Fünf Völker je Quadratkilometer

  • Hallo Frank,
    ich weiß leider nicht, wieviele Völker auf einen km2 kommen, aber das dürften auf jeden Fall mehr als 0,9 sein.
    An einem meiner Bienenstände waren bis vor kurzem in einem Umkreis von 500m 6 Imker mit insgesamt 40 Völker!!
    Jetzt sind es noch 4 Imker mit immer noch 26 Völker. Luftlinie 1km entfernt steht ein Imker mit 60 Völkern!!
    Also kannst du ja mal rechnen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Alloha,
    vielen Dank für die vielen interessanten Antworten.


    Das mit den wilden Völkern hatte ich so wirklich nicht erwartet, da war ich wohl etwas naiv (oder einfach zu jung ;-), oder beides).
    Weiß irgendjemand auch, wann dieser Effekt einsetzte? Seit wann also ein Großteil der Bienen in der Obhut von Imkern lebt?


    In unserem recht großflächigen Stadtgebiet haben wir auf ca. 250 qkm ca. 500 "vereinsorganisierte" Völker, wie auch immer die gezählt werden.
    Da gehört ja auch die Frage dazu, ab wann ein Ableger ein Volk ist, erst nach dem Auswintern?


    Wenn wirklich die Windbestäuber zunehmen, scheint das ja irgendwie auf einen Mangel an Insekten hinzudeuten.
    Die Gründe dafür sind wahrscheinlich nicht nur in der Imkerschaft zu suchen, sondern wohl ganz allgemein in den vorgefundenen Lebensbedingungen für alle Insekten.


    Da würden wir Imker mit unseren Honigbienen nur ein Pflaster auf eine Wunde kleben, die eigentlich anders geheilt gehört.


    Bevor ich dass hier alles gelesen habe, hatte ich auch noch das Gefühl, mit der Bienenhaltung etwas "Gutes" für die Natur zu tun.
    Irgendwer muß ja z.B. die ganzen Früchte bestäuben, die Vögel, Igel und Co dann essen sollen....


    Jetzt gerade im Moment denke ich fast eher, dass man weniger Bienen haben sollte, um den wilden Insekten mehr "übrig" zu lassen.


    Was ich mit dieser neu gewonnenen Erkenntnis jetzt tun soll, weiß ich auch noch nicht...


    Den naturnahen Garten haben wir, aber das ist nur ein halber Hektar....
    Einigermaßen "bewußt" konsumieren wir auch, ebenso erschaffen wir einige Lebensmittel selber, aber das sind Peanuts...


    Und ich labere jeden Landwirt, der es hören will oder nicht, voll mit der Wirkung von Spritzmitteln und Monokulturen.
    Die meisten davon denken wahrscheinlich nachher nur: "laß die mal labern, wenn die Bienen hier hat, habe ich wenigstens guten Raps."


    Was nun, was tun?


    Zuletzt noch eine Frage: weiß denn irgendwer, wieviele Völker je qkm in welchen Volksstärken es "damals" gab, zu Zeidlerei-Zeiten?


    lG
    Astrid

  • Es gibt eine Untersuchung der Uni Bonn, habe jetzt den Link nicht, Aussage war: Konkurrenz wzischen Wild- und Honigbienen bei Pollen ja, bei Nektar eher nicht. Außerdme in Naturschutzgebieten mit besonderen Biotopen wie seltene Trockenrasen oder so, da sollte man den spezialisierten Wildbienen nicht noch Konkurrenz durch Honigbienen machen.
    Ansonsten würde ich dabei bleiben, wir haben eher zu wenig Bienen als zu viele. Müssen ja auch Reserven vorhalten für Verlustjahre.
    Holmi, bei Dir scheint es eine spezielle Situation zu sein...
    Bernhard hatte doch mal die Gesamtzahl der Völker vor dem Zweiten Weltkrieg verglichen mit heute, ich glaube, Rückgang auf ein Viertel?

