Futterwaben leer,keine Futteraufnahme

  • Moin Imkergemeinde,
    Was soll ich davon halten? 2 Völker, das eine hat eine Futterzarge leergemacht und die Waben schön gefüllt.
    Das andere Bienenvolk nimmt kein Futter,und hat so gut wie komplett leere Waben.Werden die mir bald verhungern?
    Gestern abend habe ich unterhalb der Bienen eine leerzarge mit einen Siruptrog reingestellt um zu sehen ob die dann fressen,aber was ist wenn nicht?
    Beide Windeln hatten ergeben Stand gestern Abend ,jeweils 1 Milbe.
    vorgestern nach MS Behandlung jeweils 8 Milben.


    vielleicht kann mir einer dazu etwas sagen?
    vielen Dank

  • Hallo Musikpizza77!


    Du beschreibst da einen schweren Fall. Wenn im November ein Volk kein Futter nimmt, dann ist das nicht außergewöhnlich. Es ist einfach zu kalt und die Bienen erreichen das Futter nicht ordentlich.


    Der Fehler in der Völkerführung ist da schon wesentlich früher zu suchen. Die Einfütterung wird im August durchgeführt und sollte bis etwa Mitte September abgeschlossen sein.


    Wenn die Futterwaben leer sind, dann kann das verschiedene Ursachen haben:


    1. Der Imker hat wesentlich zu wenig eingefüttert. Ich rechne mit 20 -22 kg Zucker je Volk, das sind bei mir 3 oder 4 Futterzargen voll. Das überschüssige Futter wird im Frühjahr entnommen.



    2. Das Volk wurde beräubert. Das wiederum kann verschiedene Gründe haben.


    2.1. Das Volk ist von Haus aus zu schwach um die Vorräte zu verteidigen und den Winter zu überstehen.
    2.2. Das Flugloch ist im Verhältnis zur Volksgröße viel zu groß, oder es liegt ungünstig und ist vom Brutnest/Wintersitz zu weit entfernt.
    2.3. Das Volk ist durch die Varroa so stark geschädigt, das es sich nicht mehr verteidigen kann.


    Wespenüberfälle zähle ich nicht dazu, denn ein gesundes, starkes Volk, bei dem auch die Fluglochgröße passt, kann sich gegen Wespen verteidigen.


    In deinem Fall kann nur noch eine Notfütterung helfen. Davon wurde hier im Netz schon viel geschrieben.



    MfG
    Honigmaul

  • Wie schon geschrieben sollten erst mal die wichtigen Fragen geklärt werden:
    Seid wann hast du die Völker? Wie übernommen?
    Welches System? DN, Dadant, o.ä.
    Auf wie viel Zargen sitzen die beiden Völker und auf wieviel Waben? Sind die Völker stark genug?
    Wann hast du gegen die Varroa behandelt? (Jetzt noch zu behandeln ist eigentlich nur in Notsituationen üblich, sonst warten auf Brutfreiheit im Dezember). Aber nach deinen Zahlen ist der Varroa-Druck eher gering.
    Wann und wieviel hast du an Futter gegeben? 1 Futterzarge ist bei einem Null-Aufgefütterten Volk zu wenig (ich schätze mal 5-8kg pro Futterzarge und Futtergabe). Wie Honigmaul geschrieben hat, werden üblich 20-22kg Zucker (Minimum würde ich bei 16kg setzen) gefüttert. Alternativ Sirup in ähnlicher Größe.
    Futter wird bis Mitte September gegeben, danach ist es Poker, ob die Bienen das Futter noch aus der Futterzarge, -tasche oder Trog noch abnehmen.
    Solltest du nicht genügend eingefüttert haben, wird dir dein Volk über den Winter hin verhungern, auch wenn es jetzt noch nach vollen Futterwaben aussieht.
    Daher auch die Frage nach dem Gewicht, denn du kannst das Futter über das Gesamtgewicht der Beute abschätzen. Kofferwage o.ä. und dann je einmal vorne und hinten (oder links und rechts) ankippen und wiegen und die Gewichte zusammen rechnen, alternativ die Beute komplett auf eine Waage stellen und Gewicht ablesen.
    Wenn du DN-Beuten in Styropor hast, solltest du bei Einzargigen Völkern bei 28-30kg Gesamtgewicht liegen, bei Zweizargigen bei etwa 33-35kg, damit für eine Überwinterung genügend Futter im Volk ist.
    Ich hoffe, das ist erst mal für dich genügend Input

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • [...], sonst warten auf Brutfreiheit im Dezember).


    Viele Völker sind (oder waren) auch schon im November brutfrei, und wenn er von einem Volk schreibt, welches fast leere Waben hat und auch kein Futter abnimmt, dann würde ich ganz stark vermuten, dass dieses Volk jetzt eh keine Brut hat.


    Musikpizza77 (eher ungünstig als Anrede...): Als erste Notmaßnahme kann man direkt leicht angewärmten Invertsirup in die Zellen unter dem Oberträger gießen, dort wo sonst der Futterkranz hingehört.
    Mein zweiter Versuch würde in Richung Ziplock-Gefrierbeutel gehen (bei Ikea gibt es brauchbare in verschiedenen Größen). Nach "Gefrierbeutelmethode" oder "Fütterung mit Ziplockbeutel" suchen.
    Ansonsten bleibt dann nur noch das von Bernhard hier verschiedentlich beschriebene Auflegen eines Pakets Apifonda auf die Oberträger.


    Grüße,
    Robert

  • Viele Völker sind (oder waren) auch schon im November brutfrei, und wenn er von einem Volk schreibt, welches fast leere Waben hat und auch kein Futter abnimmt, dann würde ich ganz stark vermuten, dass dieses Volk jetzt eh keine Brut hat.


    ......
    Grüße,
    Robert


    Die Frage, die dazu auch noch offen ist: Gibt es bei dem Volk eine Kö? (Siehe Maxikaner)

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • üblich 20-22kg Zucker (Minimum würde ich bei 16kg setzen) gefüttert. Alternativ Sirup in ähnlicher Größe.


    Moin, moin Musikpizza77,


    um exakt zu sein: Zucker und Futtersirup (3:2) unterscheiden sich in ihrem spezifischen Gewicht. Leider wird bei Futtersirup oft das Volumen mit dem Gewicht gleichgesetzt. Richtig ist aber, daß 1 l Futtersirup 1,4 kg wiegt, aber (nur) 1 kg Zucker enthält. Der Rest ist Wasser. Manche Imkereibedarfshändler geben das detailliert an, z.B.:


    http://www.imkereibedarf-biene…food_7515_auf_Weizenbasis


    Du solltest prüfen, was mit dem inaktiven Volk nicht stimmt - ggf. mit einem erfahrenen Imkerkollegen. Bis dahin könntest Du ein oder zwei Futterwaben aus dem vollen Volk in das hungernde umhängen und den Fleißigen erneut Futter aufsetzen, das sie in zugehängte Leerwaben eintragen können. Das sollte beim gegenwärtig milden Wetter noch funktionieren. Die Leerwaben möglichst NICHT aus dem faulen Volk nehmen, solange Du ansteckende Krankheiten etc. nicht ausschließen kannst.
    Ich weiß nicht, welchen Fütterer Du hast. Aber für Futterteig benötigt der Bien auch etwas abgestrahlte Wärme und Wasser, um sich den Futterteig soweit zu verflüssigen, daß er von Bienen aufgesogen werden kann. Ob das funktioniert, wenn sie schon jetzt nicht einmal flüssiges Futter aufgenommen haben, bleibt fraglich.


    Servus - Gottfried

  • Hallo Musikpizza,


    ich habe hier auch so ein Volk, das sich nur sehr sparsam aus dem angebotenen Flüssigfutter bedienen wollte. Probehalber habe ich - wie von Bernhard beschrieben - Futterteig aufgelegt, also Plastiktüte unten aufgeschnitten oben direkt auf die Waben gelegt. Sie fallen zwar nicht wild darüber her, futtern sich aber so nach und nach rein. Unten drunter ist noch Brut und die aufsteigende Feuchtigkeit reicht aus. Solange Futter verbraucht wird, fällt aus dem Stoffwechsel immer auch Feuchtigkeit an. Da diese mit der warmen Luft nach oben steigt, kommt sie automatisch am Futterteig an und kondensiert dort zu Wasser.


    Viele Grüße
    Kikibee


    PS: Das Volk ist eher kleiner, was aber OK ist, es soll nur eine Reservekönigin über den Winter kuscheln.

    With lots of room for improvement.

  • Hallo zusammen,


    ist zwar alles schön und gut
    aber leider ist November...


    Da ist Ruhemodus angesagt und alles sollte eingerichtet sein. Da kann man nicht mehr einfüttern. Temperaturen hin oder her. Punkt.


    Auflösen/ Zuhängen. Ist das beste.


    Falls das überhaupt ein "Volk" ist. Ich höre nämlich die Nachtigall leise trappsen, und da ist nur noch so'n unvollständiger Jämmerliing drin :-? ?

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Beetic,


    aus dieser Überlegung kam ja meine leider unbeantwortet gebliebene Frage an anderer Stelle in diesem Forum:
    Ist es kontraproduktiv, jetzt noch einzufüttern? Auch wenn sie es nehmen und mengenmäßig brauchen könnten? Gehen sie deshalb nicht aus der Brut oder fangen damit wieder an oder ist das jetzt nur abhängig von Wetter und Tageslänge?


    Damit verbunden: Wenn man schon im Spätherbst befürchtet, dass ein Volk - aus welchem Grund auch immer - möglicherweise zu wenig Futter hat, sollte man dann möglichst bald nachlegen oder erst dann (not-)füttern, wenn sich herausstellt, dass es tatsächlich nicht reicht?


    Viele Grüße
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • aber leider ist November... Da ist Ruhemodus angesagt und alles sollte eingerichtet sein. Da kann man nicht mehr einfüttern. Temperaturen hin oder her. Punkt.


    Nachfüttern kannst'te schon noch was, aber komplett einfüttern wird nix mehr, das glaub ich auch. Und ich würd auch wetten, daß das 'Volk' keins mehr ist.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife