Eigener Wachskreislauf

  • Hallo zusammen,


    ich lese immer wieder mal, dass ein eigener Wachskreislauf anzustreben sei. Die Vorteile sind mir klar, die Vorgehensweise zum reinigen/klären soweit auch.


    Was ich mich in diesem Zusammenhang jedoch immer Frage: Ist ein eigener Wachskreislauf von einer bestimmten Anzahl Völker abhängig? Sprich, funktioniert
    das auch bei 5 Völkern oder braucht es mehr? Und des weiteren, wo kann ich dann mein eigenes Wachs zu Mittelwänden verarbeiten lassen?


    Hoffe ihr könnt ein wenig Licht in mein Dunkel bringen!


    MfG Max


  • Hoffe ihr könnt ein wenig Licht in mein Dunkel bringen!


    Hi Max,


    das "Problem" mit dem eigenen Wachskreislauf und 5 Völkern ist, dass im Normalfall "nur" ca 5kg Wachs zum einschmelzen anfallen (so 5 Zargen mit Altwaben).
    Einen Wachsverarbeiter, der bei so kleiner Menge dir genau nur dein Wachs zurück gibt, wirst du kaum finden.
    Ich kenne bisher nur einen der solche Kleinstmengen bearbeitet (und dann nicht mit einer Umarbeitungsstrasse, sondern mit normaler Gußform)


    Einzige Möglichkeit ist: entweder eigene Gußform oder diese leihen (z.B. aus dem Verein, Bekannten..)


    Stefan

  • Hallo Max,


    das geht eigentlich alles ganz einfach. Problematisch ist in der Regel nur der Anfang. Wenn Du anfängst oder deine Völkerzahl erhöhst, dann mangelt es oft an Wachs. Wenn Du Deine Völkerzahl stabil hältst und Dich geschickt anstellst, dann hast du eigentlich immer genug.


    Meine Gedanken/Anregungen dazu:
    - eine gute Wachsqualität ist m.E. sehr positiv für die Entwicklung der Völker und auch gut sichtbar (wenig Schadstoffe, gute MW-Geometrie, viel Naturbau)
    - da die gängigen Wachsumarbeiter erst ab 50kg Eigenwachs umarbeiten (nur so bekommst du garantiert dein eigenes Wachs zurück), kommst Du an einer eigenen MW-Presse wohl nicht vorbei
    - alle MWs selbst zu quetschen ist eine sch... Arbeit! Aber es lohnt sich!
    - besser als ein eigener Wachskreislauf ist eine Wachsstrecke -> kein altes Brutwabenwachs wiederverwenden, nur Entdeckelungswachs o.ä.
    - es gibt gute Methoden viel Wachs zu gewinnen, z.B. Dickwaben und Entdeckelung mit einem SpeedKing und es gibt gute Methoden viel Wachs zu sparen, z.B. Schwärme, KS und teilweise Ableger o. TBE konsquent auf Anfangsstreifen setzen, schrittweise 100% Naturbau im HR


    Ich hoffe das hilft Dir weiter.


    Gruß Jörg

  • Hallo Max


    ich lasse meine MW vom eigenen Wachs in der Oberschwaben-Goldimkerei umarbeiten und das seit 2011 und bin sehr zufrieden. Die arbeiten auch Mengen um bis 5KG. Nun gibt es auch Meinungen die sagen das man da nicht den eigenen Wachs wiederbekommt. Ich bin der Meinung das sie sich große Mühe geben das es so ist und anhand der Unterlagen die mit zurück geschickt werden sieht man wann das Wachs in die Maschine kam und wie abgepackt wurde. Für mich ist das sehr kostengünstig, einfach mal ausprobieren und wenn man nicht zufrieden ist kann man seine MW ja wieder im Laden kaufen. Wenn man MW in Imkerladen kauft weis man auch nicht woher das Wachs ist.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Danke schonmal für die vielen Anregungen! Ich seh schon, vor allem zu Beginn wird das kaum zu realisieren sein. Mittelwände selber herstellen mal ausgenommen.
    Wobei mich das als alter Bastler schon auch ein wenig reizt.


    @ Drobi: Das mit der Oberschwaben-Goldimkerei werd ich mir mal notieren, danke. Muss eh mal schauen wieviel Wachs dann letztendlich anfällt.


    Aber so wie ich mich kenne wird das ohnehin nicht bei 5 Völkern bleiben. Aktuell muss ich gestehen hat mich das Virus mit voller Breitseite erwischt :-D


    Edit: Danke auch an Herr Rübengrün, deine Antwort kan während dem schreiben. Klingt vielversprechend!

  • ich lese immer wieder mal, dass ein eigener Wachskreislauf anzustreben sei. Die Vorteile sind mir klar,


    Mir nicht. Man liest es zwar immer wieder, aber ich finde das Konzept trotzdem grundfalsch. Statt einem Kreislauf finde ich, ist eine Wachsstrecke anzustreben. Altes Wachs raus, z.B. zu Kerzen verarbeitet, mit neuem Wachs bauen lassen, z.B. mit Mittelwänden aus Deckelwachs.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Das kommt darauf an, von wo man startet. Wenn man mit konventionellen Mittelwänden startet, dann ist es natürlich sinnfrei, denselben belasteten Mist immer wieder im Kreislauf herumzuführen. Also muss alles raus, was aus diesen Mittelwänden hergestellt wurde. Das sind dann die ganzen Waben. Nur das Verdeckelungswachs von Honigwaben ist neu und unbelastet. Und natürlich Naturbau.


