Varroa Beurteilung zu viel gelesen

  • Hallo zusammen,


    also die Varroa Behandlung ist ja eigentlich das schwierigste Kapitel in der Imkerei. Nicht die Behandlung an sich, sondern die Beurteilung ob oder nicht, warten oder sofort behandeln.
    Und je mehr man liest um so weiter gehen die Meinungen auseinander. Und nicht nur wieviele Milben sind gefallen, angeblich auch noch deren Farbe ob dunkel (alt) oder hell (jung) soll was aussagen :roll::roll::roll::roll:
    So aber nun konkret zu meinen Fragen:


    Ich habe 5 Ableger bzw mittlerweile 5 Jungvölker


    Bei allen Völkern AS Behandlung Langzeit durchgeführt. Einmal 8 Tage ( wegen Hitze abgebrochen) und dann nochmals 14 Tage. Dannach 14 Tage gewartet und am Samstag Bodenschrieber rein und der Abfall war wie folgt nach 3 Tagen


    Volk 1 gesamt 0 Milben, Volk 2 gesamt 3 Milben, Volk 3 gesamt 1 Milbe, Volk 4 gesamt 3 Milben, Volk 5 gesamt 17 Milben


    okay dachte ich evtl noch die Nachwirkung der AS Behandlung und schadet ja nicht,Schieber nochmals für 3 Tage rein


    Volk 1 gesamt 1 Milben, Volk 2 gesamt 5 Milben, Volk 3 gesamt 0 Milbe, Volk 4 gesamt 2 Milben, Volk 5 gesamt 18 Milben


    So und nun, einmal lese ich im Oktober sollte es max 0,5 bis 1 Milbe pro Tag sein, woanders steht was von 5 Milben wieder wo anders steht was von allerhöchtens 10 milben wenn die Bienen vital sind. Da aber doch die Bienen aus der Brut gehen, fallen doch jetzt mehr Milben oder?
    Ich würde nun nichts mehr machen, ausser wenn keine Brut mehr vorhanden ist die OS Behandlung. Andere Vorschläge ??


    Zum Abschluss noch eine Frage, ich einem Varroakurs wurde gesagt, alle 14 Tage mal für 3 Tage die Bodenwindel rein und messen, bis die Bienen Brutfrei sind. Aber was soll das bringen? Wohl nur um zu beurteilen ob im Winter eine OS Behandlung gemacht werden sollte oder nicht.


    Gruß Markus

  • Hallo Markus,


    ja, das ist alles zu Anfang sicher sehr verwirrend.


    Schön ist, daß deine 5 Völker offenbar schon ganz gut dastehen. Nur das 5. scheint etwas auffälliger zu sein.


    Es gab zu dem Thema Nach-Behandeln, Windeldiagnose usw. in den letzten Tagen auch schon einige Freds mit kontroversen Tipps. Hast du die verfolgt?


    Prinzipiell ist so eine Windelkontrolle einfach, schnell und ohne Streß für die Bienen, aber eben nicht 100%ig aussagekräftig. Die Hochrechnungen der Milbenzahlen sind auch gern widersprüchlich, weil sie von verschiedenen Brutnestgrößen ausgehen. Daher die Zahlen von 0,5 bis 5 Milben pro Tag.


    Meine Fragen:
    - Was sind das für Völker? Ableger/Jungvölker oder ehemalige Wirtschaftsvölker? Junge oder alte Königinnen?
    - Wie schätzt Du Brutnestgröße im Moment ein? Letzte stichprobenartige Kontrolle (1 Brutwabe ziehen)? Vergleich Volk 5 zu den anderen?


    Meine allgemeinen Tipps:
    - Sommerbehandlung durchgeführt -> Ruhe bewahren und nur bei auffälligem Milbenfall nachbehandlen
    - Beobachtung von Futterabnahme vs. Gewichtszunahme, natürlichem Milbenfall und ggf. Brutnestkontrolle -> deutliche Brutnestverkleinerung (jetzt) führt zu steigenden Milbenzahlen
    - Milbenkontrolle ist immer gut, die Windel lasse ich fast immer drin. Ausnahme bei extremer Hitze und Oktober-Weihnachten
    - Winterbehandlung immer durchführen!


