Einweiseln, Kunstschwarm oder andere Alternative

  • Bei der Durchsicht vor dem Urlaub (13.08) habe ich vermutet, dass ein Volk weisellos sein könnte (keine Stifte, keine neue Brut, besonders unruhig), aber es waren auch nirgends Hinweise auf Nachbeschaffung zu erkennen. Ich konnte aber nix mehr unternehmen und hoffte mich zu täuschen...
    Letzte Woche nach der Rückkehr jetzt die Klarheit. Alle Brut ausgelaufen und keine Stifte, aber auch kein Interesse Weiselzellen anzulegen.
    Ich wollte die Bienenmasse erhalten und habe mich letzte Woche um eine Königin gekümmert, die ich aber leider erst morgen bekomme.
    Ich habe Bedenken, dass eine Afterweisel oder nicht legende Königin drin ist. Zudem hat die Volksstärke gestern bei Räuberei gelitten, ehe ich das unterbinden konnte. Es sind momentan sicher zu wenig Bienen, um alleine wieder auf die Beine zu kommen, auch wenn hier mit Efeu, Senf usw. im Moment wieder mehr Trachtangebot ist als vor 4 Wochen.


    1. Ich könnte die Königin dort einweiseln und mit Bienen/Brut aus anderen Völkern verstärken


    2. Ich könnte mit Bienen aus 5 anderen gut besetzten Völkern einen "Kunstschwarm" machen und a) die Bienen aus dem Volk abkehren und sich bei den anderen einbetteln lassen oder b) mit für den Kunstschwarm nehmen


    3. andere Vorschläge, da ich die Königin gerne sinnvoll verwenden will und meine anderen Völker/Ableger haben diesjährige oder letztjährige Königinnen.
    Vorhandenes Möglichkeiten: Beute, Bienenflucht, Absperrgitter, Wandergitter, Mittelwände, ausgebaute Waben, eigener Honig, andere Völker, Standort außerhalb des Flugkreises


    Ich tendiere zu 2a, aber würde zum Teil ausgebaute Waben verwenden, dass sie gleich mit Brut und Winterfutter einlagern beginnen können.


    Ich bitte um Tipps oder Vorschläge
    Danke
    Kurt

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Hallo Kurt,


    schwierige Sache...


    1.) Für einen Neustart ist es schon recht spät. Wenn ich so etwas jetzt noch machen würde, dann nur um dieses Völkchen dann in vielleicht 4 Wochen mit einem anderen Schwächling zu vereinigen.
    2.) Drohnenmütterchen sind echt schwierig. Der Ralf hat letztens hier so eine Art "Soft-Kunstschwarm" beschrieben. Da wird eine leere Kiste auf die Stelle der alten gestellt. Das Volk kommt ein paar Meter weiter. Sobald ein paar Bienen in der neuen Kiste sind - Kö unter Teigverschluss einhängen. Nach ein paar Tagen den Rest abkehren... Ralf : so richtig?


    Gruß Jörg

  • Schwierig. Solche Völker sind eine Königinnenvernichtungsmaschine, die kann man sicher nur mit einer funktionierenden Einheit beweiseln, also einer Königin mit harmonischem Völkchen. So eine Königin gibt's ja nun nicht und die Zeit läuft.


    Option eins: Neu Königin in einen Mini KS aus Bienen weiselrichtigen Völkern vom anderen Stand in ein Kieler-Kistchen einschlagen, z.B. auf besagte Beute stellen, in einer Woche mit dieser über einen Zwischendeckel mit Spundloch und Zeitung vereinigen. Sobald die Brut im Kieler verdeckelt ist, wegnehmen und ausschmelzen. Vorteil: Ziemlich sicher, geht verhältnismäßig schnell. Nachteil: dauert min. eine Woche bis zum Vereinigen, Drohnenbrütigkeit steht vor der Tür.


    Option zwei: leere Kiste mit neuer Königin im verschlossenen Käfig an die Stelle, wo das Volk stand, Volk in ein paar Metern abfegen, bienenleere Waben zurückhängen, Königin ausfressen lassen. Dabei Absperrgitter vor das Flugloch! Vorteil: geht alles ziemlich fix, ist aber eine häßliche Aktion. Geht nur bei Flugwetter! Ist nicht ganz so sicher wie Option eins, vor Allem, wenn die neue Königin eine längere Reise mit der Post hinter sich hat.


    Wenn die Aktion klappt, nach ein zwei Wochen entweder mit ein zwei Brutwaben oder Bienenmasse verstärken.


