Fünf Völker je Quadratkilometer

  • Alloha,
    eigentlich gehört dieses Thema nicht ganz in die Kategorie "Trachten", sondern eher in "wo unsere Bienen noch so dran rum fummeln". :wink:


    In dem Film "Sie dürfen nicht sterben" (http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=47313&highlight=d%FCrfen+sterben) kommt ein Imker zu Wort, der sinngemäß sagt, dass es fünf Bienenvölkern pro Quadratkilometer bedürfe, um die bestehende Biodiversität aufrecht zu erhalten.


    Anschließend wurde eine Grafik eingeblendet, mit der Zahl der heutzutage in Deutschland existierenden(/gemeldeten?) Völker und der Zahl der Völker vor x Jahrzehnten.


    Dazu zwei Fragen:
    Wurden bei dieser Statistik von vor x Jahren auch wilde Völker mit eingerechnet(/geschätzt)? Oder nur die in den Händen der damals organisierten Imker? Vor der Varroa dürfte das wohl noch einen immensen Unterschied gemacht haben...


    Und wo kommt diese Zahl mit den fünf Völkern her?
    Gibt es dazu irgendetwas Nachlesbares?


    Vielen Dank für jede Info.


    lG
    Astrid

  • Ich kann zwar nichts sagen zu den 5 Völkern, aber da ich schon über 50 Jahre imkere kenn ich mich etwas aus mit wilden Völkern in den ab 60 er Jahren.
    Die Zahlen dazu sind nach meinen Erfahrungen zu vergessen bzw sind unerheblich.
    Der Wildvölkerbestand hat etwa um die 1% des erfassten Bestandes gelegen. Damals wurde noch um jedes Volk gekämpft.
    Bei mir im niederen Erzgebirge gibt es auch wenige Buchen oder andere Laubbaumbestände, die natürliche Höhlen haben.
    Ein Wildvolk habe ich über Jahre im Zwischenboden einer Fabrik beobachten können. Es war aber dann doch weg. Die Trachtbedingungen waren damals auch nicht immer gut und so sind angeschwärmte Völker dann in der Regel Verhungerkanditaten .
    Gruß Peter

  • Hallo Astrid


    wo die Aussage mit den 5 Völkern her kommt weis ich auch nicht. Aber bei einem maximalen Flugradius der Bienen von 5km, kann man grob geschätzt von 20 km2 ausgehen, das wären dann 100 Völker, das wäre meiner Meinung nach, für einige Gegenden zu viel. Gegenden mit sehr guter Tracht können diese Völkerzahl vertragen, wenn man noch Honig ernten will. Ich würde davon ausgehen das 5 Völker auf 1 km2 die Biodiversität aufrecht erhalten, wenn ich auch nicht weis was das ist. Link zum Flugradius: http://www.homecrossing.de/beespace/
    Da ich auch fast so lange imkere wie Peter, kann auch ich sagen das wilde Völker früher keine Rolle gespielt haben, da sie selten den Winter überlebt haben. Es gibt aber auch heute noch Bäume bei uns, die fast jedes Jahr Bienen beherbergen, aber meistens ziehen dort jedes Jahr neue Schwärme ein.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Pro Hektar Obstbaumplantage rechnet man 4 Völker. Aber ich weiß jetzt nicht, wie sich Hektar in km2 umrechnen.
    Wenn die Tracht geringer ist als in einer Obstbaumplantage zur Obstblüte, dann können natürlich nur weniger Völker davon leben.
    Meiner Ansicht nach gibt es bereits "weiße Flecken", wo keine Bienenvölker im Umkreis von 3 km stehen.

  • Das mit der Biodiversität ist wieder mal so ein völlig unreflektierte Luftnummer:
    Was bitte z.B. bedeutet Biodiversität auf einem Maisacker? Der überwiegende Teil der Landflächen in Deutschland kennt so etwas wie eine natürliche Biodiversität nicht. Trotzdem fliegen die Bienen dahin und können dabei dennoch kaum etwas zur Biodiversität beitragen.


