Nachfrage nach verschiedenen Honigsorten

  • Guten Morgen zusammen!


    Es beginnt jetzt nach der Bienensaison die Honigsaison im Sinne des Honigverkaufes.


    In diesem Zusammenhang stelle ich als bekennender "Zum-Spaß-an-Sortenhonigen-wandernder-Imker" in den letzten Jahren immer wieder fest, dass in der hiesigen Region immense Präferenzen bei der Honigsortenwahl festzustellen sind. Und zwar ganz klar und deutlich hin zu den hellen Frühjahrshonigen wie dem klassischen Rapshonig oder Raps-Obstblüten-Mischhonig.
    Die in meinen Augen aufregenderen bzw. geschmacklich tendenziell spannenderen Honige, die es hier, wenn auch nicht regelmäßig, zu ernten gibt wie bspw. einen akaziengeprägten Honig (okay, der ist primär ob der Flüssigkeit interessant) oder die Waldblütenhonige oder Linde oder in diesem Jahr die hier quasi flächendeckend sehr dunkle und würzige Sommer-"blüte" aus Laubbaumblatttau, diese werden im Verhältnis nur minimalst nachgefragt.


    Wundert mich zugegebenermaßen langsam schon, wenngleich diese Honige ob des Wanderaufwandes natürlich einen Ticken teurer sind als die in unserer Region "Allerweltshonige" wie die o.g. Frühtrachten.
    Zumal diese Präferenzen sich durch alle mir bekannten Kundschaftsschichten ziehen.


    Wie sieht das bei Euch aus?


    Ich meine im Hinterkopf zu haben, dass bspw. in manchen Regionen in Süddeutschland die Kunden tendenziell wesentlich lieber zu dunklen Waldhonigen greifen und man Raps etc. kaum wegbekäme?!


    Gespannte Grüße
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo Patrick,


    ja, iss so. Viele Leute schmecken einfach nícht die Unterschiede und kaufen entweder nach Optik oder aus Gewohnheit. Typische Wünsche sind dann "schön cremig" oder "flüssig". Die anspruchsvolleren Kunden gucken gern nach etwas dunkleren Honigen.


    Ich habe für mich beschlossen, daß ich damit klarkomme und die Wanderei mir zu viel Aufwand wäre. Und den Kunden kann ich keinen Vorwurf machen, sondern vergleiche das mit meiner Entscheidungsschwäche, wenn ich vor einer guten Käsetheke stehe. Und ich esse viel und gern Käse.


    Gruß Jörg

  • Moinsen Patrick,


    also meine Erfahrung ist: Der helle Honig (Frühtracht und angewanderter Raps) ist bereits ausverkauft bzw. kurz davor. Der sehr dunkle Sommerhonig schmeckt mir am besten (also wie dir), wird aber erst einmal weniger nachgefragt bzw. es kommen erst mal kommentare wie "der sieht aber komisch aus". Ich bin dann dazu über gegeangen massiv das Probieren anzubieten bzw. die Kunden fast zu zwingen, den mal zu probieren. Siehe da, viele lieben den dann. Naja und viele Sagen - neee der helle gefällt mir besser. Am Dienstag habe ich mich noch mit ehemaligen Kollegen getroffen. Die wollten erstmalig meinen Honig mal probieren. Da ich keine Ahnung hatte, was gefordert war, habe ich dann im Glas fest gewordenen ganz dunklen Sommerhonig, cremigen Sommerhonig (mit etwas Linde) sowie meinen letzten Frühtrachthonig mit genommen. Nach einer Probierorgie war das Ergebnis so, dass ich an drei Personen fast einen ganzen Karton dunklen Sommerhonig sowie kein einziges Glas Frühtracht verkauft hatte. Lediglich der Wirt der Kneipe sowie die Bedienung haben dann je ein Glas Frühtracht gekauft - das lag aber mehr daran, dass ich hier auch kleine Gläser (250 Gramm) mit hatte.


    Also mein Fazit: Der Dunkle Honig geht sehr gut, wird auch gut nachgefragt, wenn man die Kunden erst mal darauf gebracht hat. Trotzdem lässt sich der helle Frühjahrshonig besser verkaufen. Ich muss hier im nächsten Jahr mal über unterschiedliche Preise nachdenken. Auch, da ich immer weniger Frühtracht als Sommerhonig habe.


    Gruß
    Frank

  • Hallo,


    man muß dem Kunden, schon manchmal den Honig "ums Maul schmieren".


    Sprich ich habe zur Entscheidungsfindung meist Probiergläser mit. Linde, Kornblume aber auch Raps und Obstblüte verkauft sich sehr gut.


    Hobbit


    Brauchst du Raps? Bei mir und Henry ist das Lager voll davon. Meine Citrone möchte nicht leer nach Fulda fahren.

    Mit freundlichen Grüßen


    Steffen Winde

  • Hallo Steffen,


    ja ich überlege schon seit Wochen, ob ich Honig zukaufen soll oder nicht. Bin hin und her gerissen. Aktuell verkaufe und vermarkte ich halt sehr stark mit dem Argument, dass der Honig aus unserer Region / unserem Ort kommt. Das kommt sehr gut an und die Kunden sind halt begeistert von dem Honig, da er ja auch aus ihrem Garten kommen könnte. Wenn ich nun Honig zu kaufe, muss ich das ja auch sagen und ich weiß nicht, ob ich mir damit einen Gefallen tue. Außerdem habe ich auf meinen neuen DIB-Etiketten den Hinweis "honig aus dem Münsterland". Das würde dann ja auch nicht passen.


    Ich überlege mir noch was und sage dir dann Bescheid!


    Gruß
    Frank

  • Moin zusammen!


    Zitat

    Viele Leute schmecken einfach nícht die Unterschiede und kaufen entweder nach Optik oder aus Gewohnheit. Typische Wünsche sind dann "schön cremig" oder "flüssig".


    Genau das habe ich auch schon festgestellt und mich daher auch seit einiger Zeit immer mal wieder im

    Zitat

    dem Kunden, schon manchmal den Honig "ums Maul schmieren"

    probiert. Der Erfolg hält sich in Grenzen, auch wenn immer wieder Einzelne auf neue Sorten anzufixen gewesen sind.


    Das man

    Zitat

    den Kunden keinen Vorwurf machen

    kann ist klar. Ich habe mich halt nur in den letzten Wochen mehrfach dabei erwischt zu überlegen ob

    Zitat

    die Wanderei mir zu viel Aufwand

    wird im Verhältnis zu dem "Erfolg" mit den dabei geernteten Honigen.
    Zumal ich über das Stadium "

    Zitat

    Ich muss hier im nächsten Jahr mal über unterschiedliche Preise nachdenken.

    " lange hinweg bin und in meinen Augen wie auch denen einiger Kunden regionale, nur mittels gezielter und im Verhältnis immens aufwendiger (ich schreibe das übrigens aus Protest nicht mit "ä"!) Wanderung zu erhaltende Honige einen höheren Preis uneingeschränkt rechtfertigen.
    Dem zum Trotz scheint auch hier der Preis unterschwellig bei den nicht absolut honigaffinnen Menschen nicht unerhebliches Nicht-Kaufs-Argument darzustellen?!
    Das ich

    Zitat

    immer weniger Frühtracht als Sommerhonig habe.

    ist allerdings nicht der Fall, lediglich die Sortenvielfalt ist im Sommer aufgrund vielfältigerer Wanderplätze und Trachten größer.


    Nachdenkliche Grüße
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • ich verkaufe alle Sorten gleich gut. (Raps, Akazie, Brombeere, Linde, Kornblume, Edelkastanie, Früh- und Sommertracht)


    Ein wenig unterstützen/beraten muß beim Verkauf schon.


    1. Vorher fragen, welche Richtung: Fruchtig? Blumig? Herb? Cremig/flüssig?
    2. Nicht zu viele Honige probieren lassen! Maximal drei. Die drei sollten komplett unterschiedlich schmecken.
    3. Die Unterschiede beim Probieren beschreiben.
    4. Nur die Honige hinstellen, die Du verkaufen willst. Wenn Akazie fast aus ist, dann erstmal nur Linde probieren lassen.
    5. Von mild bis herb probieren lassen. Kastanie überdeckt fast alles und hat eine lange wirkenden Nachgeschmack.
    6. Wenn Du Kastanie verkaufen willst, erst Kastanie probieren lassen. Wenn Du einen anderen Honig verkaufen willst, Kastanie zuletzt (von dreien) probieren lassen.
    7. Wenn der Kunde sich nach dem ersten oder zweiten Honig entschieden hat, nicht weiter den anderen Honig aufschwatzen. Viele drücken dem Kunden einen Löffel nach dem anderen in den Mund. Weniger ist mehr! (Zuckerschock...)


    Anteile der Zuckerarten erklären. Besondere Bezeichnungen verwenden: "Frühstückshonig" (Akazie) für Joghurt oder Müsli, "Sportlerhonig" für Rapshonig (Traubenzucker), "Honig für Kenner" (Kastanie)


    Beratung ist angesagt. Und: Weniger ist mehr. Kontraste schaffen, Unterschiede zu erkennen muss ermöglicht werden.



    PS: Preise spielen gar keine Rolle. Ich verkaufe das Glas für 6,50-8,50 €. Es gibt welche, die meckern, daß andere Imker 3,50 € nehmen. Die lasse ich probieren. Die kaufen dann alle ein paar Gläser, einer vor kurzem sogar einen ganzen Karton voll. Für 6,50 €/Glas. Die Billigheimer freuen sich über kleine Gimmicks. Ein, zwei 30 g Probiergläser geschenkt. Oder so.

  • Hallo !


    Trotz erheblicher Preisdifferenz (60%) verkaufen sich bei uns dunkle Honige weit aus besser als
    Frühlingsblüte Rape / Obstblüte.


    Helle Honige haben wir im Überfluß, dunkle fast nie genug.


    Die Menge und Qualität (Invertase um 350 U/kg) der dunklen Sommertracht in 2015 ist hier echt ein Bringer.


    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Hi!


    Die Leute können ja auch nur nach etwas fragen, was sie schon kennen.
    Danke Bernhard für Deine gute Zusammenfassung!


    Ich persönlich bin ein echter Fan von grobkristallinen Honigen voller Geschmack... (im Gegensatz zu toterwärmter und totgerührter Einheitsware) tatsächlich bin ich da aber ziemlich allein...auch unter Imkern, wie ich festgestellt habe.


    Mir ist aufgefallen, dass Leute, die gern kochen oder Weinfeinschmecker sind, auch experimentierfreudiger sind, was Honig angeht.


    Bilder oder Verwendungshinweise machen sich sehr gut: "den nehme ich zum kandieren von Walnüssen über den Feldsalat" oder - bei etwas zu festem Honig "der perfekte Kinder- (und Alten-) Honig: läuft garantiert nicht vom Brot" ...


    Dem Kunden ist es egal, was Du für einen Aufwand hattest genau diesen Honig zu ernten, das rechtfertigt meiner Meinung nach keinen erhöhten Preis. (Aufs Kg gesehen haben wir Freizeitimker sowieso mehr Aufwand, der ist genaugenommen unbezahlbar) Nur die Ausgefallenheit und Seltenheit oder Regionalität zählt.
    Notfalls mit künstlicher Verknappung:wink:


    Gruß
    Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • In der Regel ist es bei uns so, dass, wenn nach Honig gerfagt wird, Heidehonig gemeint ist. Daneben kann man Raps häufig vergessen. Zu den Preien: Im letzten Jahr kostete ein kg Heide lose 10,00 Euro, alsodas 500g-Glas auch 10,00 Euro. Es gab eine gute Ernte. In diesem Jahr hat die Heide kaum gehonigt und auch nur 14 Tage geblüht, dann war sie überwiegend braun und aus der Traum. Entweder es gibt kaum oder keinen Heidehonig oder er kostet 14,00 pro kg. Selbst dafür gibt es ihn kaum bei den großen Berufsimkern. Der Handel auch der für Touristen verkauft dann den EU- und nicht EU-Länder Mischhonig z.B. für 7,50 Euro das 500g-Glas. Wer soll dann für ein 500g-Glas 14 Euro bezahlen? Da hilft dann auch nicht die Regionalität und die beim Wandern gesehenen Heideflächen als Argument.
    Bei uns im Verein gibt es Imker, die sagen, dass sie gerade für sich privat genug, jedoch nicht für ihre Stammkunden hätten. Selbst die "gut" versorgten haben gegenüber 2014 25 bis 33 % weniger. Einer hat erwähnt, das er Scheibenhonig geerntet hat, worauf die anderen verwundert fragten, woher er den in diesem Jahr bekommen hat. Ich genieße gerade meinen vom letzten Jahr zurückbehaltenen Scheibenhonig. Presshonig in Gläsern habe ich schon längst nicht mehr. Mußte also auch selbst schon auf Raps ausweichen. Steht auf dem Tisch weil eine Tochter, die noch bei uns wohnt und mein Sohn, der ab und zu da ist, ihn mag. - Verstehe zwar nicht, ist für mich aber günstig, so kann ich etwas anbieten.
    Also Preis bildet sich eigentlich nach Angebot und Nachfrage, bei ordentlicher Qualität.
    Mit bestem Gruß
    Wolfgang, der hofft, dass die Völker im nächsten Jahr gut eintragen können.

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)