Ausweisung Mehrwertsteuer auf Rechnungen

  • Um vorsteuerabzugsberechtigt zu werden bedarf es doch eines Gewerbescheins, oder? Und da das Finanzamt ja nicht jedem Hobby-Imker die Vorsteuer zurückzahlen will, wird es dies ja erstmal mit dem Grund "Liebhaberei" abtun und man muss eine Gewinnerzielungsabsicht nachweisen, oder? Wenn einen das Finanzamt aber im Bereich 30-70 Völker pauschal für einen Gewinn von 1000 € besteuert, kann es doch eigentlich in diesem Falle nicht mehr mit Liebhaberei argumentieren, wenn man sich die Vorsteuer ziehen will. Liege ich da richtig?
    hornet Netto zahlst du trotzdem nicht. Wenn du z.B Honig für 1000 € verkaufst sind da ja 7% Steuern drin, wenn du umsatzsteuerpflichtig bist. Das sind 65,42 €, die du eigentlich an das FA abführen musst. Wenn du jetzt eine Schleuder für 700 € inkl. 19% MwSt. kaufst, sind darin 111,76 € MwSt. enthalten. Du kannst aber nur die 65,42 € dagegen rechnen.


    Soweit alles korrekt, ihr Steuer-Cracks? :wink:

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • Liebhaberei hat nichts mit dem Umsatzsteuergesetz zu tun. Dieser Begriff kommt aus dem Einkommensteuergesetz.
    Unter die Umsatzsteuer fällt man, wenn man umsatzsteuerlich ein Unternehmer ist. Unternehmer wird man viel schneller, als viele denken.
    Aus dem UStG:

    Zitat

    (1) Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig ausübt. Das Unternehmen umfasst die gesamte gewerbliche oder berufliche Tätigkeit des Unternehmers. Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt oder eine Personenvereinigung nur gegenüber ihren Mitgliedern tätig wird.


    Erzielung von Einnamen, selbstständig und nachhaltig = Unternehmer


    Wer eine Wohnung vermietet = Unternehmer im UStG
    Es wird nur keine Umsatzsteuer fällig, da steuerfrei. Aber man ist dann bereits Unternehmer (im Sinne des UStG).


    Es wird Honig verkauft, nachhaltig? = Imker sind Unternehmer!


    Das heißt, um die Umsatzsteuer muss man sich (theoretisch) bereits ab 1 Volk Gedanken machen. Aber dafür gibts ja die 10,7% Regelung für Urproduktion. Im Forum bereits besprochen.


    Einkommensteuertechnisch gehts erst ab 30 Völkern los.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Es kann keine Vorsteuer aus gekauften Sachen gezogen werden, die USt von 10,7% braucht nicht an das FA gezahlt werden.
    Vorsicht ist geboten bei Zukäufen zum Weiterverkauf wie gerne auf Weihnachtsmärkten zu sehen, Kerzen, Kosmetik usw., dann kippt das ganze System,


    Das System kippt nicht, man muss dann aber bei der Umsatzsteuer und auch bei der Einkommensteuer getrennt buchführen.
    Die Gewinnpauschalierung und Durchschnittssatzbesteuerung gilt nicht für Weiterverkauf.


    Man kann im Übrigen auf die Durchschnittssatzbesteuerung auch verzichten, dann ist man vorsteuerabzugsfähig - muss die Umsatzsteuer aber abführen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Insgesamt eine ganz gute Darstellung. Leider mit einem Fehler: Die Neuregelung des § 13a EStG gilt bereits ab 2015.


    Bezüglich der Kleinunternehmerregelung ist die Darstellung ungenau bzw. missverständlich: Es wird nicht zwischen Umsätzen aus eigenen und zugekauften Produkten unterschieden.
    Zur Klarstellung: Für Umsätze die nach § 24 UStG der Durchschnittssatzbesteuerung unterliegen (also alle selbst erzeugten Bienenprodukte), gilt die Kleinunternehmerregelung nicht (Umsatzsteuer-Anwendungserlass, Abschnitt 24.7).



    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo Hobbit,
    danke für den Link. Interessante Auslegung "nur Wirtschaftsvölker".
    Wann ist ein Bien ein Wirtschaftsvolk? Nein, jetzt nicht Ableger erklären.
    Die Österreicher sagen das nur 70% der Völker Wirtschaftsvölker sind und 30% Ersatz der. aus welchen Gründen auch immer keinen Honig liefert. Ableger werden gar nicht bewertet
    Bewertet der Imker, welches Volk ein Wirtschaftsvolk ist?
    Wolfgang (WFLP), hast du dazu schon Infos?


