Was passiert, wenn es kalt wird?

  • Liebe Forums-Weise,


    was passiert denn nun genau, wenn es (plötzlich) kalt wird? In den diversen Büchern heißt es immer nur lapidar, dass die Bienen nach den ersten Frosttagen das Brutgeschäft einstellen und sich in eine Wintertraube zusammenziehen.


    Heißt das, dass die Königin einfach aufhört, Eier zu legen? Hört die Königin selbsttätig damit auf oder wird sie wie bei der Schwarmvorbereitung weniger gefüttert? Werden die schon gelegten Eier fertig gepflegt? Oder werden die Eier und auch schon größere Maden ausgefressen, wenn es plötzlich kalt wird? Was ist mit der verdeckelten Brut? Wann wird die möglicherweise ausgeräumt, wann weiter bebrütet?


    Haben die Bienen ein "Bedürfnis" nach einer Brutpause oder legen sie diese nur ein, wenn es zu dunkel und kalt wird und sie damit zu einer Pause genötigt werden, weil Durchbrüten einfach nicht möglich ist?


    Viele Fragen von Kikibee
    Danke für Aufklärung!

    With lots of room for improvement.

  • Ich bin zwar kein Institut, würde aber , wenn mich jemand fragt, nach Bestem Gewissen so antworten ( für Richtigkeit garantiere ich nicht):



    1: was passiert denn nun genau, wenn es (plötzlich) kalt wird?
    In den diversen Büchern heißt es immer nur lapidar, dass die Bienen nach den ersten Frosttagen das Brutgeschäft einstellen und sich in eine Wintertraube zusammenziehen.


    Das ist soweit ja auch richtig






    2: Heißt das, dass die Königin einfach aufhört, Eier zu legen?


    Ja, sie legt, je kälter es wird, immer weniger.
    Dies hängt wohl auch damit zusammen, dass die Bienen, je kälter es wird, immer mehr zusammen rücken
    und somit keine großen Flächen mehr besetzten udn somit auch keine großen Flächen mehr bebrütet und gepflegt werden (können)




    3: Hört die Königin selbsttätig damit auf oder wird sie wie bei der Schwarmvorbereitung weniger gefüttert?


    Die Königin stellt das Eierlegen ein und somit die Eiproduktion, was sie in erster Linie schlanker werden lässt.
    Dies wohl im Zusammenhang der noch gepflegten vorhandenen Fläche.
    Sie merkt, dass diese immer kleiner wird.
    Kleinere Fläche: weniger Eier werden gelegt und produziert
    Ob das Füttern vor dem Schwärmen eingestellt wird, weiß ich nicht und habe das auch so noch nicht gelesen.
    Die Königin wird im Winter genau so weiter versorgt, wie im Sommer




    4: Werden die schon gelegten Eier fertig gepflegt? Oder werden die Eier und auch schon größere Maden ausgefressen, wenn es plötzlich kalt wird?
    Was ist mit der verdeckelten Brut? Wann wird die möglicherweise ausgeräumt, wann weiter bebrütet?




    Wenn es "plötzlich" kalt wird und noch vorhandene Brut da ist, werden die Bienen versuchen, diese zuende zu pflegen.
    Geht dies nicht, verkühlt diese Brut ( kann man auch oft im Frühling bei zu früh erstellten Ablegern sehen)
    Diese wird später ausgeräumt. Man findet auch ab und an ausgeräumte Eier auf dem Boden.
    In manchen Fällen bleiben aber auch die Bienen auf der Brut sitzen und reißen so vom Futter ab. das bedeutet das Ende vom Volk.



    5: Haben die Bienen ein "Bedürfnis" nach einer Brutpause oder legen sie diese nur ein, wenn es zu dunkel und kalt wird und sie damit zu einer Pause genötigt werden, weil Durchbrüten einfach nicht möglich ist?


    das weiß ich leider gar nicht

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • - da geht erst einmal die Temperatur runter .
    Die Bienen haben eine perfekte Strategie , mit Temperaturschwankungen zurecht zu kommen . Man könnte auch sagen , das sie das schon ein Weilchen geübt haben.


    Gruß hannes

  • Es sind ja wahrscheinlich mehrere Faktoren: Temperatur und Witterung außen, Temperatur im Stock, die Tageslänge und in Abhängigkeit davon Nektar- und Wasserverfügbarkeit bzw. -eintrag. Wird es draußen kälter rücken die Bienen zusammen um die notwendige Temperatur wenigstens auf kleineren Bereichen zu halten. Zugleich fliegen weniger Bienen aus, es kommt kein frischer Nektar und Pollen im Stock an, das wenige Eingetragene wird wahrscheinlich auch nicht besonders stürmisch abgenommen, was die weitere Sammelleidenschaft zusätzlich zum ungünstiger werdenden Flugwetter dämpft. In Folge wird die zum Bestiften vorbereitete und ausreichend warme Brutfläche immer kleiner.
    Wird es wieder wärmer, dann weitet sich die Traube aus und mit ihr die Brutfläche, da wieder mehr Zellen geputzt und vorbereitet werden. Der steigende Wasserbedarf lässt schließlich die ersten Sammlerinnen wieder ausfliegen - sofern das Wetter passt. Einmal angelegte und verdeckelte Brutflächen werden weiter gewärmt, auch wenn die Temperaturen wieder sinken sollten. Im Ernstfall reißen sie dann vom Futter ab, weil sie auf der Brut bleiben und die Traube nicht mehr an das Futter heranreicht.


    Das wären jetzt so meine spontanen Gedanken dazu...


    Viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Hallo Kikibee,
    das Verhalten ist nicht bei allen Völkern gleich. Es gibt Völker, die brüten das ganze Jahr durch. Manche Erkenntnis aus Büchern stammt aus der Zeit, als man im Winter nicht die Völker öffnete. Nach der Brutnestemperatur hat unser Vereinsvolk den letzten Winter durchgebrütet. Die Altvorderen haben auch erzählt, dass es eine Sommerbrutpause gab. In den USA gibt es diese zumindest an der Ostküste. Es wird hier wohl auch mit der Temperatur zusammenhängen. Sie nehmen dann die erste verdeckelte Brutwabe raus, das war dann die Varroabehandlung. Als wir noch anderer Bienen hatten kam es vor, dass wenn sie bei Kälteeinbruch die abgestorbenen Brut ausgebissen und entsorgt haben. Es ist also alles möglich.


    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Wärmephasen im Winter werden von den Bienen genutzt um Futter in Brutnestnähe umzutragen. Dadurch wird die Königin auch angeregt Eier zu legen, wenn im Brutnest die Temperatur auf 35°C steigt, sind große Völker in der Lage diese Temperatur zu halten, brüten sie durch. Bei Kälteeinbruch zieht sich ein Volk in die Winterkugel zusammen, bei einem Durchmesser von 25-30 cm ist es dem Volk nur möglich auf der Zentralwabe ein kleines Brutnest zu halten. Eier und Jungbrut werden meisten ausgefressen und die Königin stellt automatisch das legen ein. Brut im Winter ist eigentlich unnormal, ist aber dem Wetter geschuldet, einfach erklärt.


    In Einer normalen Winterkugel sind die leeren Zellen in der Brutnestmitte mit Jungbienen belegt, deshalb sind auch bei tiefen Minustemperaturen, die Winterkugeln am kleinsten. Die Außentemperatur beträgt etwa 10°C und die Innentemperatur ohne Brut etwa 25°C, da sitzt auch die Königin.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Schau' dir mal die Temperatur-Daten bei http://hobos.de an, recht aufschlussreich und es zeigt auch schön - vor allem die Temperaturdaten im Frühjahr - dass es nicht immer so s/w wie im Lehrbuch ist. Alles mit etwas Vorsicht zu interpretieren, da man nicht genau weiß wo tatsächlich das Volk in Relation zu den Sensoren ist.

  • Ein schöner Link, danke.
     
    Die 6. Wabengasse kann man als Außenbereich der Winterkugel rechnen, das zeigen auch die Temperaturen von etwa 10°C. Der Temperaturanstieg in der Mitte, ist meiner Meinung nach auf den Brutbeginn zurück zu führen, der zur Zeit in unseren Breiten Ende Januar und Mitte Februar beginnt.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)