Bienen Ende Oktober bei Dunkelheit vor dem Flugloch?

  • Hallo,


    vor wenigen Tagen hat mich eine Neuimkerin um Rat gebeten, weil eines ihrer Völker sich auffällig verhielt. Bei sonnigem Wetter flogen alle Völker, aber das auffällige besonders stark, und nach ihrer Aussage waren "viele Bienen draußen, wie im Juni", die Bienen "schienen sehr aufgeregt" und saßen bis weit nach Einbruch der Dunkelheit "in einer Traube vor der Beute".
    Beute hat zwei Zargen LS 2/3. Ich bat sie darum, erstmal den Varroaeinschub reinzumachen, damit man vielleicht später etwas am Gemüll erkennen könnte. Das tat sie am nächsten Morgen, und die Bienen reagierten wieder recht nervös: "sofort saßen wieder zwei bis drei Handvoll Bienen vor der Beute, sehr angriffslustig".


    Heute war ich dort, habe es mir genauer angesehen. Flugverkehr war recht stark, mehr als bei den Nachbarvölkern. Aber das Verhalten am Flugloch sah für mich normal aus, abgesehen von mehreren kleinen Grüppchen Bienen, die sich offenbar gegenseitig fütterten. Auf dem Einschub lagen relativ viele tote Bienen (zwei Dutzend?), die Hinterleibe kamen mir ziemlich kurz vor. Keine raushängenden Zungen. Unter dem Gitter saßen noch 50-100 weitere Bienen. Offenbar saßen die dort schon als der Einschub reingemacht wurde, ein Rest der Traube die vor der Beute hing, und wurden möglicherweise dabei eingeschlossen. Sonst war sehr wenig Gemüll zu sehen. Ok, waren ja auch nichtmal zwei volle Tage, aber bei den meisten von meinen Völkern hätte man trotzdem mehr Krümel und mehr Pollen gefunden. Das Gemüll bestand nur aus wenigen, sehr gleichmäßig verteilten Krümeln. In meinen Augen keine Anzeichen für Brut.
    Ok, also ein laut Bericht übernervöses Volk und keine Brut - wahrscheinlich weisellos.


    Das Wetter war war sehr gut, also sahen wir ausnahmsweise genauer nach. Erster Eindruck von oben: Alle Gassen von Bienen besetzt, sieht gut aus. Wenig Kondenswasser an der Folie, keine warmen Stellen. Zwei Rähmchen aus der unteren Zarge gezogen: viel Futter, keine Brut. Aber durchaus freie Zellbereiche dort, wo mal das Brutnest war (und auch noch der Pollenkranz erkennbar). Ein Rähmchen aus der oberen Zarge gezogen: vollständig mit Futter gefüllt, und die blau gezeichnete Königin lief dort rum. Soweit erkennbar alle Beine dran, und die Bewegungen vital, völlig in Ordnung. Wieder eine Theorie zerstört...
    Das Volk schien heute trotz der massiven Störung durch mich auch nicht besonders nervös. Es quollen keine Bienenmengen raus, es erfolgten keine auffälligen Angriffe. Weder Stummelflügel noch Parkinson noch kurzleibige Bienen auf den Waben. Also: genug Bienen sind drin, genug Futter ist drin, Königin ist drin, freie Zellbereiche durchaus vorhanden. Alles in Ordnung. Nur keine Brut. Aber es ist ja auch schon November...


    Bleibt in erster Linie die Frage: was könnte die Bienen da geritten haben, als sie bis in die Dunkelheit hinein bei deutlich unter 10°C Ende Oktober vor dem Flugloch hingen? Halloween-Party?


    Grüße,
    Robert

  • Hallo Robert,


    ist starker Polleneintrag vorhanden? Ist der Pollen vielleicht violett?
    Ich frage deshalb, weil ich bei meinen Völkern ebenfalls starken Flug beobachte, besonders bei den Buckis. Die Ursache ist ein riesiges Phaceliafeld direkt in der Nähe. Die Völker schleppen den violetten Phaceliapollen ohne Ende.
    10°C sind auch noch nicht unbedingt ein Rückzugssignal für die Bienen am Flugloch, höchstens ein Signal zur Einstellung des Trachtflugs. Bienen verklammen und sterben erst unterhalb von 7°C.


    Gruß Ralph

  • Hallo Robert


    da auch viele Bienen unten am Gitter waren, könnte ich mir gut vorstellen das sich Bienen dort eingebettelt haben. Möglicher Weise von einem Schwarm der irgendwo in der Natur ohne richtigen Schutz gehangen hat oder auch von einem anderen weisellosen Volk.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Ich frage mich schon seit längerem welche Verschwörung das ist: Seit einigen Jahren haben die Bauern kaum noch Zwischenfrüchte ausgesät. Und blühende schon mal gar nicht.
    Jetzt plötzlich sehe ich, Länderübergreifend! plötzlich überall gelb!