    Die Frage, wieviele Bienen eine bestimmte Fläche zur Bestäubung braucht, ist eine ganz andere und wir reden hier ja in der Regel nicht von Naturschutzgebieten.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Pauschalangaben sind mal wieder kritisch zu hinterfragen. Biodiversität in Monokulturen??? Widerspruch in sich. Und auch die Sache mit den Obstplantagen sehe man doch mal so: die Blütezeit aller Obstsorten ist nur recht kurz, im günstigsten Fall zieht sie sich, bedingt durch zeitversetzten Blühbeginn der verschiedenen Sorten, die evtl noch verteilt in einer Plantage stehen, über wenige Wochen hin.
    Ansonsten ist eine solche Nahrungsquelle nach kurzer Zeit abgegrast und muss abgewandert werden.Es sei denn, im Flugradius tun sich neue Trachten auf.
    Ganz allgemein(!) betrachtet, beobachtet man, dass schon über einen längeren Zeitraum die Zahl der Pflanzen zunimmt, die durch Wind oder andere Bestäubungspartner als Insekten verbreitet werden. Das sind die heimlichen Gewinner, die nun eben die Blütenpflanzen verdrängen, da erfolgreicher in der Fortpflanzung. Wir Imker sehen das mit Sorge. Aber das sind regional dermassen unterschiedliche Situationen, dass eben nicht alles über einen Kamm geschoren werden kann, s.o.
    Es gibt Trachtgebiete, die vertragen (oder besser: brauchen) keine Bienen mehr. Und andere, da mangelt es an Völkern.
    Gutes, aktuelles Beispiel aus einem benachbarten Verein: ein etwa 80jähriger Imker, gesundheitlich angeschlagen, möchte seine verbliebenen Völker für wenig Geld veräussern, um das Hobby dranzugeben.
    Laut Aussage unseres vereinseigenen BSV sind die Völker in sehr gutem, vitalem Zustand. Weit und breit um den Standort gibt es keinen anderen, der imkert!!! Null Reinvasion, überdurchschnittliche Honigerträge und Überwinterungsraten sprechen für sich. Wenn dieser Imker es drangibt, wird die umliegende Landschaft sich ganz bestimmt sukzessive verändern. Weil die Bestäuber für Wildpflanzen, Sträucher, Bäume fehlen. Mit allen Konsequenzen, weniger Vogelfutter, weniger vielfältiger Kompost, andere Bodenzusammensetzung usw usf.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Landpomeranze () aus folgendem Grund: schon wieder...gross und klein

  • Hallo Landpomeranze,
    hört sich an als sollte sich jemand finden, der in diese Lücke hineinstößt. Klingt doch alles recht verlockend.
    Was hat übrigens zwei Daumen und kann einen geschriebenen Artikel mit einem Tastendruck löschen - ich.
    Was ich schrieb, wurde schon angesprochen, die Unsinnigkeit der Bemühungen die Biodiversität durch Bienen zu erhöhen in einer Agrarwüste.
    Auch die angeblichen Völkerzahlen Früher und die angeblichen Völkerzahlen Heute sind zu hinterfragen. Davon mal abgesehen, dass die vielen Völker früher gut halb so viele Bienen hatten wie die heutigen Völker.
    Früher gab es Prämien pro Volk, heute sind es Gebühren und Abgaben pro Volk. Früher war man im Verein, die Völker registriert, oder nicht, und Heute ist man im Verein, die Völker registriert, oder nicht.
    Und noch mal auf den Beitrag von Landpomeranze zurückzukommen. Wenn mich einer fragt nach dem Bienensterben neige ich dazu erst mal zu spaßen, dass das Imkersterben für die Imker viel schlimmer ist, vor allem für die Betroffenen :-). Wenn ein Ort oder eine Landschaft plötzlich ohne Bienen ist kommt das nicht immer von PSMs oder Landwirtschaftsindustrie. Manchmal ist einfach nur der Imker gestorben, plötzlich Pendler oder einfach weggezogen.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der sich jetzt konzentriert, den richtigen Knopf zu drücken

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo zusammen,
    schön, wenn es in D noch solche Lücken gibt.
    Ich denke, bei uns in Ba.-Wü. gibt es eher ein zuviel an Völker. Wir haben die höchste "Imkerdichte" von D. Diese Imker halten zwar wenige Völker,
    aber jedes Jahr gibt es Hunderte von Anfänger mit 1-2 Völkern, die ja auch alle einen Stellplatz haben wollen. In unserer Gegend gibt es sehr viele
    Imker und eine kleinstrukturierte Landwirtschaft, durchsetzt mit entweder überdüngten Wiesen, Pferdekoppeln und ein paar Magerrasenstücken.
    Und genau hier liegt das Problem: wir hatten einen sehr trockenen Sommer ab etwa Mitte Mai. Nach der Frühjahrsblüte mussten also Honigbienen
    und Wildbienen sich um das wenige Futterangebot "prügeln". Seit Anfang Juli habe ich meine Bienen gefüttert, die Wildbienen blieben auf der Strecke.
    Wir haben in diesem Jahr nur wenige Wildbienen, bei den Hummeln statt der Vielzahl von Arten, fielen mir nur 2 oder 3 auf. Schmetterlinge gab es
    kaum.
    Da stelle ich mir die Frage, wieviele Bienenvölker verträgt die Natur? Ab wann ist das Gleichgewicht gestört? Denn sie sind nun mal Nahrungskonkurrenten.
    Die meisten Anfänger bei uns wollen "was für die Bienen tun" und beginnen deshalb mit der Imkerei. In der Meinung, die Honigbienen wären sonst
    am Aussterben. Dem ist bei uns garantiert nicht so! Ich antworte denen mittlerweile, dass sie lieber im Garten blühende Flächen schaffen, als sich ein Volk auf den "englischen Rasen" neben den Bambus zu stellen!
    Klingt zwar ketzerisch, aber das sind so meine Gedanken dazu.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hallo Holmi,


    auch mal ein Ansatzpunkt. Weißt du zufällig, wie viele Völker Euer Kreis / Quadratkilometer hat? Wir haben mit die niedrigste in Deutschland. Unser Kreis hat nur 0,9 Völker. Der Nachbarkreis Gütersloh immerhin 3...


    Gruß
    Frank

  • 1 ha = 100 m x 100 m = 10.000 m2


    1 km2 = 1000 m x 1000 m = 1.000.000 m2 = 100 ha


    Geht auch noch anders.


    1 m² = 1m X 1 Meter
    1 a (etwas unbekanntere Einheit) = 10 X 10 Meter
    1 Hekta (Hekt = lt. für Hundert = 100 a) = 100 X 100 Meter
    1 km² = 1000 X 1000 Meter


    Also pro Maßeinheit immer eine Stelle anfügen. So habe ich mir das mal in der Schule gemerkt. Also sind
    1 a = 100 m²
    1 ha = 100 a
    1 km² = 100 ha


    Gruß
    Frank

  • Zur Ergänzung: Die Maßeinheit heißt Ar, a ist das Einheitenzeichen.
    Deswegen heißt das Hektar (r nicht vergessen) so, weil es aus hundert (griech. hekatón) Ar besteht.


    Wolfgang
    (Mal kurz in den Besserwissermodus geschaltet)

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • ...Dazu zwei Fragen:
    Wurden bei dieser Statistik von vor x Jahren auch wilde Völker mit eingerechnet(/geschätzt)? Oder nur die in den Händen der damals organisierten Imker? Vor der Varroa dürfte das wohl noch einen immensen Unterschied gemacht haben...


    Also die wilden Honigbienen-Völker sind wohl schon lange eine zu vernachlässigende Größe. Ich denke dies geht zum einen auf das Konto mangelndes Nahrungsangebot zu bestimmten Jahreszeiten und mangelndes Nistplatzangebot.


    Bei den andern Wildbienen würde ich sagen, dass diese vor x Jahren schon noch mehr am Bestäubungsdienst beteiligt waren und somit heute noch stärker als frühr die Honigbiene herhalten muss


    Bedenkt man, dass schon seit den 60er Jahren im "ALTEN LAND" Geld bezahlt wird, dass Imker überhaupt ihre Bienen aufstellen, so zeigt das doch ganz deutlich, dass es schon länger Gegenden gibt, deren Umfeld für Bienen absolut nicht geeignet sind.


    Varroa hin oder her


    Diese Situation im "ALTEN LAND" geht ja auf etwas zurück, über das viele hier wohl nicht mehr viel wissen


    Und wo kommt diese Zahl mit den fünf Völkern her?
    Gibt es dazu irgendetwas Nachlesbares?


    vielleicht hilft dir das:


    http://www.bestaeubungsimker-d…/pdf/Raps-Artikel-Kem.pdf


    diese beiden Imker in dem Film sind oder waren Rapstrachtimker und dort hat es schon seit langem geheißen dass 5 Völker / ha anzustreben seinen, um einen spürbaren Effekt zu erkennen.

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Zur Ergänzung: Die Maßeinheit heißt Ar, a ist das Einheitenzeichen.
    Deswegen heißt das Hektar (r nicht vergessen) so, weil es aus hundert (griech. hekatón) Ar besteht.


    Hallo Wolfgang,


    das R von Ar habe ich wohl in den knapp 30 Jahren seid dem ich das gelernt habe vergessen. Gut, dass du es mir Nachgereicht hast. Wieder was hier im Forum gelernt :daumen:

    12er Dadant, Buckfast

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