Frage an die Bucki-Imker

  • Hallo, ich habe dieses Jahr Bucki-Kös von einem regionalen Züchter mit gutem Ruf gekauft. Im Gespräch gab er mir den Tip, ich solle mal mutig sein, und 5 oder 10 seiner Kös in frische Völker setzten. Im Folgejahr sollte ich auf jegliche Schwarmkontrolle verzichten. Er sei sicher, dass maximal 20%Völker schwärmen würden aber trotzdem noch Ertrag bringen würden, da die neue Kö alle weiteren Schwarmzellen ausfrisst.
    Meine Frage, arbeitet jemand mit Buckis ohne Schwarmkontrolle?
    Bitte keine Rasse-Diskussion
    Gruss Olli

  • ...Meine Frage, arbeitet jemand mit Buckis ohne Schwarmkontrolle?...


    Nö.


    Was willst Du hören? Das Du ruhig mutig sein sollst? Meinetwegen ja. Er sind ja nicht meine Bienen, denen Du dann hinterherguckst, wenn sie abdüsen...


    Im Ernst: Sicher haben gute Buckfastherkünfte nicht den starken "Schwarmtrieb" anderer Herkünfte (ich schreibe extra nix von Rassen). Aber ob sie es nicht doch auch mal irgendwann probieren hängt natürlich von sehr vielen Parametern ab --> Betriebsweise.


    Gruß Jörg

  • Hallo Oli,
    auch Buckfastbienen haben Gott sei Dank einen Schwarmtrieb.
    Der Schwarmtrieb ist ein Fortpflanzungstrieb und somit ist es gar nicht möglich oder sogar gewünscht diesen Weg zu züchten.
    Der größte Unterschied zwischen Buckfast und anderen Herkünften ist, das der Schwarmtrieb auch für Anfänger relativ gut Handelbar ist. So müssen die Völker nicht durch Königinnenableger etc. geschwächt werden. Die Völker verfallen auch nicht in den Schwarmdusel und stellen die Arbeit ein.
    Ganz viel hängt mit der frühen Honigraumgabe etc. zusammen und auch die Wabenanordnung im Brutraum wirkt sich Schwarmdämpfend aus. So reichen mir da. 3-4 Schwarmkontrollen in einem Jahr ohne das mir Völker schwärmen.


    In der Wanderimkerei gibt es Profis, die tatsächlich keine Schwarmkontrolle machen und auch nur die propagierten 20% Schwarmabgänge haben. Jedoch sind dies absolute Profis in der Völkerfühurng, die dann während der Rapstracht die Volksstärken über die HR Steuern und auch noch andere Kniffe parat haben.
    So ist auch in dieser Konstellation das Flügelschneiden absolut notwendig, wenn du noch Spättrachthonig haben willst.
    Mein Tipp an dich, halte die Völker in einem Brutraum, Taste dich langsam ran, bekomme ein Gefühl für die Schwarmtendezen und Anzeichen und verringere von Jahr zu Jahr deine Schwarmkontrollen.
    Gleich am Anfang komplett darauf zu verzichten sorgt m.E. Nur für Frustration.


    Grüße,


    Max

  • ...Im Gespräch gab er mir den Tip, ich solle mal mutig sein, und 5 oder 10 seiner Kös in frische Völker setzten. Im Folgejahr sollte ich auf jegliche Schwarmkontrolle verzichten. Er sei sicher, dass maximal 20%Völker schwärmen würden...


    Kleine Rechnung:
    bei 5 Völkern sind 20 % die schwärmen genau max. ein einziger Schwarm
    bei 10 Völkern sind 20 % die schwärmen max. 2 Schwärme
    bei 30 Völkern sind 20 % die schwärmen max. 6 Schwärme
    bei 100 Völkern sind 20 % die schwärmen max. 20 Schwärme
    usw.


    Ich stelle da nur so diese Zahlen mal hin, um die in eine Relation zu bringen.


    Würden bei mir mehr als ein oder zwei Schwärme im Jahr rausgehen, dann hätte ich in der Völkerführung etwas falsch gemacht.
    Was nicht heißt, dass ich jeden Samstag da den gesamten Brutraum durchwühlen kann, damit man auch noch die allerletzte Schwarmzelle findet.
    Dafür habe ich gar keine Zeit und auch keine Lust. Ich merke immer mehr, dass man gezielt eingreifen muss an bestimmten von der Natur und der Umwelt vorgegebenen Zeitpunkten.


    Unmittelbar vor der Kirsche wird der Drohnenrahmen und der erste HR nur mit ausgebauten Waben gegeben.


    In der Kirsche selbst hole ich dann nach ca. 14 Tagen (JE NACH WETTER) z.B. alle Pollenwaben rigoros raus und gebe die ersten MW in den BR und einen weiteren ausgebauten HR.


    Wenn der Kirschhonig geerntet ist, gibt es wieder eine Durchsicht (Raps) mit Entnahme der Pollenwaben und gebe dafür MW. Und jedes Volk erhält gleich wieder auf jeden Fall einen ausgebauten HR und schon den ersten HR mit 2/3 ausgebauten HW und 1/3 MW. Sitzen die Bienen dann da oben drin und bauen dir diesen 2 HR aus, dann gebe ich den dritten HR komplett in MW und setze diesen unter, den vollen 1. HR gebe ich nach oben. Eventuell auch schon über die Bienenflucht. Dann erhält das Volk aber auch gleich einen dritten HR.


    Durchsichten des BR gibt es danach nicht mehr. Ich schau nur noch nach und ziehe eine Brutwabe, ob da Stifte drauf sind oder nicht. Sind keine drauf wird ausselektiert und das Volk geht nicht mehr in die nächste Tracht. Was dann noch irgendwie schwärmen will, das soll ruhig schwärmen, macht es aber normalerweise nicht mehr, wenn du die Mädels bei Laune hältst und immer versuchst diese nette Kappe über dem BR zu durchbrechen. Buckfastmädels sind dann sehr fleißig und kriegen keinen Schwarmdusel und schwärmen auch nicht mehr.


    20 % Schwärme hatte ich die letzten 8 Jahre noch nie. Vielleicht 5 %?


    Ich muss mal wieder rechnen:


    bei 5 Völkern sind 5 % nicht wahrnehmbar
    erst ab 20 Völkern sind 5 % die schwärmen der erste mögliche Schwarm
    bei 40 Völkern sind 5 % die schwärmen max. 2 Schwärme
    bei 100 Völkern sind 5 % die schwärmen max. 5 Schwärme
    usw.


    Mehr als einen Schwarm im Jahr hatte ich die letzten 5 Jahre eigentlich nie.
    Oder habe ich diesen nur übersehen? :lol:


    2015 hatte ich sicher überhaupt keinen eigenen Schwarm.
    Einen fremden weisellosen Nachschwarm habe ich bei einem Freund aus dem Garten geholt.
    Freundschaftsdienst! :liebe002:


    Wieso ich das so mit Bestimmtheit sagen kann?
    Alle Königinnen sind mit Rückennummer gezeichnet und es war nach dieser Imkersaison nicht eine neue Königin im Volk. Alles an Bord...


    Diese Aussage mit max. 20 %, die Schwärmen bei Buckfast sage ich mal: Ja! Sie ist aber auch mit "ja aber" zu betrachten:


    1. ja aber was ist, wenn ich nicht ausreichend Platz oder MW zum bauen gebe?
    2. ja aber was ist, wenn der Imker jede Woche 2 x das Brutnest durchwühlt, weil er unbedingt die Königin SEHEN will, nur Eier reichen ja oft nicht...
    3. ja aber was ist, wenn ich kein gut durchgezüchtetes Buckfastmaterial von glaubwürdigen Züchtern habe?
    ...


    Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. :wink:


    Pauschal kann ich nicht zustimmen, weil ich nicht weiß, Olli, was du als Imker so alles auf dem Kasten hast...


    Buckfast ist keine Wunderbiene, den Zahn muss ich dir ziehen und da wird viel Unfug erzählt. Ich sage es mal so:Wenn du Buckfast richtig führst, dann machen sie dir sehr viel Freude und noch mehr Honig, wenn du gute Trachtverhältnisse hast. Haushälterisch mit Läppertrachten ist nicht das Ding der Buckfast. Da ist Carnika weit besser!


    Hast Du keine Tracht und kannst Du nicht imkern (???), dann ist es egal welche Bienenrasse du hältst. Das gilt im übrigen auch im Umkehrschluss für andere Bienenrassen: Kannst Du imkern, dann kannst Du es auch mit Nigra, Carnika, Ligustika oder eben mit Buckfast.


    Oder eben auch nicht! :u_idea_bulb02:


    Ach ja, noch was: Die Rückwärtsrechnung, wie viele Völker ich jetzt habe und wie viele % das dann wirklich sind die spare ich mir. :cool:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Da kann ich auch nur danke sagen, ein schöner Bericht von Luffi, das ist nicht nur für Anfänger. Ich kann da auch einiges in meine Betriebsweise einbauen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Noch mal die Frage: Warum ausgebaute Waben im 1. und 2. Honigraum zur Kirschblüte? Die meisten empfehlen (einen Teil) Mittelwände, damit die Bienen im Honigrum bauen. Warum machst Du (Luffi) das nicht?

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Hallo Berggeist


    Ich bin zwar nicht Luffi, aber ich mache das auch so und zwar deshalb weil zum Zeitpunkt, wenn man den ersten HR draufsetzt, oft noch nicht genug Jungbienen vorhanden sind. Eine MW ist aber bei mir oft drin.
    Der 2.Grund ist das die erste Tracht besser ausgenutz wird, so meine Meinung. Der Ausbau von MW kostet dem Bien Energie, die beim Honigsammeln verloren geht, im zeitigen Frühjahr.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Warum keine MW aufsetzen so früh?


    Das hat was mit dem zu tun, was der Reinhard schrieb. Es fehlen oft die Jungbienen und die Durchlenzung ist noch nicht ganz durch. MW gebe ich aber in den BR. Hatte ich auch so schon geschrieben. Das sind je nach Anzahl der Pollenwaben/Futterwaben bis zu 3 x Zander MW. Und auch bei der Trachtnutzung liegt der Reinhard richtig. Es ist mir weniger deswegen weil ich Honig verliere sondern viel mehr das Problem, dass es bei starken Völkern in der Kirsche zumeist die Altbienen/Winterbienen sind, die den Kirschhonig holen. Und die bauen nicht mehr so gut, bringen aber ordentlich Nektar rein und dann kommt es wieder zur Einengung des Brutnest durch zu viel Nektar drin.


    Und was ist die Folge?


    Richtig! Schwärme vorprogrammiert.


    Später im Raps ist das eher weniger ein Problem der fehlenden Jung-/Baubienen. Da ist ausbauen von MW im HR genau richtig dann. 98 % der MW lasse ich im Raps ausbauen. Da ist es am leichtesten. Im Wald und in der Tanne ist mir der Honig zu wertvoll UND VOR ALLEM bauen die Bienen da nicht mehr so gern MW aus.


    So meine Erfahrungen bisher.

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Hallo Frank!


    Aus meiner Sicht ein klares JA!
    Mein Imkerfreund der mit mir wandert hat 12er Dadant und 12er Langstroth, so kriege ich immer auch mit wie er es macht.
    Wir fahren zusammen zur Durchsicht.


    Auch mit 11er oder 12er DN ist einräumige Brutraumführung überhaupt kein Problem und die betriebstechnischen und der Frühjahrsentwicklung angepassten Maßnahmen sind nahezu deckungsgleich bzw. identisch.

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Hallo Luffi,
    könntest du deine Tipps bitte, bitte noch um ein paar Tipps für Anfänger ergänzen. Auch ich habe im 2ten Jahr nicht 100% der ausgebauten HR-Waben die man braucht um es so zu machen wie du vorschlägst.
    Will damit sagen, wo bitte muß ich denn mehr aufpassen als du, weil ich Mittelwände nehmen muß. (Habe die Frage etwas allgemeiner gehalten, als für mich persönlich, damit Newbees davon Nutzen haben).


    VG Teleskopix

  • Hallo,
    ich möchte mich einmal herzlich bedanken, sehr informative Beiträge. Die Aussagen zur Schwarmkontrolle decken sich mit meinen Vermutungen. Ich bin aber durchaus noch an weiteren Information zur Betriebsweise interessiert. Ich habe die Buckis
    übrigens in Frankenbeuten auf DNM.


    LG Olli

  • Hallo Luffi,
    du hast nicht verraten, was du mir den Pollenwaben machst, denn bei deinen (und auch meinen) sind stets noch Brutflächen vorhanden. Ich mache daraus Ableger. Das ist nicht rationell, weil ich dann unterschiedlich erstellte Jungvölker habe. Das ist suboptimal. Ob dies "Bruttaleingriffe" in das Brutnest wesensgemäß ist, kümmert mich wenig, denn die Neuntagefrist kann leicht sechstägig werden und so oft will ich nicht kontrollieren. Früh begattete Königinnen sind eh ein Problem. Sie stellen oft nach wenigen Wochen das Legen ein. In dieser Sache wurde ja jetzt Licht hereingebracht. Übrigens ist das wohl auch ein Luxemburgproblem.


    Wir haben im Raum Stuttgart eine große Bienendichte aller möglichen Rassen und da die Belegstellen weit weg sind, kann ich von reinen Buckis nicht sprechen.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol: