Warenbörse
    - Rest-Idealismus


    Über solche oft gehörten Aussagen "...arbeite eh schon nach Bio-Maßstäben, nehme nur keinen Biozucker..." kann ich nur noch müde lächeln.


    Gruß Jörg



    Ich kann meine Biolandzertifizierung

  • Hallo zusammen!


    Vielleicht kann mir jemand ein paar Tipps zum Thema Biozertifizierung geben. (Habe dazu nichts im Forum gefunden)


    a) Du mußt keinem Verband angehören/beitreten, wenn Du auf Bio umstellen willst. Es reicht auch EU-Bio > egal was man davon hält. Die Regeln sind etwas weniger 'streng' z.B. keine Wachsproben. Dafür muß Du auch keine Gebühr für das Verbandslogo bezahlen.


    b) was Du aber machen mußt, dass Du Dich erkundigst bei den Kontroll-Stellen oder auch bei den Bio-Verbänden welche die Kontrollen für die Verbände machen, was Dich das kostet/Du machen mußt, um Deine Imkerei als Bio umzustellen/anerkennen zu lassen.


    c) egal welches von beiden zu machen möchtest, Du bekommst dann eine Kontroll-Nummer die auf allen Deinen Etiketten stehen muß - wenn Du Deinen Honig mit Bio bewirbst.


    e) in Bayern kannst Du hier Dich anmelden /Antrag stellen auf Unterstützung
    http://www.lfl.bayern.de/foerderprogramme/031843/index.php


    d) den Mehrpreis holst Du (München) auf jeden Fall wieder durch den Verkauf rein. Ein Beispiel: wir verkaufen (Allgäu) unseren Honig an Wiederverkaufer zu einem Preis von 7,xx Euro/500g
    Ich kann nicht so viel Honig erzeugen wie ich verkaufen könnte. Unsere Honigerträge pro Volk schwanken zwischen 5 - 25 kg, also keine Vergleich Erträgen in den Acker-Anbaugebieten bis 60-100 kg/Volk. Wir bleiben mit unseren Bienen in der Region und bewerben das explizit mit z.B. 'Allgäuer Honig', was auch mit dem Kauf 'belohnt' wird.


    f) egal wie Du Dich auch entscheidest /nur EU-Bio oder Verbanbs-Bio, das Wesentliche ist, dass Du mit Deiner Umstellung auf Bio genau diese Idee und den Kreislauf der Bio-Betriebe 'unterstützt'. Selbstverständlich kannst Du auch Bio nach eigenem Gutdünken betreiben ohne irgendwie angeschlossen zu sein. Letztendlich scheitern viele Umsteller an der Frage, ob sie auch den Schritt zum Bio-Zuckereinkauf mitmachen.


    Ich würde mich freuen, wenn wieder jemand 'mit macht'.


    Und ein Rat noch nebenbei.
    Im Wiederverkäufer-Segment: Setzte Dich optisch mit Deinem Etikett ganz klar und deutlich von Deinen Mitanbietern ab.
    Wenn Du das nicht machst, ist Dein Honig 'einer unter vielen'.


    Anderseits besteht auch die Möglichkeit Deinen Honig an Bio-Honigaufkäufer zu verkaufen.
    Derzeit sind die Preis dort bei 6,50 plus XX Euro/kg/Eimerweise


    Jonas