    Wenn man von vornherein mit (möglichst) unbelastetem Wachs startet, dann wird für den Kleinstimker der anzustrebende Weg hin zur eigenen Wachsstrecke erst mal über den Kompromiss eines eigenen Wachskreislaufs gehen. Dh. die ersten zwei, drei Jahre kauft man Mittelwände seines Vertrauens zu, schmilzt ein, was anfällt, und dann lässt man den MW-Vorrat für die nächsten drei Jahre auf einen Schlag herstellen. Im weiteren Verlauf kann er dann beim Einschmelzen die Brut- von anderen Waben trennen und bebrütetes Wachs rauswerfen. Bei fünf Völkern muss er für die Mindestmenge aber wieder längere Zeit sammeln.


    Eine Alternative wäre, gleich einen ganzen Batzen unbelastetes Blockwachs von vertrauensvoller Quelle zu kaufen. Ab und an bietet ein Forumsmitglied seinen Wachsüberschuss im Imkermarkt an. Damit könnte man die Sammelzeit verkürzen, bis man auf genügend eigenes Betriebsmaterial zugreifen kann.


    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Guten Abend!
    Als wir vor ein paar Jahren mit der Imkerei anfingen, war es gerade die Zeit der Wachspanscherei. Einem Vereinskollegen waren die Waben im Stock runtergesackt, obwohl er die MW bei einem renomierten Fachhändler gekauft hatte.
    Giftproblematik hin oder her, wir haben den eigenen Wachskreislauf in Angriff genommen, indem wir bei einem Imker unseres Vertrauens- übrigens hier aus dem Forum - uns einmal gründlich mit MW aus seinem sauberen Kreislauf eingedeckt haben. Die bis dahin vorhandenen Rähmchen wurden mit Heftzwecken gekennzeichnet und konsequent getrennt eingeschmolzen, das Wachs bei Holtermann in Zahlung gegeben.
    Das neue Wachs wird konsequent getrennt gesammelt und aufbereitet, bis wir letztes Jahr unsere ersten 30 Kilo zur Umarbeitung bei Müller in Süstedt abliefern konnten.
    Vom Imker unseres Vertrauens haben wir zwischendurch noch einmal eine gehörige Partie MW kaufen müssen, aber die waren zwischenzeitig billiger, als die von Holtermann.
    Inzwischen verdünnt das bei uns produzierte Wachs den gekauften Grundstock, aber irgendwie und irgendwann muß es mal losgehen. In diesem Winter werden wir wohl die nächsten 30 kg umarbeiten lassen müssen, und wir wissen wenigstens was für Wachs wir im Stock nutzen.
    Ob wir noch weitergehen werden, daß muß sich zeigen.
    Mit Imkergruß
    Ralf

  • Erste Mittelwände kaufen, wenn's Geld knapp ist normale. Waben irgendwann einschmelzen. Zum Imkereibedarf geben, anrechnen lassen und neue Mittelwände mitnehmen. Deckelwachs getrennt einschmelzen, sammeln. Sobald man die nötige Menge zum Umarbeiten zusammen hat, Mittelwände fertigen lassen und zargenweise umstellen. Oder erst die HR (weil die länger halten) dann die BR umstellen. Ausgeschmolzene Waben, egal ob alt oder eigenes Wachs, zu Kerzen verarbeiten und so aus der Imkerei entfernen. Neue Mittelwände nur aus Deckelwachs oder Drohnenbau fertigen (lassen). Alles was kreislaufartig zirkuliert, reichert sich in jedem Umlauf an mit fettlöslichen 'Dingen'.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ok, Ernüchterung macht sich breit.


    Klingt plausibel was ihr schreibt. Die Frage ist dann jedoch ob das ganze überhaupt praktikabel ist. Alle paar Jahre mal genug Wachs
    für ne Handvoll Mittelwände wird den Kohl wahrscheinlich nicht Fett machen. Bleibt mir nur abzuwarten wieviel Wachs (tatsächlich verwertbares)
    dann anfallen wird. Zwischenzeitlich komme ich ohnehin nicht drumrum MW zuzukaufen.


    Wäre es dann nicht sinnvoller komplett auf Naturbau zu setzen? Eine Sache mit der ich mich ehrlich gesagt noch nicht auseinandergesetzt habe.


    Andere Frage noch am Rande, unterscheidet sich Deckelwachs nochmal vom Naturbauwachs?


    MfG Max

  • Hi Max,


    nee, so kompliziert, wie es sich gerade anhört ist das alles gar nicht! Du musst nur anfangen und konsequent sein. Zu Anfang tut es vielleicht weh (finanziell), aber glaube mir später noch mehr!


    Der Rase macht das alles wieder mal von-hinten-durch-die-Brust-ins-Auge... (Sorry Ralf, klingt aber echt so)


    Es ist absolut praktikabel! Einige Bioverbände schreiben eine Wachsstrecke sogar vor und überprüfen das dann.


    Ich rechne mit etwa 1kg Entdeckelungswachs pro Wirtschaftsvolk und Jahr. Und genau diese Menge reicht bei mir dann auch wieder für die MW. Und dabei mache ich jährliche TBE usw.


    Das Entdeckelungswachs bietet sich an, weil du dafür kein Wabenwerk zerstören musst. Du "erntest" es einfach bei jeder Honigernte.
    Das Naturbauwachs sind quasi die Drohnenrahmen und Wildbau. Das muss du halt zerstören, um neue MW zu machen.


    Jetzt klarer?


    Gruß Jörg