Ausweisung Mehrwertsteuer auf Rechnungen

  • Hallo zusammen!


    Auch bei mir ist es nun soweit. Ich "darf" die erste Rechnung für meinen Honig an einen Wiederverkäufer schreiben. Dieser fragte mich nach der Mehrwertsteuer auf den Rechnungen. Ich habe nun mehrere Instanzen durch hier kurz zusammengefasst mein Informationsgang und das Ergebnis. Was meint ihr, kann ich dem Braten trauen?


    1. Frage beim Steuerberater. Ergebnis: Sind uns nicht sicher, frag mal beim Finanzamt nach
    2. Frage beim zufällig in unserem Betrieb vorhandenen Lohnsteuerprüfer: Bin mir nicht ganz sicher. Steuer, die ausgewiesen worden ist, muss auch abgeführt werden. Ansonsten frag mal meine Kollegen
    3. Frage bei den Kollegen der Umsatzsteuerabteilung: Mehrwertsteuer in der Imkerei darf ausgewiesen werden und muss (ACHTUNG) trotzdem im Rahmen des kleingewerbes nicht an das Finanzamt ausgewiesen werden. Der MwSt. Satz beträgt 10,7 %. Ich erhalte eine Landwirtschaftliche Steuernummer und dann ist alles gut. Der Kollege von der Einkommensteuer meinte noch, dass ich ihm nun die Anzahl der Völker sowie mein Vorgehen kurz formfrei mitteilen sollte. Außerdem muss ich einmal / Jahr die Völkerzahlen an das Finanzamt melden. Solange ich unter 30 Völker (die zahle kennen wir ja schon) bleibe, ist alles supi.


    Die Auskunft hat mir das Finanzamt Warendorf heute erteilt. Die gesetzlichen Anforderungen an eine Rechnung müssen aber eingehalten werden. Ich habe hier ein mulmiges Gefühl, wenn ich Steuer ausweise und diese nicht abführe.


    Gruß
    Frank

  • Nein, die MwSt wird nicht ausgewiesen!!! "Rechnungsbetrag incl. MwSt", so schreibe ich das drauf.
    Das gilt bis zu 17.500,-€ UMSATZ. Und den wirst du nicht erreichen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Der Kollege aus der Umsatzsteuerabteilung liegt (fast) richtig. Mit Kleingewerbe hat das Ganze nämlich nichts zu tun.
    Du brauchtst in der Tat eine Steuernummer, die gehört nämlich zur gesetzlichen Anforderungen an eine Rechnung.
    Das mit dem 30 Völkern gehört nicht hierher, weil es da um die Einkommensteuer geht, nicht um die Umsatzsteuer.
    Wenn Du vom Finanzamt eine Steuernummer bekommst, wird es Dich wahrscheinlich steuerlich auch veranlagen wollen. Dann musst Du eine Nullmeldung abgeben.
    Solange das Finanzamt sich nicht meldet, muss Du auch nichts abgeben.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Nein, die MwSt wird nicht ausgewiesen!!! "Rechnungsbetrag incl. MwSt", so schreibe ich das drauf.
    Das gilt bis zu 17.500,-€ UMSATZ. Und den wirst du nicht erreichen.


    Da bringst Du aber gründlich was durcheinander. 17.500 Euro ist die Kleinunternehmergrenze, die für Imker nicht gilt (außer Du beantragst beim Finanzamt den Verzicht auf die Durchschnittssatzbesteuerung).


    Die Umsatzsteuer wird sehr wohl ausgewiesen!
    "Rechnungsbetrag incl. 10,7 % MwSt", reicht nur aus, wenn der Rechnungsbetrag insgesamt nicht höher ist als 150 Euro (Kleinbetragsrechnungen). Ansonsten muss nicht nur der Steuersatz, sondern auch der Steuerbetrag angegeben werden.


