Anfängerfrage (mal wieder): Einengen (Zander)

  • ...wenn die Tracht ins Brutnest 'reinknallt' heißt es rechtzeitig Böden, Mittelwände und Deckel bereitstellen. Und die Leiter.


    :)


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Josef,
    Du setzt schon Anfang Maerz einen Raum mit Mittelwaenden auf das Brutnest? Ist das nicht schwierig fuer den Waermehaushalt, falls das Volk nicht superstark ist?
    Gruss, Jan


    Hallo Jan. Besteht bei dir auch der irrige Glaube das die Bienen die Beute heitzen? Dem ist nicht so. die Bienen heitzen nur die
    Brut, das ist fakt und außerhalb der Traube ist die Temperatur gleich null, oder 1-2° oberhalb der außentmperatur, um dann im weiteren Bereich weiter abzusinken.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo Josef!


    Das ist sicher zutreffend, aber je kleiner der Raum ist, desto schneller wird dieser warm.
    So ist ein eingeengter Brutraum einfach leichter zu heizen und drum entwickeln sich die Völker besser.

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Hallo Josef!


    Das ist sicher zutreffend, aber je kleiner der Raum ist, desto schneller wird dieser warm.
    So ist ein eingeengter Brutraum einfach leichter zu heizen und drum entwickeln sich die Völker besser.


    luffi, ich glaub es liegt nicht wirklich nur an dem eingeengten Brutraum der leichter zu heizen ist. Meiner Meinung und Beobachtungsgabe nach liegt es daran, dass bei 10 Ausgebauten Waben mit verteiltem Futter/Pollen die Bienen doch quer über alle Waben herum lungern und sich somit streuen. Sobald man hier mit Schied arbeitet, oder nur Mittelwände im Anschluss hat oder die Waben ohne Futter sind, sammeln sie sich dort, wo was los ist, Futter vorliegt und es kuschelig ist.


    Ich glaub nicht, dass ein Schied oder eine Leerwabe/Mittelwand soviel Isolation bietet, dass dies für ein einfacher zu heizendes Brutnest sorgt. Da seh ich eher die gezielt auf 3-4-5 Waben gesetzte Bienenmasse als den Vorteil.


    Kann das noch jemand so bestätigen oder hat da jemand eine bessere Erklärung dafür?

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Hallo zusammen,


    ich dränge mich mal mit einer Grundsatzfrage zum Thema Einengen dazwischen, die genau an dem letzten Beitrag von Markus anknüpft:


    Ich frage mich als Anfänger, was konkret mit dem Schlagwort "Einengen" gemeint ist.
    Wenn ich ein Ablegervolk (Jungvolk) betrachte, geht es möglicherweise um die Frage, ob ich dieses auf einer oder zwei Zargen überwintere.
    Wenn es um ein Wirtschaftsvolk geht, dann dürfte sich diese Frage doch gar nicht stellen, wenn die Volksstärke dem Begriff Wirtschaftsvolk entspricht? Bei einem Wirtschaftsvolk dürfte doch aufgrund der Volksstärke eine Überwinterung auf einer Zarge nicht in Betracht kommen. Den Honigraum entnimmt man ja ohnehin, so dass das keine Maßnahme des Einengens im eigentlichen Sinn sein kann.
    Liege ich da falsch?


    Die weitere Frage betrifft dann den Sinn und Zweck des Einengens eines Jungvolks bei Berücksichtigung möglicher Nachteile in der Frühjahrsentwicklung.
    Wenn die Umgebungsluft der Winterkugel innerhalb einer Zarge (bei einzargiger Überwinterung) an den Randbereichen ohnehin nahezu der Außentemperatur entspricht, kann es doch für den Temperaturhaushalt keinen Unterschied machen, wenn noch eine weitere Zarge aufgesetzt ist, richtig?
    Wenn dem so ist, müsste das (wenn überhaupt vorhandene) Schimmelrisiko außerhalb der Winterkugel im gesamten Raum der Beute gleich hoch sein oder ist noch in der winterkugelfernen Umgebung eine andere Luftfeuchtigkeit zu befürchten?


    Ich stelle die Fragen, um tatsächllich den Vorteil des Einengens zu verstehen. Wenn sich aus Vorstehendem tatsächlich keine Nachteile ergeben, dann frage ich mich wirklich, ob das Einengen sinnvoll ist. Das Argument von Markus würde nur dann greifen, wenn die Bienen tatsächlich wild einlagern würden. Das ist aber doch gerade nicht der Fall. Sie lagern doch regelmäßig um das Brutnest ein und bewegen sich dann - mehr oder weniger - geschlossen in Richtung Futterquelle.


    Die Nachteile des Einengens sehe ich in den beiden folgenden Aspekten:


    - Bei der Einfütterung nach dem Einengen auf eine Zarge begrenzt die Einlagerung des Futters den Umfang des Brutnests.
    - Im Frühjahr wäre ohne Einengen sofort genügend Raum zur Verfügung, damit das Volk sich entwickeln und neuen Nektar einlagern kann. Bei einzargigem Überwintern hängt das sehr stark von der Reaktionsschnelligkeit des Imkers ab.


    Unter´m Strich sehe ich also keine gravierenden Gründe, die mir ein Einengen plausibel machen. Daran wiederum muss ich letztlich doch zweifeln, denn es scheint die übliche Vorgehensweise zu sein. Wo also habe ich etwas falsch oder gar nicht verstanden?


    Viele Grüße
    Christian

  • Hallo Christian,


    das mit dem Einengen ist manchmal sehr hilfreich, aber zu Anfang sicher nicht leicht zu verstehen. Angepasst wäre vielleicht auch das bessere Wort dafür. Eingeengt klingt zu negativ.


    Hier in diesem Fred ging es ja um das Schimmelrisiko im Winter. Dabei ist es ratsam nicht zu viel ungenutzen Raum (Zargen) zu haben, weil Feuchtigkeit in den nicht genutzten Bereichen kondensiert und die Waben und Wände dann zu schimmeln beginnen. Ist ein Volk optimal eingewintert, dann besetzt es den kompletten Raum und heizt ihn recht zuverlässig trocken.


    Dann gibt es noch Vorteile einer engen Führung von Jungvölkern und bei der Durchlenzung (Frühjahrsentwicklung). Davon profitieren die Völker, ob wohl es auf den ersten Blick widersinnig erscheint. Steht nur relativ wenig (Brut-) Raum zur Verfügung, dann wird ein kompakteres Brutnest angelegt, vieleicht auch ein etwas kleineres, aber es wird offenbar qualitativ besser gepflegt. Das ist bei schwächlichen Ablegern oder Mickerlingen in der Entwicklung gut zu sehen.


    Die 3. Möglichkeit sind eingeengte Bruträume bei Wirtschaftsvölkern in der Honigsaison. Dabei wird dem Volk nur soviel Brutraum belassen, wie es für seine Brut braucht. Das Futter wird mehr oder weniger in die HR "gepresst". Natürlich muss man auf eine gewisses Gleichgewicht achten (Pollenwabe direkt am Brutnest usw.). Als Nebeneffekte bekommt man eine qualitativ hochwertige Brut und die Arbeiterinnen arbeiten sich weniger durch "übermäßige" Brutpflege ab - die Langlebigkeit der Bienen wird erhöht. Die Raumgabe erfolgt mit HR.


    Fragen beantwortet?


    Gruß Jörg

  • Jörg, besten Dank für Deine Erklärungen!


    An eine unterschiedliche Qualität beim Brutnest hatte ich noch gar nicht gedacht. Die Überlegungen in diesem Kontext erscheinen mir sehr gut nachvollziehbar.


    Auch der Ansatz des Raumklimas klingt grundsätzlich plausibel, aber ich hab da noch eine Verständnisfrage:


    Die Schimmelgefahr dürfte doch maßgeblich daraus resultieren, dass die von den Bienen im Wintersitz erzeugte Wärme nach oben steigt und sich dort Kondensationsfeuchte niederschlägt. Dieser Vorgang ist rein physikalisch bedingt und bei dem noch oben geschlossenen Raum nicht verhinderbar. Das "oben" bei angepasster Überwinterung befindet sich demnach in unmittelbarer Nähe zur Winterkugel. Ist es dann nicht deutlich gefährlicher, wenn sich Schimmel bienennah bildet?

  • Der Beobachtung nach bildet sich Schimmel eher unten oder an den Seiten weit weg vom Bienensitz. Wird wohl an der Zirkulation der Luft in der Beute liegen, da die aufsteigende Luft ja zur Seite ausweichen muss und dort ist es dann ja kälter als oben.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Ja, am Deckel gibt es oft Kondenswasser. Wenn das Volk nicht zu klein ist, dann trocknen solche Stellen schnell wieder ab. Wenn das Wasser aber länger steht oder einfach nach unten läuft, dann schimmelt es. Oft Randwaben.


    Deshalb ist m.E. eine gute Deckeldämmung wichtig.


    Gruß Jörg, muß die Kinder zur Schule bringen

  • Dann lassen sich folgende drei (mögliche) Vorteile des Anpassens der Brutraumgröße festhalten:


    - Verbesserung der Qualität des Brutnests in der aufsteigenden Entwicklung,
    - Schonung der Ammenbienen bei der Brutpflege durch kleinere, engere Brutfläche und
    - Reduzierung der Gefahr von Schimmelpilzbildung.

  • Aber würde es dann bezogen auf die Feuchtigkeit nicht sinnvoll sein einen Karton anstatt einer Folie einzulegen. Der kann ja Feuchtigkeit aufnehmen aber auch wieder abtrocknen. Somit würde ja Kondenswasser gebunden werden?


    Gruss Markus

  • Wieviel Wasser kann ein eingelegter Karton aufnehmen? Abgesehen davon, daß die Bienen ihn in kurzer Zeit zernagen würden, wäre es a) zu wenig Speichervolumen und b) ein idealer Nährboden für Schimmel...


    *Kondenswasser: entsteht, wenn feuchte warme Luft auf eine kalte Oberfläche trift -> Deckel dämmen und damit den Taupunkt nach außen verlegen.
    *Schimmel: entsteht, wenn ein Substrat dauerhaft feucht ist.


    Ich hatte mal in einem kalten Winter/Frühjahr (2010?) spektakuläre Eiszapfen in besonders dünnwandigen DNM-2-Zargern. Die Bienen haben sich trozdem gut entwickelt, schön sah das aber nicht aus.


    Daher Deckel dämmen - feddich! Egal mit oder ohne Folie.


    Beim Abräumen meiner Holz-MiniPlus (Wagner) am letzten Wochenende habe ich erstaunt festgestellt, daß die Holzfaserdeckel klitschnass waren. Ohne Folie und ohne weitere Dämmung.


    Gruß Jörg

  • Wie wäre es denn, wenn man die Zarge im oberen Bereich einfach mit einer Art Lüftungsschlitz versieht? Dann könnte die warme Luft nach außen entweichen und es gäbe keine oder nur eine reduzierte Kondensationsfeuchte im Innenbereich. Naja, ist nur eine theoretische Überlegung.


    Meine Deckel sind gedämmt und damit soll es dann auch gut sein. Bin mal gespannt, wie mein erster Winter bzw. die Entwicklung danach so verläuft.