    Ist das eine konzertierte Aktion der Agrarchemieindustrie welche die Neonic-Rückstände im Boden möglichst schnell verstoffwechseln will?

  • Genau so ist es!


    Du triffst den Nagel mal wieder genau auf den Kopf.


    Sehr schlau gefolgert. Oder hast du da Erfahrung?

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Ralph : bei dem fraglichen Volk habe ich keinen Polleneintrag gesehen, und bei den anderen Völkern war der Pollen eher gelb-orange, jedenfalls nicht violett. Auch bei meinen Völkern ist mir in den letzten Wochen kein violetter Pollen aufgefallen.


    Reinhard : ja, dass da fremde Bienen mit eingezogen sein könnten, daran habe ich auch schon gedacht. Kenne aber halt keine Beispiele aus erster Hand davon. (Habe zwar selber mal ein frei im Baum bauendes Bienenvolk gesehen, als das Laub schon runter war. Die sind aber brav auf ihrem Wabenbau am Ast verhungert und langsam runtergerieselt, statt sich als Schwarm anderswo einzubetteln.)
    Ich kann also die Plausibilität für Notschwärme (aufgrund von Weisellosigkeit, aufgrund von Hunger, aufgrund von Varroa...) Ende Oktober nicht einschätzen.


    Grüße,
    Robert

  • Diese blühenden Felder hängen mit den neuen Landwirtschaftsvorschriften der EU ab 2015 zusammen: Greening. Ab 15ha Acker müssen 5% der Ackerflächen als ökologische Vorrangflächen bereitgestellt werden. Eine Landwirtschaftliche Nutzung dieser Flächen ist nur noch möglich wenn die Landwirte gewisse Dinge erfüllen, wie zB. Anbau von Zwischenfrüchten. Wollen die Bauern Förderungen die über die Flächenprämie hinausgehen dann müssen sie in Zukunft Ökologisierungsleistungen erbringen. Ab 10ha zB. Fruchtfolgeauflagen. Das Greening gilt aber nicht für alle, zB. nicht für Biobetriebe oder Betriebe mit mehr als 75% Grünlandanteil -> inakzeptabel wenn man sich anschaut dass die immer öfter ihre Wiesen 5 mal im Jahr mähen (das sind Wüsten, da blüht nichts mehr; der 5. Schnitt gehört weg und ein Teil vom 4. Schnitt ebenfalls weg; und wenn doch mal wo eine Wiese blüht, dann nicht diese Wiese am Vormittag bei Bienenflug mähen ...).


    Diese Felder haben wir also auch die nächsten Jahre.

  • @ Robert:


    wie breit ist das Flugloch im besagtem Volk?


    Ist es weniger als 4cm breit, sollte ein größerer (nicht höherer!) Fluglochkeil verwendet werden. Dann sollte sich das "Problem" normalerweise von selbst erledigen.

  • @ Robert:


    wie breit ist das Flugloch im besagtem Volk?


    Ist es weniger als 4cm breit, sollte ein größerer (nicht höherer!) Fluglochkeil verwendet werden. Dann sollte sich das "Problem" normalerweise von selbst erledigen.


    Fluglochkeil war zwar auf niedrigen Eingang eingestellt, aber nicht schmal. Also breiter als 4cm. Aber selbst wenn nicht, waere das keine Erklaerung dafuer gewesen, dass Bienen Ende Oktober weit nach Einbruch der Dunkelheit draussen rumhaengen.
    Und das Problem hat sich ja laengst erledigt (zumindest scheint es so), ich wuesste halt nur gerne eine realistische Erklaerung.


    Gruesse,
    Robert

  • Fluglochkeil war zwar auf niedrigen Eingang eingestellt, aber nicht schmal. Also breiter als 4cm. Aber selbst wenn nicht, waere das keine Erklaerung dafuer gewesen, dass Bienen Ende Oktober weit nach Einbruch der Dunkelheit draussen rumhaengen.
    Und das Problem hat sich ja laengst erledigt (zumindest scheint es so), ich wuesste halt nur gerne eine realistische Erklaerung.


    Gruesse,
    Robert


    laut Deiner Beschreibung deutete der Fall auf den selben Zustand hin, den ich bei einem starken Jungvolk vor 2 Wochen erlebt habe.


    Bei schönem Wetter waren sowohl noch Flugbienen als auch eine nicht unerhebliche Schar an vorspielende Jungbienen vor dem Flugloch vorhanden, was wohl zu Stauungen vor dem Flugloch führte, so dass nicht wenige Bienen sich auf der Rückseite und Unterseite des Gitterbodens befanden. auch als es dämmerte, waren immer noch kleine Grüppchen in der Nähe zu finden.


    Unterhalb des Gitterboden blieben die Bienen sogar über Nacht, so dass ich sie am nächsten Morgen vorsichtig abkehren mußte und vor das Flugloch schüttete.