    Der Steuersatz muss aber auf jeden Fall drauf stehen. Steht so im Umsatzsteuergesetz (§ 24 Abs. 1 Satz 5):
    "§ 14 (Ausstellung von Rechnungen) ist mit der Maßgabe anzuwenden, dass der für den Umsatz maßgebliche Durchschnittssatz in der Rechnung zusätzlich anzugeben ist."


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Jepp!


    Ich habe das auch mehrfach abgefragt...


    Die MwSt wird auf der Rechnung ausgewiesen. Darauf sind die Wiederverkäufer ganz scharf, weil es für uns brutto=netto ist und sie dann beim Weiterverkauf 7% (Wolfgang, ja?) ausweisen. Vom Finanzamt habe ich so eine Landwirtschafts-Steuernummer.


    Gruß Jörg, der gern mal Rechnungen schreibt

  • Ja, das ist das Schöne an der Durchschnittsatzbesteuerung: Es ergibt sich eine für den Wiederverkäufer positive Differenz zwischen Vorsteuer und zu erhebender Umsatzsteuer. Das ist ein Steuergeschenk an die Land- und Forstwirtschaft, also auch an uns Imker.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Also jeder, der bisher schon eine Steuererklärung abgegeben hat, hat ja auch eine Steuernummer. Die würde es fürs erste Jahr auch tuen meinte der Typ vom Finanzamt. Danach bekomme ich eine für die Landwirtschaft und müsste dann eine 0 EUR Meldung mit der Anzahl der Völker abgeben.


    Soweit wäre das so wie es Wolfgang geschrieben hatte.

  • WFLP
    Hallo Wolfgang,
    eine Landwirtschaftliche Steuernummer ist also nochmals eine weitere Steuernummer und hat nichts mit Lohn/Einkommensteuernummer und auch nichts mit Umsatzsteuernummer zu tun, richtig?
    Einkommensteuernummer hat jeder, Umsatzsteuer-ID hätte ich, hat aber nun mal gar nix mit meiner Hobbyimkerei zu tun.


    VG Martin

  • Hallo Martin.


    Nein eine landwirtschaftliche Steuernummer ist eine andere Art der Steuernummer. An der Nummer kann das Amt erkennen ob der Steuerzahler angestellter, selbstständig oder eben Landwirtschaft besitzt. Man erhält halt automatisch eine neue Steuernummer sobald die Anlage für Land oder Forstwirtschaft ausgefüllt wird.


    Gruß Frank

  • Eine spezielle landwirtschaftliche Steuernummer gibt es nicht. Du zeigt die Betriebsaufnahme beim Finanzamt an und bekommst eine Steuernummer (das ist nicht die Steueridentifikationsnummer, die jeder Mensch von Geburt an zugeteilt bekommt).
    Falls Du schon eine andere Steuernummer hast, müsstet Du dich dennoch beim Finanzamt melden, damit du künftig auch umsatzsteuerlich geführt wirst.
    Wenn Du eine Umsatzsteuer-ID (die man eigentlich nur im EU-Binnenverkehr braucht) hast, wirst Du mein Finanzamt ja schon umsatzsteuerlich geführt.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Also das was der Wolfgang schreibt ist voll in Ordnung,


    Wenn eine Steuernummer vergeben ist, diese auf die Rechnung, Ust Satz (10,7%) UND Umsatsteuerbetrag, ausser bei Beträgen bis 150 € KANN man auch inclusve USt schreiben, auch auf die Rechnung, wenn noch keine Steuernummer vergeben ist, diese beim FA beantragen, dem FA muss die Aufnahme einer Umsatzsteuerpflichtigen Tätigkeit zu Durchscnittsätzen eh angezeigt werden.


    Es muss auf der Rechnung das Leistungsdatum angegeben werden, also das Lieferdatum.


    Die ausgewiesene Ust muss NICHT an das FA gezahlt werden, sonstige Vorsteuerbeträge können nicht abgezogen werden.