    Vielleicht hilft das.


    Gruß Jörg

  • Lieber Markus,


    stünden Deine Völker in Österreich/Schweiz, würde ich ggf. Völker 2 + 4 und auf jeden Fall Volk 5 mit OX blockbedampfen (12 - 14 Tage Verweilzeitraum der Milbe in Brutzellen mit Dampfschritten aller 3 Tage). Vielleicht hast Du es ja nicht weit über die Grenze und kannst Dir dort helfen lassen. Viele verstehen ohnehin nicht, warum man deutschen Imkern den sachgerechten Umgang mit OX-Dämpfen nicht zutraut, während deutsche Industriearbeiter ganz selbstverständlich mit OX umgehen dürfen, ebenso wie andere europäische Imker - das ist aber OT.
    Zugelassene Alternativen in D: Mit MS blockbesprühen. Für AS scheint mir das Wetter nicht mehr zu passen. Von wachsgängigen Behandlungsmitteln ließe ich lieber die Finger...
    Mindestens Dein Volk 5 braucht m.E. JETZT imkerliche Hilfe gegen die Varroen.


    Servus - Gottfried

  • Ihr beiden,
    Danke für eure Antworten. Wohne zwar in Grenznähe aber kenne dort leider keinen Imker. Also sollte ich die Völker mit MS einsprühen?
    Die Völker 2,4,5, oder nur Volk 5? Blockbehandlung? Also alle 5 bis 7 Tage das ganze 3 bis 4 mal oder einmal Behandeln warten und mittels Windelkontrolle messen?


    Also die Völker waren alles Ableger Königin von heuer. Das sind auch die Völker die alle explodiert sind und 2 zargig da stehen. Die aktuelle
    Bruttflächengrösse weiss ich nicht ,da ich wie im Varroa Kurs gehört, ich nach der AS Behandlung nur Waben gezogen habe um zu sehen ob das Brutnest mittig ist und ob alle Stadien an Brut da ist. Als ich diese Wabe gesehen habe habe ich aufgehört und alles verschlossen.
    Sommer Behandlung hatte ich gemacht.Futter wurde auch gut abgenommen. Pollen werden noch eingetragen. Winterbehandlung hatte ich eh vor.


    Grüsse Markus

  • Lieber Markus,


    mit MS-Blockbehandlung habe ich keine Erfahrung, bezweifle aber, daß 1 x Sprühen 5 bis 7 Tage lang ausreichend wirkt. Je nach konkretem Brutumfang (den wir ja nicht kennen) müßte ggf. ein Verdeckelungszyklus (12 Tage) + mind. 2 Tage (Unterschlupfzeit der Milbe in die offene Brut) mit dem Wirkungsblock abgedeckt werden.
    Ohne Kenntnis des jetzigen Brutumfanges und der Volksgröße lassen sich hier schlecht Schadschwellen fixieren. 6 Milben/Tag wären mir um diese Jahreszeit auch bei einem starken Volk zuviel - noch dazu, wenn noch viel verdeckelte Brut da sein sollte (m.E. sitzen 90% der Milben unter den Deckeln und ich bezweifle, daß die von AS dort ausreichend geschädigt werden).
    Ich weiß aus vertraulichen Umfragen und durch Rückschluß aus den Verkaufszahlen für OX-Verdampfer bzw. OX auf einschlägigen Verkaufsportalen, daß trotz der Zulassungsproblematik auch in Deutschland nicht wenige Imker auf OX-bedampfung zurückgreifen. Gelegentlich soll dies sogar von Amtstierärzten wissentlich geduldet sein - sicher nur inoffiziell und nicht zitierfähig. Seit einiger Zeit werbe ich für die Zulassung der OX-Bedampfung auch in D - bisher leider ohne sichtbaren Erfolg
    Vielleicht kann Dir Jörg oder ein anderer erfahrener Imker weiterhelfen
    Mit imkerlichen Grüßen - Gottfried

