jetzt nochmal mit AS behandeln?

  • Hallo Zusammen,


    ich lese jetzt schon einige Zeit bei euch im Forum mit und ich muss sagen ich habe schon sehr viel durch euch dazu gelernt. :p


    Leider habe ich auf mein aktuelles Problem noch keine Antwort gefunden, darum möchte ich euch auf diesem Weg um Hilfe/Rat fragen.
    Ich habe dieses Jahr mit der Imkerei angefangen und habe 3 Völker. Leider konnte ich wetterbedingt nur einmal mit dem Nassenheider 12 Tage behandeln. Ich hatte bei der letzten Windelkontrolle (Anfang letzter Woche) folgende Milben/Tag:


    Volk 1 (einzargig) 0,666 (2 Milben in 3 Tagen)
    Volk 2 (einzargig) 2,33 ( 7 Milben in 3 Tagen)
    Volk 3 (zweizargig) 1,33 (4 Milben in 3 Tagen)


    Mein Imkerpate meinte man soll immer 2 mal behandeln. Jetzt ist es ja auch leider schon Anfang Oktober und es wird langsam kalt bei uns.


    Was würdet ihr machen? Die Milbenzahlen sind ja eigentlich gut oder? Ist zwingend eine zweite Behandlung notwendig?


    Mfg Tobias

  • Hallo Tobias,


    nein eine 2. Behandlung ist nicht unbedingt notwendig. Aber ob sie in deinem Fall auch tatsächlich wegfallen kann, ist auf die Entfernung nicht so einfach zu sagen. Die Windeldiagnose hat ihre Schwierigkeiten: *Ist die Windel gegen Ameisen geschützt? *Wie stark ist das Volk?
    Um einigermaßen sicher beurteilen zu können, ob deine Völker im Bezug auf den Milbenbefall im 'grünen' Bereich sind, also sicher keine weitere Behandlung benötigen bis zur Restentmilbung (z.B. durch Oxalsäureträufeln ca. Mitte Dezember), braucht man Kenntnisse über den relativen Befall.
    Also nicht eine Total-Aussage, "wieviele Milben sind im Volk" sondern -
    Wieviele Milben gibt es im Volk pro Biene. (Naja eher pro 100 oder 1000 Bienen)


    Mit der Windeldiagnose bekommst du einen Eindruck davon, wieviele Milben von allen Bienen herunterfallen. Das sind bei einem starken Volk mehr, als bei einem schwachen. D.h. aber noch lange nicht, dass das schwache Volk deshalb auch besser dasteht.
    Um einen Eindruck vom relativen Befall zu bekommen, musst du eine Bienenprobe bekannter Größe nehmen und den Milbenbefall darauf messen. Am einfachsten ist das mit der Puderzucker-Methode, oder auch mit einer Begasung per CO_2.


    Für die Puderzuckermethode ersetzt du bei einem kleinen Plastikeimer (z.B. großer Joghurteimer) den Boden durch ein bienendichtes Gitter. Dann schüttest du aus dem Randwabenbereich 50g Bienen in diesen Becher. (Am einfachsten schüttest du die Bienen auf eine Folie, nimmst die Folie am Rand hoch, so dass du die Bienen aus der sich bildenden Rinne in den Becher schütten kannst.) Solange du noch keine Erfahrung mit der Bienenmenge hast, nimm eine Waage zur Hilfe und wiege die Bienen. Du solltest mindestens 50g Bienen haben. (500 Bienen - kannst aber ansonsten von 10 Bienen/g ausgehen)
    Becher mit Deckel verschließen, umstülpen und durch das Bodengitter des Bechers ca. 35g neuen, absolut trockenen Puderzucker in den Becher geben. Gut schütteln und die Bienen mindestens 3min arbeiten lassen. Ruhig mehrfach die Bienen im Puderzucker wälzen.


    Anschließend den Puderzucker aus dem Becher durch das Gitter herausklopfen. (In weißer Schüssel auffangen) Die Milben fallen fast vollständig von den Bienen herunter und lassen sich recht einfach zählen. (Notfalls den Zucker mit Wasser auflösen)


    Wenn du um diese Jahreszeit deutlich unter 25 Milben auf 500 Bienen findest, (5%) kannst du bis zur "Winterbehandlung" auch ohne weitere Behandlung zurechtkommen.


    Solltest du jetzt noch behandeln müssen - und kein Ameisensäurebehandlungswetter haben. Würde ich in den sauren Apfel beißen und die verdeckelte Brut mit einer Entdeckelungsgabel entdeckeln. Die Bienen räumen diese Brut aus und du hast 24-48h später ein absolut brutfreies Volk. Das tut weh, aber mach dir klar, dass diese Brut vermutlich sowieso von den Milben stark geschädigt ist und dem Volk nicht viel Verstärkung bringen würde.
    Das brutfreie Volk kannst du mit einer einmaligen Milchsäurebehandlung auch bei niedrigen Temperaturen recht zuverlässig gegen die Varroa-Milbe behandeln.


    ich drücke die Daumen, dass das nicht notwendig ist
    --- Ludger


    p.s. Die bezuckerten Bienen kannst du dem Volk zurückgeben - die Kö solltest du trotzdem nicht in den Becher packen -> deshalb Randwaben.

  • Moin Tobias ,


    ich rate Dir jetzt , sofort mit dem Nassenheider Verdunster , bei einem mittleren Volk 140-160 ml mit großem Docht , zu verabreichen . Die Temperaturen in den nächsten Tagen sind noch o.k., zudem begünstigt die Volkwärme auch die Verunstung .
    Nur beachten : auf die Rähmchen der oberen Zarge eine Fliese , ca. 30 x 30 cm , darauf das Fliestuch , und dann den NH-Verdunster .Dann , wenn Du hast , eine Halbzarge oder eben eine Vollzarge mit Folie zum Abdichten . Fugloch öffnen und Varroaboden raus .
    Alle weiteren Spielereien kannst Du vergessen .


    Gruß hannes
    Das paßt jetzt noch gut .
    Grundsatz : lieber mehr AS geben , als ängstlich und falsche Bescheidenheit . Die Bienen wollen keine Spielerei mit "Entdeckelungsgabel "," Puderzucker " etc.

  • Gruß hannes
    Das paßt jetzt noch gut .
    Grundsatz : lieber mehr AS geben , als ängstlich und falsche Bescheidenheit . Die Bienen wollen keine Spielerei mit "Entdeckelungsgabel "," Puderzucker " etc.


    Hallo Hannes,


    mich schaudert es, wenn ich sowas lese.
    Nächstes Wochenende ist bei mir der erste Frost vorhergesagt, du weißt nicht mal wo der Tobias wohnt und empfiehlst einen Langzeitverdunster?
    Was machst du wenn er im Chiemgau auf 800m Imkert? Dazu kommt das es nächste Woche an min 3 Tagen regnet, was soll da verdunsten? Und warum soll er viel reinkippen?


    Ich schreib es gerne 100mal, quält halt dich Viecher bitte nicht so....
    AS Behandlung am 4.10 ist zu spät, bringt nichts und Stört nur den Bien.


    Grüße,


    Max

  • Erstmal danke für die schnellen Antworten, wobei ich jetzt doch etwas verunsichert bin.
    Ich wohne am Stadtrand von Berlin. Der Wetterbericht meldet auf Ende der Woche kältere Temperaturen, deshalb war ich auch skeptisch wegen der AS Behandlung mit dem Nassenheider.
    Bis Mitte der Woche soll es noch wärmer bleiben, macht vielleicht noch eine Schwammtuchbehandlung Sinn?


    Bei der Windeldiagnose hatte ich eingeöltes Küchenpapier in den Einschüben also hoffe ich das sie nicht durch Ameisen verfälscht war.



    Mfg

  • Hallo Tobias,


    wenn du kurzfristig das passende Wetter für eine Schwammtuchbehandlung hast, kannst du das Schwammtuch gegen die Milchsäure austauschen. Nach Aussage von Dr. Büchler im Rahmen der 27. Mayener Vortragsreihe wirkt eine solche Kurzbehandlung mit AS im brutfreien Zustand auch zu dieser Jahreszeit ausgezeichnet. Die Einwirkzeit, dass die AS auch in die Brut wirkt wirst du aber nur mit Glück noch um diese Jahreszeit bekommen. Sein Behandlungsvorschlag war - Brut raus und Behandeln, egal ob mit geträufelter Oxalsäure, AS kurzzeit oder gesprühter Milchsäure.


    Aber schau doch erstmal nach, ob die Behandlung überhaupt notwendig ist.


    Gruß
    Ludger

  • Hallo,
    auch in Berlin sind jetzt die meisten Winterbienen erbrütet. Folglich stellt sich die Frage nach dem Sinn einer weiteren Behandlung unabhängig vom Datum und den vorherrschenden Temperaturen.
    Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Winterbienen bereits geschädigt ist, so stellt sich die Frage was ich mit einer weiteren Behandlung jetzt noch erreiche, ob mit dem Nassenheider oder dem Schwammtuch, denn eine Behandlung geht auch an die Bienen nicht spurlos vorrüber.
    Zu der Jahreszeit hilft nur hoffen und aufs Frühjahr warten...


    @ Max, jetzt legst bitte ein gutes Wort bei Petrus für mich ein das er Väterchen Frost noch ein wenig aufhält, denn ich wollt erst nächsten Monat nochmal rauf fahren um ois winterfest zu machen...


  • Bis Mitte der Woche soll es noch wärmer bleiben, macht vielleicht noch eine Schwammtuchbehandlung Sinn?


    checke doch mal die Anwenungsbedingungen für AS in der 1. Oktoberwoche für Berlin unter:
    http://www.bienenkunde.rlp.de
    -> Varroawetter
    ->bundesweit n. PLZ


    Da sieht es zugegeben für berlin noch besser aus als für mich in F. Bei den Aussichten würde ich allerdings trotzdem nicht behandeln.


    Was soll jetzt noch eine AS-Behandlung bringen? Die Winterbienen, die jetzt im Volk sind oder noch schlüpfen (Restbrut) sind schon geschädigt durch die Milbenlast (und deren Viren) im August & September. Bis zur Brutfreiheit im Dez kommt nicht mehr viel nach an Bienen, die durch die Behandlung jetzt noch profitieren würden.


    Mache eine gründliche Restentmilbung im Dez und hoffe, dass die Bienen es über den Winter schaffen.


    Alles andere ist vergebliche (weil schon viel zuspät und viel zu kalt) Mühe.


    Stefan

  • @ Max, jetzt legst bitte ein gutes Wort bei Petrus für mich ein das er Väterchen Frost noch ein wenig aufhält, denn ich wollt erst nächsten Monat nochmal rauf fahren um ois winterfest zu machen...


    Hi Obi,


    ich hoff es auch, muss noch auch noch Deckel isolieren und wollte das am 12.10 machen.


    So unterschiedlich kann Imkerei halt sein, die einen isolieren die Deckel, die anderen empfehlen AS Behandlung :roll:

  • Hallo Hannes,


    mich schaudert es, wenn ich sowas lese...


    Mich auch!


    Hallo,
    auch in Berlin sind jetzt die meisten Winterbienen erbrütet. Folglich stellt sich die Frage nach dem Sinn einer weiteren Behandlung unabhängig vom Datum und den vorherrschenden Temperaturen.
    Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Winterbienen bereits geschädigt ist, so stellt sich die Frage was ich mit einer weiteren Behandlung jetzt noch erreiche, ob mit dem Nassenheider oder dem Schwammtuch, denn eine Behandlung geht auch an die Bienen nicht spurlos vorrüber.
    Zu der Jahreszeit hilft nur hoffen und aufs Frühjahr warten...


    Mehr ist dazu wirklich nicht zu sagen!


    Gruß Jörg

  • Jörg,
    dem wäre leider noch sehr viel hinzuzufügen, was dem Rahmen des Forums allerdings sprengen würde und sich mancher vielleicht auf die Füße getreten fühlen würde.
    An der Stelle kann und will ich nicht einmal dem Imkereieinsteiger einen Vorwurf machen, mich verwundert vielmehr das der Imkerpate jetzt und zu dieser Zeit mit dem Hinweis einer zweiten Behandlung kommt. Nichts ist depremierender als gleich zu Beginn der Imkerei eine Bauchlandung hinzulegen und gerade die Varroa ist ein nicht unbedeutender Teil einer Vielzahl von Problemen in der heutigen Imkerei.
    Ich weiß, die Kritik steht mir als nicht zu, da meine „Warte.- Patenliste“ aufgrund der fehlenden Vereinszugehörigkeit nicht besonders lang ist und es daher leicht ist zu kritisieren. Ich weiß auch das nicht jeder das Glück hat einen Workaholic wie Melanie in der Nähe zu haben, die wie bei jedem Schwarm auch bei jedem Einsteiger am lautesten hier schreit und ich bin mir auch bewusst das der hoffentlich noch mitlesende Bernhard gerade wieder die Faust in der Tasche ballt und am liebsten schreiben würde „besser machen“.
    Nein, die Kritik ist mir nicht leicht gefallen, da ich weiß das viele einiges an Zeit und Arbeit investieren und Hervorragendes leisten und dennoch muss man auch Negatives ansprechen dürfen, denn nur so hat man die Möglichkeit für Verbesserungen.
    LG
    Andreas

  • Vielleicht ist die Wirkung ja auch anders herum. Ich betreue ja mehrere Anfänger und bei solch gelesenem Stuss bin ich gerade motiviert, es doch besser zu machen und mein Wissen weiterzugeben. Hoffentlich auch andere Imker, die hier lesen und denen sich auch gerade "die Fußnägel aufrollen". :wink:

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • ...Folglich stellt sich die Frage nach dem Sinn einer weiteren Behandlung unabhängig vom Datum und den vorherrschenden Temperaturen.
    Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Winterbienen bereits geschädigt ist, so stellt sich die Frage was ich mit einer weiteren Behandlung jetzt noch erreiche...


    Ich möchte das jetzt nicht uneingeschränkt gutheißen, aber ich wäre auch der Meinung, dass die restlichen Milben besser raus sollten. Die Völker fliegen sich doch ansonsten noch vor der Winterbehandlung leer. Was zur Oxalsäurebehandlung noch lebt, überlebt auch in den meisten Fällen. Die anderen verlassen bei Brutfreiheit die Beute und lassen außer Futter nichts zurück. Oder hat das Leerfliegen nun doch nichts mit der Varroa zu tun? :confused:


    Viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Ich habe letzte Nacht noch mit dem Schwammtuch behandelt (Nordberliner Stadtrandlage). Ist auch noch so einiges runter gekommen.


    Aber bei der Befallsrate und dem bevorstehenden Temperatureinbruch auf 12 Grad und weniger würde ich es jetzt lassen. Es bringt einfach nichts mehr; wenn die Kopfstärke ausreichend ist, ist die letzte Brut wirklich nicht mehr so relevant - die Winterbienen sind weitgehend da und dann hole sie lieber im Dezember mit OS runter. Es ist ein varroaschwaches Jahr und das verzeiht eher Fehler bei der Behandlung als andere Jahre.


    Melanie