    Grüsse aus Werder

  • Hallo ihr Lieben,
    ich hätte auch eine Frage an die Steuerexperten hier im Forum.
    Ich beliefere Läden und mache das mit Glaspfand. Für den Honig weise ich 10,7 % MsSt. aus. Wie ist es mit den Gläsern.
    Die stehen extra auf der Rechnung. Die Menge der zurückkommenden Gläser werden von den Gelieferten abgezogen und dann verrechne ich die übrig gebliebene Menge Gläser mit 19 % MwSt. da ja das kein Lebensmittel ist, das ich erzeuge. Außerdem hat der Wiederverkäufer den Vorteil das er für die verrechnten Gläser vom Finanzamt die 19 % MwSt. zurückbekommt. Ist das jetzt steuerrechtlich so in Ordnung oder mache ich da was falsch?
    Schöne Grüße
    Alfons

  • Hallo Alfons,


    ich habe unten mal einiges dazu reinkopiert, die wichtigen Aussagen - Gläser als sogenannte Warenumschließung teilen als Nebenleistung das Schicksal der Hauptleistung, unterliegen also der selben Umsatzsteuer wie das in den Gläsern befindliche Produkt, also bei Honig 10,7% USt. (19% bei Bier).
    Die Verwendung des Steuersatzes von 19% ist falsch und gefährlich, da diese USt eben nicht die Anwendung des § 24 UStG bedeutet was zur Plicht der Zahlung der USt an das Finanzamt führen kann. Für Dich ist das alles relativ einfach, Du must nichts tun wenn Du die 10.7% USt ausweist, die Gläser werden dann wie Honig behandelt. Dein Abnehmer kann die 10.7% Vorsteuer sowohl auf den Honig als auch auf die Gläser ziehen, bekommt er die Gläser vom Kunden zurück, ist es bei ihm eine Minderung des Entgeldes und damit der Vorsteuer, bei Dir ohne Bedeutung.


    Also bis denne und ich hoffe, es war veständlich.


    1.8 Leergut und darauf zu entrichtendes Pfandgeld
    Pfandgeld wird normalerweise für Warenumschließungen (Flaschen, Gebinde, Container) vom Getränkelieferant berechnet. Grundsätzlich teilt die Warenumschließung als unselbstständige Nebenleistung zur Warenlieferung das umsatzsteuerliche Schicksal der Hauptleistung (Nebenleistungen). Deshalb ist das Pfandgeld für die Warenumschließung Teil des Entgelts für die Hauptleistung (Getränkelieferung). Zahlt der Lieferant das Pfandgeld zurück, ist hierin eine Entgeltsminderung zu sehen, die beim Gastwirt zu einer Minderung der abziehbaren Vorsteuer führt.



    4. Anwendung der Durchschnittssatzbesteuerung nach § 24 UStG
    Im Anwendungsbereich der Durchschnittssatzbesteuerung nach § 24 UStG unterliegen die Lieferungen von Transporthilfsmitteln grundsätzlich der Regelbesteuerung (vgl. I. Nr. 2). Derartige Lieferungen können jedoch aus Vereinfachungsgründen wie die Umsätze mit Gegenständen des land- und forstwirtschaftlichen Unternehmensvermögens (z.B. gebrauchter landwirtschaftlicher Geräte) der Durchschnittssatzbesteuerung unterliegen, wenn die Transporthilfsmittel zu mindestens 95 % für Umsätze verwendet worden sind, die den Vorsteuerabzug nach § 24 Absatz 1 Satz 4 UStG ausschließen (vgl. Abschnitt 24.2 Absatz 6 Satz 3 UStAE). Auch die gesonderte Anwendung der Vereinfachungsregelung nach Abschnitt 24.6 UStAE ist möglich.

  • Hinweis: Gläser sind Warenumschließungen, keine Transportmittel. Es gilt also der einheitliche Steuersatz von 10,7%.
    (BMF, 20.10.2014, IV D 2 - S 7200/07/10022:002)


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)