    Viel Erfolg, beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Um diese Jahreszeit ist es alles etwas wacklig und extrem stark abhängig von der Witterung.Wir hoffen mal das beste und drücken die Daumen.
    Ralf, Deine Vorgehensweise (Option2) hat ein Imkerkollege vor ich glaube etwa einer Woche praktiziert. Das hat funktioniert! Auch dort schmolz die ehemals sehr grosse Bienenmasse vor sich hin, und tut sie noch, denn die erste Brut braucht noch bis zum Schlupf. Wichtig ist m.E. in dieser Situation, auf einen guten Wärmehaushalt zu achten (Volk so eng wie möglich, mit Boden und Deckelisolierung), Flugloch extrem eng, gute Futterversorgung, heisst mind eine volle Futterwabe plus Fütterung.
    Schön auch ein abgelegener Standort, wg Räuberei und Reinvasion, und bitte das weisellose Volk einmalig mit Milchsäure behandeln. Das ist DIE Chance zur varroaarmen Überwinterung. Wöchentliche, umsichtige Kontrollen. Auch solche Einheiten können gut überwintern. Viel Glück!!!


  • Option zwei: leere Kiste mit neuer Königin im verschlossenen Käfig an die Stelle, wo das Volk stand, Volk in ein paar Metern abfegen, bienenleere Waben zurückhängen, Königin ausfressen lassen. Dabei Absperrgitter vor das Flugloch!


    ... habe ich so gemacht und hat geklappt. Zum Verstärken hole ich noch Bienen von stärkeren Völkern, indem ich die abgeschleuderten Honigräume über Folie und Leerzarge aufsetze (2 - 3 / Volk) und diese dann nach 3 - 4 Tagen auf das Völkchen mit der eingeweiselten Kö über Bienenflucht einlaufen lasse. Dabei werden einerseits die Honigwaben schön gereinigt und reparier,t andererseits bekommt das neue Volk Verstärkung, die jetzt notwendig ist, um ausreichend Winterbienen zu erzeugen.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Hallo
    Wir sollten uns durchaus auch mit -sagen wir es mal- Option 3 anfreunden, wobei ein Blick in den Kalender hilfreich wäre.
    Das Völkchen ist mindestens seit 4, eher seit 6 Wochen weisellos. Die Bienenmasse entsprechend überaltert. Selbst wenn die neue Stockmutter legt wie irre, was sie nicht tun wird (Kalender!),
    schlüpfen die ersten ihrer Nachkommen Anfang Oktober. Bis dahin ist die Altbienenmasse des Volkes so dezimiert, dass das berühmte weinende Häufchen Elend zurück bleibt. Bienen werden über Winter weniger, dass sie sich vermehren, habe ich noch nicht erlebt.
    Selbst wenn die den Winter überstehen, wird es im Frühjahr keine Freude sein, mit diesem Volk in die Saison zu starten.
    Jetzt kommt das Argument: "Ich kann ja von anderen, starken Völkern noch ein paar Waben rüberhängen..."
    Klar, aber nur auf deren Kosten. Die benötigen ihre Bienen ebenfalls, die sind sozusagen auch einzeln gezählt.
    Ganz zu schweigen davon, dass dieses zusammengwürfelte Etwas bis zur Winterruhe nicht mehr zu einer funktionierenden Einheit zusammenfinden werden wird.
    Ich möchte dich nicht demotivieren, Kurt, aber egal was du tust, ich halte es -auch wegen eigender schlechter Erfahrungen - für wichtig, dir das zu sagen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    auflösen halte ich um diese Jahreszeit auch für die bessere Option. Kenn aber das Volk nicht, und die Königin ist ja wohl auch bestellt.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Kein Problem
    Ich möchte hier auch nicht als Quengelbengel agieren, aber es täte mir Leid, wenn ein Anfänger eine große Enttäuschung erlebte, obwohl er hier nachgefragt hatte.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Kein Problem
    Ich möchte hier auch nicht als Quengelbengel agieren, aber es täte mir Leid, wenn ein Anfänger eine große Enttäuschung erlebte, obwohl er hier nachgefragt hatte.


    Hallo Michael und Ralf!


    Kein Quengelbengel oder sowas, sondern ihr sagt einfach nur die Möglichkeiten (Ralf), die es bei so was gibt und der Michael sagt nur die schlicht und ergreifende Wahrheit. Auflösen, was sonst? :wink:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)


  • Option zwei: leere Kiste mit neuer Königin im verschlossenen Käfig an die Stelle, wo das Volk stand, Volk in ein paar Metern abfegen, bienenleere Waben zurückhängen, Königin ausfressen lassen. Dabei Absperrgitter vor das Flugloch! Vorteil: geht alles ziemlich fix, ist aber eine häßliche Aktion. Geht nur bei Flugwetter! Ist nicht ganz so sicher wie Option eins, vor Allem, wenn die neue Königin eine längere Reise mit der Post hinter sich hat.


    Ralf


    Versuche gerade auf diese Weise zunächst die Bienen und die Königin zu erhalten. Danke für Eure offenen Antworten Diese haben allerdings eher bestatigt, was ich befürchtet habe: Es muss schon viel richtig gut gehen, dass dieses Volk noch den Frühling erleben kann. Realistisch gesehen ist das jetzt eher die Reservekönigin für die nächsten Wochen, wenn bei den letzten AS-Behandlungen in den Ablegern bei mir oder meinen Imkerkollegen was schief gehen sollte.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)