  • Hallo Leute,
    in diese Zahlen interpretiere ich hinein, dass der erste und zweite Weltkrieg viele Opfer unter den Imkern hatte. Ich sehe die Modernisierung der Imkerei, dann eine Stagnation und einen zweiten Modernisierungsschub in den neuen Ländern nach der Wende. Diese Zahlen an sich erschrecken mich also nicht.
    Viele Grüße
    Wolfgang, den viele andere Dinge erschrecken

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Auch mich erschreckt das nicht.
    Es dürfte wohl wirklich, zu einem großen Teil, an unterschiedlichen Zählformen liegen.
    Die Völker sind heute wohl größer als vor hundert Jahren.
    Nach dem 2. Weltkrieg wurden zum Beispiel Zuckerrationen für die Winterfütterung zugeteilt. Da war jede Königin mit einer halben Wabe voll Untertanen ein Volk.
    Heute werden auf die Völkerzahlen Abgaben und Beiträge berechnet. Das dürften wohl sehr unterschiedliche Zahlen sein.


    Holmis Völkerdichte ist bestimmt eher die Ausnahme, im Vergleich zum restlichen Land.


    Außerdem bezweifele ich, dass die Honigbienen den Wildbienen und anderen Bestäubern die Nahrung wegfuttern.
    Gibts für die einen genug, reicht es auch für die anderen. Und wenn Schmalhans Küchenmeister ist, haben alle daran zu knappsen.
    Wo es das ganze Jahr knapp ist, stellt kein Imker seine Völker hin.

  • Moin, moin,


    ich habe dieses Frühjahr einen neuen Stand eingerichtet: Blaubeerplantage, extensiv und pestizidfrei. 4 ha. Umfeld Moor, Grünland, Standweiden, einige Maisäcker. Das Grünland habe ich mir angesehen: Weißklee, Löwenzahn, Wiesenschaumkraut in Bestandsdichten, die jeweils das Potential zur Aspektbildung hatten. Je nach Richtung soweit das Auge reichte. Nutzung durch eine Herde Fleischrinder, Mutterkühe... Ich hatte Hoffnungen auf eine ordentliche Trachtsituation.


    Die Bänke standen, und auf den Koppeln zeigten sich Treckerspuren...


    Die Zweikeimblättigen zeigten in der Folge Wachstumsstörungen, das Gras verfärbte sich etwas, erholte sich dann wieder. Die Kräuter aber sind raus. Löwenzahn blühte noch mit 5-Centstück großen Körbchen auf verkrümmten Stengeln und verging. In den Lücken kam Welsches Weidelgras auf...


    Es sind nicht nur die fehlenden Blütenbesucher, wenn die Windblütigen begünstigt werden.


    Ein Volk hat da einen ganzen HR geschafft, zweie einen flachen und die anderen den nicht mal ganz...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin Berggeist,


    in der Tabelle, die Beenutzerin da eingestellt hat, ist die mangelbewirtschaftete Nachkriegszeit doch gar nicht erfasst. 1973 konnte man, meiner Erinnerung nach, in der BRD Zucker kaufen, wie man wollte. Wie das in der DDR war, weiß ich nicht.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Ich hatte Hoffnungen auf eine ordentliche Trachtsituation.


    Die Bänke standen, und auf den Koppeln zeigten sich Treckerspuren...


    Die Zweikeimblättigen zeigten in der Folge Wachstumsstörungen, das Gras verfärbte sich etwas, erholte sich dann wieder. Die Kräuter aber sind raus.


    Grausam. So zeigt sich die völlig absurde Agrarpolitik. Wenn der Bauer das nicht tut, wachsen da plötzlich tolle Arten auf seiner Wiese und drei Typen in Gummistiefeln freuen sich wie Bolle über die Wiederansiedlung des XY Krauts. Und der Landwirt kann seine Flächen nicht mehr frei bewirtschaften. So wird es zumindest erzählt. Bayer und Co helfen gerne.


    Hier gibt es in Stadtnähe mehr Bienenstände als es gut wäre. Oder mehr 'Imker', aber zu wenige Bienen. Den Bienenzeitungen und Imkerbedarfsläden wird es recht sein, ob der Imker nun zwei oder dreißig Völker hat, kauft er doch nur ein Abo, einen Stockmeißel, eine Schleuder. Und die Bienen fragt ja keiner.


