Zusammenhang Fütterung - Winterbienen

  • Hallo Zusammen,


    kaum wird es kälter kommen die Gedankenspielchen :p


    Folgende Überlegung: Oft erfolgt die Wintereinfütterung nicht auf einmal in großen Mengen sondern über einen großen Zeitraum in kleinen Portionen. Den Bienen wird dadurch stetige Tracht signalisiert. Es wird viel gebrütet, mehr als üblich. Zur Brutpflege werden Bienen benötigt, die sich daran abarbeiten. Werden dann noch genügend Winterbienen produziert?


    Man weiß immer noch nicht warum eine Biene zu einer Winterbiene wird, aber es deutet vieles in die Richtung, dass mit mangelnder Tracht und sinkenden Temperaturen ein Mechanismus in Gang gesetzt wird, damit besonders widerstandsfähige Bienen mit großem Fettvorrat gebildet werden.


    Vielleicht wäre es also besser die Wintereinfütterung generell auf ein oder zwei Futterstöße zu reduzieren?


    Was ist eure Meinung dazu?


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Hallo Simon


    Zwischen Ost und west gibt es einen Unterschied von rund 14 Tagen. Winterbienen soltten Ende August bis Mitte September schlüpfen und sollten dann nicht mehr sehr arbeiten müssen. Das bedeutet das nach dem Abschleudern im Juli, kein Futtermangel auftreten darf, damit die Königin in Eilage bleibt. Ob hintereinander kleine Gaben oder 10 l Futter auf einmal gereicht werden spielt meiner Meinung nach keine Rolle. Es spielt aber eine Rolle ob ich eine junge oder alte Carnica Königin habe oder eine Buckfast.Winterbienen sollten werder Futter Einlagern noch starke Brutpflege betreiben, dazu sollten noch genügend Altbienen vorhanden sein. Bringt jetzt die Varroabehandlung noch einiges durcheinander, staunt mancher nicht schlecht, wenn im Dezember die Kästen leer sind.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • hallo Simon,
    @ reinhard

    Zitat

    Winterbienen soltten Ende August bis Mitte September schlüpfen und sollten dann nicht mehr sehr arbeiten müssen.


    Ich vergleiche die Biene mit einem Motor, der sagen wir mal eine Laufleistung von ca. 100000 km hat,
    sind die verbraucht ist Feierabend, den Verschleißgrad den die Winterbeine im Späherbst genommen hat, fehlt, weil zu kurze Lebensdauer im Frühjahr.

    Zitat

    Ob hintereinander kleine Gaben oder 10 l Futter auf einmal gereicht werden spielt meiner Meinung nach keine Rolle


    Das ist auch meine Feststellung,
    das Einfüttern in die Länge zu ziehen kenne ich noch aus früheren Zeiten, als noch wir in der HBB geimkert haben, nachdem wir erst ende August bzw. Anfang September aus der Rotleewanderung zurück kamen.

    Zitat

    Das bedeutet das nach dem Abschleudern im Juli, kein Futtermangel auftreten darf


    unter Beachtung das aber zum Brüter, bzw. für die ( Eilage ) genügen Platz bleibt.

    Zitat

    Winterbienen sollten werder Futter Einlagern noch starke Brutpflege betreiben, dazu sollten noch genügend Altbienen vorhanden sein. Bringt jetzt die Varroabehandlung noch einiges durcheinander, staunt mancher nicht schlecht, wenn im Dezember die Kästen leer sind.


    Ja, so ist es, aber das ist ja ein anderes Thema.


    Gruß Jürgen

  • Der Begriff "Winterbiene" ist irreführend
    Es gibt wohl zum Winter hin eine besonders pollenreicher Ernährung für die Jungbienen, sodaß sie eine Fettschicht ansetzen.
    Die lange Lebenszeit ist wohl eher die Folge der Untätigkeit während der Winterruhe.
    Solange es warm ist, bewegen sich die Bienen sowieso. Ob das Eintragen des Futter sie zusetzlich
    weiter gross belastet, bezweifele ich.
    Mit der Einfütterung entsteht nochmal Brut und das werrden sicherlich auch Winterbienen.
    Gibt es zu dem Thema wissenschaftliche Arbeiten?
    Elk

  • Wie man einfüttert liegt auch nicht unwesentlich an den Gegebenheiten & Zielen: Hab ich große WV, die 'nur' winterfertig aufgefüttert werden sollen, da isses fast egal, wenn nur genügend Platz für die Brut bleibt. Spät dann noch ein Abschlußtrunk und fertig. Hab ich Jungvölker oder gar mit heißer Nadel gestrickte Ableger, muß ich laaaaaaangsam und dünn füttern, damit sie noch auf Sollstärke kommen. Kann man also so pauschal nach Dr. Ötker nicht sagen.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Zusammen,


    kaum wird es kälter kommen die Gedankenspielchen :p


    Folgende Überlegung: Oft erfolgt die Wintereinfütterung nicht auf einmal in großen Mengen sondern über einen großen Zeitraum in kleinen Portionen. Den Bienen wird dadurch stetige Tracht signalisiert. Es wird viel gebrütet, mehr als üblich.