  • Hallo Michi,


    Ich weiss schon was Du bzw Gottfried meinst. Aber ich muss gestehen dass ich mich mit Bedampfung noch nie auseinander gesetzt habe da ich Jungimker bin und immer gesagt wurde dass das nicht in den Kursen besprochen wird da in D nicht erlaubt. Und somit habe ich davon keinen Plan. Habt Ihr einen Link wo die Anwendung einfach beschrieben steht bzw wie ich mir das Material einfach besorgen kann da ich auch nicht angerichtet bin. Was mich halt an MS stört ist die Tatsache dass ich alle Waben ziehen muss und das kompakte Brutnest komplett zerlegen muss. Wer reisstschon imHerbst bei seinem Haus eine Wand ein :-)
    Falls der Link nicht erlaubt ist gerne auch per PN


    Gruss Markus

  • Lieber Markus,


    hier im Forum steht viel zu OX-verdampfung. Herr Alfranseder (Forumsmitglied) vertreibt den Oxamaten und beschreibt seine Betriebsweise auf seiner HP recht detailliert, sogar mit Filmchen. Es gibt offiziell zugelassene Verdampfer mit Beschreibung, z.B.:


    http://www.biovet.ch/en/images…PDF/Varrox-Verdampfer.pdf


    Dieses Gerät ist auch in D sehr weit verbreitet, wie ich bemerkt habe. Ich habe auch schon gesehen, daß Imker mit 220V-Anschluß diesen mit dem einem 12V/20A-Netzteil aus dem Modellbau betrieben, z.B. so etwas:
    http://www.modellbau-metz.com/monstertronic-netzteil-20a-13-8v-schwarz.html?source=googlebase&gclid=CMrRqbuqksgCFRFmGwod5R4Gqg


    Im Netz gibt es auch noch andere Verdampfertypen (gas-/strombetrieben, Eigenbau etc.) zu sehen.


    Zur Wirkungsweise der OX sind die Beobachtungen von Gerhard Brüning interessant (Danke Bernhard für den Link):


    http://www.varroamilbe.ch/


    Und - wenn wir einmal dabei sind - die arbeitsmedizinische Untersuchung zur Unbedenklichkeit der OX-Verdampfung findest Du hier:


    http://www.imkerei-fischermueh…t%20OS%20Doktorarbeit.pdf


    bei der Fischermühle auch den Nachweis der guten Verträglichkeit für Bienen im Massenversuch an 1500 Bienenvölkern.


    Am besten, Du suchst Dir einen Imker, der Dir das einmal vorführen kann, das ist anschaulicher, als der ganze virtuelle Kram hier.


    Servus - Gottfried

  • Was mich halt an MS stört ist die Tatsache dass ich alle Waben ziehen muss und das kompakte Brutnest komplett zerlegen muss. Wer reisstschon imHerbst bei seinem Haus eine Wand ein :-)


    Hallo Markus,


    Du reißt die Wände ja nicht ein, sondern nimmst sie nacheinander einmal kurz raus und setzt sie wieder ein. Ich habe letzten Winter problemlos und sehr erfolgreich mit Milchsäure behandelt. Es geht auch fix, zumindest wenn man mit einräumigen Beuten arbeitet. Ich werde die Milchsäure aber nur noch bei Temperaturen unter 10°C einsetzen, dann bleiben die Damen nämlich stoisch sitzen und lassen sich genauso wieder in die Beute hineinstellen, wie man sie herausgezogen hat. Kein Auffliegen, Herumkrabbeln, Chaos etc. Wird ja auch so empfohlen, aber Frau dachte mitfühlend, den Bienen was Gutes zu tun, wenn es dabei etwas wärmer ist. Woraufhin die Bienen munter wurden und der Frau nichts Gutes taten.


    Ich finde, Milchsäure geht fix und ist sowohl für Bienen wie auch Anwender ungefährlich, man muss nicht viel Zeug anschaffen und mitschleppen und sich nicht darum kümmern, wo man weitab in der Pampa Strom herbekommt.


    Viele Grüße
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • ...Die aktuelle
    Bruttflächengrösse weiss ich nicht ,da ich wie im Varroa Kurs gehört, ich nach der AS Behandlung nur Waben gezogen habe um zu sehen ob das Brutnest mittig ist und ob alle Stadien an Brut da ist. Als ich diese Wabe gesehen habe habe ich aufgehört und alles verschlossen....