    Ich bin bei so Zahlen immer skeptisch.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo,


    angeregt durch die Faden habe ich mir mal die Zahlen für unsere Gemeinde gezogen.


    ziemlich genau 40qkm ....


    Beim schnellen durchzählen habe ich 160 Bienenvölker der Imker hierin gezählt
    (Vereins- wie auch bekannte "Schwarz"imker).


    Da ich mir nicht Anmaße alle Bienenhalter im Umkreis von 10km zu kennen (so wie das einige hier immer wieder tun),
    und wir ziemlich viele "Vereinslose" hier haben, kommen wir sicherlich an die, von wem auch immer genannte Quote
    5 Völker/qkm.


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.


  • in der Tabelle, die Beenutzerin da eingestellt hat, ist die mangelbewirtschaftete Nachkriegszeit doch gar nicht erfasst.


    Ich hab auch nicht die direkten Jahreszahlen so ver- bzw. abgeglichen. Ich wollte nur ein Beispiel geben, dass die Zählweise öfter mal gewechselt hat.
    Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass die Angabe der Völkerzahl fast immer gelogen ist. Egal ob man dem Honigkunden oder dem Imkerverband Auskunft gibt. Mal in der einen Richtung, mal in der anderen. Beim einen Imker mehr, beim anderen weniger, je nach Charakter.


    Fragt mich ein Honigkunde nach der Völkerzahl, sag ich meistens: "Weiß ich nicht genau." Und da hab ich noch nicht mal gelogen. Gilt der Ableger jetzt schon als Volk? Die Begattungseinheit? Die wenigsten fragen dann noch weiter. Ich habe keine Lust mir vorrechnen zu lassen, dass ich meine Tresortür schon nicht mehr zu bekommen dürfte. (Ich kann mir nicht mal einen Tresor leisten:roll:) Wobei nur die Einnahmenseite für diese Berechnung herangezogen wird. Ausgaben gibt es in der Imkerei nicht.


    Dr. Liebig "beweist" doch gerade mit seinen Vortragsumfragen, dass es viel mehr Bienenvölker gibt, als offiziell angegeben werden. Es gibt kein Bienensterben.
    Dass auch hier die Datenerfassung erhebliche Mängel aufweist, lassen wir mal unter den Tisch fallen...

  • Wobei wir uns bei zwei Dingen einig sind.
    1. keiner der Schreiber behauptet, dass es kein Bienensterben gibt, auch wenn ihn die Zahlen nicht erschrecken.
    2. muss das Eine mit dem Anderen auch nichts zu tun haben.
    Das Einzige was wirklich sicher ist, ist das Imkersterben. In den nächsten 10 Jahren werden viele Vereine starke Einbußen feststellen. Was nicht an ihrer Existenz nagt, wenn gerade in letzter Zeit, einige neue Imker dazukommen.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der zu bedenken gibt, dass die Anzahl der Völkler / km² in Massentrachtregionen oft noch viel höher ist.

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.


  • Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass die Angabe der Völkerzahl fast immer gelogen ist. Egal ob man dem Honigkunden oder dem Imkerverband Auskunft gibt. Mal in der einen Richtung, mal in der anderen. Beim einen Imker mehr, beim anderen weniger, je nach Charakter.


    So siehts aus!
    Ich frage auch keinen mehr nach seiner Völkerzahl. Das gleiche gilt für die Winterverluste und den Honigertrag.
    Wenn sich beim Lügen wirklich die Balken biegen würden müsste man Gerichtsverfahren und Vereinssitzungen im Freien abhalten.

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Das Einzige was wirklich sicher ist, ist das Imkersterben.


    Glaub ich nicht. Auf jeden alten Imker mit 15+ Völkern der aufgibt kommen hier gefühlt 10 mit ein, zwei Völkern die alles Wissen, wollen und können. Ob das gut oder schlecht oder egal ist, wird sich zeigen.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife