Anfängerfrage (mal wieder): Einengen (Zander)

  • Das Erlanger Magazin hat am Deckel vorne und hinten ein Loch welches als Flugloch gedacht ist. Dies ist bei Nichtgebrauch weil Deckel im klassischen Sinn als Deckel verwendet wird mit Korken zu gemacht. Man könnte nun den Korken entfernen und hätte theoretisch von unten Gitterboden und von oben eine Belüftung.Gruss Markus

  • Hallo Kapiro


    also von der Obenbelüftung würde ich die Finger lassen, wenn der Deckel im Sommer offen istdann wird der Honig sogar um Prozente trockener. Im Herbst bzw Winter muß der Deckel dicht sein ich habe das bei meinen Holzbeuten getestet, da haben die Bienendie lüftungslöcher mit Kittharz verschlossen. Die Waben müssen dem Bienensitz angepasst sein, das heißt: Soviele Waben wie das Volk vor ein paar Tagen belegt hat,ist OK alles andere ist zuviel. Denn jetzt ziehen sich die Bienen bei kälter werdenden Temperaturen weiter zusammen, dann wäre es OK wenn 2-3 Waben unbesetzt wären.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Wie wäre es denn, wenn man die Zarge im oberen Bereich einfach mit einer Art Lüftungsschlitz versieht? Dann könnte die warme Luft nach außen entweichen und es gäbe keine oder nur eine reduzierte Kondensationsfeuchte im Innenbereich. Naja, ist nur eine theoretische Überlegung.


    ... dann hast Du den Kamineffekt, der die Wärme der Bienentraube kontinuierlich kühlt - bis sie am Ende erfroren sind.


    Bei gut isolierenden Beuten - z.B. dickes, leichtes Holz mit viel Lufteinschluss oder Styropor (Segeberger) - und ausreichend starken Völkern ist das Thema Schimmel erfahrungsgemäß zu vernachlässigen.


    Ich hatte das ein einziges Mal in ganz geringem Umfang bei einem Volk vor x Jahren, als der Winter hier im Norden bis Anfang April dauerte. Das hat den Bienen nicht geschadet.


    Grüße


    Rainer

  • Ich glaube, da sind schon alle Varianten durchprobiert worden. Es gibt auch den Ansatz, das Flugloch ganzjährig nach oben zu verlegen. Was davon sinnvoll ist, dürfte auf jeden Fall auch vom lokalen Klima abhängen (Wind, Luftfeuchtigkeit, Temperaturen). Wie vorher schon geschrieben, sorgen im Zweifelsfall die Bienen dafür, dass es nicht so zieht. Oder sie ziehen aus, wenn sie können.


    Mein Imkerpate nimmt über Winter in der unteren DN-Zarge die beiden Randwaben raus, so dass dort besser gelüftet wird. Bienen sind da eh nicht.


    Kondenswasser unter der Deckelfolie finde ich bisher nicht problematisch. Im schlimmsten Fall tropft überflüssiges Wasser runter, und das wird außen um die Bienentraube herum passieren, weil es direkt über der Traube wärmer ist und das Wasser eher außenrum kondensiert. Wie auch der Deckel meist besser isoliert ist als die Seitenwände, an denen es im Zweifelsfall runterläuft.
    Großartig verdunstet wird auch nur, wenn die Bienen aktiver sind, also beim Einlagern und beim Verbrauchen von Futter. Beim Einlagern müssen sie überflüssiges Wasser verdunsten, beim Verbrauchen werden pro Zuckermolekül bis zu 6 Moleküle Wasser freigesetzt. Daher kann man im Spätwinter gut sehen, wann sie wieder mit Brüten anfangen, dann tauchen nämlich wieder die ersten Kondenstropfen an der Folie auf.
    Gefrorenes Wasser ist für Schimmel und Luftfeuchtigkeit so gut wie trocken, also der Verfügbarkeit entzogen. Der einzige Nachteil ist, dass es ein Kältespeicher ist.


    Viele Grüße
    Kikibee (bekennende Ganzjährig-immer-mal-wieder-durch-die-Folie-Guckerin)

  • Den Hinweis auf den Kamineffekt mit den möglichen gravierenden Folgen kann ich gut nachvollziehen. Deshalb werde ich von einem solchen Experiment im winterkalten Berlin die Finger lassen.