    Da ich so etwas zum ersten Mal in diesem Ausmaße erlebt habe, ging ich auch davon aus, dass sich Fremdbienen einbetteln oder eventuell eine Räuberei stattfindet. Beides konnte ich ausschließen, da dieses Volk in punkto Volkstärke den anderen weit überlegen ist.


    Als ich meinem bisherigen Überwinterungs-Flugkeil (4cm breit) anschaute wusste ich Bescheid. Er war schlichtweg zu klein, da überall schon "Bissspuren" an den Rändern des Fluglochkeils waren. Ein Novum bisher für mich.


    Seit ich einen größeren Flugkeil mit doppelter Breite eingesetzt habe, ist dieses Phänomen nicht mehr aufgetaucht.


    Meine Vermutung ging deshalb im obigen Fall in die selbe Richtung.


    In wieweit hat sich das Problem denn nun erledigt?

  • Hallo zusammen!


    Zitat

    Als ich meinem bisherigen Überwinterungs-Flugkeil (4cm breit) anschaute wusste ich Bescheid. Er war schlichtweg zu klein, da überall schon "Bissspuren" an den Rändern des Fluglochkeils waren. Ein Novum bisher für mich.


    Ich erlebe derzeit bei einzelnen, offensichtlich ziemlich starken Völkern Ähnliches. Allerdings habe ich ob der Temperaturen noch immer keine Mäusegitter drin, sondern die Schaumstofffluglochverengungsstreifen. Die werden derzeit zum Teil auch erheblich abgenagt, sprich die Völker erweitern sich ihre Fluglöcher noch.:eek:
    Andererseits wundert`s mich nicht - heute früh um 6 waren`s 15 °C.


    Schöne Grüße
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!


  • In wieweit hat sich das Problem denn nun erledigt?


    Insofern, als dass da akuell nachts keine Bienentrauben mehr draußen hängen. Schon bei meinem Besuch, den ich in meinem ersten Posting beschrieb, war davon ja nichts mehr (bzw. kaum noch was) zu sehen.


    Um nochmal auf ein anderes Detail zu kommen: bei meinem Besuch sah ich wie erwähnt mehrere kleine Gruppen von Bienen außen, aber in der Nähe des Fluglochs, die sich fütterten. Ist das Ende Oktober normal, dass sich Bienen draußen (statt drinnen) Futter geben lassen? Oder wäre das auch ein Anzeichen, dass zu der Theorie passt, dass sich fremde Bienen dem Volk angeschlossen haben (und von denen sich eben noch nicht alle 'reingetraut' haben)?


    Und wie normal ist es denn eigentlich, dass aktuell bei einem mittelstarken keinerlei Brut vorhanden ist?


    Grüße,
    Robert

  • Um nochmal auf ein anderes Detail zu kommen: bei meinem Besuch sah ich wie erwähnt mehrere kleine Gruppen von Bienen außen, aber in der Nähe des Fluglochs, die sich fütterten. Ist das Ende Oktober normal, dass sich Bienen draußen (statt drinnen) Futter geben lassen? Oder wäre das auch ein Anzeichen, dass zu der Theorie passt, dass sich fremde Bienen dem Volk angeschlossen haben (und von denen sich eben noch nicht alle 'reingetraut' haben)?


    ... das könnte so durchaus der Fall sein, auch wenn es auf den ersten Blick unwahrscheinlich klingt. Wenn sich um diese Jahreszeit noch fremde Bienen in Völker einbetteln könnte auch hoher Varroadruck im Ursprungsvolk (in der Nähe?) die Ursache sein. Ich würd bei dem o.g. Volk den Milbenfall im Auge behalten.


    [quote='Re-Mark','https://neu.imkerforum.de/forum/thread/?postID=490692#post490692']
    Und wie normal ist es denn eigentlich, dass aktuell bei einem mittelstarken keinerlei Brut vorhanden ist? [/QUOTE


    Ich denke, das hängt von der Ausgangssituation Anfang September statt. Meine Theorie unter folgendem Beitrag:


    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=36804


    insbesondere Beitrag #10

  • ... Andererseits wundert`s mich nicht - heute früh um 6 waren`s 15 °C.


    Ja, das Wetter und Spättracht aus Senf und Phacelia spielen sicherlich eine Rolle, warum an den Fluglöchern immer noch Getümmel herrscht.


    Was mich erstaunte war aber die Tatsache, dass heuer der Winterkeil mit 4 cm bei diesem Volk nicht ausreichte, obwohl in den vergangenen Jahren auch bei den stärkeren Völkern es nie Probleme gab mit dem Auffinden (und der Breite) des Fluglochs.


    Erwähnen möchte ich noch, dass es sich um eine Buckfastkönigin (meine Erste :-D) handelt, welche heuer in Lauthental begattet und Ende Juli an meinen sonst Carnica dominierenden Stand eingeweiselt wurde.


    Bislang war ich mit der Entwicklung des Volkes höchst zufrieden.
    Kann es sein, dass der immer wieder ins Gespräch gebrachte höhere Verflug bei Buckfastherkünften hier eine Rolle spielt?