    LG Martin

  • Dass Ableger nicht gezählt werden, ist in der Tat nur Auslegung des Autors.
    Ich habe dazu aber einen interessanten Hinweis im Schreiben des BMF gefunden.
    Danach ist bei nicht flächengebundenen Nutzungen (also auch der Imkerei) "auf die durchschnittlichen Verhältnisse des laufenden Wirtschaftsjahres abzustellen".
    Das hieße, es muss für die Zahl der Bienenvölker der Durchschnitt ermittelt werden. Zu welchen Stichtagen bleibt offen.
    Es wird sich wohl anbieten, den Durchschnitt aus der jeweils niedrigsten und höchsten Völkerzahl zu nehmen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ich habe die Frage nach den Völkerzahlen auch mal meinem Finanzamt gestellt. Und auch den Zeitpunkt. Er war da recht unsicher und meinte etwas von Zahlen am 1.7. oder so. Auch das Thema Königinnenzucht hatte ich mal angesprochen. Da hat man ja im Prinzip kurzfristig 30 Völker mehr. Aber das ging dann doch zu hoch. Ich habe daher keine Ahnung, wann ich welche Völker angeben soll. Ich nehme aktuell die Völkerzahl der Meldung an die Tierseuchenkasse, wobei mir die Wirtschaftsvölker besser gefallen würden.


    Gruß
    Frank

  • Danke Wolfgang für die Ausführungen.


    Momentan bin ich gerade allerdings völlig verwirrt...
    Ich bin Angestellter, habe keine weiteren Einkünfte aus einer selbstständiger Tätigkeit und bin unter der 30-Völker-Marke.


    In der Einkommenssteuererklärung brauche ich meine Imkerei deshalb gar nicht mit angeben. Richtig?


    Bisher warer meine Ernten sowieso nicht so üppig, dass nach Abzug von Eigenbedarf und Geschenken an Freunde und Bekannte eine nennenswerte Menge übrig blieb, um etwas zu verkaufen.
    Aber da dieses Jahr hoffentlich alles anders wird:


    Wenn ich nun auf Rechnung verkaufe, berufe ich mich auf § 24 Umsatzsteuergesetz, weise 10,7% Steuer aus und muss diese aber nicht abführen, bzw. der Umsatzsteuer wird eine Vorsteuer in gleicher Höhe gegenübergestellt. Vorausgesetzt natürlich ich verkaufe nur Urprodukte, also Honig, Pollen, Wachs.
    Auf der Rechnung muss ich trotzdem meine bisherige "normale" Steuernummer aufführen? Oder muss ich den "landwirtschaftlichen Betrieb" nun doch zwingend dem FA melden und bekomme eine weitere Steuernummer für die Imkerei? :confused:


    Gruss David

    "Das Wort gleicht der Biene: Es hat Honig und Stachel."

  • Wenn ich nun auf Rechnung verkaufe, berufe ich mich auf § 24 Umsatzsteuergesetz, weise 10,7% Steuer aus und muss diese aber nicht abführen, bzw. der Umsatzsteuer wird eine Vorsteuer in gleicher Höhe gegenübergestellt. Vorausgesetzt natürlich ich verkaufe nur Urprodukte, also Honig, Pollen, Wachs.
    Auf der Rechnung muss ich trotzdem meine bisherige "normale" Steuernummer aufführen? Oder muss ich den "landwirtschaftlichen Betrieb" nun doch zwingend dem FA melden und bekomme eine weitere Steuernummer für die Imkerei? :confused:


    Gruss David


    Hi,


    wenn Du bisher Steuererklärungen abgegeben hast, bist Du im Besitz einer Steuernummer die Du da auch angeben kannst.


    Wenn bisher keine Steuernummer vorhanden ist, musst DU den Betrieb dem Finanzamt melden und bekommst eine Steuernummer.


    Gruss Joachim

  • Ich bin Angestellter, habe keine weiteren Einkünfte aus einer selbstständiger Tätigkeit und bin unter der 30-Völker-Marke.
    In der Einkommenssteuererklärung brauche ich meine Imkerei deshalb gar nicht mit angeben. Richtig?


    Ja, ganz richtig.



    Wenn ich nun auf Rechnung verkaufe, berufe ich mich auf § 24 Umsatzsteuergesetz, weise 10,7% Steuer aus und muss diese aber nicht abführen, bzw. der Umsatzsteuer wird eine Vorsteuer in gleicher Höhe gegenübergestellt. Vorausgesetzt natürlich ich verkaufe nur Urprodukte, also Honig, Pollen, Wachs.


    Ganz richtig. Du musst dazu aber beim Finanzamt umsatzsteuerlich geführt werden. Wenn Du Dich dazu beim Finanzamt anmeldest, bekommt Du eine entsprechende (neue) Steuernummer.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Nur um nochmal sicherzugehen,das bedeutet es reicht nicht, die normale STeuernummer die ich (Angestellt, kein eigenes Gewerbe, unter 30 Völker) von der Steuererklärung habe, abzugeben, sondern ich brauch eine neue, die ich kriege wenn ich dem Finanzamt sage das ich honig an ein Gewerbe verkaufen will?