    Hallo Markus,


    die Brutnestkontrolle nach der AS-Behandlung ist schon ok., aber ich finde die Beurteilung des "Brutbildes" relativ hilfreich.


    Hier sind ein paar schöne Bilder von Christian: Bild 2 --> Auslaufende Brut; etwas lückig; weil chaotischer Neubeginn einer Ablegerkö
    und die freien Zellen verhonigen gerade --> dünnflüssiger und etwas weniger füttern + wo sind die Stifte?


    Bild Pollen/Honig --> neue Pollenwabe; die ist immer der Abschluss eines Brutnestes - niemals in der Mitte des Brutnestes (zulassen).


    Bild Hochboden von unten --> vorsichtige Beobachtung von unten (oder im Winter durch das Flugloch) ist ganz hilfreich und stört wenig. Durchhängende Bienen sind eigentlich ein Zeichen für eine gut gefüllte Kiste (in diesem Fall aber wohl nicht...)


    Bild mit Kö --> auf dieser Wabe müssen frische (waagerecht stehende) Stifte zu finden sein, sonst stimmt etwas nicht!


    Bild verdeckelte Brut --> hier ist ansatzweise eine schöne Brutfläche zu erkennen; nur wenige leere Zellen; wichtig ist, daß diese verdeckelten Flächen keine geöffneten oder halb ausgefressenen Puppen zeigen dürfen --> das machen zwar AGT-Zuchtlinienen, aber in einem Ableger ist das m.E. ein sicheres Zeichen für Mehrfachparasitierung kurz vor dem Varroatot...
    Vielleicht finde ich noch besseres Bild von solch einer Situation. Mir sind die Brutbilder wichtiger als alle anderen Milbenkontrollen, weil ich da auch gleich alle Randbedingungen mit erfasse.


    Gruß Jörg

  • Hallo !


    Womit wir wieder beim Thema wären,
    Ihr empfehlt mit der Oxalsäure-Verdampfung einem in Deutschland ansässigen Jungimker,
    ein in Deutschland nicht zugelassenes Behandlungsverfahren gegen die Varroa Milbe.


    Warum ?
    Wegen 17 Milben in 3 Tagen ?
    Bienenhalter, so haltet doch mal die Bälle flach ….


    Es ist in Deutschland ohne Probleme möglich, insb. bei Jungvölkern
    (die also nicht in absoluten Spättrachten eingesetzt waren),
    mit Ameisensäure in der Langzeit oder Kurzzeitverdunstung,
    mit Milchsäure (sprühen) oder Oxalsäure (Träufel-Verfahren) die Varroa unter Kontrolle zu halten.


    Wir haben so viele Probleme mit der aktuellen Landwirtschaft und fordern dort die gute landwirtschaftliche Praxis,
    mit entsprechenden Behandlungsverfahren, zeitlichen Behandlungsgrenzen, Meldepflichten u.s.w.


    Und wir Imker ? Wir setzen doch mit der Durchführung von solchen nicht zugelassenen (Oxalsäure-Vergaser) Verfahren,
    unsere komplette Glaubwürdigkeit auf Spiel. Wie, so frage ich Euch, können wir ein korrektes Verhalten der Agrarindustrie fordern, wenn wir nicht bereit sind uns an die selben Regeln für gute Praxis zu halten ?


    Und warum das alles ?
    > Wegen dem tollen Behandlungserfolg ?
    > Wegen der angeblichen Möglichkeit so oft und so viel OS zu bedampfen wie der Bienenhalter möchte ?


    Ich frage mich nur, wie es uns hier gelingen kann, mit maximal einer
    (in Worten: EINER) AS60 Langzeitbehandlung (auch noch "as us vet") und OS/MS Winter erfolgreich mit der Milbe zu leben ?


    Gruß
    der Bienen
    Knecht




    Nicht umsonst geflügelte Worte unter Imkern:
    "Wer Oxalsäure vergast, belastet die Krankenkasse und entlastet die Rentenkasse."




    .

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.