• Hallo,


    ich habe gerade meinen letzten Eimer zum Verkauf stehenden Honig abgefüllt! Der Rest ist nur noch für den Eigenbedarf da!
    Es war meine 4.Saison und meine beste Ernte und das, obwohl wegen der Trockenheit die diesjährige Lindenblüte fast komplett ausgefallen ist.


    Im durchschnitt brachten meine 6 ungeschwärmten Wirtschaftsvölker dieses Jahr 25kg. In den Jahren davor lag ich unter 20kg und die meiste Tracht hatte ich da von den Linden:daumen:. Lecker!
    Stuttgart hat sehr viele Grünflächen und Gärten. Meine Bienen stehen nicht in der Innenstadt sondern an einem großen Park und vielen Gärten nebenan, da blüht es wirklich von Frühling bis jetzt! Sie bringen immer noch Pollen!
    Ich finde 25kg super, denn schließlich haben wir keinen Raps!


    Nun habe ich aber gelesen, dass in der Stadt bedeutend höhere Erträge möglich wären, bis zu 40kg!?
    Kann das sein oder ist das eines der vielen Imkermärchen, die man sich so erzählt?



    Hallo ihr Stadtimker, wie sieht das bei euch aus? Wahrheit oder Lüge?
    Wieviel erntet ihr so?


    Susanna


    P.S.: nächstes Jahr habe ich mehr Völker und dann kann ich hoffentlich meine Kunden länger beliefern!

    Ein freundliches Wort ist wie Honig: angenehm im Geschmack und gesund für den Körper (Sprüche 16,24)

  • Hallo Susanna,


    ich bin zwar nicht direkt in der Stadt, aber zwei meiner 6 Wirtschaftsvölker in diesem Jahr standen direkt in einem Dorf mit 6.000 Einwohner. War auch meine beste Ernte und ich kann deine Erträge sowie die "Imkermärchen" bestätigen. Ich habe mehr als 40 kg im Schnitt geerntet - auch in der Stadt. Wie bei dir ohne Linde. Im Verein haben die meisten die von dir genannten Eträge zwischen 20 und 25 Kilogramm. Ich bin jetzt nicht der beste Imker der Welt, weshalb ich so viel mehr Ertrag habe als die Kollegen im Verein. Der Unterschied liegt meines Erachtens in der Betriebsweise. Die meisten im Verein imkern in der Zweiraumbetriebsweise (also z. B. wie Liebig), bei der halt recht viel Honig im Brutraum verbleibt. Da kommen locker 10 Kilo zusammen, die du einfach nicht ernten kannst. Vorteil ist aber, dass du weniger einfüttern musst. Eine bekannte z. B. hat bei der gleichen Völkerzahl wie ich rund die hälfte an Futter eingefüttert.


    Also der Unterschied zu denen im Verein liegt:


    1. Betriebsweise: Ich Einraum (Dadant), die anderen zweiraum (DN / Zander)
    2. Biene: Ich Buckfast, die Carnica.


    Ich würde das Hauptaugenmerk jedoch auf die Betriebsweise, weniger auf der Biene legen. Eventuell versuchst du mal Zander mit nur einem Brutraum oder Zadant / Zander 1,5.


    Schönen Gruß


    Frank

  • Hallo Frank,


    das mit der Betriebsweise wäre eine Möglichkeit, da ich noch auf Zander 2-zargig imkere. Die lagern wirklich viel im Brutraum!
    Meine Bienen sind übrigens die buntgemischte Stadtrasse, mal mit mehr oder weniger gelb, aber sehr friedlich!


    Nächstes Jahr habe ich tatsächlich vor mit Zander 1,5(die Völker sind gemacht und ich muss sie nur noch über den Winter bringen) und auch einräumig zu imkern.
    Der Grund dafür liegt aber am Gewicht der Zargen und Honigräume und der anderen Betriebweise.
    Dann bin ich da mal auf den Ertrag gespannt.


    Susanna

    Ein freundliches Wort ist wie Honig: angenehm im Geschmack und gesund für den Körper (Sprüche 16,24)

  • Hallo,
    Nun habe ich aber gelesen, dass in der Stadt bedeutend höhere Erträge möglich wären, bis zu 40kg!?


    bis zu...
    Ich hatte vorvoriges Jahr auch schon mal ein Volk, das am Berliner Stadtrand mit einer ganz normalen Landbiene (Carnica) auf 3 Zargen DNM ca.60 Kg Ernte gebracht hat, aber ein Durchschnitt von 25 Kg ist auch schon ganz gut. Den hab ich auch etwa, weil sie mir leider oft schwärmen... Es hängt auch sehr von der Umgebung ab, vom Wetter und noch vielen weiteren Faktoren. Wenn die Völker wirklich nicht geschwärmt sind hast du wahrscheinlich nur zwei mal geerntet und schon im Juli eingewintert? Bei uns lohnt es sich bis Mitte August zu warten und noch eine schöne Spättracht rauszuholen, also im Idealfall 3x ca.20Kg im Jahr.


  • Hallo ihr Stadtimker, wie sieht das bei euch aus? Wahrheit oder Lüge?
    Wieviel erntet ihr so?


    Als ein erfahrener Imker mal in meinem Ex-Verein erzählt hat, dass sein Waagevolk die 100 kg in damaligen Jahr nicht knacken wird, habe ich auch gedacht, dass der Typ maßlos übertreibt, bis ich selber 2013 80 kg pro Volk im Durchschnitt ohne Wanderung geerntet habe.
    Wohl gemerkt, haben in diesem Jahr einige Völker von einer bestimmten Carnica-Linie bei mir die Waldtracht (aus verlausten Linden!) gar nicht mitbekommen und daher bei der letzten 4. Schleuderung nichts gebracht,. Auch einige Völker haben geschwärmt, da ich die Schwarmkontrolle für kurze Zeit wegen des damaligen Hochwassers nicht durchführen konnte, d.h. einige Völker haben viel weniger als der Durchschnitt gebracht und andere, um das auszugleichen, haben bestimmt über 100 kg am Stadtrand und ganz ohne Wanderung gebracht.


    2013 war eine Rekordernte und so ein Jahr kommt bestimmt nicht oft wieder, da haben einfach viele Bedingungen gestimmt. Im anderen Jahr, als ich noch in der Stadt geimkert habe, konnte ich 32 kg im Durchschnitt ernten. Die 40 kg Erträge müssen also keine Lüge sein, man braucht nur gute Plätze (Parks, Friedhöfen, Alleen mit viel Ahorn, Robinien, Linden) und natürlich auch vernünftige Völker und Betriebsweise. In meinem ersten Imkerjahr in der Stadt haben wir Jungimker die Ernte geteilt und jeder bekam im Durchschnitt 17 kg. Diese Ernte zähle ich aber nicht :wink:


    Aufm Land dagegen im Naturschutzgebiet (also ohne viel Raps) lagen meine letzten beiden Ernten unter 35 kg, der Wald hat aber in beiden Jahren nicht viel gebracht. Vielleicht ändert sich das, wenn der Wald endlich mal wieder honigt.


    LG Salsero

    imkere als Hobby seit 2011 mit Dadant

  • Nun ja, auch die Stadtbienen machen den Honig aus Nektar und Honigtau. Und für gute Erträge braucht man Massentrachten. Also lautet die Frage ganz einfach: Welche sind das?
    Da sind lokale Besonderheiten ausschlaggebender als der Unterschied Stadt/Land
    Die Stadtbienen dürften es vor allem bei der Pollenversorgung besser haben.
    Was in der Stadt zudem fehlt ist der Raps.


    40 kg im Durchschnitt sind an guten Standorten nichts Außergewöhnliches.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Was in der Stadt fehlt ist zudem der Raps.

    Viele Obstbäume aus den Schrebergärten mit unterschiedlichen Sorten, und daher Blütezeit über längeren Zeitraum und viele Ahorn(sorten) und Robinie lassen kaum jemand den Raps vermissen :)

    imkere als Hobby seit 2011 mit Dadant

  • Vermissen würde ich den Raps auch nicht. Aber er bringt halt Masse.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo,


    ich stimme allen obigen Beiträgen zu. Beachtet aber, dass die Ernten örtlich verschieden ausfallen können. 2013 war bei mir das schlechteste Jahr ich je hatte. Davor 2012 war genau so schlecht so dass meine Honigvorräte bis gegen Null fielen. Dafür war dieses Jahr 2015, was überwiegend als schlecht beschrieben wird bei uns ein gutes Jahr.
    "Hier" und "bei uns" sind jetzt nicht so wichtig wo das ist, es sind halt die verschiedenen Landschaften mit ihrem Wetter für die Ernte maßgeblich und machen ein Vergleichen von Alpen und Ruhrpott unmöglich.


    Brummerchen

  • Zitat

    Im durchschnitt brachten meine 6 ungeschwärmten Wirtschaftsvölker dieses Jahr 25 kg


    Zitat

    .. 80 kg pro Volk im Durchschnitt ...


    Zitat

    ... 40 kg im Durchschnitt ...


    Hier, wie auch in allerlei Gesprächen mit Imkerkollegen ist meist nicht klar, auf welcher Basis diese Durchschnittswerte beruhen. Ich selber erhebe meine Erträge auf der Grundlage der im September zuvor aufgefütterten Völker, von denen vielleicht nur 3/4 im folgenden Jahr Trachtvölker werden. Abgänge mag's schon im Oktober geben (abfegen, vereinigen) und auch im Frühjahr (abfegen, vereinigen, einfach verstorben), und zusätzlich für solche, die vermeintlich nicht Trachtstärke erreichen würden und daher zu Ablegern geteilt werden. Rechnet man diese ehrlicherweise ein, vermindert sich der Durchschnittsertrag der Trachtvölker um z.B. 25 %. Auf dieser Basis sind 40 kg bei Standimkerei im längerjährigen Mittel für mich ok.


    mfG
    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Ich bezweifele, dass meine AAA-Völker auch in der Stadt auf über 100 Kilo ohne Wandern gekommen wären. Und ich spare mir zudem noch die elendige Parkplatzsuche, kann die Zargen ohne Umweg über Lastenfahrstuhl & Hotel-Foyer direkt auf den Hänger laden. Aber zugegebener Maßen gerade wurden in diesem Jahr die teils erheblichen Trachtunterschiede auch in der direkten Umgebung recht deutlich.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Hier, wie auch in allerlei Gesprächen mit Imkerkollegen ist meist nicht klar, auf welcher Basis diese Durchschnittswerte beruhen. Ich selber erhebe meine Erträge auf der Grundlage der im September zuvor aufgefütterten Völker


    Ist schon lustig, wenn das so ist, scheint es viel komplizierter zu sein als ich dachte und die Werte noch weniger vergleichbar.
    Viele dieser Ansätze wie auch deinen kann ich gar nicht nachvollziehen, denn Ertrag machen doch nur die Völker, die auch da sind ODER abgeerntet werden.


    Für mich erscheint es daher wie bisher logischer, den Ertrag auf nur genau die Völker zu beziehen, die ich als Wirtschaftsvölker an den Start setze oder die im Laufe einer Saison noch zu solchen werden.


    Der Gesamtertrag wird also geteilt durch die Zahl der im Laufe der Saison als Wirtschaftsvölker eingestuften Völker, das ergibt dann den Durchschnittsertrag pro (Wirtschafts-)Volk bei mir.


    Ein Schwarm oder Ableger im Mai, der bei der letzten Ernte auch noch einen Honigraum abgeben muss, wäre so ein Fall von nachträglich mit in die Rechnung einbezogenen Völkern. Solche Schwärme/Ableger drücken dann natürlich den Durchschnittsertrag, da sie die frühen Ernten der Saison nicht "mitgemacht" haben. Aber dennoch bin ich bisher immer sehr zufrieden mit dem Wert, der heuer nach dieser Rechnung bei 40kg lag. Aber auch nur, weil ich die Melezitose zu spät erkannt und daher zu 2/3 nicht rausbekommen habe, sonst wären es nochmal ein paar mehr Kilo geworden.


    Aber diese Rechnereien und Vergleiche bringen alle nix, da es von so vielen Dingen abhängt und schon wenige Kilometer weiter alles ganz anders aussehen kann. Direkte Nachbarn hatten z.B. gar keine Melezitose, in Richtung Niederbayern haben welche gar nix geerntet heuer und viele meiner Kollegen in der Nähe hatten sowohl deutlich niedrigere als auch vergleichbare Werte wie ich. Sehr wahrscheinlich gab es auch ein paar mit noch höheren Erträgen. Die meisten haben aber behauptet, dass das Jahr 2015 hier eher schlecht gewesen sein soll. Für mich war es ein gutes Jahr. Also man sieht, selbst ein grober Trend einer Region ist oft nur schwer auszumachen bei solchen Vergleichen.


    Und wenn jetzt auch noch jeder anders rechnet, au weiha! :confused:


    Gruß
    hornet

  • Hallo Marcus,
    in der "Stadtimkerei" stehen die wenigsten Völker auf Dächern, da hast du ein falsches Bild durch die ganzen Fernsehberichte. Hotel-Dächer anwandern ist für dich natürlich auch keine Option, wozu auch bei der Ernte! Am Stadtrand in den Gärten stehen die meisten Völker und auf Friedhöfen oder anderen abgesperrten Flächen. 100 Kilo sind hier aber eher die Ausnahme und kein Durchschnitt, dafür ist der Honig aber auch sehr aromatisch und abwechslungsreich.

  • Zitat

    ... denn Ertrag machen doch nur die Völker, die auch da sind ODER abgeerntet werden.


    Das ist zweifellos wahr. Die, die nicht mehr da sind haben aber Kosten verursacht ...


    mfG
    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)