    An dieser Stelle danke ich Euch allen für das gemeinsame Überlegen und die geduldigen Erklärungen! Ich verstehe gern, was ich tue, weshalb bestimmt an anderer Stelle noch weitere Fragen folgen werden. Bisher fühle ich mich jedenfalls mit derartigen Fragen hier gut aufgehoben.

  • *Kondenswasser: entsteht, wenn feuchte warme Luft auf eine kalte Oberfläche trift -> Deckel dämmen und damit den Taupunkt nach außen verlegen.
    *Schimmel: entsteht, wenn ein Substrat dauerhaft feucht ist.


    Den Taupunkt nach außen legen wist Du nicht schaffen, aber es reicht doch schon, wenn die Seiten kälter sind als die Decke. Dann kondensiert das Wasser da und fließt seitlich ab, ohne die Bienen einzunässen.


    Beste Grüße,
    Ralf (der mit den gedämmten Deckeln :) )

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Liebe Imkerkollegin,


    das Problem, das Du schilderst, ist ein Zander und DN Problem, denn diese Beuten sind einfach zu klein. Beim Einwintern im Juli und August sind so viele Sommerbienen in der Kiste, daß sie einfach nicht in die Zanderbeute reinpassen. Man schröpft dafür dann entweder Bienen und macht von den Bienen zweier oder dreier Völker einen Kunstschwarmableger oder saniert die Völker durch eine totale Brutentnahme mit zusätzlicher zweimaliger Oxalsäurebehandlung. Wenn Du dann noch nach drei Wochen die Königin erneuerst hast Du ein perfekt überwinterndes Volk. Natürlich fütterst Du NICHT mit Sirup sondern mit einer Zuckerlösung im Verhältnis 0,7 kg Zucker zu 1 Liter Wasser. Dies, damit Du das Brutnest nicht zu stark einengst und um die Brut und Wabenbau anzuregen bzw zu erleichtern.


    Es reicht in einem so sanierten Volk völlig aus, einräumig zu überwintern. Und natürlich wird das Volk auch einräumig geführt im Frühjahr und Sommer.


    Du solltest solange Du noch nicht so viele Beuten gekauft hast Dich mit der Frage der Brutraumgröße befassen. Die Aussagen von Liebig und Aumeier sind dabei wenig hilfreich, da diese beiden ihre zweiräumige Methode propagieren ohne die vielen Nachteile, die damit verbunden sind, zu nennen.


    Herzliche Grüße
    Jürgen Binder

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  • Lieber Christian,


    ein ganzes Fragekompendium, das Du da stellst. Ich selbst imkere seit etwas über 20 Jahren und befasse mich seit 8 oder 9 Jahren mit der Frage der "Anpassung". Der Begriff "einengen" ist für nach meiner Beobachtung - ich gebe viele Lehrgänge - etwas einseitig und vielleicht für manchen mißverständlich.


    Alkso zunächst mal müssen wir doch unterscheiden zwischen der brutfreien Zeit und der Zeit, in der das Volk brütet. Die Traube ohne Brut heizt nur sich selbst. Das hat Ludwig Armbruster, Friedrich Lammert zitierend, bereits Anfang des letzten Jahrhunderts nachgewiesen und in seinem Buch "Der Wärmehaust des Bienenvolkes" ausgeführt. Während der brutfreien Zeit (und das sind nur einige Wochen) spielt es also (theoretisch) keine Rolle, wo das Volk sitzt. Das brutfreie Volk hat auch keine konstante Temperatur. Diese schwankt um bis zu 20 Grad.


    Sobald aber das Volk anfängt zu brüten haben wir eine konstante Temperatur im Brutnestbereich und das Volk muß die Waben mit Futter und Pollen bis auf 35 Grad wärmen. Erst dann kann eine Zelle bebrütet werden.


    In dieser Phase ist es nun enorm wichtig, dem Volk nur den Platz zu geben, den es auch benötigt. Kurz gesagt: im Winter und beginnenden Frühjahr passt man das Volumen des Brutraumes AUF DIE BIENENMASSE an. Von Mitte März bis zur letzten Ernte passt man den Brutraum AUF DIE BENÖTIGTE BRUTFLÄCHE an. Zu jeder Zeit werden also die FUNKTIONSLOSEN WABEN aus dem Bienenvolk entfernt, da sie ja ohnehin keine Funktion haben.


    Natürlich ist das Auswintern ein komplexes Problem. Je stärker Du das Volk einengst, um so besser seine Frühjahrsentwicklung. Wenn Du dabei von der Außenwand der Beute etwas weggehst oder eine gute Isoschicht zwischen dem Rähmchen und der Außenwand einziehst, umso besser. Das Schied muß so beschaffen sein, daß die Bienen auf allen vier Seiten das Schied überwinden können und die hinter dem Schied befindlichen restlichen Futterwaben erreichen können. Sind die Waben fast ganz bebrütet wird um eine Futterwabe erweitert. Zu diesem Zeitpunkt ist natürlich eine optimale Isolation des Deckels von großem Vorteil, da eine Traube wenn sie brütet Wärme nach oben abgibt (verliert), und bei guter Isolation also weniger. Der Boden ist natürlich ebenfalls ab Januar geschlossen. Schimmelbildung findet nur auf funktionslosen Randwaben statt, und die haben wir ja rausgenommen.


    Das so durchgeführte "Anpassen" hat weiterhin zur Folge, daß sich Polleneintrag und Brutflächen nicht wild durchmischen. Brutwaben, die im Frühjahr zu viel Platz haben, verpollen. Das gibt im weiteren Verlauf des Auswinterns Probleme. Wenn ich verstanden habe wie man in diesem Forum Bilder hochladen kann stelle ich zwei Brutwaben gegenüber, eine richtig angepasst, eine ohne Anpassung.


    Also die Aussage, in unseren Kisten sei nicht genug Platz für die Brut und deshalb müsse man den zweiten Raum geben ist doch schon seit langem widerlegt. Eine normale Königin braucht 42.000 Zellen. Das macht 7 Zander (bei 6.000 Zellen pro Wabe) oder 9 Deutsch Normal (bei 5.000 Zellen) oder 5 Dadant (bei 8.200 Zellen).


    Hilft das ein stückchen weiter?


    Jürgen Binder

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  • Hallo Jürgen.
    Das mit dem Bilder Hochladen ist keine Wissenschaft, sondern eine Frage des Kostenaufwandes.
    Wie Du siehst haben die meisten Mitglieder über ihren Namen eine sogenannte Spenderbiene.
    Alles ist mit Kosten verbunden, auch unser Forum, für einen ca. Jahresbetrag von ca, 25,- Euro erhältst Du eine Spenderbiene, schon ist das Hochladen von Fotos kein Problem.
    Nachzulesen : unter Regeln, Spenderbiene u. m.
    Da ich schon bei einem deiner Vorträge zugegen gewesen bin, und Du ja auch nicht umsonst deine Vorträge hältst, wird es wohl für Dich nicht ein zu großes Opfer sein.
    Ich freue mich das Du hier vertreten bist, natürlich mit ein paar schönen aussagefähigen Fotos, währe super.


    Gruß Jürgen


  • Hallihallo und guten Abend,
    das ist ja nett, wie aus dem alten Eineng-Thread ein Schimmel-Thread geworden ist... :)


    Hier nur ein kleines Update aus meinem "Riesen-3-Zargen-Volk", bzw. demjenigen, das ich nicht einengen konnte, weil es so fett war.
    Heute habe ich nun bei 3 Grad Außentemperatur reingeschaut (keine Waben gezogen, sondern nur von oben und unten in alle Zargen geschaut).
    Die mittlere der drei Zargen war in allen Wabengassen voller Bienen. Diese Riesentraube hing bis tief in die untere Zarge hinein durch. In der oberen Zarge waren direkt nach dem Öffnen bis oben hin in 6 Wabengassen Bienen unterwegs.
    Ich bete nun mal, daß die Damen alle bis in zwei Monaten nach oben gewackelt sind. Bisher machen sie jedenfalls noch nicht den Eindruck, als wollten sie sich gen oberste Zargen bewegen. Naja.
    Vermutlich war die Traube aber auch nicht so dicht, wie bei den anderen Völkern - es ist bestimmt ordentlich warm in so einem Riesenhaufen.
    Von Schimmel- oder Moderduft keine Spur übrigens.:)


    Beste Grüße und einen guten Rutsch! :)
    Frau Brezel