    Hi Simon,


    ich mach es genau so und es klappt prima. Ca. Mitte September mache ich dann noch die letzten großen Futterstösse und gut ist es.

  • Vielen Dank für die Beiträge!


    Es wird ja beides (mit Erfolg) betrieben, langsames und dafür regelmäßiges Auffüttern und Auffüttern in ein bis zwei Futterstößen.


    Elk hat geschrieben:


    Zitat

    Mit der Einfütterung entsteht nochmal Brut und das werrden sicherlich auch Winterbienen.


    Das wäre ein logischer Gedankengang. Könnte es aber nicht sein dass Brut entsteht, die Bienen aber Trachtbienen produzieren?
    Ab wann ist eine Biene eine Winterbiene (schon beim Schlupf oder erst wenn sie keine Brutpflege betreiben muss und nicht mehr ausfliegen kann)


    Es geht hier sicherlich nur um minimale Unterschiede im Volk, aber ich würde einen Feldversuch in diese Richtung interessant finden.


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Hallo Simon


    du hast da in deinem Beitrag einen guten Gedankengang. Ich versuche es mal zu erklären. Je länger man den Bienen eine Tracht vorgaukelt je länger werden auch Bienen erzeugt. Ob es Winterbiene werden liegt daran ob sie sich ein gutes Fettpolster anfressen können oder ob sie noch arbeiten müssen. Auch wenn man länger füttert werden nicht mehr Jungbienen (Winterbienen) erzeugt, weil sich ja dafür viele Winterbienen wieder abarbeiten müssen. Außerdem ist es fraglich ob die spät geschlüpften Jungbienen noch ihren Reinigungsflug ausführen können.
    Späte Fütterung, bzw späte Jungbienen bedeutet eine Verschwendung von Futter. Warum muss man wohl bei Buckfastbienen 2kg mehr Winterfutter verabreichen? Weil sie sehr oft durchbrüten. Hoffe das es zu verstehen war.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Ab Anfang August, jede Woche 4 kg füttern. Drei Wochen lang. Dann eine Woche Pause. Dann in einem Mal fertig auffüttern. Auf gute und reichliche Pollenversorgung achten. Auch Bienen fressen sich Winterspeck an. So kriegt man fette Völker für den Winter.

  • Ob es Winterbiene werden liegt daran ob sie sich ein gutes Fettpolster anfressen können oder ob sie noch arbeiten müssen.


    Ist das so? Ist das nicht eine oft wiederholte These, die schon längst widerlegt wurde?

  • Hallo Bienenfreunde!


    Die ganzen Erklärungsversuche zum Thema Winterbienen/Sommerbienen haben einen Haken, sie halten einer Überprüfung nicht stand.


    Wenn es tatsächlich so wäre, dass man durch langsame kontinuierliche Fütterung starke Wintervölker bekommen würde, dann müsste die letzte Generation Imker (bei den Hinterbehandlungsimkern war die Ballonfütterung ein wesentlicher Bestandteil) immer Top-Völker gehabt haben.


    Andererseits, wenn langsames Füttern die Winterbienenproduktion beeinträchtigen sollte, dann müssten die "modernen" Imker, die 10 -12 Liter Futter auf einmal geben, im Winter die stärksten Völker haben.


    Beides tritt aber nicht ein. Da darf man sich von einer ev. kurzfristigen Brutzunahme nicht täuschen lassen.



    Das Bienenvolk folgt meiner Meinung nach einer inneren Uhr, die man nur ganz schwer austricksen kann. Ein Beispiel dazu.


    Wenn man im August zwei Völker vereint, dann könnte man erwarten, dass dadurch ein sehr starkes Wintervolk entstehen sollte. Dem ist aber nicht so. Nach ein paar Wochen haben sich die zusätzlichen Bienen verflüchtigt und die Volksstärke entspricht den nicht verstärkten Völkern. Offensichtlich werden dabei nicht mehr Winterbienen erzeugt.


    Wenn man aber die Vereinigung erst im Oktober vor nimmt, dann hat man tatsächlich ein starkes Wintervolk, da gehen dien Bienen nicht mehr verstärkt ab, da bleiben sie großteils erhalten.


    Das Bienen- ein mal eins ist nicht so leicht zu erklären, da könnte ich noch viele Beispiele nennen. Eine all zu menschliche Betrachtung verläuft oftmals im Sand.


    MfG
    Honigmaul

  • "Winterbienen" sind eher "Dauerbienen". Also Bienen mit längerer Lebensdauer. Bienen leben länger mit einem gefüllten Fettkörper - hier im Schnitt links eine dürre kurzlebige Biene und rechts eine fette langlebige Biene.



    http://scientificbeekeeping.com/fat-bees-part-1/


    Der Fettkörper wird in den ersten fünf Lebenstagen der gerade geschlüpften Jungbiene aufgebaut.


    Über einen Doppel-Mechanismus, in dem das Juvenilhormon und das Vitellogenin (und ein Sammlerinnenpheromon) eine Rolle spielen, wird ein Verhalten ausgelöst, das bei Einstellen des Trachtfluges und vor allem bei Pollenmangel eintritt. Die junge Brut wird kannibalisiert, sprich: aufgefressen.


    Vermutlich übernehmen die jungen Pflege- und Putzbienen das Ausfressen und fressen sich damit einen Speckkörper an, was sie zu Dauerbienen macht.


    Auch wenn im August und Herbst noch Pollen eingetragen wird, in der Regel herrscht zu dieser Zeit Pollenknappheit. Und damit Proteinmangel. Mehr und mehr wird die Brut (in der Regel Eier) ausgefressen und es bilden sich Winterbienen.


    Übrigens kann der Mechanismus Juvenilhormon/Vitellogenin auch dafür verantwortlich sein, daß mit dem Schwinden des Vitellogenin und der Erhöhung des Juvenilhormons und andersherum, das Absteigen der Varroa in die schlupfreifen Zellen gesteuert wird. Sprich: kommt es zum Proteinmangel, steigen die Varroen in die Zellen ab.


    Wer vom August bis Dezember Pollenersatz füttert, der findet große Brutnester auch bei Frost vor und hat eine sehr große Zahl an Dauerbienen im Volk. Allerdings darf die Versorgung zwischendurch nicht abreißen und es besteht die Gefahr von Darmerkrankungen. Und bei der Varroa gibt es mehr Vermehrungszyklen. Jedenfalls hat der die größten Bienenvölker im Frühjahr, bei dessen Völkern die Pollenversorgung (Proteinversorgung) möglichst bis kurz vor dem Winter optimal gegeben ist. Dann treten äußere Reize wie Länge des Tageslichtes ein, die den Winter einläuten und die Bienen veranlassen, aus der Brut zu gehen.


    Über die Fütterung von Zucker läßt sich die Erzeugung von Winterbienen jedenfalls nicht steuern.

  • Danke Berhard


    für die neue Erkenntnis, man kann ja nur das wissen was man gelernt hat. Aber das Bienen bei Futtermangel Eier und Maden auffressen habe ich auch schon gelesen. Da es bei mir genug Pollen im Herbst gibt, brauche ich mich nur um das nötige Futter zu kümmern. Und nur nebenbei, Pollenersatz würden meine Bienen nicht bekommen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • "Winterbienen" sind eher "Dauerbienen". Also Bienen mit längerer Lebensdauer. Bienen leben länger mit einem gefüllten Fettkörper - hier im Schnitt links eine dürre kurzlebige Biene und rechts eine fette langlebige Biene.


    Vermutlich übernehmen die jungen Pflege- und Putzbienen das Ausfressen und fressen sich damit einen Speckkörper an, was sie zu Dauerbienen macht.


    Auch wenn im August und Herbst noch Pollen eingetragen wird, in der Regel herrscht zu dieser Zeit Pollenknappheit. Und damit Proteinmangel. Mehr und mehr wird die Brut (in der Regel Eier) ausgefressen und es bilden sich Winterbienen.


    Ich habe mir nochmal alles durchgelesen und festgestellt das es keinen Unterschied zwischen Winterbienen und Dauerbienen gibt. Sie haben eins gemeinsam, ein dickes Fettpolster. Wer weis schon genau wie es geht.


    Ich zitiere noch aus dem Buch "300 Ratschläge für den Freizeitimker"
    aus Rat 218:
    Zwischen der Pollenversorgung und der Lebensdauer der Bienen besteht ein unmittelbarer Zusammenhang, denn unter Pollenmangel aufgezogene Bienen sind kurzlebiger. Eine Tatsache die Sie nachdenklich machen sollte, weil gerade die Bienen, die das Wintervolk bilden, sehr lange leben müssen.


    1983 nannte man die Bienen: Kurzzeitbiene - Dauerbrenner!!! gehört noch zum Zitat.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)